Losartan und Grapefruit: sicher oder riskant?
Kurzfassung
- Losartan wird überwiegend über die Enzyme CYP3A4 und CYP2C9 in seinen aktiven Metaboliten E-3174 umgewandelt; Grapefruit hemmt das intestinale CYP3A4 und könnte diese Umwandlung theoretisch verringern – mit der Folge einer reduzierten Wirksamkeit [7].
- Anders als bei vielen CYP3A4-Substraten, bei denen Grapefruit die Blutspiegel und damit das Toxizitätsrisiko erhöht, kann die Interaktion zwischen Losartan und Grapefruit paradoxerweise eher die Wirkung abschwächen als verstärken [VERIFY].
- Die klinische Bedeutung wird insgesamt als gering eingestuft; Patientinnen und Patienten, deren Blutdruck allein mit Losartan kontrolliert wird, sollten den Konsum von Grapefruit dennoch mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt besprechen [7].
Grapefruit hat in pharmazeutischen Kreisen einen geradezu legendären Ruf – und das aus gutem Grund. Die Frucht und ihr Saft enthalten Furanocumarine, die das Cytochrom-P450-Enzym 3A4 (CYP3A4) in der Dünndarmwand irreversibel hemmen und dadurch die Bioverfügbarkeit Dutzender Arzneimittel deutlich verändern können [VERIFY]. Wenn Patientinnen und Patienten beim Abholen ihres Losartan-Rezeptes (Cozaar) auf dem Beipackzettel oder der Apothekeninformation einen „Grapefruit-Hinweis" entdecken, ist die Frage naheliegend: Macht Grapefruit Losartan gefährlich – oder wird die Interaktion überbewertet? Die Antwort ist nuancierter als ein einfaches Ja oder Nein. Dieser Beitrag erläutert die pharmakokinetischen Grundlagen, fasst die Evidenz zusammen und gibt praktische Hinweise für Behandelnde und Behandelte.
Wie Losartan wirkt und warum der Stoffwechsel entscheidend ist
Losartan war der erste oral verfügbare Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARB, „Sartan") ohne agonistische Eigenschaften [7]. Zugelassen ist die Substanz zur Behandlung der arteriellen Hypertonie, der diabetischen Nephropathie bei Typ-2-Diabetes sowie zur Reduktion des Schlaganfallrisikos bei Patientinnen und Patienten mit linksventrikulärer Hypertrophie [VERIFY]. Losartan blockiert selektiv den Angiotensin-II-Typ-1-Rezeptor (AT₁) und verhindert so die vasokonstriktorische sowie aldosteronfreisetzende Wirkung von Angiotensin II. Das Ergebnis ist eine Gefäßerweiterung und eine Senkung des Blutdrucks.
Pharmakologisch besonders an Losartan ist, dass es als Prodrug fungiert. Nach oraler Gabe wird es rasch resorbiert und erreicht innerhalb von ein bis zwei Stunden seine maximale Plasmakonzentration [7]. Etwa 14 % einer oralen Dosis werden anschließend in den pharmakologisch aktiven Carbonsäuremetaboliten E-3174 (auch EXP 3174 genannt) umgewandelt [7]. Dieser Metabolit ist am AT₁-Rezeptor zehn- bis vierzigmal potenter als die Muttersubstanz, und seine terminale Halbwertszeit beträgt geschätzt sechs bis neun Stunden – deutlich länger als die rund zwei Stunden von Losartan selbst [7].
Die für diese Biotransformation verantwortlichen Enzyme sind der Schlüssel zur Grapefruit-Frage. Der wichtigste Stoffwechselweg von Losartan verläuft über die Cytochrom-P450-Isoenzyme CYP3A4, CYP2C9 und CYP2C10 [7]. CYP2C9 gilt als Hauptkatalysator der Oxidation von Losartan zu E-3174, doch auch CYP3A4 trägt relevant zu dieser Umwandlung bei [7]. Jede Substanz, die einen oder beide Stoffwechselwege hemmt, kann theoretisch das Verhältnis von Muttersubstanz zu aktivem Metaboliten verschieben – und genau hier kommt die Grapefruit ins Spiel.
Grapefruit und CYP3A4: der pharmakologische Mechanismus
Grapefruit, Sevilla- bzw. Bitterorangen, Pomelos und einige Limettensorten enthalten Furanocumarine – allen voran 6′,7′-Dihydroxybergamottin (DHB) und Bergamottin [VERIFY]. Diese Verbindungen gehen eine kovalente, irreversible Bindung mit dem CYP3A4-Enzym in den Enterozyten (den absorbierenden Zellen der Dünndarmschleimhaut) ein. Da es sich um eine mechanismusbasierte Hemmung handelt (auch „Suizidinhibition" genannt), kann bereits ein einziges Glas Grapefruitsaft die intestinale CYP3A4-Aktivität für 24 bis 72 Stunden unterdrücken – so lange, bis der Körper neues Enzymprotein synthetisiert hat [VERIFY].
Die klinischen Folgen hängen vom jeweiligen Arzneimittel ab:
- Arzneistoffe, die CYP3A4-Substrate sind und selbst pharmakologisch aktiv (z. B. Felodipin, Simvastatin, Ciclosporin), zeigen unter Grapefruiteinfluss deutlich erhöhte Plasmaspiegel, weil ihr First-Pass-Stoffwechsel blockiert wird. Dadurch steigt das Risiko dosisabhängiger Nebenwirkungen – mitunter erheblich [VERIFY].
- Prodrugs, die zur Aktivierung CYP3A4 benötigen, zeigen das umgekehrte Bild. Wird das Enzym gehemmt, das für die Bildung des aktiven Metaboliten zuständig ist, entsteht weniger Wirkstoff, und die Wirksamkeit kann nachlassen [VERIFY].
Losartan nimmt eine Sonderstellung ein. Es ist teilweise ein Prodrug (es benötigt die CYP3A4-/CYP2C9-vermittelte Umwandlung zu E-3174 für seine volle Potenz), die Muttersubstanz selbst besitzt aber ebenfalls eine gewisse AT₁-blockierende Aktivität. Eine grapefruitvermittelte Hemmung des intestinalen CYP3A4 könnte daher die Bildung des potenteren E-3174-Metaboliten verringern, ohne zwangsläufig einen toxischen Anstieg der Muttersubstanz hervorzurufen [7].
Losartan und Grapefruit: was sagt die Evidenz?
Direkte, groß angelegte klinische Studien zu Grapefruitsaft und Losartan sind rar. Vieles stammt aus pharmakokinetischen Cross-over-Studien mit kleinen Fallzahlen sowie aus der Extrapolation allgemeiner CYP3A4-Hemmdaten [VERIFY]. Die vorhandene Evidenz lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Pharmakokinetische Befunde. In kleinen Cross-over-Studien war die gleichzeitige Gabe von Grapefruitsaft und Losartan mit niedrigeren Plasmaspiegeln von E-3174 und in einigen Berichten mit moderat erhöhten Spiegeln der Muttersubstanz Losartan assoziiert [VERIFY]. Da E-3174 am AT₁-Rezeptor zehn- bis vierzigmal potenter ist als Losartan, ist die Abnahme der E-3174-Bildung klinisch bedeutsamer als eine proportionale Zunahme der Muttersubstanzkonzentration [7].
Klinische Relevanz. Regulatorische Behörden, darunter die FDA (USA; DACH: BfArM/AGES/Swissmedic, EMA), stufen die Wechselwirkung zwischen Losartan und Grapefruit verglichen mit Hochrisiko-Interaktionen – etwa bei Simvastatin oder bestimmten Calciumantagonisten – als klinisch wenig bedeutsam ein [VERIFY]. Die Pharmakokinetik von Losartan und E-3174 verläuft linear und dosisproportional, und Losartan zeichnet sich insgesamt durch ein günstiges Interaktionsprofil aus [7]. Dennoch sind interindividuelle Unterschiede ausgeprägt: Bei CYP2C9-Slow-Metabolizern ist CYP3A4 für die E-3174-Bildung anteilig wichtiger, sodass der Einfluss von Grapefruit in dieser Gruppe stärker ausfallen kann [VERIFY].
Praxisrelevanz. Die meisten Hypertonie-Leitlinien (ESC/ESH, AWMF, NICE NG136) konzentrieren sich auf das Erreichen eines Zielblutdrucks und nicht auf die Meidung einzelner Lebensmittel [VERIFY]. Es gibt keine publizierten Fallberichte über schwerwiegende klinische Ereignisse (hypertensive Krise, Schlaganfall, Endorganschäden), die allein dem Grapefruitkonsum bei einer Losartantherapie zuzuschreiben wären [VERIFY]. Diese fehlende Evidenz ist zwar kein Sicherheitsbeweis, stützt aber die Einschätzung, dass die Interaktion für die meisten Patientinnen und Patienten nicht katastrophal verlaufen dürfte.
Losartan im Vergleich mit anderen Sartanen: Grapefruit-Empfindlichkeit auf einen Blick
Nicht alle Sartane werden über CYP3A4 verstoffwechselt, und nicht alle sind Prodrugs. Die folgende Tabelle vergleicht das Grapefruit-Interaktionspotenzial der gängigen Vertreter.
| Sartan (INN) | Prodrug? | Wichtigster CYP-Stoffwechselweg | Grapefruit-Interaktionsrisiko | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|
| Losartan | Ja (→ E-3174) | CYP2C9, CYP3A4 [7] | Niedrig–mäßig | Bildung des aktiven Metaboliten kann sinken |
| Valsartan | Nein | Minimaler CYP-Stoffwechsel | Vernachlässigbar | Wird weitgehend unverändert ausgeschieden [VERIFY] |
| Irbesartan | Nein | CYP2C9 | Vernachlässigbar | CYP3A4 spielt nur eine geringe Rolle [VERIFY] |
| Candesartan | Ja (Candesartancilexetil) | Esterhydrolyse, dann CYP2C9 | Vernachlässigbar | Aktivierung über Esterasen, nicht CYP3A4 [VERIFY] |
| Telmisartan | Nein | Glucuronidierung (UGT) | Vernachlässigbar | Kein CYP-Substrat [VERIFY] |
| Olmesartan | Ja (Olmesartanmedoxomil) | Esterhydrolyse | Vernachlässigbar | Aktivierung über Esterasen [VERIFY] |
| Azilsartan | Ja (Azilsartanmedoxomil) | CYP2C9 | Vernachlässigbar | Minimaler CYP3A4-Anteil [VERIFY] |
Der Vergleich zeigt: Losartan ist das ARB mit der größten Empfindlichkeit gegenüber Grapefruit, und zwar aufgrund seines dualen CYP3A4-/CYP2C9-Stoffwechsels und seiner Abhängigkeit von E-3174 für den überwiegenden Teil der pharmakologischen Wirkung [7]. Wer regelmäßig größere Mengen Grapefruit konsumiert und mit Losartan allein keinen Zielblutdruck erreicht, sollte mit der verordnenden Ärztin oder dem Arzt einen Wechsel auf ein Sartan ohne nennenswerte CYP3A4-Beteiligung erwägen.
Nebenwirkungen von Losartan und Grapefruit-bezogene Sicherheitsaspekte
Die folgende Tabelle listet die häufigsten unerwünschten Wirkungen von Losartan, deren ungefähre Häufigkeit und das empfohlene Vorgehen auf. Die letzte Zeile greift das Grapefruit-spezifische Thema auf.
| Unerwünschte Wirkung | Ungefähre Häufigkeit | Empfohlenes Vorgehen |
|---|---|---|
| Schwindel/Benommenheit | 2–4 % [VERIFY] | Blutdruck kontrollieren; langsam aus dem Sitzen aufstehen |
| Hyperkaliämie (K⁺ > 5,5 mmol/l) | 1–5 %, höher bei Niereninsuffizienz [VERIFY] | Serum-Kalium regelmäßig prüfen; Kaliumpräparate nur nach ärztlicher Rücksprache |
| Müdigkeit | 1–3 % [VERIFY] | Meist vorübergehend; bei Persistenz neu bewerten |
| Symptomatische Hypotonie | < 1 % bei unkomplizierter Hypertonie [VERIFY] | Dosis reduzieren oder pausieren bei systolisch < 90 mmHg |
| Angioödem | Selten (< 0,1 %) [VERIFY] | Sofort absetzen; notärztliche Versorgung |
| Verschlechterung der Nierenfunktion | Variabel, dosisabhängig bei Risikopatienten [VERIFY] | Serumkreatinin und eGFR zu Beginn und im Verlauf kontrollieren |
| Husten | ≈ 1 %, deutlich seltener als unter ACE-Hemmern [VERIFY] | Bei Unverträglichkeit Wirkstoff wechseln |
| Wirksamkeitsverlust durch Grapefruit | Unbekannte Häufigkeit; vermutlich selten | Grapefruit auf kleine, seltene Portionen begrenzen; Blutdruck bei regelmäßigem Konsum erneut prüfen [7] |
Warnzeichen — bei diesen Symptomen sofort ärztliche Hilfe suchen:
- Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Rachen (Angioödem)
- Starker Schwindel oder Synkope
- Deutlich verminderte Urinausscheidung
- Herzrhythmusstörungen oder Muskelschwäche (Hinweis auf gefährliche Hyperkaliämie)
- Anzeichen einer allergischen Reaktion (Hautausschlag, Quaddeln, Atemnot)
Warnhinweis Schwangerschaft: Losartan ist – wie alle Sartane und ACE-Hemmer – in der Schwangerschaft kontraindiziert. Im zweiten und dritten Trimenon kann es zu Nierenagenesie des Fetus, Oligohydramnion und intrauterinem Fruchttod kommen (FDA-Black-Box-Warnung; Leitlinien der DGGG) [7] [VERIFY]. Frauen im gebärfähigen Alter sollten zuverlässig verhüten und Losartan sofort absetzen, sobald eine Schwangerschaft bestätigt ist. Aktuelle, individuelle Beratung bietet Embryotox: www.embryotox.de.
Besondere Patientengruppen und klinische Hinweise
CYP2C9-Slow-Metabolizer
Schätzungsweise 1–3 % der Mitteleuropäerinnen und Mitteleuropäer sowie ein geringerer Anteil afrikanischer und asiatischer Bevölkerungsgruppen tragen CYP2C9-Funktionsverlust-Allele (*2, *3), die die E-3174-Bildung deutlich verringern [VERIFY]. Bei diesen Personen wird CYP3A4 anteilig wichtiger für die Bildung des aktiven Metaboliten. Die zusätzliche Gabe eines potenten CYP3A4-Inhibitors – sei es Grapefruit oder ein Arzneistoff wie Ketoconazol – kann daher stärkere Auswirkungen auf die Blutdruckkontrolle haben [7]. Eine pharmakogenetische Testung erfolgt vor einer Losartan-Verordnung nicht routinemäßig; bei unerwartet schwachem Ansprechen sollte ein CYP2C9-Polymorphismus jedoch differenzialdiagnostisch erwogen werden.
Patientinnen und Patienten mit Leberfunktionsstörung
Losartan unterliegt einem ausgeprägten First-Pass-Metabolismus in der Leber. Bei leichter Leberfunktionsstörung können die Plasmaspiegel von Losartan und E-3174 erhöht sein, sodass eine Dosisreduktion in der Regel empfohlen wird [7]. Grapefruitsaft würde diese Konstellation zusätzlich verkomplizieren – entweder durch erhöhte Bioverfügbarkeit der Muttersubstanz oder durch verminderte hepatische E-3174-Bildung. Bei Lebererkrankung ist der vorsichtige Verzicht auf regelmäßigen Grapefruitkonsum während der Losartantherapie geboten.
Niereninsuffizienz
Bei verschiedenen Stadien der Niereninsuffizienz ist keine Dosisanpassung erforderlich; weder Losartan noch E-3174 sind hämodialysierbar [7]. Grapefruit beeinflusst die renale Clearance nicht, sodass das Interaktionsproblem auf den metabolischen (CYP-)Weg beschränkt bleibt.
Ältere Patientinnen und Patienten
Das Alter hat keinen klinisch relevanten Einfluss auf die Pharmakokinetik von Losartan [7]. Allerdings nehmen ältere Menschen oft mehrere Arzneimittel ein, und Polypharmazie erhöht die Wahrscheinlichkeit additiver CYP3A4-Hemmung aus anderen Quellen (z. B. Diltiazem, Amiodaron, bestimmte Makrolid-Antibiotika). In dieser Gruppe lohnt sich eine systematische Überprüfung aller potenziellen CYP3A4-Inhibitoren – nicht nur die Fokussierung auf Grapefruit.
Kinder und Jugendliche
Losartan ist in mehreren Ländern für Kinder ab sechs Jahren zur Behandlung der Hypertonie zugelassen [VERIFY]. Belastbare Daten zu Grapefruit-Interaktionen bei Kindern fehlen praktisch vollständig. Da der Konsum großer Mengen Grapefruitsaft in dieser Altersgruppe ohnehin selten ist, bleibt das Risiko gering; bei unerwartet schwankenden Blutdruckwerten sollte die Zitrusaufnahme aber gezielt erfragt werden.
Praktischer Dosierungshinweis
Die empfohlene Anfangsdosis von Losartan beträgt für die meisten Erwachsenen 50 mg einmal täglich und kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden [7]. „Unabhängig von den Mahlzeiten" bezieht sich dabei auf normale Speisen – nicht ausdrücklich auf Grapefruit. Wer auf Grapefruit nicht verzichten möchte, kann folgende Strategien erwägen:
- Zeitlichen Abstand von mindestens vier Stunden einhalten. Das senkt zwar die akute Spitzenbelastung an Furanocumarinen, eliminiert die Interaktion aber nicht vollständig, da die Grapefruit-Wirkung auf CYP3A4 bis zu 72 Stunden anhält [VERIFY].
- Menge begrenzen. Eine halbe Grapefruit oder 200 ml (≈ 1 großes Glas) Saft ein- bis zweimal pro Woche dürfte bei den meisten Patientinnen und Patienten keine klinisch relevante Verringerung der E-3174-Bildung verursachen [VERIFY].
- Blutdruck selbst messen. Die Selbstmessung mit einem validierten Heim-Blutdruckmessgerät ist die zuverlässigste Methode, einen Wirksamkeitsverlust frühzeitig zu erkennen.
- Alternatives Sartan erwägen. Wer täglich Grapefruit verzehrt und keinen Zielblutdruck erreicht, kann durch einen Wechsel auf Valsartan, Telmisartan oder Olmesartan die CYP3A4-Variable vollständig ausschalten.
Anmerkung aus der Onkologie
In jüngerer Forschung wurde Losartan auch in onkologischen Settings in deutlich höheren als antihypertensiven Dosen untersucht. So zeigte eine Studie zum metastasierten Osteosarkom bei Hunden, dass Losartan die Monozytenrekrutierung über die Blockade der CCL2-CCR2-Achse unterdrückt – wobei für relevante pharmakodynamische Effekte auf die Monozytenmigration die zehnfache Dosis der üblichen antihypertensiven Dosierung nötig war [8]. Diese Forschung ist präklinisch und veterinärmedizinisch, sie unterstreicht aber, dass die Biologie von Losartan weit über die Blutdrucksenkung hinausreicht – und dass dosisabhängige Stoffwechselinteraktionen (einschließlich der mit Grapefruit) in künftigen therapeutischen Kontexten eine andere Bedeutung gewinnen könnten [8].
FAQ
F1: Darf ich Grapefruit essen, wenn ich Losartan einnehme? A1: Bei den meisten Patientinnen und Patienten ist ein gelegentlicher, moderater Konsum (eine halbe Frucht oder ein kleines Glas Saft ein- bis zweimal pro Woche) unbedenklich. Anders als bei Substanzen wie Simvastatin, bei denen Grapefruit toxische Wirkstoffspiegel verursachen kann, verringert Grapefruit hier eher die Bildung des potenten aktiven Metaboliten E-3174 und damit potenziell die Wirksamkeit – statt eine Vergiftung auszulösen [7]. Wer jedoch täglich oder in großen Mengen Grapefruit konsumiert, sollte dies mit der verordnenden Ärztin oder dem Arzt besprechen, insbesondere wenn der Blutdruck nicht gut eingestellt ist.
F2: Macht Grapefruit Losartan gefährlicher oder weniger wirksam? A2: Vor allem weniger wirksam, nicht gefährlicher. Grapefruit hemmt das Enzym CYP3A4, das an der Umwandlung von Losartan in den potenteren Metaboliten E-3174 beteiligt ist [7]. Da die Muttersubstanz selbst eine gewisse rezeptorblockierende Wirkung behält, wird das Medikament nicht völlig unwirksam, der antihypertensive Gesamteffekt kann jedoch abnehmen. Das ist das genaue Gegenteil des „klassischen" Grapefruit-Risikos bei Statinen oder Calciumantagonisten, bei denen die Wirkstoffspiegel sprunghaft ansteigen [VERIFY].
F3: Sind andere Zitrusfrüchte ebenfalls problematisch? A3: Die wichtigsten Quellen einer CYP3A4-Hemmung sind Grapefruit, Sevilla- bzw. Bitterorangen, Pomelos und Tangelos. Gewöhnliche (süße) Orangen, Zitronen, Limetten (Persische/Tahiti-Limette) und Mandarinen enthalten nur vernachlässigbare Mengen der relevanten Furanocumarine und sind im Hinblick auf Losartan unbedenklich [VERIFY]. Bei Unsicherheit zu einer bestimmten Zitrussorte hilft eine kurze Rückfrage in der Apotheke.
F4: Ich trinke seit Jahren täglich Grapefruitsaft und nehme dabei Losartan. Soll ich aufhören? A4: Setzen Sie die Gewohnheit nicht abrupt und ohne ärztliche Rücksprache um. Wenn Ihr Blutdruck in dieser Zeit am Zielwert war, ist die Interaktion in Ihrem individuellen Fall möglicherweise klinisch nicht relevant – die CYP-Enzymaktivität variiert stark zwischen Personen. Erwähnen Sie Ihren Grapefruitkonsum dennoch beim nächsten Arzttermin. Eventuell empfiehlt sich eine Blutdruckkontrolle nach einer ein- bis zweiwöchigen Grapefruit-Karenz, um zu beurteilen, ob die Dosis angepasst oder ein anderes Sartan bevorzugt werden sollte.
F5: Auf meinem Apothekenhinweis steht „Grapefruit meiden". Ist das übertrieben? A5: Nein, der Hinweis spiegelt eine reale pharmakokinetische Wechselwirkung wider. Apothekenwarnungen sind bewusst konservativ formuliert: Sie melden jede Interaktion mit plausiblem Mechanismus, unabhängig davon, ob die klinische Tragweite groß oder gering ist. Im Fall von Losartan ist die Interaktion real, wird aber für die meisten Patientinnen und Patienten als klinisch wenig bedeutsam eingestuft [7]. Sehen Sie den Hinweis als gelbes Warnsignal, nicht als rotes Stoppschild. Am sichersten fahren Sie mit Maßhalten und offener Kommunikation mit Ihrem Behandlungsteam.
Literatur
[7] Sica DA, Gehr TW, Ghosh S. Clinical pharmacokinetics (2005). PMID:16029066. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16029066
[8] Regan DP, Chow L, Das S. Clinical cancer research (2022). PMID:34580111. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34580111
[VERIFY-1] Bailey DG, Dresser G, Arnold JM. Grapefruit–medication interactions: forbidden fruit or avoidable consequences? CMAJ (2013). Allgemeine Referenz zum Furanocumarin-CYP3A4-Mechanismus.
[VERIFY-2] FDA Drug Development and Drug Interactions Table of Substrates, Inhibitors and Inducers. U.S. Food and Drug Administration. Allgemeine Referenz zur Klassifikation von CYP-Substraten.
[VERIFY-3] Sakaeda T, Nakamura T, Okumura K. Pharmacogenetics of drug transporters and its impact on the pharmacotherapy. Current Topics in Medicinal Chemistry (2004). Allgemeine Referenz zur Prävalenz von CYP2C9-Polymorphismen.
Über den Autor
Dr. Stanislav Ozarchuk, PharmD, verfügt über 15 Jahre klinische Erfahrung in der Apotheke. Er schreibt für PillsCard.com, die internationale Arzneimittelenzyklopädie, mit besonderem Schwerpunkt auf kardiovaskulärer Pharmakotherapie, Arzneimittelinteraktionen und evidenzbasierter Patientenberatung.
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