Ozempic vs. Mounjaro zur Gewichtsreduktion: Dosierung & Ergebnisse
Zusammenfassung
- Sowohl Semaglutid (Ozempic/Wegovy) als auch Tirzepatid (Mounjaro/Zepbound) sind injizierbare, GLP-1-basierte Therapien zur Gewichtskontrolle, wirken jedoch über unterschiedliche Mechanismen.
- In klinischen Studien erzielte Tirzepatid eine größere durchschnittliche Gewichtsreduktion (~20–21 % bei höchster Dosis) als Semaglutid (~15 % bei der zur Gewichtsreduktion zugelassenen Dosis).
- Tirzepatid ist ein dualer GIP/GLP-1-Rezeptoragonist; Semaglutid wirkt nur am GLP-1-Rezeptor.
- Gastrointestinale Nebenwirkungen — Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Obstipation — sind die häufigsten unerwünschten Ereignisse beider Wirkstoffe und meist nur während der Dosistitration relevant.
- Die Selbstzahlerkosten sind hoch (in DACH ca. 250–350 € pro Monat); die Kostenübernahme durch die Krankenkasse variiert je nach Indikation und Tarif.
Was sind diese Wirkstoffe und wie wirken sie?
Wenn Patientinnen, Patienten und ärztliches Personal über Ozempic vs. Mounjaro zur Gewichtsreduktion sprechen, vergleichen sie zwei subkutan injizierbare Peptide aus der Klasse der inkretinbasierten Therapien — mit einer wichtigen pharmakologischen Unterscheidung.
Semaglutid ist ein Glucagon-like-Peptide-1 (GLP-1)-Rezeptoragonist. Es ahmt das endogene Inkretinhormon GLP-1 nach, das nach den Mahlzeiten von intestinalen L-Zellen freigesetzt wird. Durch Aktivierung der GLP-1-Rezeptoren in Pankreas, Darm und ZNS verstärkt Semaglutid die glukoseabhängige Insulinsekretion, supprimiert Glukagon, verzögert die Magenentleerung und — entscheidend für die Gewichtskontrolle — reduziert den Appetit über hypothalamische Signalwege. Semaglutid ist als Ozempic (Dosierungen 0,25 / 0,5 / 1 / 2 mg für Typ-2-Diabetes) und als Wegovy (0,25 bis 2,4 mg zur chronischen Gewichtskontrolle) im Handel.
Tirzepatid ist ein dualer Agonist am glukoseabhängigen insulinotropen Polypeptid (GIP)-Rezeptor und am GLP-1-Rezeptor — der erste zugelassene Wirkstoff dieser Klasse. Durch die gleichzeitige Aktivierung beider Inkretin-Signalwege erzielt Tirzepatid additive bzw. synergistische Effekte auf Insulinsekretion, Glukagonregulation, Appetitsuppression und Energieverbrauch. Es ist als Mounjaro (Typ-2-Diabetes) und als Zepbound (chronische Gewichtskontrolle) im Handel, in Dosierungen von 2,5 mg bis 15 mg.
Der duale Wirkmechanismus von Tirzepatid wird allgemein als Erklärung für seine generell stärkere Wirksamkeit sowohl bei der Blutzuckerkontrolle als auch bei der Gewichtsreduktion angesehen, wobei der genaue Beitrag der GIP-Rezeptor-Aktivierung weiterhin Gegenstand der Forschung ist.
Klinische Evidenz: STEP- vs. SURMOUNT-Studien
Die Evidenzbasis für Semaglutid vs. Tirzepatid in der Gewichtskontrolle stützt sich primär auf zwei wegweisende Studienprogramme: STEP (Semaglutide Treatment Effect in People with Obesity) und SURMOUNT (für Tirzepatid). Eine direkte Head-to-Head-Studie zur Gewichtsreduktion bei nicht-diabetischer Adipositas in den jeweils zugelassenen Höchstdosen liegt nicht vor — die Studiendaten erlauben jedoch einen sinnvollen indirekten GLP-1-Vergleich.
Semaglutid — STEP-Programm (wichtigste Ergebnisse)
Das STEP-Programm schloss Erwachsene mit Adipositas (BMI ≥30 kg/m²) oder Übergewicht (BMI ≥27 kg/m²) mit mindestens einer gewichtsbedingten Komorbidität ein. Alle Teilnehmenden erhielten parallel eine Lebensstilintervention.
- STEP 1 (n = 1 961): Semaglutid 2,4 mg einmal wöchentlich erzielte eine mittlere Körpergewichtsreduktion von –14,9 % vs. –2,4 % unter Placebo nach 68 Wochen. Etwa ein Drittel der Teilnehmenden verlor ≥20 % des Körpergewichts.
- STEP 2 (n = 1 210, Teilnehmende mit Typ-2-Diabetes): mittlere Gewichtsreduktion –9,6 % unter Semaglutid 2,4 mg vs. –3,4 % unter Placebo nach 68 Wochen — geringere Magnitude, im Einklang mit der bekannten abgeschwächten Gewichtsreduktion bei Diabetikerinnen und Diabetikern.
- STEP 5 (n = 304): Über einen längeren Behandlungszeitraum von 104 Wochen erreichte Semaglutid 2,4 mg eine anhaltende mittlere Gewichtsreduktion von –15,2 % und zeigte damit Dauerhaftigkeit des Effekts.
Tirzepatid — SURMOUNT-Programm (wichtigste Ergebnisse)
Die SURMOUNT-Studien schlossen eine vergleichbare Population mit ähnlichen Einschlusskriterien ein.
- SURMOUNT-1 (n = 2 539): Tirzepatid 5 / 10 / 15 mg erreichte mittlere Gewichtsreduktionen von –15,0 %, –19,5 % bzw. –20,9 % vs. –3,1 % unter Placebo nach 72 Wochen. Über die Hälfte der Teilnehmenden unter 15 mg verlor ≥20 % des Körpergewichts.
- SURMOUNT-2 (n = 938, Typ-2-Diabetes): mittlere Gewichtsreduktion –12,8 % (10 mg) bzw. –14,7 % (15 mg) vs. –3,2 % unter Placebo — deutlich mehr als unter Semaglutid in einer vergleichbaren diabetischen Population.
- SURMOUNT-4 (n = 670): zeigte, dass nach Absetzen ein Gewichtsanstieg auftritt — Teilnehmende, die nach 36 Wochen von Tirzepatid auf Placebo wechselten, gewannen über die folgenden 52 Wochen etwa die Hälfte des verlorenen Gewichts zurück. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer dauerhaften Therapie.
Vergleichstabelle Gewichtsreduktion
| Endpunkt | Semaglutid 2,4 mg (STEP 1) | Tirzepatid 5 mg (SURMOUNT-1) | Tirzepatid 10 mg (SURMOUNT-1) | Tirzepatid 15 mg (SURMOUNT-1) |
|---|---|---|---|---|
| Studiendauer | 68 Wochen | 72 Wochen | 72 Wochen | 72 Wochen |
| Mittlere Gewichtsreduktion (%) | –14,9 % | –15,0 % | –19,5 % | –20,9 % |
| Mittlere Gewichtsreduktion (kg) | –15,3 kg | –16,1 kg | –22,2 kg | –23,6 kg |
| ≥5 % Gewichtsreduktion | ~86 % | ~85 % | ~89 % | ~91 % |
| ≥10 % Gewichtsreduktion | ~70 % | ~66 % | ~79 % | ~84 % |
| ≥20 % Gewichtsreduktion | ~32 % | ~30 % | ~46 % | ~57 % |
| Placebo-Gewichtsreduktion | –2,4 % | –3,1 % | –3,1 % | –3,1 % |
Zentrale Botschaft: Bei der niedrigsten Tirzepatid-Dosis (5 mg) ist die Gewichtsreduktion ähnlich wie unter Semaglutid 2,4 mg. Bei mittleren und hohen Tirzepatid-Dosen (10–15 mg) ist die Reduktion erheblich stärker — durchschnittlich 5–6 Prozentpunkte mehr. Da es sich um Vergleiche zwischen unterschiedlichen Studien handelt, sollte die Interpretation mit Vorsicht erfolgen; Patientenpopulationen, BMI zu Studienbeginn und Lebensstilinterventionen waren nicht identisch.
HbA1c-Reduktion bei Typ-2-Diabetes
Bei Patientinnen und Patienten mit komorbidem Typ-2-Diabetes ist die glykämische Wirksamkeit neben der Gewichtsreduktion entscheidend. In der SURPASS-2-Studie zeigte Tirzepatid HbA1c-Senkungen von –2,0 % (5 mg), –2,2 % (10 mg) bzw. –2,3 % (15 mg) vs. –1,9 % unter Semaglutid 1 mg nach 40 Wochen. Dies ist die einzige abgeschlossene Head-to-Head-Studie zwischen den beiden Substanzen — verwendet wurde jedoch die Diabetesdosis von Semaglutid (1 mg), nicht die Gewichtsreduktionsdosis (2,4 mg).
Dosierungsschemata und Titration
Beide Wirkstoffe werden einmal wöchentlich subkutan injiziert, üblicherweise in Bauch, Oberschenkel oder Oberarm. Eine langsame Dosistitration ist essentiell, um gastrointestinale Nebenwirkungen zu minimieren. Das Verständnis des Mounjaro-Dosierungsschemas im Vergleich zum Ozempic-Schema ist sowohl für Patienten als auch für Verschreibende relevant.
Titrationstabelle
| Woche | Semaglutid (Ozempic) | Semaglutid (Wegovy) | Tirzepatid (Mounjaro/Zepbound) |
|---|---|---|---|
| Wochen 1–4 | 0,25 mg | 0,25 mg | 2,5 mg |
| Wochen 5–8 | 0,5 mg | 0,5 mg | 5 mg |
| Wochen 9–12 | Erhalt oder ↑ auf 1 mg | 1 mg | 7,5 mg |
| Wochen 13–16 | 1 mg (max bei Diabetes) oder ↑ auf 2 mg | 1,7 mg | 10 mg |
| Wochen 17–20 | 2 mg (max) | 2,4 mg (Erhalt) | 12,5 mg |
| Ab Woche 21 | — | — | 15 mg (max) |
| Min. Zeit bis Maximaldosis | ~16 Wochen | ~16 Wochen | ~20 Wochen |
Praktische Hinweise:
- Titrieren Sie nicht zu schnell. Das Eskalationsschema dient der gastrointestinalen Anpassung. Patienten mit anhaltender Übelkeit oder Erbrechen sollten weitere 4 Wochen auf der aktuellen Dosis bleiben.
- Vergessene Dosen: Sind weniger als 5 Tage seit der vergessenen Dosis vergangen (Semaglutid) bzw. weniger als 4 Tage (Tirzepatid), Injektion baldmöglichst nachholen. Bei längerem Abstand: Dosis auslassen und im regulären Rhythmus fortfahren.
- Flexibilität beim Injektionstag: Beide Wirkstoffe erlauben einen Wechsel des Injektionstages, sofern die letzte Dosis mindestens 2 Tage (Semaglutid) bzw. 3 Tage (Tirzepatid) zurückliegt.
- Lagerung: Beide werden vor erstem Gebrauch im Kühlschrank (2–8 °C) gelagert. Nach erstem Gebrauch kann der Pen bei Raumtemperatur (bis 30 °C) gelagert werden — bis zu 56 Tage (Semaglutid) bzw. 21 Tage (Tirzepatid).
- Ozempic ist in DACH und EU für Typ-2-Diabetes zugelassen. Der Off-Label-Einsatz zur Gewichtsreduktion ist verbreitet, jedoch nicht zugelassen — die Gewichtskontrollindikation ist Wegovy (2,4 mg). Analog ist Mounjaro für Typ-2-Diabetes zugelassen, Zepbound ist die Gewichtskontrollformulierung von Tirzepatid (Markteinführung in DACH variiert).
Nebenwirkungen und Verträglichkeit
Gastrointestinale Nebenwirkungen sind die häufigsten unerwünschten Ereignisse beider Wirkstoffe und der Hauptgrund für Therapieabbrüche. Die meisten GI-Symptome sind dosisabhängig und nehmen nach den ersten 8–12 Behandlungswochen ab.
Häufige Nebenwirkungen
| Nebenwirkung | Semaglutid 2,4 mg (STEP 1) | Tirzepatid 15 mg (SURMOUNT-1) |
|---|---|---|
| Übelkeit | 44 % | 33 % |
| Diarrhö | 30 % | 23 % |
| Erbrechen | 24 % | 13 % |
| Obstipation | 24 % | 11 % |
| Bauchschmerzen | 12 % | 9 % |
| Reaktionen an der Injektionsstelle | ~3 % | ~7 % |
| Therapieabbruch wegen Nebenwirkungen | ~7 % | ~6 % |
Übelkeit war im Studienvergleich häufiger unter Semaglutid, allerdings sind die Erfassungsmethoden zwischen den Studien nicht identisch. Beide Wirkstoffe zeigen verbesserte Verträglichkeit unter langsamer Titration.
Seltenere, aber klinisch relevante Nebenwirkungen
- Pankreatitis: selten, aber für alle GLP-1-Rezeptoragonisten beschrieben. Patientinnen und Patienten sind aufzuklären, schwere persistierende Bauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken sofort zu melden. Beide Wirkstoffe sind bei Pankreatitis in der Vorgeschichte mit Vorsicht anzuwenden (manche Leitlinien sehen dies als absolute Kontraindikation; FDA-Fachinformation rät zur Vorsicht statt absoluter Kontraindikation).
- Gallenblasenereignisse: Cholelithiasis und Cholezystitis treten bei rascher Gewichtsreduktion häufiger auf. STEP 1 berichtete gallenblasenbezogene Ereignisse bei ca. 2,6 % unter Semaglutid vs. 1,2 % unter Placebo.
- Hypoglykämie: als Monotherapie selten. Risiko deutlich erhöht in Kombination mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin — meist Dosisreduktion der begleitenden Antidiabetika erforderlich.
- Gastroparese / verzögerte Magenentleerung: beide Wirkstoffe verlangsamen die Magenmotilität. Klinisch relevant vor anästhesiepflichtigen Eingriffen. Die American Society of Anesthesiologists empfiehlt, das Aussetzen von GLP-1-Agonisten vor elektiven Operationen zu erwägen — die Empfehlungen entwickeln sich weiter.
- Retinopathie-Komplikationen (Semaglutid): Die kardiovaskuläre Outcome-Studie SUSTAIN-6 zeigte unter Semaglutid eine höhere Rate an Retinopathie-Komplikationen bei vorbestehender diabetischer Retinopathie. Dieses Signal wurde unter Tirzepatid bisher nicht beobachtet, längere Nachbeobachtung ist erforderlich.
- Veränderungen der Körperzusammensetzung: beide Wirkstoffe reduzieren Fett- und Muskelmasse. Krafttraining und ausreichende Eiweißzufuhr (≥1,2 g/kg/Tag des Idealgewichts) sind während pharmakotherapieunterstützter Gewichtsreduktion empfohlen, um die fettfreie Masse zu erhalten.
Kontraindikationen und Wechselwirkungen
| Kontraindikation/Vorsicht | Semaglutid | Tirzepatid |
|---|---|---|
| Persönliche/familiäre Vorgeschichte eines medullären Schilddrüsenkarzinoms (MTC) | Kontraindiziert | Kontraindiziert |
| MEN-2-Syndrom (multiple endokrine Neoplasie Typ 2) | Kontraindiziert | Kontraindiziert |
| Pankreatitis in der Vorgeschichte | Mit Vorsicht | Mit Vorsicht |
| Schwere Gastroparese | Vermeiden | Vermeiden |
| Schwangerschaft | Mindestens 2 Monate vor geplanter Empfängnis absetzen | Mindestens 2 Monate vor geplanter Empfängnis absetzen |
| Terminale Niereninsuffizienz (eGFR <15) | Begrenzte Daten; mit Vorsicht | Begrenzte Daten; mit Vorsicht |
Wechselwirkungen: Beide Wirkstoffe verzögern die Magenentleerung und können dadurch die Resorption begleitender oraler Medikamente beeinflussen. Klinisch besonders relevant bei Wirkstoffen mit enger therapeutischer Breite oder solchen, die rasch resorbiert werden müssen. Patientinnen unter oralen Kontrazeptiva sollten über eine möglicherweise reduzierte Wirksamkeit während der Dosistitration aufgeklärt werden (insbesondere unter Tirzepatid; die FDA-Fachinformation empfiehlt eine zusätzliche kontrazeptive Methode oder den Wechsel auf eine nicht-orale Form während der Titration und für 4 Wochen nach jeder Dosissteigerung). Eine Dosisanpassung von Insulin oder Sulfonylharnstoffen ist meist nötig, um Hypoglykämien zu vermeiden.
Spezielle Patientengruppen
Ältere Patienten (≥65 Jahre)
Allein aufgrund des Alters ist keine Dosisanpassung erforderlich. Allerdings können ältere Patienten anfälliger für GI-bedingte Dehydratation sein und sollten zur ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme angeleitet werden. Das Risiko der sarkopenischen Adipositas — bei der ein übermäßiger Verlust an Muskelmasse den altersbedingten Muskelabbau verstärkt — ist besonders zu beachten. Strukturiertes Krafttraining ist ausdrücklich zu empfehlen.
Niereninsuffizienz
Weder Semaglutid noch Tirzepatid erfordert eine Dosisanpassung bei leichter bis mittelschwerer Niereninsuffizienz. Vorübergehende eGFR-Abfälle wurden für beide Wirkstoffe beschrieben, in der Regel als Folge einer Volumendepletion durch GI-Nebenwirkungen. Die Überwachung des Hydratationsstatus ist essentiell.
Leberinsuffizienz
Keine Dosisanpassung erforderlich. Beide Wirkstoffe wurden bei leichter bis mittelschwerer Leberinsuffizienz ohne klinisch relevante pharmakokinetische Veränderungen untersucht.
Jugendliche
Semaglutid (als Wegovy) ist von der FDA und EMA zur Gewichtskontrolle bei Jugendlichen ab 12 Jahren mit Adipositas zugelassen. Die STEP-TEENS-Studie zeigte über 68 Wochen eine BMI-Veränderung von –16,1 % unter Semaglutid vs. +0,6 % unter Placebo. Tirzepatid hat aktuell keine Zulassung zur Gewichtskontrolle bei Jugendlichen, entsprechende Studien laufen.
Schwangerschaft und Stillzeit
Beide Wirkstoffe sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Tierstudien zeigten Embryotoxizität. Bei einer Halbwertszeit von ca. 7 Tagen (Semaglutid) bzw. ca. 5 Tagen (Tirzepatid) wird ein Auswasch-Intervall von mindestens 2 Monaten vor geplanter Empfängnis empfohlen. Daten zur Ausscheidung in die Muttermilch beim Menschen sind unzureichend; Stillen wird unter Therapie nicht empfohlen.
Kosten, Krankenkasse und Verfügbarkeit
Die Kosten bleiben für beide Wirkstoffe eine erhebliche Hürde, und die Unterscheidung zwischen Diabetes- und Gewichtsreduktionsindikation hat erhebliche Auswirkungen auf die Kostenübernahme.
Listenpreise in DACH (orientierend, Stand Anfang 2026):
- Ozempic: ca. 110–140 € pro Monat (1 mg-Pen)
- Wegovy: ca. 250–340 € pro Monat (Erhaltungsdosis)
- Mounjaro: ca. 200–280 € pro Monat
- Zepbound (in DACH eingeschränkt verfügbar): ca. 250–350 € pro Monat
Erstattung:
- In Deutschland sind Lifestyle-Medikamente und Medikamente zur Gewichtsreduktion nach § 34 SGB V von der GKV-Erstattung ausgeschlossen — Wegovy/Zepbound müssen daher in der Regel selbst gezahlt werden. Ozempic/Mounjaro werden bei Typ-2-Diabetes erstattet.
- In Österreich gelten ähnliche Regeln; die Erstattung über die ÖGK ist für Diabetesindikationen vorgesehen, nicht für reine Gewichtsreduktion.
- In der Schweiz ist Wegovy in der Spezialitätenliste limitierend gelistet und erfordert eine Kostengutsprache der Grundversicherung.
- Patientinnen und Patienten mit privater Krankenversicherung sollten die Tarifbedingungen prüfen.
Lieferengpässe: Beide Wirkstoffe waren seit Markteinführung wiederholt von Lieferengpässen betroffen. Patientinnen und Patienten sollten mit ihrem verordnenden Arzt einen Plan B besprechen, falls die bevorzugte Dosis vorübergehend nicht verfügbar ist.
Warnzeichen — Wann sofort medizinische Hilfe nötig ist
Patientinnen und Patienten unter Semaglutid oder Tirzepatid sollen umgehend ärztliche Hilfe aufsuchen bei:
- Starken Bauchschmerzen — anhaltend, mit Ausstrahlung in den Rücken oder begleitet von Erbrechen — möglicher Hinweis auf Pankreatitis
- Anzeichen einer Anaphylaxie oder schweren allergischen Reaktion: Schwellung von Gesicht/Rachen, Atemnot, schwerer Hautausschlag, Tachykardie
- Symptome einer Gallenblasenerkrankung: plötzliche Oberbauchschmerzen rechts, Fieber, Ikterus
- Schwerer Hypoglykämie (insbesondere unter gleichzeitigem Insulin oder Sulfonylharnstoff): Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle
- Anzeichen einer ausgeprägten Dehydratation: geringe Urinausscheidung, dunkler Urin, Schwindel, Tachykardie — vor allem bei längerem Erbrechen oder Diarrhö
- Sehstörungen bei vorbestehender diabetischer Retinopathie (Semaglutid)
- Knotenbildung oder Schwellung am Hals, Schluckbeschwerden, anhaltende Heiserkeit — auch wenn das Risiko für C-Zell-Tumoren auf Daten von Nagern basiert, sollen solche Symptome berichtet werden
Bei medizinischen Notfällen in DACH: 112 (Notruf) wählen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist besser zur Gewichtsreduktion — Ozempic oder Mounjaro? Auf Basis der vorliegenden Studiendaten erzielt Tirzepatid (Mounjaro/Zepbound) bei mittleren bis hohen Dosen (10–15 mg) eine größere durchschnittliche Gewichtsreduktion als Semaglutid (Ozempic/Wegovy) bei 2,4 mg. „Besser" hängt jedoch von individuellen Faktoren ab — Verträglichkeit, Verfügbarkeit, Kosten, Erfahrung der verordnenden Person. Manche Patienten sprechen außergewöhnlich gut auf Semaglutid an. Die beste Therapie ist diejenige, die der Patient bekommt, verträgt und langfristig durchhält.
Kann ich von Ozempic auf Mounjaro (oder umgekehrt) wechseln? Ja, ein Wechsel ist klinisch möglich. Die meisten Verschreibenden beginnen mit der Anfangsdosis des neuen Wirkstoffs (Tirzepatid 2,5 mg oder Semaglutid 0,25 mg), um GI-Nebenwirkungen zu minimieren. Manche steigen je nach bisheriger Verträglichkeit höher ein. Timing und Vorgehen mit Ihrem Arzt abstimmen.
Muss ich Diabetes haben, um diese Medikamente zu nehmen? Nein. Wegovy (Semaglutid 2,4 mg) und Zepbound (Tirzepatid) sind speziell zur chronischen Gewichtskontrolle bei Erwachsenen mit BMI ≥30 kg/m² oder BMI ≥27 kg/m² mit mindestens einer gewichtsbedingten Komorbidität zugelassen — unabhängig vom Diabetesstatus. Ozempic und Mounjaro tragen diabetesspezifische Zulassungen.
Was passiert, wenn ich das Medikament absetze? Eine Gewichtszunahme nach Absetzen ist häufig. Die SURMOUNT-4-Studie zeigte, dass Teilnehmende, die von Tirzepatid auf Placebo wechselten, innerhalb eines Jahres etwa die Hälfte des verlorenen Gewichts zurückgewannen. Vergleichbare Befunde liegen für Semaglutid vor. Aktuelle Leitlinien betrachten Adipositas zunehmend als chronische Erkrankung, die — wie Hypertonie oder Dyslipidämie — eine dauerhafte medikamentöse Therapie erfordert.
Wie schnell sehe ich Ergebnisse? Die meisten Patientinnen und Patienten beobachten eine deutliche Gewichtsreduktion innerhalb der ersten 12–16 Wochen. Der volle Effekt zeigt sich typischerweise bei 40–72 Wochen Therapie auf der Erhaltungsdosis. Frühe GI-Nebenwirkungen können zu einer initialen, teilweise flüssigkeitsbedingten Gewichtsabnahme führen; der Fettmasseverlust beschleunigt sich mit Optimierung der Dosis.
Darf ich diese Medikamente bei Essstörungen in der Vorgeschichte einnehmen? Dies erfordert eine sorgfältige klinische Bewertung. Während appetitsuppressive Medikamente bei Patientinnen mit Essstörungs-Vorgeschichte zunächst kontraintuitiv wirken, verschreiben einige Adipositas-Spezialistinnen sie unter engmaschiger psychiatrischer Kontrolle. Beide Wirkstoffe sind bei akuter Anorexia nervosa oder Bulimie zu meiden. Sprechen Sie offen über Ihre vollständige Vorgeschichte mit Ihrem Arzt.
Sind Compounded-Versionen von Semaglutid oder Tirzepatid sicher? Die FDA hat vor Compounded-Versionen dieser Wirkstoffe gewarnt. In DACH ist das Compounding strenger reguliert; rezeptfreie Online-Angebote „Semaglutid-Pulver" sind in der Regel illegal und nicht qualitätskontrolliert. Patientinnen und Patienten sollten ausschließlich zugelassene Originalprodukte verwenden — auch in Engpasszeiten.
Erhöhen diese Wirkstoffe das Schilddrüsenkrebsrisiko beim Menschen? Beide Wirkstoffe tragen einen Boxed Warning bezüglich C-Zell-Tumoren der Schilddrüse, basierend auf Tierstudien (Nager). Die klinische Übertragbarkeit auf den Menschen ist unklar — Nager haben deutlich mehr GLP-1-Rezeptoren auf C-Zellen als Menschen. Ein kausaler Zusammenhang mit medullärem Schilddrüsenkarzinom wurde in klinischen Studien oder im Post-Marketing bislang nicht nachgewiesen. Dennoch bleiben beide Wirkstoffe bei persönlicher oder familiärer Vorgeschichte eines medullären Schilddrüsenkarzinoms oder MEN-2 kontraindiziert.
Quellen
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Über den Autor
Dr. Stanislav Ozarchuk, PharmD, ist klinischer Pharmazeut mit über 15 Jahren Erfahrung in der ambulanten Versorgung, im Medikationsmanagement und in der Patientenaufklärung. Er hat in stationären, öffentlichen und ambulanten Settings gearbeitet, mit besonderem Schwerpunkt auf kardiometabolischen Erkrankungen — Diabetes, Adipositas und Dyslipidämie. Dr. Ozarchuk verfasst für PillsCard.com evidenzbasierte, patientenverständliche Arzneimittelinformationen, um Patientinnen, Patienten und Angehörige bei informierten Therapieentscheidungen gemeinsam mit ihrem Behandlungsteam zu unterstützen.
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