Disulfiram ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Entwöhnungsmittel, der für die unterstützende Behandlung einer Alkoholabhängigkeit eingesetzt wird. Er hemmt die Acetaldehyd-Dehydrogenase und damit den vollständigen metabolischen Abbau von Alkohol. Wird während der Behandlung trotzdem getrunken, kommt es zu einer unangenehmen Unverträglichkeitsreaktion, die sich in einer Hautrötung, Gefässerweiterung, tiefem Blutdruck und einem schnellen Herzschlag äussert.
Disulfiram ( ATC N07BB01 ) blockiert selektiv die Acetaldehyd-Dehydrogenase in der Leber. Nach der Einnahme von Alkohol steigt die Konzentration von Acetaldehyd an. Dies führt nach etwa 5 bis 30 Minuten zur typischen Antabus-Alkohol-Interaktion:
Flush (Wärmegefühl, Hautrötung) Gefässerweiterung Tiefer Blutdruck , Palpitationen , Tachykardie , Kopfschmerzen , Schwitzen , Atemstörungen, Hyperventilation, Brustschmerzen
Die Beschwerden klingen nach 1-3 Stunden wieder ab. Komplikationen sind schwere Reaktionen mit ausgeprägter Gefässerweiterung, Kreislaufkollaps, Blässe, Schwäche, Sehstörungen, Schwindel , Desorientierung, Übelkeit , Erbrechen , Herzversagen, Myokardinfarkt , Herzrhythmusstörungen , Bewusstseinsstörungen, epileptische Anfälle und Tod. Das Ausmass der Beschwerden hängt von der zugeführten Menge Alkohol und der Disulfiramdosis ab.
Disulfiram wird im Organismus rasch in seinen aktiven Metaboliten Diethylthiocarbamat umgewandelt, der Metallionen mit hoher Affinität bindet und die Aldehyd-Dehydrogenase selektiv und irreversibel hemmt. Dies führt dazu, dass Alkohol nicht vollständig zur Essigsäure , sondern nur bis zum Zwischenprodukt, dem toxischen Acetaldehyd, abgebaut werden kann, der die Unverträglichkeitsreaktion auslöst.
Disulfiram hemmt auch das Enzym Dopamin-β-Hydroxylase, das Dopamin in Noradrenalin überführt. Dadurch kommt es zu einem Anstieg von Dopamin und zu einer Verminderung von Noradrenalin in peripheren und zentralen Geweben. Die Hemmung der DBH wird für die Wirksamkeit von Disulfiram bei der Behandlung der Alkohol- und Cocainabhängigkeit mitverantwortlich gemacht. Auch die seltenen psychiatrischen Nebenwirkungen können auf die Dopaminerhöhung zurückgeführt werden.