Magnesium-Supplement Tagesdosis: Formen, Nutzen und Timing
Die kurze Antwort: 310–420 mg/Tag RDA aus allen Quellen; die meisten Supplemente liefern 200–400 mg elementares Magnesium
Magnesium ist das vierthäufigste Mineral im Körper und Cofaktor für 300+ Enzyme. Die meisten Menschen erhalten unzureichend Magnesium aus der Ernährung (westliche Diäten liefern typischerweise ~60–70 % der RDA). Supplementierung ist beliebt für Schlaf, Krämpfe und Verstopfung und hat spezifische evidenzbasierte Rollen in Migräneprophylaxe und Hypertonie.
Tagesempfehlung (RDA)
| Gruppe | RDA (mg/Tag) | |---|---| | Männer 19–30 | 400 | | Männer 31+ | 420 | | Frauen 19–30 | 310 | | Frauen 31+ | 320 | | Schwangerschaft | 350–400 | | Stillzeit | 310–360 |
Tolerierbare Obergrenze (nur aus Supplementen): 350 mg/Tag. Diätisches Magnesium hat keine Obergrenze, weil die natürliche Regulation effizient ist.
Welche Magnesiumform wählen
Nicht alle Formen sind gleich — Bioverfügbarkeit und Indikation unterscheiden sich:
- Magnesiumglycinat (Bisglycinat): am besten resorbiert, schonend für GI, gut für Schlaf und Angst. 200–400 mg/Tag.
- Magnesiumcitrat: gut resorbiert, milder Laxans-Effekt. Gut bei Verstopfung + täglicher Supplementierung. 200–400 mg/Tag.
- Magnesiumoxid: am günstigsten, schlecht resorbiert (~4 %), starkes Laxans. Am besten bei gelegentlicher Verstopfung, nicht zur Mangelkorrektur.
- Magnesium-L-Threonat: passiert die Blut-Hirn-Schranke; kleine Studien zeigen kognitive/Schlaf-Vorteile. 1.000–2.000 mg/Tag.
- Magnesiumsulfat (Bittersalz): für Bäder (transdermale Resorption ist begrenzt) oder i.v. bei Eklampsie, Torsades, schwerem Asthma.
- Magnesiumtaurat: vermutete kardiovaskuläre Vorteile, weniger Daten.
- Magnesiummalat: einige Evidenz bei Fibromyalgie und Müdigkeit.
In Deutschland erhältlich u. a. als Magnerot, Magnesium Verla, Biolectra Magnesium, Magnesium Diasporal.
Evidenzbasierte Indikationen
- Migräneprophylaxe: 400–600 mg/Tag elementares Magnesium (American Academy of Neurology / DMKG-Leitlinie Empfehlungsgrad B)
- Hypertonie (adjuvant): 300–500 mg/Tag senkt Blutdruck moderat (2–4 mmHg)
- Verstopfung: 200–400 mg Citrat oder Oxid
- PMS-Symptome: 200–300 mg/Tag
- Typ-2-Diabetes (Insulinsensitivität): moderate Vorteile bei 250–450 mg/Tag
- Wadenkrämpfe: Evidenz schwach; manche profitieren, andere nicht
- Schlaf: Evidenz moderat; Glycinatform bevorzugt
Wann Supplementierung besonders indiziert ist
- Chronische PPI-Anwendung (Omeprazol, Pantoprazol) — PPIs reduzieren Magnesiumresorption
- Schleifen- oder Thiazid-Diuretika — renale Verluste
- Alkoholismus
- Typ-2-Diabetes
- GI-Erkrankungen (Morbus Crohn, bariatrische OP)
- Ältere Erwachsene (Resorption nimmt mit Alter ab)
Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen
- GI-Nebenwirkungen (Durchfall, Übelkeit) besonders bei Oxid oder Citrat — Dosis aufteilen oder zu Glycinat wechseln
- Niereninsuffizienz: nicht über RDA supplementieren ohne Nephrologen-Anleitung — Magnesium akkumuliert bei Nierenerkrankung und kann Bradykardie, Hypotonie, Atemdepression verursachen
- Wechselwirkungen: reduziert Resorption von Tetracyclinen, Fluorchinolonen, Levothyroxin, Bisphosphonaten — 2+ Stunden Abstand
Klinische Quellen
- DGE-Empfehlung für Magnesiumzufuhr.
- DMKG-Leitlinie Migräneprophylaxe.
- NIH ODS Magnesium Fact Sheet for Health Professionals.
- American Academy of Neurology / American Headache Society „Evidence-based guideline update: pharmacologic treatment for episodic migraine prevention in adults".
- European Society of Hypertension Position Paper on Magnesium in Hypertension.
- Barbagallo M, Dominguez LJ. „Magnesium and aging." Curr Pharm Des.
Fazit
Für die meisten Erwachsenen 310–420 mg Magnesium aus Ernährung anstreben (Nüsse, Samen, grünes Blattgemüse, Vollkorn, Zartbitterschokolade). 200–400 mg elementares Magnesium in einer gut resorbierten Form supplementieren (Glycinat für Schlaf/Angst, Citrat bei Verstopfung), wenn diätische Aufnahme niedrig ist oder evidenzbasierte Indikation vorliegt. Oxid zur Mangelkorrektur meiden; bei Nierenerkrankung Supplementierung nur unter ärztlicher Anleitung.
Auf magnesiumzehrende Medikamente (PPIs, Diuretika) prüfen und mit Ihrer Ärztin sprechen vor hochdosierter Supplementierung bei Nierenerkrankung oder Blutdruckmedikamenten. Im Notfall: Notruf 112.
Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultieren Sie immer einen qualifizierten Arzt.