## Überblick
Augenschmerzen — klinisch in der ICD-10-Klassifikation als **H57.1** kodiert — bezeichnen jegliche Beschwerden im oder um das Auge. Sie reichen von einer leichten, sandigen Reizung an der Augenoberfläche bis hin zu tiefen, pochenden orbitalen Schmerzen, die auf einen sehbedrohenden Notfall hinweisen können. Patienten beschreiben sie unterschiedlich als Brennen, Stechen, dumpfen Schmerz, Druck oder Fremdkörpergefühl.
Augenschmerzen gehören zu den häufigsten ophthalmologischen Beschwerden. Bevölkerungsbezogene Erhebungen deuten darauf hin, dass **allein das trockene Auge**, eine führende Ursache für Beschwerden an der Augenoberfläche, je nach diagnostischen Kriterien zwischen 5 % und 50 % der Erwachsenen weltweit betrifft [1]. Daten aus Notaufnahmen zeigen, dass augenbezogene Beschwerden etwa 2–3 % aller ED-Besuche in den Vereinigten Staaten ausmachen, wobei Schmerz das vorherrschende Symptom ist [2]. Das Symptom treibt erhebliches Online-Suchverhalten zu Gesundheitsfragen an, da es Angst vor Sehverlust auslöst, alltägliche Aktivitäten beeinträchtigt und Erkrankungen begleiten kann, die von einer harmlosen Konjunktivitis bis hin zu einem akuten Engwinkelglaukom reichen.
Da die Differenzialdiagnose Dutzende von Erkrankungen umfasst — von selbstlimitierend bis seh- oder lebensbedrohlich — ist eine strukturierte Beurteilung unerlässlich. Dieser Artikel bietet eine evidenzbasierte Übersicht über Ursachen, häusliche Pflege, Medikamente und, entscheidend, die Warnzeichen, die eine dringende ärztliche Abklärung erfordern.
> **Haftungsausschluss:** Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei erheblichen oder zunehmenden Augenschmerzen konsultieren Sie eine qualifizierte medizinische Fachkraft.
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## Häufige Ursachen
Augenschmerzen lassen sich grob nach **anatomischer Herkunft** (oberflächlich vs. tief) und **Mechanismus** (entzündlich, mechanisch, infektiös, vaskulär, neurogen) einteilen. Im Folgenden sind die häufigsten Ursachen aufgeführt, grob nach Häufigkeit in der Primärversorgung und Notfallversorgung geordnet.
### 1. Trockenes Auge (Keratoconjunctivitis sicca)
Die häufigste Ursache chronischer okulärer Beschwerden. Tränenfilminstabilität und Hyperosmolarität lösen eine Entzündung der Augenoberfläche aus und stimulieren die kornealen Nozizeptoren. Patienten berichten über Brennen, Sandkorngefühl und paradoxes Tränen. Risikofaktoren sind Alter, weibliches Geschlecht, Bildschirmarbeit, Kontaktlinsen und Autoimmunerkrankungen [1].
### 2. Konjunktivitis (viral, bakteriell, allergisch)
Eine Entzündung der Bindehaut führt zu Rötung, Sekretion und einem Sandkorn- oder Brenngefühl. Die virale Konjunktivitis (häufig durch Adenoviren) ist die häufigste Form, gefolgt von allergischen und bakteriellen Formen. Der Schmerz ist im Allgemeinen mild; starke Schmerzen weisen auf eine Hornhautbeteiligung hin.
### 3. Hornhauterosion und Fremdkörper
Eine mechanische Schädigung des Hornhautepithels legt dichte nozizeptive Nervenendigungen frei — die Hornhaut ist eines der am dichtesten innervierten Gewebe des Körpers [3]. Patienten beschreiben einen scharfen, sofort einsetzenden Schmerz, der durch Lidschlag verstärkt wird. Häufige Ursachen sind Fingernagelkratzer, übermäßiges Tragen von Kontaktlinsen und windgetragene Partikel [4].
### 4. Kontaktlinsen-bedingte Komplikationen
Übermäßiges Tragen, mangelnde Hygiene oder Schlafen mit Linsen können zu kornealer Hypoxie, Epitheldefekten und mikrobieller Keratitis führen. Schmerz, Photophobie und reduziertes Sehvermögen sind typisch. *Pseudomonas aeruginosa*- und *Acanthamoeba*-Keratitis sind gefürchtete Komplikationen.
### 5. Blepharitis und Meibom-Drüsen-Dysfunktion
Eine chronische Entzündung der Lidränder verursacht Brennen, Verkrustungen und Fremdkörpergefühl. Die hintere Blepharitis (Meibom-Drüsen-Dysfunktion) trägt zum evaporativen trockenen Auge bei und ist bei Erwachsenen über 40 äußerst häufig.
### 6. Gerstenkorn (Hordeolum) und Chalazion
Eine akute bakterielle Infektion (Gerstenkorn) oder chronische granulomatöse Entzündung (Chalazion) der Liddrüsen verursacht eine lokalisierte Lidschmerzhaftigkeit und Schwellung. Der Schmerz ist im Allgemeinen leicht bis mäßig und gut lokalisiert.
### 7. Sinusitis-bedingte periorbitale Schmerzen
Eine Entzündung der Nasennebenhöhlen — insbesondere der Siebbein- und Stirnhöhlen — kann zu übertragenen Schmerzen um und hinter dem Auge führen. Die Schmerzen verschlimmern sich beim Vornüberbeugen und sind mit Nasenverstopfung verbunden.
### 8. Anteriore Uveitis (Iritis)
Eine Entzündung der Iris und des Ziliarkörpers verursacht einen tiefen, dumpfen Schmerz mit Photophobie, Rötung (ziliare Injektion) und einer kleinen oder unregelmäßigen Pupille. Verbunden mit HLA-B27-positiven Spondyloarthropathien, Sarkoidose und Infektionen. Erfordert eine dringende ophthalmologische Abklärung.
### 9. Akutes Engwinkelglaukom
Ein rascher Anstieg des Augeninnendrucks (IOD) durch Pupillarblock verursacht starke Augenschmerzen, Übelkeit/Erbrechen, Halos um Lichter und eine fixierte, mittelweite Pupille. Dies ist ein **ophthalmologischer Notfall** — unbehandelt verursacht es innerhalb von Stunden eine irreversible Schädigung des Sehnervs [5].
### 10. Skleritis und Episkleritis
Skleritis (Entzündung der Sklera) verursacht starke, bohrende Schmerzen, die in Stirn und Kiefer ausstrahlen können und Patienten aus dem Schlaf wecken können. Sie ist häufig mit systemischen Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis und Granulomatose mit Polyangiitis assoziiert. Die Episkleritis ist gutartiger und selbstlimitierend.
### 11. Optikusneuritis
Eine Entzündung des Sehnervs, häufig mit Multipler Sklerose verbunden, verursacht retroorbitale Schmerzen, die durch Augenbewegungen verstärkt werden, begleitet von Sehverlust und einem afferenten Pupillendefekt. Typisches Alter: 20–45 Jahre.
### 12. Herpes-simplex- und Herpes-zoster-Keratitis
Die HSV-Keratitis erzeugt ein charakteristisches dendritisches Ulkus mit Schmerz und Photophobie. Der Herpes zoster ophthalmicus (Gürtelrose im V1-Dermatom) verursacht starke dermatomale Schmerzen mit vesikulärem Ausschlag. Beide erfordern eine sofortige antivirale Therapie [6].
### 13. Migräne und Cluster-Kopfschmerz
Primäre Kopfschmerzerkrankungen treten häufig mit periorbitalen oder retroorbitalen Schmerzen auf. Der Cluster-Kopfschmerz erzeugt unerträgliche einseitige Schmerzen mit ipsilateralen autonomen Begleiterscheinungen (Tränen, Ptosis, Nasenverstopfung). Migräne kann Photophobie und Augenbeschwerden verursachen.
### 14. Digitale Augenbelastung (Computer Vision Syndrome)
Längere Naharbeit und Bildschirmnutzung reduzieren die Lidschlagfrequenz um bis zu 60 %, was Tränenfilminstabilität und akkommodative Belastung fördert. Die Symptome umfassen dumpfen Schmerz, Brennen und vorübergehendes verschwommenes Sehen.
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## WARNZEICHEN
Suchen Sie **sofort eine Notfallversorgung** auf, wenn Augenschmerzen von einem der folgenden Symptome begleitet werden:
- **Plötzlicher, schwerer Sehverlust** — kann auf ein akutes Glaukom, einen Verschluss der Netzhautarterie oder eine Optikusneuritis hinweisen
- **Starke Schmerzen mit Übelkeit, Erbrechen und Halos um Lichter** — klassisch für ein akutes Engwinkelglaukom
- **Fixierte, mittelweite Pupille** — deutet auf gefährlich erhöhten Augeninnendruck hin
- **Schmerzen nach Hochgeschwindigkeits-Aufprall oder penetrierendem Trauma** — Risiko einer Bulbusperforation; üben Sie KEINEN Druck auf das Auge aus
- **Chemikalienexposition (Säure- oder Laugenspritzer)** — beginnen Sie sofort mit reichlicher Spülung und rufen Sie den Rettungsdienst; Laugenverätzungen sind besonders verheerend
- **Augenschmerzen mit Fieber, Proptose (hervortretendes Auge) und eingeschränkter Augenbeweglichkeit** — deutet auf eine Orbitalphlegmone hin, die zu einer Sinus-cavernosus-Thrombose fortschreiten kann
- **Vesikulärer Ausschlag an Stirn/Nasenspitze (Hutchinson-Zeichen)** — Herpes zoster ophthalmicus mit hohem Risiko einer Hornhautbeteiligung
- **Starke Photophobie mit ziliarer Injektion** — deutet auf eine anteriore Uveitis oder ein Hornhautulkus hin
- **Neu aufgetretene Doppelbilder mit Augenschmerzen** — kann auf eine Orbitalmasse, eine Hirnnervenparese oder eine Sinus-cavernosus-Pathologie hinweisen
- **Augenschmerzen nach kürzlich erfolgter intraokulärer Operation** — Endophthalmitis (intraokuläre Infektion) ist ein Notfall
- **Schmerzen mit progressivem, schmerzlosem Sehverlust und einem afferenten Pupillendefekt** — Optikusneuritis oder kompressive Läsion, die eine dringende Bildgebung erfordert
> **Im Zweifelsfall lieber eine Notfallabklärung aufsuchen.** Viele sehbedrohende Erkrankungen haben ein enges Behandlungsfenster.
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## Selbstpflege zu Hause
Die folgenden nicht-pharmakologischen Maßnahmen können bei leichten Augenbeschwerden Linderung verschaffen. Sie sind im Allgemeinen sicher, sollten aber bei anhaltenden oder sich verschlimmernden Symptomen keine professionelle Beurteilung ersetzen.
### Warme Kompressen
Tragen Sie eine saubere, warme (nicht heiße) Kompresse 5–10 Minuten lang, 2–4 Mal täglich auf die geschlossenen Augenlider auf. Warme Kompressen helfen, die Sekrete der Meibom-Drüsen bei Blepharitis zu verflüssigen und bieten Linderung bei Gerstenkörnern, Chalazia und trockenem Auge. Die Evidenz unterstützt ihre Anwendung als Erstlinientherapie bei Meibom-Drüsen-Dysfunktion [7].
### Kühle Kompressen
Eine kühle Kompresse kann Schwellungen und Schmerzen bei allergischer Konjunktivitis, leichten periorbitalen Traumata oder postoperativen Beschwerden lindern. Tragen Sie sie jeweils 10–15 Minuten lang mit einem sauberen Tuch auf.
### Lidhygiene
Bei Blepharitis reinigen Sie die Lidränder täglich sanft mit verdünntem Babyshampoo auf einem Wattepad oder verwenden Sie kommerziell erhältliche Lidreinigungstücher. Dies entfernt Verkrustungen, Ablagerungen und bakterielle Biofilme.
### Die 20-20-20-Regel (digitale Augenbelastung)
Schauen Sie alle 20 Minuten Bildschirmarbeit für mindestens 20 Sekunden auf ein Objekt, das mindestens 20 Fuß (ca. 6 Meter) entfernt ist. Dies entspannt die Akkommodation und fördert das Blinzeln. Bewusstes Erhöhen der Lidschlagfrequenz während der Bildschirmnutzung hilft ebenfalls, den Tränenfilm aufrechtzuerhalten.
### Umweltanpassungen
- Verwenden Sie einen Luftbefeuchter in trockenen Innenräumen
- Positionieren Sie Bildschirme unter Augenhöhe, um die Lidspaltenöffnung und den Verdunstungsverlust zu reduzieren
- Tragen Sie im Freien Sonnenbrillen mit Seitenschutz, um Wind- und UV-Exposition zu reduzieren
- Vermeiden Sie direkten Luftstrom von Ventilatoren oder Klimaanlagen ins Gesicht
### Kontaktlinsenhygiene
Wenn Kontaktlinsen die vermutete Ursache sind, **entfernen Sie sie sofort** und wechseln Sie zu Brillen, bis die Symptome abklingen und ein Kliniker die Augen untersucht hat. Schlafen Sie niemals mit Linsen, die nicht für das Tragen über Nacht zugelassen sind.
### Reichliche Spülung (Chemikalienexposition — Erste Hilfe)
Bei jedem Chemikalienspritzer das Auge sofort mindestens 15–20 Minuten lang mit sauberem Wasser oder Kochsalzlösung spülen, bevor Sie eine Notfallversorgung aufsuchen. Die Geschwindigkeit der Spülung ist der wichtigste Bestimmungsfaktor für das Ergebnis bei chemischen Verätzungen.
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## Hilfreiche rezeptfreie Medikamente
Rezeptfreie Optionen können viele häufige Ursachen leichter Augenschmerzen lindern. Lesen Sie immer die Etiketten, prüfen Sie auf Kontraindikationen und konsultieren Sie einen Apotheker oder Kliniker, wenn die Symptome länger als 48–72 Stunden anhalten.
| Klasse | Beispiel(e) | Übliche Erwachsenendosis | Hinweise |
|---|---|---|---|
| **Künstliche Tränen (konservierungsmittelfrei)** | Refresh Optive, Systane Ultra (PF), TheraTears | 1–2 Tropfen pro Auge, 4–6 Mal täglich oder nach Bedarf | Erstlinientherapie beim trockenen Auge. Konservierungsmittelfreie Formulierungen werden für häufige Anwendung (>4×/Tag) bevorzugt, um Benzalkoniumchlorid-Toxizität zu vermeiden [1]. |
| **Künstliche Tränen (konserviert)** | Systane Original, Refresh Tears | 1–2 Tropfen pro Auge, bis zu 4 Mal täglich | Akzeptabel bei leichtem, intermittierendem trockenen Auge. Bei Kontaktlinsenträgern vermeiden. |
| **Lubrikantenaugensalbe** | Refresh PM, GenTeal Tears Gel | Dünner Streifen in den unteren Fornix vor dem Schlafengehen | Am besten für nächtliche Symptome des trockenen Auges; trübt das Sehen vorübergehend. |
| **Antihistaminika-/Mastzellstabilisator-Tropfen** | Ketotifen 0,025 % (Zaditor, Alaway) | 1 Tropfen pro Auge alle 8–12 Stunden | Bei allergischer Konjunktivitis. Dualer Mechanismus: H1-Rezeptor-Antagonist + Mastzellstabilisierung. Im Allgemeinen gut verträglich. |
| **Decongestive Augentropfen** | Naphazolin (Clear Eyes), Tetrahydrozolin (Visine) | 1–2 Tropfen bis zu 4 Mal täglich, ≤3 Tage | Vasokonstriktion reduziert Rötung. **NICHT länger als 72 Stunden anwenden** — bei längerem Gebrauch tritt eine Rebound-Hyperämie ("Rote-Auge-Rebound") auf. Kontraindiziert bei Engwinkelglaukom. |
| **Orale NSAR** | Ibuprofen 200–400 mg, Naproxen 220 mg | Ibuprofen: 200–400 mg alle 4–6 h (max. 1200 mg/Tag OTC); Naproxen: 220 mg alle 8–12 h (max. 660 mg/Tag OTC) | Bei periorbitalen Schmerzen, sinusitisbedingten Augenschmerzen oder leichten posttraumatischen Beschwerden. Mit Nahrung einnehmen. Vermeiden bei Niereninsuffizienz, GI-Blutungen in der Vorgeschichte oder im dritten Trimester der Schwangerschaft. |
| **Orales Paracetamol** | Tylenol 500 mg | 500–1000 mg alle 4–6 h (max. 3000 mg/Tag bei regelmäßiger Anwendung) | Alternative zu NSAR, wenn diese kontraindiziert sind. Reduziert keine Entzündung. Vermeiden Sie eine Überschreitung der empfohlenen Dosis; Hepatotoxizitätsrisiko. |
| **Orale Antihistaminika** | Cetirizin 10 mg, Loratadin 10 mg | Einmal täglich | Bei systemischen allergischen Symptomen, die zu Augenjucken/-beschwerden beitragen. Kann in höheren Dosen die Tränenproduktion reduzieren. |
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## Verschreibungspflichtige Optionen
Wenn rezeptfreie Maßnahmen nicht ausreichen, kann ein Kliniker — typischerweise ein Augenarzt, Optometrist oder Hausarzt — Folgendes verschreiben.
| Klasse | Beispiel(e) | Indikation | Hinweise |
|---|---|---|---|
| **Topische Antibiotika** | Erythromycin-Salbe, Moxifloxacin 0,5 % Tropfen, Ciprofloxacin 0,3 % Tropfen | Bakterielle Konjunktivitis, Hornhauterosion (Prophylaxe), bakterielle Keratitis | Fluorchinolone bevorzugt bei Hornhautulzera aufgrund des breiten Wirkungsspektrums. |
| **Topische Kortikosteroide** | Prednisolonacetat 1 %, Loteprednol 0,5 %, Fluorometholon 0,1 % | Anteriore Uveitis, schwere allergische Keratokonjunktivitis, Skleritis, postoperative Entzündung | **Müssen von einem Augenarzt verschrieben und überwacht werden.** Risiken: erhöhter IOD, Kataraktbildung, Sekundärinfektion. Niemals selbst verschreiben. |
| **Topische NSAR** | Ketorolac 0,5 % (Acular), Nepafenac 0,1 %, Bromfenac 0,09 % | Postoperative Schmerzen, Ergänzung bei Uveitis, photorefraktive Keratektomie | Können die Hornhautheilung verlangsamen; mit Vorsicht bei Patienten mit trockenem Auge anwenden. |
| **Topisches Cyclosporin / Lifitegrast** | Cyclosporin 0,05 % (Restasis) oder 0,09 % (Cequa), Lifitegrast 5 % (Xiidra) | Mittelschwere bis schwere Erkrankung des trockenen Auges mit entzündlicher Komponente | Entzündungshemmende Immunmodulatoren. Voller Effekt kann 4–12 Wochen dauern. Brennen bei der Instillation ist anfangs häufig [7]. |
| **Topische Virostatika** | Ganciclovir 0,15 % Gel (Zirgan), Trifluridin 1 % Tropfen | HSV-Keratitis | Vom Augenarzt eingeleitet. Behandlungsdauer typischerweise 14–21 Tage. |
| **Orale Virostatika** | Valaciclovir 1 g TID, Aciclovir 800 mg 5×/Tag | Herpes zoster ophthalmicus, schwere HSV-Keratitis | Sollten bei HZO innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten des Ausschlags begonnen werden. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz erforderlich [6]. |
| **IOD-senkende Mittel** | Timolol 0,5 %, Brimonidin 0,2 %, Latanoprost 0,005 %; orales Acetazolamid 250–500 mg | Akutes Engwinkelglaukom, sekundäres Glaukom | Akuter Winkelblock erfordert eine notfallmäßige medikamentöse IOD-Senkung gefolgt von einer peripheren Laser-Iridotomie [5]. |
| **Orale Kortikosteroide** | Prednison 1 mg/kg/Tag mit Ausschleichen | Optikusneuritis (nach IV-Pulstherapie), schwere Skleritis, orbitaler entzündlicher Pseudotumor | Unter Aufsicht eines Spezialisten anzuwenden. Die ONTT zeigte, dass IV-Methylprednisolon gefolgt von oralem Ausschleichen die Erholung bei Optikusneuritis beschleunigt [8]. |
| **Zykloplegische Mittel** | Cyclopentolat 1 %, Homatropin 2 % | Anteriore Uveitis, Hornhauterosion (Schmerzlinderung) | Lähmen den Ziliarmuskel zur Schmerzreduktion bei Ziliarspasmus. Verursachen vorübergehende Pupillenerweiterung und verschwommenes Nahsehen. |
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## Typischerweise angeordnete Laboruntersuchungen
Die meisten Ursachen von Augenschmerzen werden klinisch mit Spaltlampenuntersuchung und Tonometrie diagnostiziert. Bestimmte Präsentationen rechtfertigen jedoch Labor- oder Bildgebungsuntersuchungen.
| Test | Begründung | Wann angeordnet |
|---|---|---|
| **Augeninnendruckmessung (IOD)** (Tonometrie) | Glaukom ausschließen; essentiell beim akuten roten Auge mit Schmerzen | Jede Präsentation, die auf einen erhöhten IOD verdächtig ist |
| **Fluoreszeinfärbung mit Spaltlampenuntersuchung** | Visualisierung kornealer Epitheldefekte, Dendriten (HSV), Seidel-Test (Wundleck) | Hornhauterosion, Verdacht auf Fremdkörper, Keratitis |
| **Großes Blutbild (CBC)** ([/tests/complete-blood-count](/tests/complete-blood-count)) | Beurteilung auf Infektion, Leukozytose (Orbitalphlegmone) | Orbitalphlegmone, Verdacht auf systemische Infektion |
| **Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und C-reaktives Protein (CRP)** ([/tests/esr](/tests/esr), [/tests/c-reactive-protein](/tests/c-reactive-protein)) | Beurteilung systemischer Entzündung bei Skleritis, Riesenzellarteriitis | Skleritis, Verdacht auf Riesenzellarteriitis |
| **HLA-B27** ([/tests/hla-b27](/tests/hla-b27)) | Assoziation mit anteriorer Uveitis und Spondyloarthropathien | Rezidivierende anteriore Uveitis |
| **ANA, RF, ANCA** ([/tests/antinuclear-antibody](/tests/antinuclear-antibody)) | Screening auf Autoimmunerkrankung bei Skleritis/Uveitis | Skleritis, rezidivierende/bilaterale Uveitis |
| **CT/MRT Orbita und Gehirn** | Beurteilung von Orbitalphlegmone, Optikusneuritis, kompressiven Läsionen, Orbitafrakturen | Proptose, Sehverlust, Trauma mit Verdacht auf Orbitafraktur, Optikusneuritis |
| **Hornhautkultur und -empfindlichkeitsprüfung** | Identifizierung des verursachenden Erregers bei mikrobieller Keratitis | Großes oder zentrales Hornhautulkus, kontaktlinsenbedingte Keratitis, nicht heilende Ulzera |
| **Blutzucker / HbA1c** ([/tests/hemoglobin-a1c](/tests/hemoglobin-a1c)) | Diabetes erhöht das Risiko für rezidivierende Hornhauterosionen, Infektionen, Hirnnerven-Neuropathie | Rezidivierende Hornhauterosionen, Hirnnervenparese |
| **MRT des Gehirns mit Gadolinium** | Demyelinisierende Läsionen bei Optikusneuritis (MS-Abklärung) | Klinische Optikusneuritis — identifiziert Patienten mit höherem MS-Risiko [8] |
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## Spezielle Patientengruppen
### Kinder
Augenschmerzen bei Kindern erfordern erhöhte Wachsamkeit, da kleine Kinder Symptome möglicherweise nicht klar artikulieren können. Stattdessen können sie sich übermäßig die Augen reiben, blinzeln, photophob werden oder sich weigern, die Augen zu öffnen.
- **Konjunktivitis** ist in pädiatrischen Populationen, besonders in Kindertagesstätten, äußerst häufig. Die Ophthalmia neonatorum (neonatale Konjunktivitis) innerhalb der ersten 28 Lebenstage ist aufgrund des Risikos einer Infektion mit *Neisseria gonorrhoeae* oder *Chlamydia trachomatis* ein medizinischer Notfall.
- **Orbitalphlegmone** kann bei Kindern rasch zu einem subperiostalen Abszess und intrakraniellen Komplikationen fortschreiten. Kinder mit periorbitaler Schwellung, Fieber und Schmerzen bei Augenbewegung benötigen dringend eine CT-Bildgebung und intravenöse Antibiotika.
- **Pädiatrische Dosierung:** Rezeptfreie künstliche Tränen gelten im Allgemeinen als sicher, aber die Medikamentendosierung sollte immer mit einem Kinderarzt oder pädiatrischen Augenarzt bestätigt werden. Verwenden Sie keine decongestiven Augentropfen bei Kindern unter 6 Jahren. Die Paracetamol-Dosierung erfolgt gewichtsbezogen (10–15 mg/kg alle 4–6 Stunden) — bestätigen Sie immer mit dem Arzt des Kindes.
- **Retinoblastom:** Obwohl typischerweise schmerzlos, können fortgeschrittene Fälle ein sekundäres Glaukom und Schmerzen verursachen. Ein weißer Pupillenreflex (Leukokorie) bei jedem Kind erfordert eine dringende Abklärung.
### Schwangerschaft
Okuläre Veränderungen in der Schwangerschaft umfassen erhöhte Hornhautdicke, verminderten IOD und trockenes Auge.
- **Künstliche Tränen** (konservierungsmittelfrei): Im Allgemeinen als sicher in der Schwangerschaft angesehen.
- **Topische Antibiotika:** Erythromycin-Augensalbe gilt im Allgemeinen als mit der Schwangerschaft vereinbar. Topische Fluorchinolone sollten generell vermieden werden, es sei denn, der Nutzen überwiegt eindeutig die Risiken.
- **Topische Kortikosteroide:** Verwenden Sie die niedrigste wirksame Dosis für die kürzeste Dauer. Die systemische Resorption ist minimal, aber nicht vernachlässigbar; Besprechung mit einem Geburtshelfer.
- **Orale NSAR:** Im dritten Trimester kontraindiziert (Risiko eines vorzeitigen Verschlusses des Ductus arteriosus). Mit Vorsicht im ersten und zweiten Trimester anwenden.
- **Orales Paracetamol:** Gilt allgemein als das sicherste systemische Analgetikum in der Schwangerschaft in den empfohlenen Dosen.
- **Virostatika:** Orales Aciclovir und Valaciclovir haben beruhigende Sicherheitsdaten in der Schwangerschaft und werden bei Indikation für Herpes zoster ophthalmicus eingesetzt.
- **IOD-senkende Mittel:** Timolol (Betablocker) kann mit Vorsicht angewendet werden; Prostaglandin-Analoga sollten generell vermieden werden.
### Ältere Patienten
Ältere Erwachsene haben ein erhöhtes Risiko durch mehrere Erkrankungen:
- **Akutes Engwinkelglaukom** ist mit zunehmendem Alter aufgrund von Linsenverdickung und flacheren Vorderkammern häufiger. Medikamente mit anticholinergen Eigenschaften (Antihistaminika, Trizyklika, Antipsychotika) können Anfälle auslösen.
- **Riesenzellarteriitis (GCA):** Jeder Patient über 50 mit neu auftretenden Kopfschmerzen, Kieferclaudicatio, Kopfhautempfindlichkeit und Augenschmerzen oder Sehsymptomen muss dringend BSG/CRP und eine Erwägung einer Temporalarterienbiopsie erhalten. Eine unbehandelte GCA kann eine dauerhafte beidseitige Erblindung verursachen.
- **Herpes zoster ophthalmicus** Inzidenz steigt nach dem 60. Lebensjahr stark an. Der Shingrix-Impfstoff reduziert das Risiko erheblich und wird für Erwachsene ≥50 empfohlen.
- **Polypharmazie-Erwägungen:** Ältere Patienten sind anfälliger für systemische Nebenwirkungen topischer ophthalmischer Medikamente (z. B. Betablocker, die Bradykardie verursachen, Brimonidin, das Schläfrigkeit verursacht). Die Anwendung von NSAR und Paracetamol erfordert sorgfältige Beachtung der Nieren- und Leberfunktion.
### Sportler
- **Sportbedingte Augenverletzungen** sind eine führende Ursache für Augenschmerzen bei Sportlern. Schlägersportarten, Basketball und Kampfsportarten tragen das höchste Risiko. Polycarbonat-Schutzbrillen reduzieren das Verletzungsrisiko um über 90 %.
- **UV-Keratitis ("Schneeblindheit"):** Skifahrer, Bergsteiger und Wassersportler können durch intensive UV-Exposition eine Photokeratitis entwickeln. Symptome umfassen bilaterale Augenschmerzen, Tränen und Photophobie 6–12 Stunden nach Exposition. Die Behandlung ist supportiv (künstliche Tränen, orale Analgetika, dunkler Raum). Prävention: UV-blockierende Skibrillen oder Sonnenbrillen.
- **Schwimmer-Keratitis:** Poolwasserexposition und Kontaktlinsentragen im Wasser erhöhen das Risiko einer *Acanthamoeba*-Keratitis — einer verheerenden Infektion. Kontaktlinsen sollten niemals beim Schwimmen getragen werden.
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## Wann eskalieren
Verwenden Sie die folgenden Schwellenwerte, um die Dringlichkeit der medizinischen Beurteilung zu leiten:
### Notaufnahme / 112 anrufen
- Verätzung des Auges (sofort mit Spülung beginnen, dann in die Notaufnahme)
- Penetrierende Augenverletzung oder offene Bulbusverletzung
- Plötzlicher schwerer Sehverlust mit Augenschmerzen
- Akute Symptome eines Engwinkelglaukoms (starker Schmerz, Übelkeit, Halos, fixierte Pupille)
- Orbitalphlegmone (Fieber, Proptose, schmerzhafte Augenbewegung, geschwollenes Lid)
- Augenschmerzen nach kürzlich erfolgter intraokulärer Operation (mögliche Endophthalmitis)
### Selben Tag dringende Augenarzt-/Optometrie-Termin
- Mittelschwere bis schwere Augenschmerzen mit Photophobie und Rötung (Uveitis, Keratitis)
- Verdacht auf Hornhautulkus (weißer Fleck auf der Hornhaut, Schmerz, Sekretion bei Kontaktlinsenträger)
- Herpes-zoster-Ausschlag im Bereich der Stirn/Nase (innerhalb von 72 Stunden für Virostatika)
- Schmerzen mit signifikanter Sehveränderung oder neuen Mouches volantes
- Augenschmerzen, die nach 24 Stunden angemessener Selbstpflege nicht abklingen
### Selben oder nächsten Tag Hausarzt / Optometrist
- Hornhauterosion (leicht) — zur Bestätigung und Antibiotikaprophylaxe
- Gerstenkorn/Chalazion, das nach 1 Woche warmer Kompressen nicht abklingt
- Leichte Konjunktivitis mit eitriger Sekretion (möglicherweise bakteriell) bei einem Kontaktlinsenträger
- Neue Symptome eines trockenen Auges, die alltägliche Aktivitäten beeinträchtigen
### Routinetermin (innerhalb von 1–2 Wochen)
- Chronisches leichtes trockenes Auge, das nicht auf rezeptfreie künstliche Tränen anspricht
- Rezidivierende Gerstenkörner oder Blepharitis, die eine fortlaufende Behandlung erfordern
- Digitale Augenbelastung trotz ergonomischer und Verhaltensanpassungen
- Wunsch nach verschreibungspflichtiger Therapie des trockenen Auges (Cyclosporin, Lifitegrast)
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## Literatur
[1] Stapleton F, Alves M, Bunya VY, et al. TFOS DEWS II Epidemiology Report. *Ocul Surf*. 2017;15(3):334-365. PMID: 28736337.
[2] McGwin G Jr, Xie A, Owsley C. Rate of eye injury in the United States. *Arch Ophthalmol*. 2005;123(7):970-976. PMID: 16009840.
[3] Belmonte C, Nichols JJ, Cox SM, et al. TFOS DEWS II Pain and Sensation Report. *Ocul Surf*. 2017;15(3):404-437. PMID: 28736340.
[4] Wipperman JL, Dorsch JN. Evaluation and management of corneal abrasions. *Am Fam Physician*. 2013;87(2):114-120. PMID: 23317075.
[5] Prum BE Jr, Herndon LW Jr, Moroi SE, et al. Primary Angle Closure Preferred Practice Pattern. *Ophthalmology*. 2016;123(1):P1-P40. PMID: 26581556.
[6] Liesegang TJ. Herpes zoster ophthalmicus: natural history, risk factors, clinical presentation, and morbidity. *Ophthalmology*. 2008;115(2 Suppl):S3-S12. PMID: 18243930.
[7] Jones L, Downie LE, Korb D, et al. TFOS DEWS II Management and Therapy Report. *Ocul Surf*. 2017;15(3):575-628. PMID: 28736343.
[8] Beck RW, Cleary PA, Anderson MM Jr, et al. A randomized, controlled trial of corticosteroids in the treatment of acute optic neuritis (Optic Neuritis Treatment Trial). *N Engl J Med*. 1992;326(9):581-588. PMID: 1734247.
[9] National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Red Eye: Clinical Knowledge Summary. Updated 2024. Available at: https://cks.nice.org.uk/topics/red-eye/
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