## Überblick
Sodbrennen ist ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein (im retrosternalen Bereich), das häufig bis in den Hals aufsteigt. Trotz seines Namens hat Sodbrennen nichts mit dem Herzen zu tun – es entsteht durch das Zurückfließen von Magensäure in die Speiseröhre, ein Vorgang, der als gastroösophagealer Reflux bezeichnet wird. Der Begriff wird sowohl als eigenständiges Symptom als auch als Leitbeschwerde der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) verwendet.
Sodbrennen ist außerordentlich häufig. Bevölkerungsbasierte Studien schätzen, dass **20–30 % der Erwachsenen in westlichen Ländern** mindestens einmal pro Woche unter Sodbrennen leiden, und bis zu 44 % berichten über monatliche Episoden [1]. Allein in den Vereinigten Staaten sind GERD-bedingte Beschwerden für etwa 8–9 Millionen ambulante Arztbesuche pro Jahr verantwortlich. Die hohe Prävalenz, das Unwohlsein und die Überschneidung mit potenziell schwerwiegenden Erkrankungen (einschließlich kardialer Brustschmerzen) machen Sodbrennen zu einem der am häufigsten online recherchierten Gesundheitssymptome.
Der ICD-10-Code für Sodbrennen lautet **R12** und wird unter Symptomen und Befunden, die das Verdauungssystem betreffen, eingeordnet.
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## Häufige Ursachen
Sodbrennen entsteht, wenn der untere Ösophagussphinkter (LES) – ein ringförmiger Muskel am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen – sich unangemessen entspannt oder geschwächt ist, sodass saurer Mageninhalt in Kontakt mit der Schleimhaut der Speiseröhre kommen kann. Im Folgenden sind die häufigsten Ursachen aufgeführt, grob geordnet nach Häufigkeit.
### 1. Transiente Relaxationen des unteren Ösophagussphinkters (TLESRs)
Der häufigste Mechanismus für Sodbrennen bei ansonsten gesunden Personen. TLESRs sind kurze, reflektorische Erschlaffungen des LES, die nicht mit dem Schlucken zusammenhängen und durch Magendehnung ausgelöst werden. Sie sind für bis zu **70 % der Refluxepisoden** bei Personen ohne Hiatushernie verantwortlich [2].
### 2. Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)
Wird der Reflux chronisch – typischerweise definiert als belastende Symptome, die zwei- oder mehrmals pro Woche auftreten – ändert sich die Diagnose zu GERD [1]. Schleimhautschäden (erosive Ösophagitis) liegen bei etwa 30–40 % der GERD-Patienten vor; die übrigen leiden an einer nicht-erosiven Refluxkrankheit (NERD).
### 3. Hiatushernie
Eine Hiatushernie tritt auf, wenn der obere Teil des Magens durch den Hiatus des Zwerchfells hindurchtritt. Dies stört die LES-Barriere, fördert die Säureansammlung und ist stark mit schwererem Reflux und Ösophagitis assoziiert [3].
### 4. Ernährungs- und Lebensstil-Auslöser
Bestimmte Lebensmittel und Gewohnheiten schwächen den LES oder erhöhen den intraabdominellen Druck:
- **Fettige oder frittierte Speisen** – verlangsamen die Magenentleerung, vermindern den LES-Tonus
- **Koffein, Schokolade, Pfefferminze** – entspannen den LES
- **Alkohol** – reizt die Ösophagusschleimhaut direkt und senkt den LES-Druck
- **Zitrusfrüchte, Tomaten, scharfe Speisen** – senken den pH-Wert des Refluats, reizen die Schleimhaut
- **Große Mahlzeiten und spätes Essen** – Magendehnung löst TLESRs aus
- **Adipositas** – ein erhöhter intraabdomineller Druck ist ein starker, dosisabhängiger Risikofaktor [4]
### 5. Medikamente
Mehrere Wirkstoffklassen können Sodbrennen auslösen oder verschlimmern:
- NSAR (Ibuprofen, Naproxen) – direkte Schleimhautschädigung
- Calciumkanalblocker, Nitrate – entspannen den LES
- Bisphosphonate (Alendronat) – Pillenösophagitis
- Tetracycline, Kaliumchlorid, Eisenpräparate – Reizung der Speiseröhre
- Anticholinergika – verzögerte Magenentleerung
### 6. Schwangerschaft
Hormonelle Veränderungen (insbesondere ein erhöhter Progesteronspiegel) entspannen den LES, während die wachsende Gebärmutter den intraabdominellen Druck erhöht. Bis zu **80 % der schwangeren Frauen** berichten über Sodbrennen, insbesondere im dritten Trimenon [7].
### 7. Funktionelles Sodbrennen
Manche Patienten weisen typische Sodbrennen-Symptome auf, obwohl die Säureexposition normal ist und keine Reflux-Symptom-Korrelation in der pH-Metrie vorliegt. Dieses Krankheitsbild, definiert nach den Rom-IV-Kriterien, beruht auf einer ösophagealen Hypersensitivität und Anomalien der zentralen Schmerzverarbeitung statt auf einem Säureüberschuss.
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## WARNZEICHEN
Die meisten Fälle von Sodbrennen sind harmlos, aber bestimmte Merkmale erfordern eine **dringende oder notfallmäßige Abklärung**. Suchen Sie umgehend medizinische Hilfe auf (rufen Sie den Rettungsdienst), wenn Sodbrennen begleitet wird von:
- **Drückenden oder beengenden Brustschmerzen**, die in den Kiefer, den linken Arm oder den Rücken ausstrahlen – können auf ein akutes Koronarsyndrom hinweisen
- **Plötzlich einsetzenden, starken Brust- oder Oberbauchschmerzen** mit Erbrechen – Verdacht auf Ösophagusperforation (Boerhaave-Syndrom)
- **Schluckbeschwerden (Dysphagie)** oder **schmerzhaftem Schlucken (Odynophagie)** – Hinweis auf Striktur, eosinophile Ösophagitis oder Malignität
- **Unbeabsichtigtem Gewichtsverlust** (> 5 % des Körpergewichts in 6–12 Monaten)
- **Bluterbrechen (Hämatemesis)** oder **schwarzem, teerartigem Stuhl (Meläna)** – Anzeichen einer gastrointestinalen Blutung
- **Anhaltendem Erbrechen**, das jegliche orale Nahrungsaufnahme verhindert
- **Neu aufgetretenem Sodbrennen nach dem 55. Lebensjahr** mit jeglichem Alarmsymptom – erfordert gemäß den ACG-Leitlinien eine zeitnahe Endoskopie [2]
- **Anämie unklarer Genese** mit Refluxsymptomen
- **Erstickungsanfällen, Heiserkeit oder rezidivierenden Aspirationspneumonien** – Hinweis auf Komplikationen eines laryngopharyngealen Refluxes
> **Wichtig:** Sodbrennen und kardiale Brustschmerzen können sich identisch anfühlen. Bestehen Zweifel, insbesondere bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren, **sollte die Beschwerde so lange als kardialer Notfall behandelt werden, bis das Gegenteil bewiesen ist.**
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## Selbsthilfe zu Hause
Bei leichtem, seltenem Sodbrennen können die folgenden evidenzbasierten nicht-pharmakologischen Maßnahmen eine spürbare Linderung bringen:
### Ernährungsumstellung
- **Bekannte Trigger-Lebensmittel meiden** – fettige Speisen, Schokolade, Pfefferminze, Koffein, Alkohol, Zitrusfrüchte und tomatenbasierte Produkte. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2016 bestätigte, dass eine Ernährungsumstellung in der Regel die Symptomlast reduziert [4].
- **Kleinere, häufigere Mahlzeiten** statt großer Portionen einnehmen.
- **In den 2–3 Stunden vor dem Schlafengehen nichts essen** – ermöglicht eine Magenentleerung vor dem Hinlegen.
### Lagerungsstrategien
- **Das Kopfende des Bettes um 15–20 cm (6–8 Zoll) erhöhen**, mithilfe von Klötzen oder einem Keilkissen. Dies nutzt die Schwerkraft, um den nächtlichen Reflux zu reduzieren, und hat in kontrollierten Studien gezeigt, dass es die Säureexpositionszeit der Speiseröhre verkürzt [4].
- **Nicht auf der rechten Seite liegen** – die Linksseitenlage reduziert Refluxepisoden, indem sie den gastroösophagealen Übergang oberhalb des Säurespiegels hält.
### Gewichtsmanagement
- **Übergewicht abbauen.** Eine prospektive Kohortenstudie ergab, dass eine Reduktion des BMI um ≥ 3,5 Einheiten mit einer Verringerung der Refluxsymptome um etwa 40 % einherging [4]. Selbst eine bescheidene Gewichtsabnahme kann hilfreich sein.
### Weitere Maßnahmen
- **Mit dem Rauchen aufhören** – Nikotin senkt den LES-Druck und beeinträchtigt die Bicarbonat-Sekretion des Speichels.
- **Lockere Kleidung tragen** – vermeidet eine Erhöhung des intraabdominellen Drucks.
- **Zuckerfreies Kaugummi nach den Mahlzeiten kauen** kann die Speichelproduktion anregen, wodurch die Säure in der Speiseröhre neutralisiert wird (kleine Studien deuten auf einen Nutzen hin).
- **Stressbewältigung** – psychischer Stress kann die ösophageale Schmerzwahrnehmung verstärken, auch ohne erhöhten Säurereflux.
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## Hilfreiche rezeptfreie (OTC) Arzneimittel
Rezeptfreie (OTC) Optionen sind bei leichtem, intermittierendem Sodbrennen geeignet. Sie lassen sich in drei Hauptklassen einteilen.
| Klasse | Beispiel(e) | Übliche Erwachsenendosis | Wirkmechanismus | Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| **Antazida** | Calciumcarbonat (Tums), Aluminium-/Magnesiumhydroxid (Maalox, Mylanta) | 500–1000 mg Calciumcarbonat bei Bedarf gekaut; max. 7500 mg/Tag | Neutralisieren die Magensäure direkt bei Kontakt | Schneller Wirkungseintritt (Minuten), aber kurze Wirkdauer (30–60 min). Können Verstopfung (Aluminium) oder Durchfall (Magnesium) verursachen. Bei Niereninsuffizienz vermeiden. |
| **H2-Rezeptor-Antagonisten (H2RA)** | Famotidin (Pepcid AC) 10–20 mg | 10–20 mg ein- oder zweimal täglich nach Bedarf; max. 40 mg/Tag rezeptfrei | Blockieren Histamin-H2-Rezeptoren an den Belegzellen und reduzieren so die Säuresekretion | Wirkungseintritt ~30–60 min; Wirkdauer 6–12 h. Geeignet bei vorhersehbarem Sodbrennen (z. B. vor einer triggerhaltigen Mahlzeit). Bei kontinuierlicher täglicher Anwendung kann sich eine Tachyphylaxie entwickeln. |
| **Protonenpumpenhemmer (PPI)** | Omeprazol (Prilosec OTC) 20 mg, Esomeprazol (Nexium 24HR) 20 mg, Lansoprazol (Prevacid 24HR) 15 mg | Eine Kapsel täglich, 30 min vor dem Frühstück, bis zu 14 Tagen | Hemmen irreversibel die H⁺/K⁺-ATPase (Protonenpumpe) in den Belegzellen | Stärkste Säuresuppression. Nicht zur sofortigen Linderung – die maximale Wirkung tritt erst nach 2–3 Tagen ein. Die OTC-Kennzeichnung beschränkt die Anwendung auf 14-Tage-Kuren, höchstens 3-mal pro Jahr. Die OTC-Anwendungsdauer nicht ohne ärztliche Anleitung überschreiten [5]. |
| **Alginat-basierte Produkte** | Natriumalginat + Natriumbicarbonat (Gaviscon Advance) | 10–20 mL nach den Mahlzeiten und vor dem Schlafengehen | Bilden ein physisches "Floß" auf dem Mageninhalt, das den Reflux blockiert | Besonders nützlich bei postprandialen und nächtlichen Beschwerden. Im Allgemeinen gut verträglich. Der Natriumgehalt kann bei salzarmer Ernährung relevant sein. |
> **Tipp:** Bei gelegentlichem Sodbrennen mit einem Antazidum für rasche Linderung beginnen. Treten die Beschwerden mehrmals pro Woche auf, sind ein H2RA oder eine kurze PPI-Kur in der Regel wirksamer [2].
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## Verschreibungspflichtige Optionen
Eine verschreibungspflichtige Therapie ist im Allgemeinen indiziert, wenn OTC-Maßnahmen nach 4–8 Wochen versagen, Alarmsymptome vorliegen oder eine Endoskopie eine erosive Ösophagitis oder einen Barrett-Ösophagus zeigt.
| Klasse | Beispiele | Übliche Erwachsenendosis | Indikation / Hinweise |
|---|---|---|---|
| **Verschreibungspflichtige PPI** | Omeprazol 20–40 mg, Esomeprazol 20–40 mg, Pantoprazol 40 mg, Rabeprazol 20 mg, Dexlansoprazol 30–60 mg | Ein- oder zweimal täglich, 30 min vor den Mahlzeiten, in der Regel 4–8 Wochen | Erstlinientherapie bei erosiver Ösophagitis und mittelschwerer bis schwerer GERD. Heilungsraten von 80–90 % nach 8 Wochen [2]. Eine Langzeitanwendung erfordert eine periodische Neubeurteilung. |
| **Kalium-kompetitive Säureblocker (P-CABs)** | Vonoprazan 10–20 mg | 20 mg einmal täglich zur Heilung; 10 mg zur Erhaltung | Schnellerer Wirkungseintritt als PPI, wirksam unabhängig vom Zeitpunkt der Mahlzeit. In einigen Märkten zur Behandlung der erosiven Ösophagitis und GERD zugelassen [2]. |
| **Prokinetika** | Metoclopramid 10 mg, Domperidon 10 mg (Verfügbarkeit länderabhängig) | 10 mg bis zu dreimal täglich vor den Mahlzeiten | Verbessern die Magenentleerung und den LES-Tonus. Durch das Nebenwirkungsprofil eingeschränkt (extrapyramidale Symptome bei Metoclopramid). Werden in der Regel nur als Zusatztherapie eingesetzt. |
| **Baclofen** | Baclofen 5–20 mg dreimal täglich | 5 mg dreimal täglich, schrittweise hochtitriert | GABA-B-Agonist, der TLESRs reduziert. Off-Label-Anwendung bei refraktärer GERD, üblicherweise durch Gastroenterologen. Sedierung ist dosislimitierend. |
| **Neuromodulatoren** | Trizyklische Antidepressiva (Amitriptylin 10–25 mg vor dem Schlafengehen), SSRI | Niedrige Dosis, typischerweise vor dem Schlafengehen | Bei funktionellem Sodbrennen / ösophagealer Hypersensitivität, wenn die Säuresuppression versagt und die pH-Metrie normal ist. Verschreibung durch Gastroenterologen. |
### Chirurgische und endoskopische Optionen
Für Patienten mit gesicherter GERD, die eine Langzeitmedikation nicht vertragen oder absetzen möchten:
- **Laparoskopische Fundoplicatio (Nissen oder Toupet)** – die Standard-Antireflux-Operation; bei geeigneter Patientenauswahl langfristig wirksam.
- **Magnetische Sphinkteraugmentation (LINX-Vorrichtung)** – ein Ring aus magnetischen Perlen, der um den LES gelegt wird; FDA-zugelassen, mit zunehmender Evidenz für die Wirksamkeit.
- **Transorale inzisionslose Fundoplicatio (TIF)** – eine endoskopische Alternative mit kürzerer Erholungszeit, jedoch potenziell geringerer Langzeithaltbarkeit.
Die Überweisung zur Operation erfolgt in der Regel durch einen Gastroenterologen in Zusammenarbeit mit einem Vorderdarmchirurgen.
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## Üblicherweise angeordnete Laboruntersuchungen
Sodbrennen selbst ist eine klinische Diagnose. Wenn die Symptome jedoch persistierend, atypisch oder von Alarmsymptomen begleitet sind, können folgende Untersuchungen veranlasst werden:
| Untersuchung | Begründung |
|---|---|
| **Obere Endoskopie (ÖGD)** | Goldstandard zur Erkennung von erosiver Ösophagitis, Barrett-Ösophagus, Strikturen und Malignität. Indiziert bei Alarmsymptomen, Versagen der empirischen Therapie oder zur Vorsorgeuntersuchung bei Hochrisikopatienten [2]. |
| **Ösophageale pH-Metrie (24-Stunden-Katheter oder kabellose Bravo-Kapsel)** | Quantifiziert die Säureexpositionszeit. Unentbehrlich zur Bestätigung oder zum Ausschluss eines pathologischen Refluxes vor einer Antireflux-Operation oder bei Patienten mit normaler Endoskopie und refraktären Symptomen. |
| **Ösophageale Impedanz-pH-Metrie** | Erkennt sowohl saure als auch nicht-saure Refluxepisoden. Nützlich, wenn die Symptome trotz adäquater PPI-Therapie persistieren. |
| **Hochauflösende Ösophagusmanometrie** | Beurteilt den LES-Druck und die ösophageale Motilität. Vor einer Antireflux-Operation erforderlich, um eine Achalasie oder schwere Motilitätsstörung auszuschließen. |
| **Großes Blutbild (CBC)** | Zur Abklärung einer [Eisenmangelanämie](/tests/complete-blood-count) bei Verdacht auf eine gastrointestinale Blutung. |
| **Helicobacter-pylori-Diagnostik** (Harnstoff-Atemtest, Stuhlantigen oder biopsiebasiert) | Empfohlen bei Patienten mit begleitender Dyspepsie. Der Zusammenhang zwischen H. pylori und GERD ist komplex; eine Eradikation wird bei einer Infektion empfohlen, verbessert den Reflux jedoch nicht zuverlässig [6]. Siehe [H.-pylori-Tests](/tests/helicobacter-pylori-test). |
| **Serum-Gastrinspiegel** | In Erwägung zu ziehen bei Verdacht auf Zollinger-Ellison-Syndrom (refraktäre, schwere Symptome mit multiplen Ulzera). |
| **Ösophagusbiopsie** | Wird während der ÖGD durchgeführt, um eine Barrett-Metaplasie, eosinophile Ösophagitis oder Dysplasie zu beurteilen. |
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## Spezielle Patientengruppen
### Kinder und Jugendliche
Ein gastroösophagealer Reflux ist bei Säuglingen physiologisch ("Spucken") und klingt typischerweise bis zum 12.–18. Lebensmonat ab. Eine pathologische GERD bei Kindern kann sich mit Sodbrennen (bei älteren Kindern), Nahrungsverweigerung, Reizbarkeit oder respiratorischen Symptomen äußern.
- **Nicht-pharmakologische Maßnahmen** (angedickte Nahrung, aufrechte Lagerung nach den Mahlzeiten) sind bei Säuglingen die erste Wahl.
- **Eine medikamentöse Therapie** der pädiatrischen GERD sollte durch einen Pädiater oder einen pädiatrischen Gastroenterologen erfolgen. PPI und H2RA werden bei Kindern eingesetzt, jedoch sind die Dosen **gewichts- und altersabhängig** – eine Extrapolation der Erwachsenendosis ist nicht zulässig. Die NASPGHAN/ESPGHAN-Leitlinien geben evidenzbasierte pädiatrische Empfehlungen.
- Antazida werden bei Säuglingen aufgrund des Risikos einer Aluminium- und Magnesiumakkumulation **generell nicht empfohlen**.
### Schwangerschaft
Sodbrennen betrifft bis zu 80 % der schwangeren Frauen [7]. Bei der Behandlung steht die Sicherheit des sich entwickelnden Fötus im Mittelpunkt.
- **Erste Wahl:** Lebensstiländerungen (kleine Mahlzeiten, kein Essen vor dem Schlafengehen, Hochlagerung des Kopfendes des Bettes) und Antazida (Calciumcarbonat ist bevorzugt – liefert zudem zusätzliches Calcium). Natriumbicarbonat (Flüssigkeitsretention) und Magnesiumtrisilikat in hohen Dosen sind zu vermeiden.
- **Zweite Wahl:** Famotidin gilt in der Schwangerschaft im Allgemeinen als akzeptabel, wenn Lebensstilmaßnahmen und Antazida unzureichend sind.
- **PPI:** Omeprazol und andere PPI wurden in der Schwangerschaft mit beruhigenden Sicherheitsdaten aus Beobachtungsstudien angewendet. Die aktuellen Leitlinien betrachten sie generell als akzeptabel, wenn klar indiziert, wobei eine partizipative Entscheidungsfindung mit dem verschreibenden Arzt empfohlen wird [7].
- **Zu vermeiden:** Metoclopramid im ersten Trimenon, sofern der Nutzen die Risiken nicht eindeutig überwiegt. Misoprostol ist **kontraindiziert** (abortiv wirksam).
### Ältere Menschen
- Ältere Patienten können sich mit **atypischen oder milderen Symptomen** präsentieren, obwohl eine schwerere Erkrankung der Speiseröhre vorliegt (verminderte Schmerzwahrnehmung).
- **Höheres Komplikationsrisiko** bei GERD: Strikturen, Barrett-Ösophagus und Adenokarzinom der Speiseröhre nehmen mit dem Alter zu.
- **Überlegungen zu PPI bei älteren Menschen:** Eine langfristige PPI-Anwendung wurde in Beobachtungsstudien mit einem leicht erhöhten Risiko für *Clostridioides difficile*-Infektionen, osteoporotische Frakturen, Hypomagnesiämie und chronische Nierenerkrankung in Verbindung gebracht. Während die Kausalität weiterhin diskutiert wird, empfehlen Kliniker im Allgemeinen, die **niedrigste wirksame Dosis für die kürzeste Dauer** anzuwenden [2].
- **Arzneimittelinteraktionen:** PPI (insbesondere Omeprazol) können mit Clopidogrel interagieren (CYP2C19-Hemmung). Pantoprazol wird bei Patienten unter dualer Thrombozytenaggregationshemmung im Allgemeinen bevorzugt.
- **Vorsicht bei Antazida:** Aluminiumhaltige Antazida können eine Verstopfung verschlimmern; magnesiumhaltige Produkte erfordern Vorsicht bei Niereninsuffizienz.
### Sportler
- Belastungsinduziertes Sodbrennen ist häufig, insbesondere bei **stoßintensiven Aktivitäten** (Laufen) und Übungen, die den intraabdominellen Druck erhöhen (Gewichtheben, Crunches).
- Zu den Mechanismen zählen vermehrte transiente LES-Relaxationen unter Belastung, eine reduzierte splanchnische Durchblutung und eine mechanische Kompression des Magens.
- **Empfehlungen zum Umgang:**
- 2–3 Stunden vor dem Sport nichts essen
- Ausreichend trinken, aber kohlensäurehaltige Getränke meiden
- Ein 30–60 Minuten vor dem Sport eingenommenes Antazidum oder ein H2RA können hilfreich sein
- Bei starken Beschwerden gelenkschonendere Alternativen (Radfahren, Schwimmen) in Betracht ziehen
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## Wann eine Eskalation erforderlich ist
Die Entscheidung zur Eskalation hängt von der Symptomschwere, der Dauer, dem Therapieansprechen und dem Vorliegen von Warnzeichen ab.
### Hausarzt oder Allgemeinmediziner aufsuchen (innerhalb von Tagen bis Wochen)
- Sodbrennen, das **zwei- oder mehrmals pro Woche** über mehr als 4 Wochen auftritt
- Symptome, die durch eine **2-wöchige OTC-PPI-Therapie nicht kontrolliert** werden
- Bedarf an einer rezeptfreien säuresuppressiven Medikation **mehr als 3-mal pro Jahr** (14-Tage-Kuren)
- Chronisches Räuspern, Heiserkeit oder Husten mit Verdacht auf Refluxbezug
- Vorgeschichte eines Barrett-Ösophagus, der eine Überwachung erfordert
### Aufsuchen einer taggleichen oder dringenden Behandlung
- **Neu aufgetretenes, starkes Sodbrennen**, das nicht auf Antazida anspricht, insbesondere wenn es von Übelkeit oder Erbrechen begleitet wird
- **Schluckbeschwerden bei festen Speisen** (Steckenbleiben von Nahrung)
- **Dehydrierung infolge anhaltenden Erbrechens**
- Sodbrennen in Verbindung mit **unerklärlichem Fieber**
### Notaufnahme aufsuchen / Rettungsdienst rufen
- **Brustschmerz, der kardial bedingt sein könnte** – insbesondere mit Atemnot, Schweißausbruch, Ausstrahlung in den Arm oder Kiefer oder belastungsabhängigem Beginn
- **Bluterbrechen** oder Absetzen von **schwarzem, teerartigem Stuhl**
- **Starke Bauchschmerzen** mit Abwehrspannung oder Loslassschmerz
- **Vollständige Unfähigkeit zu schlucken** (auch von Flüssigkeiten)
- **Anzeichen einer Anaphylaxie** nach Einnahme eines neuen Sodbrennen-Medikaments
> **Faustregel:** Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Brustschmerzen Sodbrennen oder herzbedingt sind, **entscheiden Sie sich immer im Zweifel für die Inanspruchnahme einer Notfallversorgung.** Zeitkritische kardiale Erkrankungen erfordern eine rasche Abklärung.
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## Literatur
[1] Vakil N, van Zanten SV, Kahrilas P, Dent J, Jones R. The Montreal definition and classification of gastroesophageal reflux disease: a global evidence-based consensus. *Am J Gastroenterol*. 2006;101(8):1900-1920. PMID:16928254.
[2] Katz PO, Dunbar KB, Schnoll-Sussman FH, Greer KB, Yadlapati R, Spechler SJ. ACG Clinical Guideline for the Diagnosis and Management of Gastroesophageal Reflux Disease. *Am J Gastroenterol*. 2022;117(1):27-56. PMID:34807007.
[3] Richter JE, Rubenstein JH. Presentation and Epidemiology of Gastroesophageal Reflux Disease. *Gastroenterology*. 2018;154(2):267-276. PMID:29289524.
[4] Ness-Jensen E, Hveem K, El-Serag H, Lagergren J. Lifestyle Intervention in Gastroesophageal Reflux Disease. *Clin Gastroenterol Hepatol*. 2016;14(2):175-182.e3. PMID:26091849.
[5] Kahrilas PJ. Gastroesophageal Reflux Disease. *N Engl J Med*. 2008;359(16):1700-1707. PMID:18923172.
[6] Moayyedi PM, Lacy BE, Andrews CN, Enns RA, Howden CW, Vakil N. ACG and CAG Clinical Guideline: Management of Dyspepsia. *Am J Gastroenterol*. 2017;112(7):988-1013. PMID:28631728.
[7] Body C, Christie JA. Gastrointestinal Diseases in Pregnancy: Nausea, Vomiting, Hyperemesis Gravidarum, Gastroesophageal Reflux Disease, Constipation, and Diarrhea. *Gastroenterol Clin North Am*. 2016;45(2):267-283. PMID:27261898.
[8] National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Gastro-oesophageal reflux disease and dyspepsia in adults: investigation and management. Clinical guideline [CG184]. Published September 2014, updated October 2019. Available at: https://www.nice.org.uk/guidance/cg184.
[9] U.S. Food and Drug Administration. FDA Drug Safety Communication: Possible increased risk of fractures of the hip, wrist, and spine with the use of proton pump inhibitors. Updated March 2011. Available at: https://www.fda.gov/drugs/drug-safety-and-availability.
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*Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Konsultieren Sie für Diagnose- und Behandlungsentscheidungen stets eine qualifizierte medizinische Fachkraft.*
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