## Überblick
Übelkeit ist die unangenehme, subjektive Empfindung eines Brechreizes. Sie wird unter dem ICD-10-Code **R11.0** klassifiziert und gehört zu den am häufigsten gemeldeten Symptomen sowohl im ambulanten Bereich als auch in Notaufnahmen weltweit. Epidemiologische Erhebungen lassen vermuten, dass bis zu 50 % der Erwachsenen mindestens eine Episode signifikanter Übelkeit pro Jahr erleben, obwohl die tatsächliche Prävalenz schwer zu quantifizieren ist, da viele Fälle nicht gemeldet werden [1]. Übelkeit kann isoliert auftreten oder Würgereiz und Erbrechen (Emesis) vorausgehen; die drei Phänomene werden klinisch oft zusammengefasst, haben jedoch unterschiedliche physiologische Mechanismen.
Aus neurologischer Sicht entsteht Übelkeit, wenn das „Brechzentrum" des Gehirns – ein lose organisiertes Netzwerk in der Medulla oblongata – afferente Signale aus dem Magen-Darm-Trakt (über den Nervus vagus), dem Vestibularsystem, der Chemorezeptor-Triggerzone (CTZ) in der Area postrema oder höheren kortikalen Zentren empfängt [1]. Diese Eingänge konvergieren auf einer gemeinsamen Endstrecke, die das subjektive Erleben von Übelkeit zusammen mit autonomen Reaktionen wie Blässe, Speichelfluss, Tachykardie und Schweißausbruch erzeugt.
Menschen suchen Informationen zu Übelkeit, weil sie belastend ist, den Alltag und die Ernährung beeinträchtigen kann und auf Erkrankungen hindeuten kann, die von harmlos (Reisekrankheit, diätetische Unverträglichkeit) bis lebensbedrohlich (Myokardinfarkt, Darmverschluss, diabetische Ketoazidose) reichen. Dieser Artikel bietet einen evidenzbasierten Überblick über Ursachen, Warnzeichen, Selbsthilfemaßnahmen, pharmakologische Optionen, relevante Diagnostik, Aspekte besonderer Bevölkerungsgruppen sowie klare Hinweise, wann eine Eskalation der Versorgung erforderlich ist.
> **Haftungsausschluss:** Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Konsultieren Sie für Diagnose und Behandlung stets eine qualifizierte medizinische Fachkraft.
## Häufige Ursachen
Übelkeit lässt sich grob nach Mechanismus kategorisieren. Die folgende Liste ist näherungsweise nach Häufigkeit bei Erwachsenen in der hausärztlichen Versorgung geordnet [1][8].
### 1. Gastrointestinale Ursachen (am häufigsten)
- **Akute Gastroenteritis (viral oder bakteriell):** Eine Infektion des Magens und Darms löst vagale afferente Signale und die lokale Freisetzung entzündlicher Mediatoren aus. Dies ist die mit Abstand häufigste Ursache akuter Übelkeit.
- **Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD):** In die Speiseröhre zurückfließende Säure stimuliert vagale Afferenzen und verursacht häufig Übelkeit zusammen mit Sodbrennen.
- **Gastroparese:** Eine verzögerte Magenentleerung – häufig sekundär bei Diabetes oder idiopathisch – führt zu Magendistension und chronischer Übelkeit.
- **Ulkuskrankheit:** Mukosale Schäden im Magen oder Duodenum verursachen lokale Entzündungen und vagale Stimulation.
- **Funktionelle Dyspepsie:** Viszerale Hypersensitivität und beeinträchtigte gastrische Akkommodation erzeugen Übelkeit ohne strukturelle Pathologie.
- **Darmverschluss:** Eine mechanische Blockade verursacht eine proximale Dilatation und intensive vagale afferente Aktivität; dies ist ein chirurgischer Notfall.
- **Hepatitis und Pankreatitis:** Entzündungen der Leber oder Bauchspeicheldrüse verursachen Übelkeit über lokale und systemische Entzündungswege.
### 2. Ursachen im Zentralnervensystem
- **Migräne:** Übelkeit ist ein diagnostisches Kriterium der Migräne und tritt bei bis zu 80 % der Anfälle auf, ausgelöst durch eine Aktivierung des Hirnstamms.
- **Vestibuläre Störungen (Schwindel, Labyrinthitis, BPPV):** Asymmetrischer vestibulärer Input aktiviert das Brechzentrum über die Vestibulariskerne.
- **Reisekrankheit:** Eine sensorische Diskrepanz zwischen visuellen und vestibulären Eingängen stimuliert die CTZ.
- **Erhöhter intrakranieller Druck:** Tumoren, Blutungen oder Hydrozephalus verursachen Übelkeit durch direkte Hirnstammkompression.
### 3. Metabolische und endokrine Ursachen
- **Schwangerschaft („Morgenübelkeit"):** Betrifft 50–80 % der Schwangerschaften im ersten Trimester, wahrscheinlich angetrieben durch ansteigende hCG- und Östrogenspiegel [3].
- **Diabetische Ketoazidose (DKA):** Ketonämie stimuliert die CTZ.
- **Urämie:** Die Anreicherung von Toxinen bei Niereninsuffizienz aktiviert die CTZ.
- **Nebenniereninsuffizienz und Schilddrüsenerkrankungen:** Hormonelle Dysbalancen können chronische, geringgradige Übelkeit verursachen.
### 4. Medikamenten- und substanzbedingte Ursachen
- **Chemotherapie:** Emetogene Wirkstoffe stimulieren die CTZ über Serotonin- (5-HT3) und Substanz-P-(NK1)-Rezeptorpfade [6].
- **Opioide:** Aktivieren die CTZ direkt und verlangsamen die gastrointestinale Motilität.
- **NSAR und Antibiotika:** Verursachen eine Reizung der Magenschleimhaut.
- **Alkohol:** Direkter Magenreizstoff mit zentral dämpfender Wirkung.
### 5. Psychische Ursachen
- **Angst- und Panikstörungen:** Kortikale und limbische Eingänge zum Brechzentrum können Übelkeit ohne organische Erkrankung hervorrufen.
- **Antizipatorische Übelkeit:** Eine konditionierte Reaktion, besonders häufig bei Chemotherapie-Patienten [6].
### 6. Kardiale Ursachen
- **Akuter Myokardinfarkt (insbesondere Hinterwandinfarkt):** Vagale Stimulation durch ischämisches Myokard kann sich als isolierte Übelkeit präsentieren – eine kritisch wichtige „atypische" Manifestation, insbesondere bei Frauen, älteren Erwachsenen und Menschen mit Diabetes.
## WARNZEICHEN
Suchen Sie **sofort einen Notarzt auf (rufen Sie den Notruf 112 oder gehen Sie zur nächsten Notaufnahme)**, wenn die Übelkeit von einem der folgenden Anzeichen begleitet wird:
- **Brustschmerzen, Druck- oder Engegefühl** – kann auf einen Myokardinfarkt hinweisen
- **Plötzlich einsetzende, starke Kopfschmerzen** („Donnerschlagkopfschmerz") – mögliche Subarachnoidalblutung
- **Steifer Nacken mit Fieber und Lichtempfindlichkeit** – mögliche Meningitis
- **Bluterbrechen (Hämatemesis) oder „kaffeesatzartiges" Erbrochenes** – obere gastrointestinale Blutung
- **Blutiger oder schwarzer, teerartiger Stuhl** – gastrointestinale Blutung
- **Anzeichen schwerer Dehydratation:** Unfähigkeit, Flüssigkeiten länger als 12 Stunden bei sich zu behalten, kein Wasserlassen seit 8+ Stunden, Schwindel beim Aufstehen, trockene Schleimhäute, schneller Puls
- **Starke Bauchschmerzen, insbesondere bei einem brettharten Abdomen** – mögliche Perforation oder Peritonitis
- **Kürzliches Schädeltrauma** – kann auf eine intrakranielle Blutung oder erhöhten Hirndruck hinweisen
- **Verwirrtheit, veränderter Bewusstseinszustand oder Bewusstlosigkeit**
- **Hohes Fieber (>39,5 °C / 103 °F) mit anhaltendem Erbrechen**
- **Bekannte oder vermutete Schwangerschaft mit unstillbarem Erbrechen und Gewichtsverlust >5 %** – kann auf eine Hyperemesis gravidarum hinweisen [3]
- **Übelkeit mit neu aufgetretenen neurologischen Symptomen** (Sehstörungen, Schwäche, verwaschene Sprache) – möglicher Schlaganfall
## Selbsthilfe zu Hause
Bei leichter, selbstlimitierender Übelkeit (z. B. virale Gastroenteritis, diätetische Unverträglichkeit, Reisekrankheit) umfassen evidenzbasierte nicht-pharmakologische Strategien:
### Diätetische Anpassungen
- **Klare Flüssigkeiten häufig in kleinen Mengen schluckweise trinken** (Wasser, verdünnte Elektrolytlösungen, klare Brühe). Orale Rehydrationslösungen (ORS) sind reinem Wasser vorzuziehen, wenn Erbrechen vorliegt, da sie verlorene Elektrolyte ersetzen [8].
- **BRAT-Ansatz vorsichtig befolgen:** Bananen, Reis, Apfelmus und Toast (engl. *Bananas, Rice, Applesauce, Toast*) werden traditionell wegen ihres milden, ballaststoffarmen Profils empfohlen. Obwohl nicht streng evidenzbasiert, werden diese Lebensmittel in der Erholungsphase im Allgemeinen gut vertragen.
- **Kleine, häufige Mahlzeiten** statt großer Portionen einnehmen. Fettige, scharfe und stark aromatisierte Speisen meiden.
- **Milchprodukte meiden** während einer akuten Gastroenteritis, da ein vorübergehender Laktasemangel häufig vorkommt.
- **Aufrechte Position** für mindestens 30 Minuten nach dem Essen einhalten.
### Ingwer
Ingwer (*Zingiber officinale*) verfügt über mäßige Evidenz, die seine antiemetischen Eigenschaften belegt. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit fand, dass Ingwer im Allgemeinen wirksamer ist als Placebo bei schwangerschaftsbedingter Übelkeit [4]. Ein typischer Ansatz sind 250 mg getrocknetes Ingwerwurzelpulver viermal täglich oder Ingwertee aus frischen Ingwerscheiben. Ingwer gilt allgemein als sicher (GRAS-Status der FDA), kann jedoch bei manchen Personen leichtes Sodbrennen verursachen.
### Akupressur (P6 / Neiguan-Punkt)
Die Stimulation des Akupressurpunktes P6 an der Innenseite des Handgelenks (etwa drei Fingerbreiten proximal der Handgelenksbeuge, zwischen den Sehnen des Musculus palmaris longus und Musculus flexor carpi radialis) wurde umfassend untersucht. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit von 40 Studien fand, dass die P6-Stimulation Übelkeit reduzieren kann, insbesondere im postoperativen Setting [5]. Im Handel erhältliche Akupressur-Armbänder (z. B. Sea-Bands) bieten eine risikoarme, medikamentenfreie Option.
### Aromatherapie
Inhaliertes Isopropylalkohol oder Pfefferminzöl hat in Studien aus der Notaufnahme einen gewissen Nutzen bei akuter Übelkeit gezeigt. Obwohl die Evidenz begrenzt ist, gelten diese Optionen als allgemein sicher und können eine schnelle, kurzfristige Linderung verschaffen.
### Verhaltensmaßnahmen
- **Tiefes, langsames Atmen:** Eine kontrollierte Zwerchfellatmung (4 Sekunden einatmen, 4 Sekunden halten, 4 Sekunden ausatmen) kann Übelkeit durch Modulation des Vagustonus reduzieren.
- **Kühle, frische Luft:** Ein Fenster öffnen oder einen Ventilator verwenden kann helfen, insbesondere bei Reisekrankheit oder hitzebedingter Übelkeit.
- **Starke Gerüche meiden:** Kochgerüche, Parfüme und chemische Dämpfe können Übelkeit über olfaktorisch-kortikale Bahnen verschlimmern.
## Hilfreiche rezeptfreie Medikamente (OTC)
Die folgenden rezeptfreien Optionen können bei der Bewältigung von Übelkeit bei Erwachsenen helfen. Lesen Sie stets die Produktetiketten und konsultieren Sie einen Apotheker oder Arzt, wenn Sie Grunderkrankungen haben oder andere Medikamente einnehmen.
| Wirkstoffklasse | Beispiel | Übliche Erwachsenendosis | Hinweise |
|---|---|---|---|
| **Antihistaminikum (H1-Blocker)** | Dimenhydrinat (Dramamine) | 50–100 mg alle 4–6 Stunden (max. 400 mg/Tag) | Am besten geeignet bei Reisekrankheit und vestibulärer Übelkeit. Kann Schläfrigkeit verursachen. Vermeiden bei Engwinkelglaukom, Harnverhalt und gleichzeitiger Anwendung von ZNS-Depressiva. |
| **Antihistaminikum (H1-Blocker)** | Meclizine (Bonine, Antivert) | 25–50 mg einmal täglich | Längere Wirkdauer, weniger sedierend als Dimenhydrinat. Indiziert bei Reisekrankheit und schwindelbedingter Übelkeit. |
| **Antihistaminikum (H1-Blocker)** | Diphenhydramin (Benadryl) | 25–50 mg alle 6–8 Stunden | Wirksam, aber stark sedierend. In flüssiger Form für Personen verfügbar, die Tabletten nicht schlucken können. |
| **Bismutsubsalicylat** | Pepto-Bismol | 524 mg (2 Tabletten oder 30 mL) alle 30–60 Min. nach Bedarf (max. 8 Dosen/Tag) | Nützlich bei Übelkeit im Zusammenhang mit Gastroenteritis oder diätetischer Unverträglichkeit. NICHT anwenden bei Allergie gegen Aspirin/Salicylate, unter Antikoagulanzien oder bei Kindern/Jugendlichen mit viralen Erkrankungen (Risiko des Reye-Syndroms). |
| **Phosphorylierte Kohlenhydratlösung** | Emetrol | 15–30 mL alle 15 Min. (max. 5 Dosen) | Hyperosmolare Lösung, die die Kontraktion der glatten Magenmuskulatur reduzieren kann. Vorsicht bei Diabetes (hoher Zuckergehalt). |
| **Antazidum / Säurehemmung** | Calciumcarbonat (Tums), Famotidin (Pepcid) | Gemäß Produktetikett | Bei Übelkeit im Zusammenhang mit Säurereflux oder Gastritis. Famotidin 20 mg wird in der Regel für eine länger anhaltende Linderung bevorzugt. |
**Wichtig:** Rezeptfreie Antiemetika sollten in der Regel nicht länger als 2–3 Tage ohne ärztliche Abklärung angewendet werden, da sie zugrunde liegende Pathologien maskieren können.
## Verschreibungspflichtige Optionen
Bei mittelschwerer bis schwerer, anhaltender Übelkeit oder in spezifischen klinischen Kontexten (postoperativ, chemotherapieinduziert, schwangerschaftsbedingt) können verschreibungspflichtige Antiemetika erforderlich sein. Diese werden typischerweise von Hausärzten, Gastroenterologen, Geburtshelfern, Onkologen oder Notfallmedizinern verschrieben.
| Wirkstoffklasse | Beispiel(e) | Indikation | Hinweise |
|---|---|---|---|
| **5-HT3-Rezeptorantagonist** | Ondansetron (Zofran) 4–8 mg PO/IV alle 8 h | Postoperative Übelkeit, chemotherapieinduzierte Übelkeit und Erbrechen (CINV), Gastroenteritis | Im Allgemeinen gut verträglich. Kann Kopfschmerzen, Verstopfung verursachen. QTc-Verlängerungsrisiko bei höheren Dosen – bei Patienten mit Long-QT-Syndrom vermeiden [7]. |
| **NK1-Rezeptorantagonist** | Aprepitant (Emend) 125 mg an Tag 1, dann 80 mg an den Tagen 2–3 | Hochgradig emetogene Chemotherapie | Wird gemäß ASCO-Leitlinien in Kombination mit 5-HT3-Antagonisten und Dexamethason eingesetzt [6]. CYP3A4-Wechselwirkungen. |
| **Dopamin-(D2)-Antagonist** | Metoclopramid (Reglan) 10 mg PO/IV alle 6–8 h; Prochlorperazin (Compazine) 5–10 mg PO/IV alle 6–8 h | Gastroparese, refraktäre Übelkeit | Risiko extrapyramidaler Nebenwirkungen (EPS), einschließlich tardiver Dyskinesien bei längerem Einsatz von Metoclopramid (FDA-Black-Box-Warnung – auf 12 Wochen begrenzen) [7]. |
| **Anticholinergikum** | Scopolamin transdermales Pflaster (Transderm Scop) 1,5 mg/72 h | Reisekrankheit, postoperative Übelkeit | Mindestens 4 Stunden vor der Reise hinter dem Ohr aufkleben. Kann Mundtrockenheit, Sehstörungen, Harnverhalt verursachen. |
| **Benzodiazepin** | Lorazepam (Ativan) 0,5–1 mg PO/IV alle 8 h bei Bedarf | Antizipatorische Übelkeit (z. B. Chemotherapie), angstbedingte Übelkeit | Nur als Begleittherapie. Sedierung, Abhängigkeitsrisiko. |
| **Kortikosteroid** | Dexamethason 4–8 mg IV/PO | CINV (im Rahmen einer Kombinationstherapie), postoperative Übelkeit | Mechanismus der antiemetischen Wirkung nicht vollständig geklärt; möglicherweise Prostaglandinhemmung. Kurzzeitanwendung allgemein sicher [2][6]. |
| **Phenothiazin** | Promethazin (Phenergan) 12,5–25 mg PO/PR/IM alle 4–6 h | Refraktäre Übelkeit, vestibuläre Übelkeit | Erhebliche Sedierung. IV-Verabreichung wegen Gewebeschädigungsrisiko vermeiden. Kontraindiziert bei Kindern unter 2 Jahren. |
| **Pyridoxin-Doxylamin** | Diclegis / Bonjesta (Pyridoxin 10 mg + Doxylamin 10 mg) | Schwangerschaftsbedingte Übelkeit und Erbrechen (NVP) | Erstlinien-Pharmakotherapie für NVP gemäß ACOG [3]. FDA-Schwangerschaftskategorie A (historisch). |
## Üblicherweise angeordnete Laboruntersuchungen
Bei anhaltender (>48 Stunden), wiederkehrender, ungeklärter Übelkeit oder bei Begleitung durch Warnzeichen können Kliniker die folgenden Untersuchungen anordnen:
| Test | Begründung |
|---|---|
| **Großes Blutbild (CBC)** ([/tests/complete-blood-count](/tests/complete-blood-count)) | Screening auf Infektion (erhöhte Leukozyten), Anämie (gastrointestinale Blutung) oder Hämokonzentration (Dehydratation). |
| **Basis-Stoffwechselpanel (BMP)** ([/tests/basic-metabolic-panel](/tests/basic-metabolic-panel)) | Beurteilung von Elektrolyten (Na, K, Cl, HCO3), Nierenfunktion (BUN, Kreatinin) und Glukose. Dehydratation, DKA und Niereninsuffizienz verursachen alle Übelkeit. |
| **Leberfunktionstests (LFTs)** ([/tests/liver-function-tests](/tests/liver-function-tests)) | Erhöhte Werte von AST, ALT, Bilirubin oder alkalischer Phosphatase können auf Hepatitis, Cholestase oder eine Gallengangsobstruktion hinweisen. |
| **Lipase** ([/tests/lipase](/tests/lipase)) | Eine erhöhte Lipase (>3-fach des oberen Normwerts) deutet auf eine akute Pankreatitis hin. |
| **Urin-Schwangerschaftstest (hCG)** | Wesentlich bei Frauen im gebärfähigen Alter mit ungeklärter Übelkeit. Eine Schwangerschaft muss vor der Verschreibung bestimmter Antiemetika ausgeschlossen werden. |
| **Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH)** ([/tests/tsh](/tests/tsh)) | Hyperthyreose und seltener Hypothyreose können sich mit Übelkeit präsentieren. |
| **Urinanalyse** ([/tests/urinalysis](/tests/urinalysis)) | Kann Ketonurie (Hungerzustand, DKA), Harnwegsinfektion oder Proteinurie aufzeigen. |
| **Serum-Wirkstoffspiegel / toxikologisches Screening** | Bei Verdacht auf Medikamententoxizität oder Substanzkonsum (z. B. Digoxin, Theophyllin, Acetaminophen). |
| **Bildgebung des Abdomens (Röntgen, Ultraschall oder CT)** | Wird angeordnet bei Verdacht auf Obstruktion, Appendizitis, Cholezystitis oder Pankreatitis. Streng genommen kein „Labortest", aber häufig Teil der Übelkeitsabklärung. |
| **Obere Endoskopie (ÖGD)** | Indiziert bei anhaltender Übelkeit mit Dyspepsie, Verdacht auf Ulkuskrankheit oder Alarmzeichen (Gewichtsverlust, Dysphagie, Anämie). |
| **Magenentleerungsstudie (Szintigraphie)** | Goldstandard zur Diagnose der Gastroparese, wenn die Symptome trotz normaler oberer Endoskopie persistieren. |
## Besondere Bevölkerungsgruppen
### Kinder
Übelkeit bei Kindern wird am häufigsten durch eine akute virale Gastroenteritis verursacht. **Dehydratation ist die primäre Gefahr** bei pädiatrischem Erbrechen, da Kinder ein höheres Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpergewicht und geringere Flüssigkeitsreserven haben.
- **Orale Rehydrationstherapie (ORT)** mit pädiatrischen ORS-Lösungen (z. B. Pedialyte) ist der Eckpfeiler der Behandlung. Geben Sie kleine, häufige Schlucke (5 mL alle 1–2 Minuten) statt großer Volumina.
- **Ondansetron** ist das am besten untersuchte verschreibungspflichtige Antiemetikum bei Kindern und kann die orale Rehydratation erleichtern. Allerdings **muss die pädiatrische Dosierung gewichtsbasiert und von einem Arzt festgelegt werden** – Erwachsenendosen dürfen nicht auf Kinder übertragen werden.
- **Bismutsubsalicylat ist kontraindiziert** bei Kindern und Jugendlichen mit viralen Erkrankungen aufgrund des Risikos eines Reye-Syndroms.
- **Promethazin ist kontraindiziert bei Kindern unter 2 Jahren** aufgrund des Risikos einer tödlichen Atemdepression.
- Suchen Sie ärztliche Hilfe auf, wenn das Kind unter 6 Monate alt ist, Anzeichen einer Dehydratation zeigt (keine Tränen, eingesunkene Fontanelle, trockener Mund, reduzierte Urinausscheidung), galliges (grünes) Erbrechen aufweist oder hohes Fieber hat.
### Schwangerschaft
Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft (NVP) betreffen 50–80 % der Schwangerschaften und erreichen ihren Höhepunkt typischerweise zwischen der 6. und 12. Woche [3].
- **Erstlinie:** Nicht-pharmakologische Maßnahmen (diätetische Anpassung, Ingwer, Akupressur) [4].
- **Erstlinien-Pharmakotherapie:** Pyridoxin (Vitamin B6) 10–25 mg dreimal täglich, allein oder in Kombination mit Doxylamin 12,5 mg (Diclegis/Bonjesta). Diese Kombination ist das einzige Medikament der FDA-Kategorie A für NVP [3].
- **Zweitlinie:** Ondansetron kann eingesetzt werden, wenn die Erstlinientherapie versagt, obwohl einige Beobachtungsdaten Bedenken hinsichtlich eines geringen absoluten Anstiegs des Risikos für orofaziale Spalten bei Anwendung im ersten Trimester aufgeworfen haben. Das Gesamtrisiko bleibt sehr gering, und ACOG betrachtet Ondansetron als angemessene Zweitlinienoption [3].
- **Hyperemesis gravidarum** (unstillbares Erbrechen mit Gewichtsverlust >5 %, Ketonurie und Elektrolytstörungen) erfordert eine stationäre Behandlung mit IV-Flüssigkeiten und parenteralen Antiemetika.
- **Metoclopramid** sollte im ersten Trimester nach Möglichkeit vermieden werden; die Datenlage ist begrenzt.
- **NSAR** sollten in der Schwangerschaft generell vermieden werden, insbesondere nach der 20. Schwangerschaftswoche.
### Ältere Menschen
- Ältere Erwachsene sind anfälliger für Dehydratation und Elektrolytstörungen durch anhaltende Übelkeit und Erbrechen. Niedrigere Schwellen für eine intravenöse Rehydratation sind angemessen.
- **Medikamentös induzierte Übelkeit** ist bei älteren Menschen aufgrund der Polypharmazie besonders häufig. Die Medikamentenliste sollte stets sorgfältig überprüft werden.
- **Anticholinerge Antiemetika** (Scopolamin, Promethazin, Diphenhydramin) sind bei älteren Erwachsenen mit einem erhöhten Risiko für Verwirrtheit, Harnverhalt, Verstopfung und Stürze verbunden. Mit äußerster Vorsicht anwenden oder gemäß den Beers-Kriterien gänzlich vermeiden.
- **Metoclopramid** sollte bei älteren Menschen aufgrund eines erhöhten Risikos für tardive Dyskinesien und Parkinsonismus generell vermieden werden.
- Übelkeit als Erstsymptom eines **akuten Koronarsyndroms** kommt bei älteren Erwachsenen häufiger vor – ein hoher Verdachtsindex sollte aufrechterhalten werden, insbesondere bei begleitendem Schwitzen, Atemnot oder Kiefer-/Armschmerzen.
### Sportler
- **Belastungsinduzierte Übelkeit** ist häufig, insbesondere bei hochintensiver oder lang andauernder Ausdauertätigkeit. Sie kann durch splanchnische Hypoperfusion (Blut, das vom Darm in die arbeitende Muskulatur umgeleitet wird), Dehydratation, Hitzestress oder Magenschwappen verursacht werden.
- **Prävention:** Große Mahlzeiten innerhalb von 2 Stunden vor dem Sport vermeiden, gut hydriert bleiben (aber Überhydratation/Hyponatriämie vermeiden), isotonische Sportgetränke in Erwägung ziehen und sich allmählich an heiße Umgebungen akklimatisieren.
- **Hyponatriämie** durch übermäßige Wasseraufnahme bei längerer körperlicher Belastung (z. B. Marathonlauf) kann Übelkeit, Verwirrtheit und Krampfanfälle verursachen – dies ist ein medizinischer Notfall.
- Die meisten rezeptfreien Antiemetika (insbesondere Antihistaminika) verursachen Schläfrigkeit und können die sportliche Leistung beeinträchtigen; sie werden für belastungsinduzierte Übelkeit generell nicht empfohlen.
## Wann eskalieren?
Verwenden Sie die folgenden Schwellenwerte als allgemeinen Leitfaden. Im Zweifelsfall sollten Sie eher früher als später eine Versorgung aufsuchen.
### Hausarzttermin am gleichen Tag
- Übelkeit, die länger als 48 Stunden ohne Besserung anhält
- Übelkeit im Zusammenhang mit einem neuen Medikament (verschriebene Medikamente nicht ohne ärztlichen Rat absetzen)
- Wiederkehrende Episoden ungeklärter Übelkeit über Wochen bis Monate
- Leichte Dehydratation, die auf orale Rehydratation anspricht, sich aber nicht vollständig auflöst
- Übelkeit mit unbeabsichtigtem Gewichtsverlust
- Übelkeit mit anhaltendem Sodbrennen, Blähungen oder Veränderungen der Stuhlgewohnheiten
### Notfallambulanz (am gleichen Tag)
- Unfähigkeit, Flüssigkeiten 12+ Stunden bei sich zu behalten, trotz Versuchen mit kleinen, häufigen Schlucken
- Mäßige Dehydratation: dunkler Urin, reduzierte Urinausscheidung, Schwindel beim Aufstehen, trockene Lippen
- Übelkeit mit Fieber >38,5 °C (101,3 °F), das länger als 24 Stunden anhält
- Übelkeit mit mäßigen, nicht abklingenden Bauchschmerzen
- Verdacht auf Lebensmittelvergiftung mit signifikanten Symptomen bei einer gefährdeten Person (ältere Menschen, Immunsupprimierte, Schwangere)
### Notaufnahme / Notruf 112
- Beliebige der oben aufgeführten Warnzeichen (Brustschmerzen, Hämatemesis, veränderter Bewusstseinszustand, starke Kopfschmerzen, neurologische Defizite, brettharter Bauch)
- Vollständige Unfähigkeit, jegliche orale Aufnahme über 24+ Stunden zu tolerieren, mit Anzeichen schwerer Dehydratation
- Übelkeit mit hohem Fieber und steifem Nacken
- Übelkeit nach einem Schädeltrauma
- Verdacht auf Vergiftung oder Überdosierung
- Schwangere Patientin mit unstillbarem Erbrechen, signifikantem Gewichtsverlust oder Unfähigkeit zu urinieren
- Übelkeit bei einem Patienten mit Diabetes, der einen fruchtigen Atemgeruch, schnelle Atmung oder Verwirrtheit aufweist (Verdacht auf DKA)
## Literatur
[1] Singh P, Yoon SS, Kuo B. Nausea: a review of pathophysiology and therapeutics. Therap Adv Gastroenterol. 2016;9(1):98-112. PMID:26770271.
[2] Gan TJ, Diemunsch P, Habib AS, et al. Consensus Guidelines for the Management of Postoperative Nausea and Vomiting. Anesth Analg. 2014;118(1):85-113. PMID:24356162.
[3] ACOG Practice Bulletin No. 189: Nausea and Vomiting of Pregnancy. Obstet Gynecol. 2018;131(1):e15-e30. PMID:29266076.
[4] Matthews A, Haas DM, O'Mathuna DP, Dowswell T. Interventions for nausea and vomiting in early pregnancy. Cochrane Database Syst Rev. 2015;(9):CD007575. PMID:26348534.
[5] Lee A, Fan LTY. Stimulation of the wrist acupuncture point P6 for preventing postoperative nausea and vomiting. Cochrane Database Syst Rev. 2009;(2):CD003281. PMID:19370583.
[6] Hesketh PJ, Kris MG, Basch E, et al. Antiemetics: ASCO Guideline Update. J Clin Oncol. 2020;38(24):2782-2797. PMID:32658626.
[7] U.S. Food and Drug Administration. Ondansetron (Zofran) Prescribing Information; Metoclopramide (Reglan) Black Box Warning. Available at: accessdata.fda.gov.
[8] NICE Clinical Knowledge Summaries. Nausea/vomiting in adults — management. National Institute for Health and Care Excellence. Available at: cks.nice.org.uk.
---
*Medizinisch geprüft für PillsCard.com. Zuletzt aktualisiert: April 2026. Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Konsultieren Sie für persönliche medizinische Entscheidungen stets Ihren behandelnden Arzt.*
PillsCard
Reading from 50+ regulators…
Loading the latest data0%