## Überblick
Herzklopfen (ICD-10: R00.2) bezeichnet die subjektive Wahrnehmung des eigenen Herzschlags, häufig beschrieben als Flattern, Pochen, Rasen oder Aussetzen in Brust, Hals oder Nacken. Es zählt zu den häufigsten Gründen für kardiologische Überweisungen und Notaufnahmebesuche und macht etwa 16 % der allgemeinmedizinischen ambulanten Beschwerden aus [1].
Epidemiologische Daten deuten darauf hin, dass bis zu 34 % der erwachsenen Allgemeinbevölkerung im Laufe ihres Lebens Herzklopfen erleben werden [2]. Während die Mehrzahl der Fälle gutartig ist – verursacht durch Stress, Koffein oder geringfügige Rhythmusstörungen – sind etwa 40–43 % des Herzklopfens letztlich auf eine kardiale Arrhythmie zurückzuführen, von denen einige eine relevante Morbidität bedeuten [1][3]. Da die Unterscheidung zwischen harmlosem und gefährlichem Herzklopfen ohne klinische Untersuchung schwierig ist, führt dieses Symptom zu zahlreichen gesundheitsbezogenen Internetrecherchen und Patientenängsten.
Dieser Artikel bietet eine umfassende, evidenzbasierte Übersicht zum Thema Herzklopfen für erwachsene Allgemeinleser. Er ersetzt keine professionelle medizinische Beurteilung; bei Herzklopfen mit Brustschmerzen, Atemnot oder Ohnmacht ist sofortige ärztliche Hilfe erforderlich.
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## Häufige Ursachen
Herzklopfen tritt auf, wenn Veränderungen der Herzfrequenz, des Rhythmus oder der Kontraktionskraft wahrnehmbar werden. Die Ursachen lassen sich in kardiale, systemische und psychogene Kategorien einteilen, hier grob nach Häufigkeit in der hausärztlichen Versorgung geordnet [1][3][4].
### 1. Extrasystolen (häufigste kardiale Ursache)
- **Supraventrikuläre Extrasystolen (SVES)** und **ventrikuläre Extrasystolen (VES)** sind vorzeitige, zusätzliche Schläge, gefolgt von einer kompensatorischen Pause. Der nachfolgende normale Schlag wird oft als „Schlag" empfunden, da sich das Herz während der Pause stärker mit Blut füllt.
- SVES und VES sind nahezu universell vorhanden; Holter-EKG-Studien weisen sie bei über 90 % der gesunden Erwachsenen nach [4]. Klinisch bedeutsam werden sie meist erst bei hoher Frequenz (>10.000/Tag) oder Symptomen.
### 2. Angst und Stress
- Die Aktivierung des sympathischen Nervensystems steigert über Katecholaminfreisetzung Herzfrequenz und Kontraktilität. Panikstörung, generalisierte Angststörung und situativer Stress sind für etwa 30–35 % der Herzklopfen-Vorstellungen in der hausärztlichen Versorgung verantwortlich [3].
- Hyperventilation bei Angst kann zu Elektrolytverschiebungen führen (respiratorische Alkalose, vermindertes ionisiertes Kalzium), welche Ektopien zusätzlich begünstigen können.
### 3. Stimulanzien und ernährungsbedingte Auslöser
- **Koffein** (Kaffee, Energydrinks, Pre-Workout-Supplemente) sensibilisiert kardiale adrenerge Rezeptoren. Die Evidenz zu Koffein als direktem Arrhythmie-Auslöser ist uneinheitlich; ein Review aus 2023 stellte fest, dass moderater Konsum (≤400 mg/Tag) bei den meisten Personen das Arrhythmierisiko nicht signifikant erhöht, die individuelle Empfindlichkeit jedoch variiert [5].
- **Alkohol** – selbst in moderaten Mengen – kann Vorhofflimmern auslösen („Holiday-Heart-Syndrom"). Eine im *New England Journal of Medicine* (2020) veröffentlichte randomisierte Studie zeigte, dass Alkoholabstinenz bei regelmäßigen Konsumenten die Rezidivrate von Vorhofflimmern signifikant reduziert [6].
- **Nikotin**, **Amphetamine**, **Kokain** und **Pseudoephedrin** sind gut belegte Auslöser.
### 4. Supraventrikuläre Tachykardien (SVT)
- Die AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT) und die atrioventrikuläre Reentry-Tachykardie (AVRT, einschließlich Wolff-Parkinson-White-Syndrom) sind die häufigsten paroxysmalen SVT. Sie äußern sich als plötzlich einsetzende, regelmäßige, schnelle Herzschläge (150–250 Schläge/min), die abrupt enden können.
- Die Prävalenz liegt bei etwa 2,25 pro 1.000 Personen [7].
### 5. Vorhofflimmern / Vorhofflattern
- Vorhofflimmern (VHF) ist weltweit die häufigste anhaltende Arrhythmie, mit einem Lebenszeitrisiko von annähernd 25 % nach dem 40. Lebensjahr. Herzklopfen bei VHF wird typischerweise als unregelmäßig-unrhythmisches Empfinden beschrieben.
- Pathophysiologisch liegen ungeordnete Reentry-Wellen im Vorhofmyokard zugrunde, häufig ausgelöst durch ektope Foci an den Pulmonalvenen-Ostien.
### 6. Schilddrüsenerkrankungen
- Hyperthyreose erhöht die Empfindlichkeit der Beta-Adrenozeptoren und das Herzzeitvolumen. Selbst eine subklinische Hyperthyreose kann Herzklopfen, Sinustachykardie oder VHF auslösen.
### 7. Anämie
- Eine reduzierte Sauerstofftransportkapazität führt kompensatorisch zu erhöhter Herzfrequenz und Schlagvolumen, was eine hyperdyname Zirkulation erzeugt, die als Herzklopfen empfunden werden kann.
### 8. Strukturelle Herzerkrankungen und ventrikuläre Arrhythmien (seltener, aber ernst)
- Ventrikuläre Tachykardie (VT) und Kammerflimmern (VF) können sich initial als Herzklopfen äußern, häufig bei Patienten mit ischämischer Herzkrankheit, Kardiomyopathie oder Kanalopathien (Long-QT-, Brugada-Syndrom).
- Sie machen einen kleinen Anteil der Herzklopfen-Vorstellungen aus, tragen jedoch das höchste Mortalitätsrisiko.
### 9. Medikamente
- Beta-Agonisten-Inhalatoren (Salbutamol), Schilddrüsenhormonsubstitution (bei Überdosierung), bestimmte Antidepressiva (TCA, SNRI) und Fluorchinolon-Antibiotika können sämtlich Herzklopfen auslösen.
### 10. Hormonell und metabolisch
- Perimenopausale Östrogenschwankungen, schwangerschaftsbedingte hämodynamische Veränderungen, Phäochromozytom (selten) und Elektrolytstörungen (Hypokaliämie, Hypomagnesiämie) sind weitere Auslöser.
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## WARNZEICHEN
Suchen Sie **sofort den Notarzt auf (112 anrufen)**, wenn Herzklopfen zusammen mit einem der folgenden Symptome auftritt:
- **Brustschmerzen oder Druckgefühl** – kann auf Myokardischämie oder -infarkt hinweisen
- **Synkope (Ohnmacht) oder Beinahe-Synkope** – deutet auf hämodynamisch relevante Arrhythmie hin
- **Schwere Atemnot in Ruhe** – mögliche Herzinsuffizienz oder Lungenembolie
- **Anhaltende Herzfrequenz über 150 Schläge/min in Ruhe**, die nicht auf vagale Manöver reagiert
- **Bekannte strukturelle Herzerkrankung, Kardiomyopathie oder vorausgegangener Herzstillstand**
- **Familienanamnese mit plötzlichem Herztod unter 40 Jahren** (erhöht den Verdacht auf erbliche Kanalopathien)
- **Neu aufgetretene neurologische Symptome** (verwaschene Sprache, Schwäche, Sehstörungen) während Herzklopfen – können auf einen Schlaganfall durch Kardioembolie bei VHF hinweisen
- **Herzklopfen während oder unmittelbar nach intensiver Belastung** mit Schwindel
- **Breitkomplex-Tachykardie auf einem verfügbaren Monitorgerät**
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## Selbsthilfe zu Hause
Bei gutartigem Herzklopfen (diagnostiziert oder stark vermutet) können folgende evidenzbasierte Strategien helfen, Episoden zu reduzieren:
### Vagale Manöver
Vagale Manöver erhöhen den parasympathischen Tonus und können SVT-Episoden beenden:
- **Modifiziertes Valsalva-Manöver:** Pusten Sie 15 Sekunden lang kräftig in eine 10-ml-Spritze in halbsitzender Position, legen Sie sich anschließend flach hin und lassen Sie sich von jemandem die Beine 15 Sekunden lang passiv auf 45° anheben. Eine randomisierte Studie aus 2015 ergab, dass das modifizierte Valsalva-Manöver in 43 % der SVT-Fälle den Sinusrhythmus wiederherstellte, gegenüber 17 % bei der Standardtechnik [8].
- **Eintauchen des Gesichts in kaltes Wasser:** Tauchen Sie das Gesicht 15–30 Sekunden lang in kaltes Wasser (löst den Tauchreflex aus).
- **Karotissinusmassage:** Sollte aufgrund des Schlaganfallrisikos nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.
### Lebensstiländerungen
- **Koffein und Alkohol reduzieren oder vermeiden** – ein 2- bis 4-wöchiger Verzicht hilft, die Wirkung zu beurteilen.
- **Schlafqualität verbessern** – Schlafentzug erhöht den Sympathikotonus und die Ektopiehäufigkeit.
- **Regelmäßige moderate Bewegung** – aerobes Training senkt im Allgemeinen die Ruheherzfrequenz und VES-Häufigkeit; extremes Ausdauertraining sollte vermieden werden, da es paradoxerweise VHF begünstigen kann.
- **Stressbewältigung** – kognitive Verhaltenstherapie, achtsamkeitsbasierte Stressreduktion und Atemübungen haben in angstbedingten Fällen eine Reduktion der Herzklopfenhäufigkeit gezeigt.
### Elektrolytoptimierung
- Sorgen Sie für eine ausreichende Zufuhr von **Magnesium** (320–420 mg/Tag aus der Nahrung) und **Kalium** (2.600–3.400 mg/Tag). Magnesiumreiche Lebensmittel sind dunkles Blattgemüse, Nüsse, Samen und Vollkornprodukte.
- Dehydratation kann Elektrolyte unvorhersehbar konzentrieren; achten Sie auf eine gleichmäßige Flüssigkeitszufuhr.
### Dokumentation und Aufmerksamkeit
- Führen Sie ein Herzklopfen-Tagebuch mit Zeitpunkt, Dauer, Auslösern (Essen, Getränke, Aktivität, Stress) und Begleitsymptomen. Diese Informationen sind für die klinische Beurteilung wertvoll.
- Smartwatches mit EKG-Funktion (z. B. Apple Watch, Samsung Galaxy Watch) können während einer Episode ein Einkanal-EKG aufzeichnen, was die Diagnose unterstützen kann.
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## OTC-Medikamente, die helfen können
Kein OTC-Medikament ist spezifisch zur Behandlung kardialer Arrhythmien zugelassen. Bestimmte rezeptfreie Mittel können jedoch zugrundeliegende Faktoren adressieren. **Konsultieren Sie immer einen Apotheker oder Arzt, bevor Sie ein neues Medikament beginnen.**
| Klasse | Beispiel | Übliche Erwachsenendosis | Hinweise |
|---|---|---|---|
| **Magnesiumpräparat** | Magnesiumglycinat, Magnesiumcitrat | 200–400 mg elementares Mg/Tag | Kann die VES-Häufigkeit bei Magnesiummangel reduzieren. Glycinatform meist besser verträglich (weniger gastrointestinale Beschwerden). Bei schwerer Niereninsuffizienz vermeiden. |
| **Kaliumpräparat** | Kaliumchlorid (KCl) | 20–40 mEq/Tag bei leichtem Mangel | Nur bei dokumentiertem Mangel anwenden. Übermäßiges Kalium ist gefährlich – Hyperkaliämie kann tödliche Arrhythmien verursachen. Vorab mit Arzt absprechen. |
| **Antihistaminikum (bei angstbedingtem Herzklopfen)** | Diphenhydramin (Benadryl) | 25–50 mg zur Nacht | Leichte sedierende Wirkung kann angstbedingtes Herzklopfen lindern. **Vorsicht:** anticholinerge Effekte können paradoxerweise Tachykardie auslösen; bei älteren Personen, Glaukom, Harnverhalt vermeiden. Keine langfristige Lösung. |
| **Melatonin (bei schlafbezogenen Auslösern)** | Melatonin | 0,5–3 mg 30 Min. vor dem Schlafengehen | Kann die Schlafqualität verbessern und so Herzklopfen durch Schlafentzug indirekt reduzieren. Im Allgemeinen gut verträglich. |
| **Pflanzlich – Baldrianwurzel** | Baldrianextrakt | 300–600 mg vor dem Schlafengehen | Begrenzte Evidenz für eine leichte anxiolytische Wirkung. Kann mit Sedativa interagieren. Nicht FDA-reguliert hinsichtlich Qualität/Reinheit. |
> **Wichtig:** Vermeiden Sie OTC-Dekongestiva mit **Pseudoephedrin** oder **Phenylephrin** bei Herzklopfen, da diese sympathomimetischen Mittel die Symptome verschlechtern können. Ebenso sind hochdosierte **Koffeintabletten** und **ephedrahaltige Nahrungsergänzungsmittel** strikt zu meiden.
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## Verschreibungspflichtige Optionen
Die verschreibungspflichtige Behandlung richtet sich nach der diagnostizierten spezifischen Arrhythmie. Diese Medikamente sollten nur unter Aufsicht eines qualifizierten Arztes eingenommen werden, typischerweise eines Kardiologen oder Elektrophysiologen.
| Klasse | Beispiele | Indikation | Wichtige Hinweise |
|---|---|---|---|
| **Betablocker** | Metoprololsuccinat 25–200 mg täglich; Bisoprolol 2,5–10 mg täglich; Propranolol 10–40 mg TID | Erstlinie bei SVT, Frequenzkontrolle bei VHF, VES-Suppression, angstbedingte Sinustachykardie | Senken Herzfrequenz und myokardialen Sauerstoffbedarf durch Blockade der β1-Adrenozeptoren. Bei schwerem Asthma, dekompensierter Herzinsuffizienz, Bradykardie vermeiden. |
| **Nicht-Dihydropyridin-Kalziumkanalblocker** | Verapamil 80–120 mg TID; Diltiazem 120–360 mg täglich (retardiert) | Frequenzkontrolle bei VHF/Vorhofflattern, Beendigung der AVNRT | Blockieren L-Typ-Kalziumkanäle im AV-Knoten. Kombination mit Betablockern (Risiko schwerer Bradykardie) und systolische Herzinsuffizienz vermeiden. |
| **Klasse-IC-Antiarrhythmika** | Flecainid 50–150 mg BID; Propafenon 150–300 mg TID | Rhythmuskontrolle bei VHF („Pill-in-the-pocket"-Strategie), SVT-Prophylaxe | Sehr wirksam, jedoch kontraindiziert bei struktureller Herzerkrankung (erhöhte Mortalität laut CAST-Studie). Vor Initiierung Belastungstest erforderlich. |
| **Klasse-III-Antiarrhythmika** | Amiodaron 200 mg täglich (Erhaltung); Sotalol 80–160 mg BID; Dofetilid 125–500 µg BID | Refraktäres VHF, VT, komplexe Arrhythmien | Amiodaron ist hochwirksam, birgt aber Risiken für Schilddrüsen-, Lungen-, Leber- und Augentoxizität. Sotalol und Dofetilid erfordern eine stationäre Initiierung mit QTc-Überwachung. |
| **Antiarrhythmikum – Adenosin** | Adenosin 6 mg i.v. als rascher Bolus (dann 12 mg bei Bedarf) | Akute Beendigung der SVT in Notfallsituationen | Ultrakurzwirksam (Halbwertszeit <10 Sekunden). Nur in überwachten klinischen Settings verabreichen. |
| **Anxiolytika / SSRI** | Sertralin 25–200 mg täglich; Escitalopram 5–20 mg täglich | Wenn Herzklopfen überwiegend angstbedingt ist | SSRI sind Erstlinie bei Panikstörung und GAS. Wirkungseintritt vollständig: 4–6 Wochen. Kombination mit Verhaltenstherapie für beste Ergebnisse. |
| **Antikoagulanzien (bei VHF)** | Apixaban 5 mg BID; Rivaroxaban 20 mg täglich; Warfarin (INR 2–3) | Schlaganfallprävention bei VHF (CHA₂DS₂-VASc-Score ≥ 2 bei Männern, ≥ 3 bei Frauen) | DOAK werden gegenüber Warfarin meist wegen Bequemlichkeit und Sicherheitsprofil bevorzugt. |
### Nicht-pharmakologische, prozedurale Optionen
- **Katheterablation** – kurativ bei vielen SVT (Erfolgsrate >95 % bei AVNRT), zunehmend auch bei VHF und VES eingesetzt. Empfohlen, wenn Medikamente versagen, oder als Erstlinie nach Patientenpräferenz [7].
- **Kardioversion** – elektrische oder pharmakologische Wiederherstellung des Sinusrhythmus bei VHF/Vorhofflattern.
- **Implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD)** – indiziert bei Patienten mit hohem Risiko für plötzlichen Herztod durch VT/VF.
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## Üblicherweise angeordnete Labortests
Bei Patienten mit Herzklopfen ordnen Ärzte typischerweise folgende Untersuchungen an, um zugrundeliegende Ursachen zu identifizieren oder auszuschließen:
| Test | Begründung |
|---|---|
| **12-Kanal-Elektrokardiogramm (EKG)** | Erstlinien-Untersuchung. Kann Arrhythmie, Präexzitation (WPW), verlängertes QT-Intervall, Brugada-Muster oder Hinweise auf strukturelle Erkrankung zeigen. |
| **Großes Blutbild (CBC)** | Screening auf [Anämie](/tests/complete-blood-count), die kompensatorische Tachykardie und Herzklopfen verursachen kann. |
| **Schilddrüsenfunktionstests (TSH, freies T4)** | Schließt [Hyperthyreose](/tests/thyroid-function-tests) aus – eine häufige und behandelbare Ursache. |
| **Basis-Stoffwechselpanel (BMP)** | Beurteilt [Elektrolyte](/tests/basic-metabolic-panel) – Kalium, Magnesium, Kalzium –, deren Ungleichgewichte Arrhythmien begünstigen. |
| **Serum-Magnesium** | Oft nicht im Standard-BMP enthalten; niedriges Magnesium ist eine unterdiagnostizierte Ursache von Ektopien und Arrhythmieanfälligkeit. |
| **Holter-Monitor (24–48 h) oder Eventrekorder (2–4 Wochen)** | Ambulante EKG-Überwachung zur Erfassung intermittierender Arrhythmien, die ein Ruhe-EKG übersehen kann. Eventrekorder und implantierbare Loop-Rekorder werden für seltene Episoden verwendet. |
| **Echokardiogramm** | Beurteilt kardiale Struktur und Funktion – Klappenerkrankungen, linksventrikuläre Ejektionsfraktion, hypertrophe Kardiomyopathie. Wird bei Verdacht auf strukturelle Erkrankung angeordnet. |
| **Troponin** | Wird im Notfall angeordnet, wenn neben Herzklopfen eine Myokardischämie vermutet wird. |
| **BNP oder NT-proBNP** | Bei Verdacht auf [Herzinsuffizienz](/tests/bnp-test) (Dyspnoe, Ödeme zusätzlich zum Herzklopfen). |
| **Drogenscreening im Urin** | Bei Verdacht auf Stimulanzienkonsum (Kokain, Amphetamine). |
| **Hämoglobin A1c / Nüchternglukose** | Diabetes und metabolisches Syndrom sind Risikofaktoren für VHF. |
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## Besondere Patientengruppen
### Kinder und Jugendliche
- Herzklopfen bei Kindern ist meist auf Sinustachykardie (Fieber, Angst, Dehydratation) oder SVT zurückzuführen (AVRT ist bei jüngeren Kindern häufiger als AVNRT, im Gegensatz zu Erwachsenen) [7].
- Das **Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW)** zeigt seine Spitzenmanifestation im Säuglings- und Jugendalter und kann lebensbedrohliches präexzitiertes VHF verursachen.
- Die pädiatrische Medikamentendosierung weicht erheblich von der bei Erwachsenen ab. **Verabreichen Sie Kindern keine Erwachsenendosen.** Jegliche antiarrhythmische Therapie in der Pädiatrie sollte durch einen Kinderkardiologen geleitet werden.
- Belastungsinduziertes Herzklopfen mit Synkope bei jungen Personen sollte den Verdacht auf katecholaminerge polymorphe ventrikuläre Tachykardie (CPVT), hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) oder Long-QT-Syndrom wecken – alle potenziell tödlich und spezialärztlich abklärungsbedürftig.
### Schwangerschaft
- Herzklopfen ist in der Schwangerschaft sehr häufig und wird von bis zu 60 % der Schwangeren berichtet, bedingt durch eine 30–50%ige Zunahme des Blutvolumens, physiologische Tachykardie und hormonelle Veränderungen.
- Die meisten schwangerschaftsbedingten Herzklopfen sind gutartig (Sinustachykardie, vermehrte VES/SVES).
- **Medikamentensicherheit:**
- **Betablocker:** Metoprolol und Labetalol gelten in der Schwangerschaft im Allgemeinen als akzeptabel (frühere FDA-Kategorie C). Atenolol wird wegen der Assoziation mit fetaler Wachstumsretardierung vermieden.
- **Flecainid:** Wird zur Behandlung fetaler SVT eingesetzt; gilt als relativ sicher, erfordert aber spezialärztliche Aufsicht.
- **Amiodaron:** In der Schwangerschaft kontraindiziert – Risiko neonataler Schilddrüsenfunktionsstörungen und neurologischer Entwicklungsstörungen.
- **Antikoagulanzien:** Warfarin ist im ersten Trimester teratogen; niedermolekulares Heparin wird bevorzugt. DOAK werden in der Schwangerschaft aufgrund unzureichender Sicherheitsdaten nicht empfohlen.
- Die Behandlung sollte zwischen Geburtshilfe und Kardiologie koordiniert werden (Spezialist für maternal-fetale Medizin oder Kardio-Geburtshilfe).
### Ältere Patienten (≥65 Jahre)
- Die VHF-Prävalenz steigt mit dem Alter steil an (etwa 10 % bei über 80-Jährigen). Neu aufgetretenes Herzklopfen bei älteren Patienten erfordert eine gründliche Abklärung einschließlich Echokardiographie.
- Der Arzneistoffmetabolismus ist oft verlangsamt; Betablocker und Kalziumkanalblocker sollten mit der niedrigsten Dosis begonnen und vorsichtig auftitriert werden.
- Polypharmazie ist häufig – auf QT-verlängernde Arzneimittelinteraktionen prüfen (z. B. bestimmte Antibiotika, Antipsychotika, Antidepressiva in Kombination mit Antiarrhythmika).
- Stürze sind ein erhebliches Risiko; bradykardie- oder hypotonieinduzierende Medikamente erfordern sorgfältige Überwachung.
- Die Antikoagulation bei VHF sollte mittels CHA₂DS₂-VASc- und HAS-BLED-Score beurteilt werden; das Alter allein ist im Allgemeinen kein Grund, eine Antikoagulation vorzuenthalten.
### Sportler
- Ausdauersportler haben ein 2- bis 10-fach erhöhtes VHF-Risiko gegenüber inaktiven Personen, wahrscheinlich aufgrund erhöhten Vagotonus und Vorhofumbaus durch chronische Volumenbelastung.
- Ruhebradykardie (Herzfrequenzen von 35–50 Schlägen/min) ist bei gut trainierten Sportlern häufig und meist physiologisch – sie erfordert in der Regel keine Behandlung.
- VES können in Trainingsphasen zunehmen und bilden sich bei Detraining meist zurück.
- **Vorsorgeuntersuchung mit EKG** wird in vielen europäischen Ländern empfohlen (italienisches Modell), um Erkrankungen wie WPW, HCM, arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC) und Long-QT-Syndrom zu erkennen.
- Sportler mit diagnostizierten Arrhythmien sollten gemäß den AHA/ACC-Eignungsleitlinien für Wettkampfsportler behandelt werden [7].
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## Wann eskalieren?
Verwenden Sie folgendes Schema, um die angemessene Versorgungsstufe zu wählen:
### Sofort 112 anrufen / in die Notaufnahme
- Herzklopfen mit **Brustschmerzen, schwerer Atemnot, Synkope oder Bewusstseinsveränderungen**
- Anhaltende Herzfrequenz **>150 Schläge/min in Ruhe**, die innerhalb von 10–15 Minuten nicht auf vagale Manöver reagiert
- Bekannte **strukturelle Herzerkrankung** oder **vorausgegangener Herzstillstand** mit neu aufgetretenem Herzklopfen
- Herzklopfen mit **akuten neurologischen Symptomen** (möglicher Schlaganfall)
- Zeichen **hämodynamischer Instabilität**: Blässe, Kaltschweißigkeit, schwerer Schwindel, Stehunfähigkeit
### Hausarztbesuch am selben oder nächsten Tag
- Erstmalige Herzklopfen-Episode von **>30 Minuten Dauer** ohne Warnzeichen
- Herzklopfen, das **mehrmals pro Woche** auftritt und Alltagsaktivitäten beeinträchtigt
- Herzklopfen verbunden mit **neu aufgetretener Belastungsdyspnoe**
- Herzklopfen im Zusammenhang mit **kürzlicher Medikamentenumstellung** oder neuem Nahrungsergänzungsmittel
- Jegliche Herzklopfen-Episode bei Patienten mit **bekannter Schilddrüsenerkrankung, Diabetes oder Klappenerkrankung**
### Notfallambulanz (innerhalb von Stunden)
- Wiederkehrendes Herzklopfen mit **Beinahe-Synkope** (Gefühl, ohnmächtig zu werden, ohne Bewusstseinsverlust)
- Herzfrequenz **120–150 Schläge/min in Ruhe** ohne erkennbaren Auslöser, anhaltend >15 Minuten
- Herzklopfen mit **erheblicher Angst**, die zu Hause nicht zu bewältigen ist
### Reguläre kardiologische Überweisung (Wochen)
- Häufige VES oder SVES, die belastend sind, aber keine Warnzeichen aufweisen
- Wiederkehrende SVT-Episoden, die spontan terminieren, aber an Häufigkeit zunehmen
- Auffällige Befunde im EKG oder Holter, die eine fachärztliche Beurteilung erfordern
- Besprechung der Katheterablation als Behandlungsoption
> **Allgemeine Regel:** Im Zweifel lieber früher ärztliche Hilfe suchen. Herzklopfen ist meist gutartig, doch die Ausnahmen können lebensbedrohlich sein. Ein Arzt kann nach einer gezielten Anamnese, Untersuchung und einem EKG häufig beruhigen – mehr ist oft nicht nötig.
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## Literatur
[1] Weber BE, Kapoor WN. Evaluation and outcomes of patients with palpitations. Am J Med. 1996;100(2):138-148. PMID:8629647.
[2] Raviele A, Giada F, Bergfeldt L, et al. Management of patients with palpitations: a position paper from the European Heart Rhythm Association. Europace. 2011;13(7):920-934. PMID:21697315.
[3] Zimetbaum P, Josephson ME. Evaluation of patients with palpitations. N Engl J Med. 1998;338(19):1369-1373. PMID:9571258.
[4] Abbott AV. Diagnostic approach to palpitations. Am Fam Physician. 2005;71(4):743-750. PMID:15742913.
[5] Voskoboinik A, Kalman JM, Kistler PM. Caffeine and arrhythmias: time to grind the data. JACC Clin Electrophysiol. 2018;4(4):425-432. PMID:30067480.
[6] Voskoboinik A, Kalman JM, De Silva A, et al. Alcohol abstinence in drinkers with atrial fibrillation. N Engl J Med. 2020;382(1):20-28. PMID:31893513.
[7] Page RL, Joglar JA, Caldwell MA, et al. 2015 ACC/AHA/HRS Guideline for the Management of Adult Patients With Supraventricular Tachycardia. Circulation. 2016;133(14):e506-e574. PMID:26399663.
[8] Appelboam A, Reuben A, Mann C, et al. Postural modification to the standard Valsalva manoeuvre for emergency treatment of supraventricular tachycardias (REVERT): a randomised controlled trial. Lancet. 2015;386(10005):1747-1753. PMID:26314489.
[9] National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Palpitations: Clinical Knowledge Summary. Last revised 2023. Available at: https://cks.nice.org.uk/topics/palpitations/.
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*Geprüft für PillsCard.com. Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Konsultieren Sie bei kardialen Symptomen stets einen qualifizierten Arzt zur Diagnose und Behandlung.*
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