## Überblick
Blut im Stuhl — medizinisch als **Hämatochezie** (hellrotes Blut) oder **Meläna** (schwarzer, teerartiger Stuhl) bezeichnet — ist ein Symptom, das verständlicherweise erhebliche Beunruhigung auslöst. Es wird unter dem ICD-10-Code **K92.1** (Meläna / Blut im Stuhl) klassifiziert. Während der Anblick von Blut während oder nach dem Stuhlgang beängstigend ist, reichen die Ursachen von gutartigen Zuständen wie Hämorrhoiden bis hin zu lebensbedrohlichen Notfällen wie massiven gastrointestinalen (GI) Blutungen.
Rektale Blutungen sind bemerkenswert häufig. Bevölkerungsbezogene Erhebungen schätzen, dass **14–19 % der Erwachsenen** mindestens eine Episode rektaler Blutung innerhalb eines Jahres berichten, wobei nur ein Bruchteil eine medizinische Abklärung sucht [1]. Es gehört zu den am häufigsten online gesuchten Gesundheitssymptomen, was sowohl seine Häufigkeit als auch die damit verbundene Angst widerspiegelt.
Die klinische Bedeutung von Blut im Stuhl hängt von mehreren Faktoren ab: der **Farbe** des Blutes (hellrot versus dunkel/teerartig), der **Menge**, den begleitenden Symptomen sowie dem Alter und der Anamnese des Patienten. Hellrotes Blut stammt typischerweise aus dem unteren GI-Trakt (Kolon, Rektum, Anus), während schwarze, teerartige Stühle in der Regel auf eine Blutung aus dem oberen GI-Trakt (Ösophagus, Magen, Duodenum) hinweisen, wo das Blut bereits teilweise verdaut wurde.
Dieser Artikel bietet einen evidenzbasierten Überblick über Ursachen, Warnzeichen, Selbstbehandlung, Medikamente, Diagnostik und Hinweise, wann eine dringende medizinische Versorgung erforderlich ist. **Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.** Wenn Sie eine erhebliche oder anhaltende rektale Blutung haben, konsultieren Sie umgehend eine medizinische Fachkraft.
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## Häufige Ursachen
Die Ursachen von Blut im Stuhl lassen sich am besten anhand ihres anatomischen Ursprungs und Mechanismus verstehen. Im Folgenden sind sie nach ihrer Häufigkeit in der allgemeinen erwachsenen Bevölkerung grob geordnet.
### 1. Hämorrhoiden (am häufigsten)
Hämorrhoiden sind geschwollene Gefäßpolster im Analkanal. **Innere Hämorrhoiden** bluten schmerzlos beim Stuhlgang — Patienten bemerken typischerweise hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier oder das in die Schüssel tropft. **Äußere Hämorrhoiden** können thrombosieren und Schmerzen mit Blutung verursachen. Pressen, chronische Verstopfung, Schwangerschaft und langes Sitzen sind wesentliche Risikofaktoren. Die Hämorrhoidalerkrankung ist für die Mehrzahl leichter rektaler Blutungsepisoden bei Erwachsenen unter 50 verantwortlich [2].
### 2. Analfissuren
Ein Riss in der Schleimhaut des Analkanals, meist durch Passage von hartem Stuhl verursacht. Die Patienten verspüren scharfe Schmerzen während des Stuhlgangs mit einer geringen Menge hellroten Blutes. Die meisten Fissuren treten in der hinteren Mittellinie auf und heilen unter konservativen Maßnahmen innerhalb von Wochen ab.
### 3. Divertikelblutung
Die Divertikulose (Ausstülpungen der Kolonwand) betrifft mehr als 50 % der Erwachsenen über 60 Jahre. Eine Blutung tritt auf, wenn ein Blutgefäß am Hals eines Divertikels arrodiert wird — sie ist typischerweise schmerzlos, plötzlich und kann massiv sein. Die Divertikelblutung ist die **häufigste Ursache einer signifikanten unteren GI-Blutung** bei älteren Erwachsenen und macht etwa 30–40 % der hospitalisierungspflichtigen Fälle aus [3].
### 4. Kolorektale Polypen und kolorektales Karzinom
Adenomatöse Polypen können intermittierend bluten und produzieren häufig okkultes (verborgenes) Blut, das nur durch Labortests nachweisbar ist. Das kolorektale Karzinom (KRK) ist eine bedeutende Ursache rektaler Blutungen, insbesondere bei Erwachsenen über 45 Jahren. Die U.S. Multi-Society Task Force on Colorectal Cancer empfiehlt den Beginn des Screenings ab dem 45. Lebensjahr für Personen mit durchschnittlichem Risiko [4]. Jede neu auftretende rektale Blutung bei Patienten über 40 — oder mit familiärer KRK-Vorgeschichte — rechtfertigt eine koloskopische Abklärung.
### 5. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa verursachen eine chronische Schleimhautentzündung. Die Colitis ulcerosa zeigt sich klassisch mit **blutigem Durchfall** und Stuhldrang. Blutungen bei Morbus Crohn sind tendenziell weniger ausgeprägt, können aber auftreten. CED betreffen etwa 0,3 % der westlichen Bevölkerung und manifestieren sich typischerweise zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr.
### 6. Infektiöse Kolitis
Bakterielle Erreger (*Salmonella*, *Shigella*, *Campylobacter*, *E. coli* O157:H7, *Clostridioides difficile*) und Parasiten (*Entamoeba histolytica*) können blutige Durchfälle verursachen. Eine Anamnese mit kürzlicher Reise, Antibiotikaeinnahme oder Exposition gegenüber kontaminierten Lebensmitteln liegt häufig vor.
### 7. Angiodysplasie
Arteriovenöse Malformationen in der Kolonschleimhaut, häufiger bei älteren Patienten und solchen mit chronischer Niereninsuffizienz oder Aortenstenose. Die Blutung ist typischerweise schmerzlos und kann chronisch/rezidivierend verlaufen.
### 8. Obere GI-Quellen, die sich als Meläna präsentieren
Peptische Ulkuskrankheit, Ösophagusvarizen, Mallory-Weiss-Risse und Magenerosionen können sich mit **Meläna** (schwarzer, teerartiger Stuhl mit charakteristischem üblen Geruch) manifestieren. Die Einnahme von NSAR und eine *Helicobacter-pylori*-Infektion sind die führenden Ursachen peptischer Ulzera. Eine landesweite Studie aus dem Jahr 2005 ergab, dass NSAR-assoziierte GI-Ereignisse ein erhebliches Mortalitätsrisiko bergen [5].
### 9. Medikamenteninduzierte Blutung
Antikoagulanzien (Warfarin, DOAKs), Thrombozytenaggregationshemmer (Aspirin, Clopidogrel) und NSAR können GI-Blutungen auslösen oder verschlimmern. Diese Medikamente *verursachen* per se keine Blutung, sondern demaskieren zugrunde liegende Läsionen oder beeinträchtigen die Hämostase.
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## WARNZEICHEN
**Suchen Sie sofort eine medizinische Notfallversorgung auf (rufen Sie den Notruf 112 oder gehen Sie in die Notaufnahme), wenn Blut im Stuhl von einem der folgenden Symptome begleitet wird:**
- **Massive Blutung** — Abgang von Koageln, Füllen der Toilettenschüssel mit Blut oder Durchnässen der Kleidung
- **Zeichen einer hämodynamischen Instabilität** — Schwindel, Benommenheit, Ohnmacht, schneller Herzschlag oder ein Gefühl von Kälte und feuchter Haut
- **Starke Bauchschmerzen** — insbesondere plötzlich einsetzend, was auf eine Perforation, Ischämie oder einen Volvulus hinweisen kann
- **Schwarzer, teerartiger, übelriechender Stuhl (Meläna)** — deutet auf eine obere GI-Blutung hin, die lebensbedrohlich sein kann
- **Blutiger Stuhl mit hohem Fieber (>38,5 °C / 101,3 °F)** — kann auf eine schwere infektiöse Kolitis oder ein toxisches Megakolon hinweisen
- **Rektale Blutung unter Antikoagulanzien** (Warfarin, Apixaban, Rivaroxaban) — Risiko einer unkontrollierten Hämorrhagie
- **Bekannte Lebererkrankung mit blutigem oder schwarzem Stuhl** — kann auf eine Varizenblutung, einen medizinischen Notfall, hinweisen
- **Unerklärlicher Gewichtsverlust kombiniert mit rektaler Blutung** — wirft den Verdacht auf eine Malignität auf
- **Anhaltendes Erbrechen von Blut (Hämatemesis) zusammen mit blutigem Stuhl** — weist auf eine signifikante GI-Blutung hin
- **Rektale Blutung bei einem Kind mit starken Bauchschmerzen, Lethargie oder „Johannisbeergelee"-Stühlen** — kann auf eine Invagination hinweisen, einen chirurgischen Notfall
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## Selbstbehandlung zu Hause
Bei **leichter, selbstlimitierender rektaler Blutung** (z. B. geringe Mengen hellroten Blutes auf dem Toilettenpapier, bekannte Hämorrhoiden oder Fissuren) können die folgenden evidenzbasierten Maßnahmen hilfreich sein:
### Ernährungsumstellung
- **Erhöhen Sie die Ballaststoffzufuhr schrittweise** auf 25–30 g/Tag. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit ergab, dass Ballaststoffsupplementierung Blutungsepisoden bei Hämorrhoidalerkrankungen um etwa 50 % reduziert [6]. Gute Quellen sind Hafer, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse.
- **Ausreichende Flüssigkeitszufuhr** — streben Sie 1,5–2 Liter Wasser täglich an, um den Stuhl zu erweichen und das Pressen zu reduzieren.
- **Reizstoffe einschränken** — reduzieren Sie Alkohol, Koffein und stark gewürzte Speisen, die hämorrhoidale Beschwerden verschlimmern können.
### Optimierung der Stuhlgewohnheiten
- Vermeiden Sie längeres Pressen auf der Toilette (auf 3–5 Minuten begrenzen).
- Reagieren Sie umgehend auf den Stuhldrang — ein Hinauszögern fördert härteren Stuhl.
- Erwägen Sie einen Fußschemel, um die Knie während des Stuhlgangs zu erhöhen (was eine hockende Position simuliert), was das Pressen reduzieren kann.
### Sitzbäder
- Warme Sitzbäder (10–15 Minuten, 2–3 Mal täglich) können anale Beschwerden lindern und die Heilung von Fissuren und Hämorrhoiden fördern.
### Topische Hygiene
- Reinigen Sie den perianalen Bereich nach dem Stuhlgang sanft mit Wasser oder unparfümierten Tüchern. Vermeiden Sie kräftiges Abwischen.
- Tupfen Sie trocken, anstatt zu reiben.
### Kalte Kompressen
- Ein in Tuch gewickelter Eisbeutel, der für 10–15 Minuten auf den Analbereich aufgelegt wird, kann die Schwellung thrombosierter äußerer Hämorrhoiden reduzieren.
> **Wichtig:** Selbstbehandlung ist nur bei geringfügigen Symptomen mit identifizierter gutartiger Ursache angemessen. Jede neue, wiederkehrende oder sich verschlimmernde Blutung sollte von einem Arzt abgeklärt werden.
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## Hilfreiche rezeptfreie Medikamente
Rezeptfreie Optionen zielen in der Regel auf die **zugrunde liegende Ursache** der leichten rektalen Blutung ab (Hämorrhoiden, Fissuren, Verstopfung) und nicht auf die Blutung selbst.
| Klasse | Beispiel | Typische Erwachsenendosis | Hinweise |
|---|---|---|---|
| **Quellmittel** | Flohsamenschalen (Metamucil) | 3,4 g (1 gehäufter TL) in 240 mL Wasser, 1–3×/Tag | Erste Wahl bei hämorrhoidaler Blutung; mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen, um Obstruktion zu vermeiden. Durch Cochrane-Evidenz unterstützt [6]. |
| **Osmotische Laxanzien** | Polyethylenglykol 3350 (MiraLAX) | 17 g (1 Messlöffel) in 240 mL Wasser, einmal täglich | Erweicht den Stuhl; im Allgemeinen gut verträglich. Bei Verdacht auf Darmverschluss vermeiden. |
| **Stuhlweichmacher** | Docusat-Natrium (Colace) | 100 mg zweimal täglich | Bescheidene Evidenz; kann postoperativen Patienten oder solchen mit Fissuren helfen. Nicht wirksam bei chronischer Verstopfung allein. |
| **Topische Hämorrhoidenpräparate** | Phenylephrin 0,25 % Salbe (Preparation H) | Bis zu 4×/Tag und nach jedem Stuhlgang anwenden | Vasokonstriktor reduziert Schwellung. Nicht mit MAO-Hemmern anwenden; Vorsicht bei unkontrollierter Hypertonie. |
| **Topische Anästhetika** | Lidocain 5 % Salbe oder Pramoxin-Creme | Bis zu 6×/Tag auf den betroffenen Bereich auftragen | Bietet vorübergehende Schmerzlinderung bei Fissuren und Hämorrhoiden. Nicht auf verletzter/infizierter Haut anwenden. |
| **Hamamelis-Pads** | Tucks medizinische Pads (50 % Hamamelis) | Bis zu 6×/Tag anwenden | Mildes Adstringens; kann leichte Blutungen und Reizungen reduzieren. |
| **Antazida / H2-Blocker** (bei Verdacht auf obere GI-Ursache) | Famotidin (Pepcid AC) | 20 mg zweimal täglich oder 40 mg zur Nacht | Kann helfen, wenn Meläna mit Dyspepsie assoziiert ist. Kein Ersatz für die ärztliche Abklärung von Meläna. |
**Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen:**
- Vermeiden Sie **Aspirin** und **NSAR** (Ibuprofen, Naproxen) bei aktiver GI-Blutung, da sie die Thrombozytenfunktion beeinträchtigen und die Hämorrhagie verschlimmern können.
- **Topische Steroide** (z. B. Hydrocortison 1 %) sollten nicht länger als 7 Tage angewendet werden, um eine Hautausdünnung zu vermeiden.
- Lesen Sie stets die Produktetiketten auf Allergiewarnungen und Arzneimittelwechselwirkungen.
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## Verschreibungspflichtige Optionen
Die verschreibungspflichtige Behandlung hängt von der diagnostizierten zugrunde liegenden Ursache ab. Im Folgenden sind die wichtigsten Medikamentenklassen aufgeführt, die eingesetzt werden, wenn rezeptfreie Maßnahmen nicht ausreichen.
| Klasse | Beispiele | Indikation | Hinweise für Verschreiber |
|---|---|---|---|
| **Topische Nitrate** | Glyceryltrinitrat (GTN) 0,2–0,4 % Salbe | Chronische Analfissur | Entspannt den inneren Analsphinkter; Kopfschmerzen sind häufig (bis zu 40 %). Zweimal täglich für 6–8 Wochen angewendet. |
| **Topische Kalziumkanalblocker** | Diltiazem 2 % Creme | Chronische Analfissur | Alternative zu GTN mit weniger Kopfschmerzen; vergleichbare Heilungsraten. |
| **Protonenpumpenhemmer (PPI)** | Omeprazol 20–40 mg, Pantoprazol 40 mg | Peptische Ulkusblutung, erosive Ösophagitis | Versorgungsstandard für obere GI-Blutungen; IV-PPI werden in akuten Situationen eingesetzt [7]. |
| **5-ASA-Präparate** | Mesalamin (oral oder rektal) | Colitis ulcerosa | Hauptpfeiler bei leichter bis mittelschwerer CU; rektale Formulierungen wirksam bei Proktitis. |
| **Immunmodulatoren** | Azathioprin, Methotrexat | CED (steroidsparend) | Erfordern Überwachung von Blutbild und Leberfunktion. |
| **Biologika** | Infliximab, Adalimumab, Vedolizumab | Mittelschwere bis schwere CED | TNF-α-Inhibitoren und Integrin-Blocker; verschrieben durch Gastroenterologen. |
| **Antibiotika** | Metronidazol, Ciprofloxacin, Vancomycin (oral) | Infektiöse Kolitis, *C. difficile* | Gezielt nach Stuhlkultur und Empfindlichkeit; orales Vancomycin ist Erstwahl bei *C. difficile*. |
| **Gummibandligatur / Sklerotherapie** | Verfahren (kein Medikament) | Innere Hämorrhoiden Grad I–III | In der Praxis durch Gastroenterologen oder Chirurgen durchgeführt; hochwirksam. |
| **Eisensubstitution** | Eisensulfat 325 mg täglich–TID | Eisenmangelanämie durch chronischen Blutverlust | Kann Verstopfung verursachen; bei oraler Unverträglichkeit IV-Eisen erwägen. |
> **Hinweis:** Patienten unter Antikoagulanzien, die eine GI-Blutung entwickeln, erfordern eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung — Entscheidungen über das Pausieren oder die Antagonisierung der Antikoagulation sollten vom verschreibenden Arzt in Abstimmung mit einem Gastroenterologen getroffen werden.
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## Typischerweise angeordnete Laboruntersuchungen
Wenn ein Patient mit Blut im Stuhl vorstellig wird, können Kliniker je nach klinischem Bild folgende Untersuchungen anordnen:
| Test | Begründung |
|---|---|
| **Großes Blutbild (CBC)** | Erkennt Anämie (niedriges Hämoglobin/Hämatokrit), die auf einen signifikanten oder chronischen Blutverlust hinweist. Siehe [CBC](/tests/complete-blood-count). |
| **Eisenstatus (Ferritin, Serumeisen, TIBC)** | Bestätigt Eisenmangelanämie durch chronischen GI-Blutverlust. Siehe [Eisenpanel](/tests/iron-studies). |
| **Gerinnungspanel (PT/INR, aPTT)** | Beurteilt Blutungsneigung; essentiell bei Patienten unter Antikoagulanzien. Siehe [Gerinnungstests](/tests/coagulation-panel). |
| **Umfassendes Stoffwechselpanel (CMP)** | Beurteilt Nieren- und Leberfunktion; Lebererkrankungen können zu Varizenblutungen prädisponieren. Siehe [CMP](/tests/comprehensive-metabolic-panel). |
| **Test auf okkultes Blut im Stuhl (FOBT) / FIT** | Erkennt verborgenes Blut, das mit bloßem Auge nicht sichtbar ist; im Darmkrebs-Screening verwendet. Siehe [FOBT](/tests/fecal-occult-blood-test). |
| **Stuhlkultur und Wurmeier/Parasiten** | Identifiziert infektiöse Ursachen blutiger Durchfälle (bakterielle Erreger, Parasiten). |
| **C-reaktives Protein (CRP) / Fäkales Calprotectin** | Erhöht bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen; fäkales Calprotectin hilft, CED vom Reizdarmsyndrom zu unterscheiden. Siehe [CRP](/tests/c-reactive-protein). |
| ***Clostridioides difficile* Toxin-Assay** | Bei Verdacht auf antibiotikaassoziierte blutige Durchfälle. |
| **Blutgruppe und Kreuzprobe** | Bei signifikanter Hämorrhagie zur Vorbereitung einer möglichen Bluttransfusion. |
| **Multitarget-Stuhl-DNA-Test (Cologuard)** | Nicht-invasive KRK-Screening-Option, die FIT mit DNA-Biomarkern kombiniert; für Erwachsene mit durchschnittlichem Risiko ≥45 zugelassen [4]. |
### Bildgebung und Verfahren
- **Koloskopie** — der Goldstandard zur Beurteilung unterer GI-Blutungen; ermöglicht sowohl Diagnose als auch therapeutische Intervention (Polypektomie, Kauterisation, Clipping).
- **Obere Endoskopie (ÖGD)** — indiziert bei Verdacht auf Meläna oder eine obere GI-Quelle.
- **CT-Angiographie** — eingesetzt bei akuten, lebhaften Blutungen, wenn eine Endoskopie nicht möglich ist oder die Quelle nicht lokalisiert werden kann.
- **Kapselendoskopie** — bei obskuren Blutungen, wenn obere und untere Endoskopie nicht aufschlussreich sind.
- **Markierte-Erythrozyten-Szintigraphie** — nuklearmedizinische Untersuchung zur Erkennung intermittierender, langsamer Blutungen.
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## Spezielle Patientengruppen
### Kinder und Jugendliche
Rektale Blutungen bei Kindern haben eine andere Differenzialdiagnose als bei Erwachsenen:
- **Säuglinge:** Analfissuren (am häufigsten), Kuhmilchproteinallergie, nekrotisierende Enterokolitis (bei Neugeborenen), Meckel-Divertikel, Invagination.
- **Kleinkinder/Kinder:** Juvenile Polypen, infektiöse Kolitis, Meckel-Divertikel, CED (typischerweise ältere Kinder/Jugendliche).
- **„Johannisbeergelee"-Stühle** mit kolikartigen Bauchschmerzen bei einem Kind im Alter von 6 Monaten bis 3 Jahren stellen bis zum Beweis des Gegenteils eine Invagination dar — dies ist ein **chirurgischer Notfall**.
- Medikamentendosen für Kinder sollten stets von einem Kinderarzt anhand von Gewicht und Alter festgelegt werden. **Übertragen Sie keine Erwachsenendosen auf Kinder.**
- Die American Academy of Pediatrics empfiehlt eine umgehende Abklärung jeder signifikanten rektalen Blutung bei Kindern.
### Schwangerschaft
- Hämorrhoiden und Verstopfung sind während der Schwangerschaft aufgrund des erhöhten intraabdominellen Drucks und hormoneller Veränderungen extrem häufig; bis zu **35 % der schwangeren Frauen** erleben hämorrhoidale Symptome.
- **Ballaststoffsupplementierung** (Flohsamen) und **Sitzbäder** sind Erstwahl und gelten als sicher.
- **Topische Behandlungen:** Hamamelis-Pads gelten im Allgemeinen als sicher. Topisches Phenylephrin sollte mit Vorsicht angewendet werden (begrenzte Sicherheitsdaten). Topische Hydrocortison-Anwendungen sollten auf kurze Behandlungszyklen beschränkt bleiben.
- **Laxanzien:** Polyethylenglykol 3350 wird in der Schwangerschaft im Allgemeinen als akzeptabel angesehen; Stimulanzlaxanzien sollten möglichst vermieden werden.
- Jede rektale Blutung während der Schwangerschaft, die über eine geringe hämorrhoidale Blutung hinausgeht, rechtfertigt eine umgehende geburtshilfliche Abklärung, um plazentare Ursachen auszuschließen.
- **PPI** (Omeprazol, Pantoprazol) gelten in der Schwangerschaft im Allgemeinen als risikoarm, sollten aber nur bei klarer Indikation eingesetzt werden.
### Ältere Menschen (≥65 Jahre)
- Divertikelblutungen und Angiodysplasie werden zu den führenden Ursachen unterer GI-Blutungen.
- Polypharmazie ist häufig — die gleichzeitige Anwendung von Antikoagulanzien, Thrombozytenaggregationshemmern und NSAR erhöht das GI-Blutungsrisiko erheblich.
- Anämie durch chronischen okkulten Blutverlust kann sich eher als Müdigkeit, Dyspnoe oder kognitive Veränderungen statt als sichtbare Blutung manifestieren.
- Eine koloskopische Abklärung ist angesichts der höheren Inzidenz des kolorektalen Karzinoms besonders wichtig.
- Eine hämodynamische Instabilität kann sich aufgrund der reduzierten kardiovaskulären Reserve schneller entwickeln.
- Dosisanpassungen können bei Nieren- oder Leberinsuffizienz erforderlich sein.
### Sportler
- **Läuferkolitis** (durch Belastung induzierte ischämische Kolitis) kann blutige Durchfälle während oder nach längerer Ausdauerbelastung verursachen, insbesondere bei heißen Bedingungen. Sie ist typischerweise selbstlimitierend, sollte aber bei Wiederauftreten abgeklärt werden.
- Die Einnahme von NSAR vor oder während sportlicher Wettkämpfe erhöht das Risiko von GI-Blutungen — Sportler sollten beraten werden, NSAR vor Wettkämpfen zu meiden.
- Eisenmangel ist bei Ausdauersportlern häufig und kann durch GI-Blutverlust verstärkt werden; eine Überwachung der Ferritinwerte ist ratsam.
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## Wann eskalieren
Verwenden Sie folgenden Rahmen, um die Dringlichkeit zu bestimmen:
### Notruf 112 / sofort in die Notaufnahme
- Massive Blutung (Abgang von Koageln, Blut sammelt sich in der Toilette)
- Schockzeichen: schneller Puls, niedriger Blutdruck, Schwindel/Ohnmacht, Verwirrung, Blässe
- Meläna mit Hämatemesis (Bluterbrechen)
- Starke Bauchschmerzen mit blutigem Stuhl
- Verdacht auf Varizenblutung (bekannte Leberzirrhose)
- Kind mit „Johannisbeergelee"-Stühlen und Bauchschmerzen
### Untersuchung am gleichen Tag in einer Notfallpraxis oder beim Hausarzt
- Mäßige rektale Blutung, die neu und unerklärt ist
- Blutung mit Fieber >38 °C (100,4 °F)
- Rektale Blutung bei einem Patienten unter Antikoagulanzien- oder Thrombozytenaggregationshemmer-Therapie
- Blutiger Durchfall, der länger als 24 Stunden anhält
- Rektale Blutung mit erheblichen Schmerzen, die durch einfache Maßnahmen nicht gelindert werden
### Geplanter Hausarztbesuch (innerhalb von 1–2 Wochen)
- Anhaltende geringfügige rektale Blutung (>2 Wochen) aus vermuteter gutartiger Ursache
- Jede rektale Blutung bei einem Erwachsenen ≥40 Jahre, der kürzlich keine Darmkrebsvorsorge hatte
- Veränderung der Stuhlgewohnheiten (neue Verstopfung oder Durchfall) zusammen mit rektaler Blutung
- Wiederkehrende hämorrhoidale Blutung trotz 4-wöchiger konservativer Behandlung
- Familienanamnese mit kolorektalem Karzinom bei jeder neuen rektalen Blutung
- Positives FOBT- oder FIT-Ergebnis
### NICE-Leitlinie (NG12)
Das britische National Institute for Health and Care Excellence empfiehlt eine **dringende Überweisung mit 2-Wochen-Wartezeit** bei Verdacht auf kolorektales Karzinom bei Erwachsenen mit unerklärter rektaler Blutung in Kombination mit Veränderung der Stuhlgewohnheiten, unerklärter Eisenmangelanämie oder einer abdominalen/rektalen Raumforderung [8].
> **Fazit:** Im Zweifelsfall lieber früher als später eine ärztliche Abklärung suchen. Die meisten Ursachen rektaler Blutungen sind gutartig, aber das frühzeitige Ausschließen ernsthafter Erkrankungen führt zu besseren Ergebnissen.
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## Literaturverzeichnis
[1] Talley NJ, Jones M. Self-reported rectal bleeding in a United States community: prevalence, risk factors, and health care seeking. *Am J Gastroenterol*. 1998;93(11):2179-2183. PMID:9820394.
[2] Lohsiriwat V. Hemorrhoids: from basic pathophysiology to clinical management. *World J Gastroenterol*. 2012;18(17):2009-2017. PMID:22563187.
[3] Strate LL, Gralnek IM. ACG Clinical Guideline: Management of Patients With Acute Lower Gastrointestinal Bleeding. *Am J Gastroenterol*. 2016;111(4):459-474. PMID:26925883.
[4] Rex DK, Boland CR, Dominitz JA, et al. Colorectal Cancer Screening: Recommendations for Physicians and Patients From the U.S. Multi-Society Task Force on Colorectal Cancer. *Am J Gastroenterol*. 2017;112(7):1016-1030. PMID:28555630.
[5] Lanas A, Perez-Aisa MA, Feu F, et al. A nationwide study of mortality associated with hospital admission due to severe gastrointestinal events and those associated with nonsteroidal antiinflammatory drug use. *Am J Gastroenterol*. 2005;100(8):1685-1693. PMID:16086703.
[6] Alonso-Coello P, Mills E, Heels-Ansdell D, et al. Fiber for the treatment of hemorrhoids complications: a systematic review and meta-analysis. *Am J Gastroenterol*. 2006;101(1):181-188. PMID:16405552.
[7] Lau JYW, Barkun A, Fan DM, et al. Challenges in the management of acute peptic ulcer bleeding. *Lancet*. 2013;381(9882):2033-2043. PMID:23746903.
[8] National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Suspected cancer: recognition and referral. NICE guideline [NG12]. Published June 2015, updated October 2023. Available at: https://www.nice.org.uk/guidance/ng12.
[9] Barnert J, Messmann H. Diagnosis and management of lower gastrointestinal bleeding. *Nat Rev Gastroenterol Hepatol*. 2009;6(11):637-646. PMID:19581903.
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*Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Konsultieren Sie immer einen qualifizierten Gesundheitsdienstleister zur Diagnose und Behandlung rektaler Blutungen oder einer anderen Erkrankung. Inhalte von PillsCard.com sind peer-reviewed, sollten jedoch nicht das klinische Urteil Ihres Arztes ersetzen.*
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