## Überblick
Trockene Haut – medizinisch als **Xerosis cutis** (ICD-10: L85.3) bezeichnet – ist eine sehr häufige Hauterscheinung, die durch raue, schuppige, spannende oder rissige Haut infolge unzureichender Feuchtigkeit in der äußersten Schicht der Epidermis, dem *Stratum corneum*, gekennzeichnet ist. Sie kann am gesamten Körper auftreten, betrifft jedoch am häufigsten die Schienbeine, Unterarme, Hände sowie die seitlichen Rumpfpartien.
Xerosis zählt weltweit zu den häufigsten dermatologischen Beschwerden. Bevölkerungsbasierte Erhebungen weisen darauf hin, dass **29–85 %** der Erwachsenen im Laufe eines Jahres mindestens einmal unter trockener Haut leiden, wobei die Prävalenz nach dem 60. Lebensjahr steil ansteigt [1]. In älteren Bevölkerungsgruppen, die in gemäßigten Klimazonen leben, sind schätzungsweise **50–75 %** der über 65-Jährigen von Xerosis betroffen [2]. Die große Spannbreite der Prävalenzangaben spiegelt Unterschiede in Klima, Beruf, Badegewohnheiten und diagnostischen Schwellen zwischen den Studien wider.
Menschen suchen Informationen zu trockener Haut, weil diese unangenehm sein kann (Juckreiz, Brennen, kosmetische Beeinträchtigung), auf eine zugrunde liegende Erkrankung hinweisen kann und sich häufig leicht behandeln lässt, sobald die Ursache erkannt ist. Dieser Artikel bietet einen evidenzbasierten Überblick über Ursachen, Selbstpflegestrategien, Medikamente sowie klare Hinweise dazu, wann eine ärztliche Abklärung angezeigt ist.
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## Häufige Ursachen
Das Stratum corneum fungiert als wasserrückhaltende Barriere und besteht aus Korneozyten, die in eine interzelluläre Lipidmatrix eingebettet sind – häufig beschrieben als "Ziegelstein-und-Mörtel"-Modell [3]. Trockene Haut entsteht, wenn diese Barriere gestört wird, der Gehalt an natürlichem Feuchthaltefaktor (NMF) abnimmt oder der transepidermale Wasserverlust (TEWL) ansteigt. Die Ursachen sind im Folgenden grob nach Häufigkeit aufgeführt.
### 1. Umwelt- und Verhaltensfaktoren (am häufigsten)
- **Geringe Luftfeuchtigkeit und kaltes Wetter** – Heizungssysteme im Winter senken die Raumluftfeuchte auf 15–20 % und beschleunigen so die Wasserverdunstung über die Haut.
- **Übermäßiges Baden oder heißes Wasser** – längere Einwirkung heißen Wassers entzieht der Haut schützende Lipide und erhöht den TEWL [4].
- **Aggressive Seifen und Reinigungsmittel** – alkalische Reiniger stören den Säureschutzmantel (pH ~4,5–5,5) und emulgieren interzelluläre Lipide.
- **Berufliche Exposition** – Beschäftigte im Gesundheitswesen, Friseur:innen, Personen in der Lebensmittelverarbeitung und Bauarbeiter:innen entwickeln häufig eine chronische irritative Kontaktdermatitis.
### 2. Alterung (Altersxerose)
Mit zunehmendem Alter sinkt die Talgproduktion, die epidermale Lipidsynthese nimmt ab und die NMF-Bildung verringert sich. Filaggrin – die Vorläuferprotein des NMF – wird bei älteren Menschen in geringeren Mengen exprimiert, was zur Beeinträchtigung der Hautbarriere beiträgt [5]. Diese Veränderungen machen Xerosis bei älteren Menschen nahezu allgegenwärtig.
### 3. Atopische Dermatitis und Ekzem
Genetisch bedingte Loss-of-Function-Mutationen im Filaggrin-Gen (bei 20–50 % der Patient:innen mit atopischer Dermatitis nachweisbar) reduzieren den NMF und beeinträchtigen die Barriereintegrität [5]. Xerosis ist ein charakteristisches Merkmal und häufig das früheste Zeichen einer atopischen Dermatitis – noch vor entzündlichen Schüben.
### 4. Kontaktdermatitis (irritativ)
Wiederholter Kontakt mit Wasser, Lösungsmitteln oder Reinigungsmitteln führt zu kumulativen Schäden der Lipidbarriere. Dies ist eine der häufigsten Ursachen für Handxerosis und berufsbedingte Dermatitis.
### 5. Systemerkrankungen
- **Hypothyreose** – verminderte Schilddrüsenhormone reduzieren die Talgsekretion und die epidermale Erneuerung.
- **Diabetes mellitus** – autonome Neuropathie verringert das Schwitzen; Hyperglykämie fördert die osmotische Dehydration der Haut.
- **Chronische Nierenerkrankung** – Urämie verändert die Schweißdrüsenfunktion, vermindert die Talgproduktion und entzieht der Haut Feuchtigkeit.
- **Eisenmangelanämie** – kann sich mit generalisiertem Pruritus und Xerosis manifestieren.
### 6. Medikamente
Mehrere Wirkstoffklassen sind als Auslöser einer Xerosis gut bekannt:
- **Retinoide** (Isotretinoin, Tretinoin) – beschleunigen die epidermale Erneuerung schneller, als die Barriere repariert werden kann.
- **Diuretika** – systemische Dehydratation beeinträchtigt sekundär die Hauthydratation.
- **Statine** – können die Cholesterinsynthese in der epidermalen Barriere beeinträchtigen.
- **Zielgerichtete Krebstherapien** (EGFR-Inhibitoren) – Xerosis tritt bei bis zu 35 % der Patient:innen auf.
### 7. Ernährungsbedingte Mängel
Mängel an essenziellen Fettsäuren, Zink sowie an den Vitaminen A und D können die Keratinozyten-Differenzierung und die Lipidsynthese beeinträchtigen und so zur Xerosis beitragen.
### 8. Dermatologische Erkrankungen
- **Psoriasis** – abnorme Keratinozytenproliferation führt zu trockenen, schuppenden Plaques.
- **Ichthyosen** – eine Gruppe erblicher Verhornungsstörungen mit diffuser Schuppung.
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## WARNZEICHEN
Die meisten Fälle trockener Haut sind harmlos und gut zu Hause behandelbar. Suchen Sie jedoch **umgehend oder noch am selben Tag ärztliche Hilfe auf**, wenn die trockene Haut von einem der folgenden Befunde begleitet wird:
- **Rissige Haut mit Infektionszeichen** – zunehmende Rötung, Überwärmung, Schwellung, Eiter, rote Streifen oder Fieber (≥ 38 °C / 100,4 °F), was auf eine Cellulitis hindeuten kann, die eine sofortige Antibiotikatherapie erfordert
- **Schweres, ausgedehntes Aufreißen und Bluten** der Haut, das innerhalb von 1–2 Wochen nicht auf Feuchtigkeitspflege anspricht
- **Intensiver, anhaltender Juckreiz, der den Schlaf** oder die Alltagsfunktion beeinträchtigt – kann auf eine Systemerkrankung hinweisen
- **Unerklärlicher Gewichtsverlust, Müdigkeit oder übermäßiger Durst** zusammen mit neu aufgetretener Xerosis – Screening auf Diabetes, Schilddrüsenerkrankung oder Malignome
- **Rasch progredienter Hautausschlag oder Blasenbildung** – kann auf einen schwerwiegenden dermatologischen Notfall hindeuten
- **Generalisierte trockene Haut bei einem Kind unter 2 Jahren** mit Gedeihstörung – erfordert eine pädiatrische Abklärung
- **Neu aufgetretene generalisierte Xerosis bei Patient:innen unter Immunsuppressiva oder Chemotherapie** – kann eine Dosisanpassung erfordern
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## Selbstpflege zu Hause
Eckpfeiler der Xerosis-Behandlung ist die **Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der Hautbarriere**. Die folgenden evidenzbasierten Maßnahmen werden empfohlen [1][4][6]:
### Badegewohnheiten
- Beschränken Sie Duschen oder Bäder auf **5–10 Minuten** mit **lauwarmem** (nicht heißem) Wasser.
- Verwenden Sie einen **seifenfreien, parfümfreien, pH-ausgewogenen Reiniger** (Syndet-Stücke oder milde Waschlotionen).
- Tupfen Sie die Haut sanft trocken; **nicht** mit dem Handtuch reiben.
- Tragen Sie **innerhalb von 3 Minuten** nach dem Bad eine Pflegecreme auf ("Soak-and-Seal"-Methode), um Feuchtigkeit im Stratum corneum einzuschließen.
### Auswahl der Pflegeprodukte
Pflegeprodukte wirken über drei Mechanismen, die häufig in einem Produkt kombiniert werden [4]:
| Mechanismus | Wirkweise | Wichtige Inhaltsstoffe |
|---|---|---|
| **Okklusiv** | Bildet eine physikalische Barriere zur Reduktion des TEWL | Petrolatum, Dimeticon, Lanolin, Mineralöl |
| **Humectant (Feuchthaltemittel)** | Zieht Wasser aus der Dermis und der Umgebung in das Stratum corneum | Glycerol (Glycerin), Urea (Harnstoff), Hyaluronsäure, Milchsäure |
| **Emollient (Weichmacher)** | Füllt Lücken zwischen den Korneozyten und glättet die Hautstruktur | Ceramide, Fettsäuren, Cholesterin, Squalan |
Petrolatum (Vaseline) bleibt das wirksamste einzelne Okklusivum und reduziert den TEWL um bis zu **98 %** [4]. Ceramidhaltige Pflegeprodukte können einen zusätzlichen Nutzen bieten, indem sie die interzelluläre Lipidmatrix wieder auffüllen, und werden insbesondere bei xerotischer Haut im Rahmen einer atopischen Dermatitis empfohlen.
### Umgebungsanpassungen
- Verwenden Sie einen **Raumluftbefeuchter**, um die Innenraumfeuchte in den Wintermonaten bei **40–60 %** zu halten.
- Tragen Sie **Kleidung aus Baumwolle oder weichen Fasern**; vermeiden Sie direkten Kontakt von Wolle mit gereizter Haut.
- Tragen Sie **Handschuhe** beim Umgang mit Reinigungsmitteln, Lösungsmitteln oder bei längerem Kontakt der Hände mit Wasser.
### Ernährungsaspekte
- Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (für die meisten Erwachsenen in der Regel **1,5–2 L Flüssigkeit täglich**).
- Sorgen Sie für eine ausreichende Zufuhr von **Omega-3-Fettsäuren** (fetter Fisch, Leinsamen), **Zink** sowie **Vitamin A und D** über die Nahrung oder – bei Mangel – durch Nahrungsergänzung.
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## Hilfreiche OTC-Medikamente
Rezeptfreie (OTC) topische Produkte bei trockener Haut lassen sich in die folgenden Kategorien einteilen. Sie sind für die meisten Erwachsenen grundsätzlich sicher, sollten jedoch gemäß den Angaben auf dem Etikett angewendet werden.
| Klasse | Beispielprodukte | Übliche Anwendung bei Erwachsenen | Wirkmechanismus | Hinweise / Kontraindikationen |
|---|---|---|---|---|
| **Petrolatum-basierte Emollienzien** | Vaseline, Aquaphor Healing Ointment | Großzügig 1–3× täglich auf betroffene Stellen auftragen | Okklusiv – reduziert den TEWL um bis zu 98 % | Kann sich fettig anfühlen; in der Regel sehr gut verträglich. Bei zu Akne neigender Gesichtshaut bei manchen Personen vermeiden |
| **Ceramidhaltige Cremes** | CeraVe Moisturising Cream, Cetaphil PRO Eczema Soothing Moisturiser | 1–2× täglich auftragen, insbesondere nach dem Baden | Füllt interzelluläre Lipide auf (Ceramide, Cholesterin, Fettsäuren) | Geeignet für empfindliche und zu Ekzemen neigende Haut. In der Regel keine wesentlichen Kontraindikationen |
| **Harnstoffcremes (2–10 %)** | Eucerin UreaRepair, Flexitol Intensely Nourishing Cream | 1–2× täglich auf betroffene Stellen auftragen | Feuchthaltemittel und mildes Keratolytikum – zieht Wasser in das Stratum corneum und peelt sanft | Auf verletzter oder akut entzündeter Haut vermeiden (kann brennen). Höhere Konzentrationen (20–40 %) sind erhältlich, können aber eine fachliche Anleitung erfordern |
| **Milchsäure-Cremes (5–12 %)** | AmLactin Daily Moisturising Lotion (12 % Ammoniumlactat) | 1–2× täglich auftragen | Alpha-Hydroxysäure – Feuchthaltemittel und mildes Keratolytikum | Kann beim Auftragen leicht brennen; offene Wunden und Gesicht meiden. Sonnenschutz verwenden, da AHAs die Lichtempfindlichkeit erhöhen können |
| **Kolloidale Haferzubereitungen** | Aveeno Dermexa, verschiedene Badezusätze | Als Creme oder gemäß Packungsbeilage als Badezusatz anwenden | Antiinflammatorisch und barriereschützend; enthält Avenanthramide | In der Regel sehr sicher. Selten Haferallergie möglich |
| **Hydrocortison-1 %-Creme** (kurzfristig) | Cortizone-10, Generika | Dünn auf juckende Stellen bis zu 2× täglich für **≤ 7 Tage** auftragen | Antiinflammatorisch – reduziert Juckreiz und Erythem | Nicht über längere Zeiträume im Gesicht, in der Leiste oder in den Achselhöhlen anwenden. Keine langfristige Anwendung ohne ärztliche Aufsicht. Bei Hautinfektionen vermeiden |
| **Orale Antihistaminika** (gegen Juckreiz) | Cetirizin 10 mg, Diphenhydramin 25–50 mg | Cetirizin: 10 mg einmal täglich; Diphenhydramin: 25–50 mg zur Nacht | H₁-Rezeptor-Antagonismus reduziert histaminvermittelten Juckreiz | Diphenhydramin wirkt sedierend (kann bei schlafstörendem Juckreiz hilfreich sein). Diphenhydramin bei älteren Menschen meiden (Beers-Kriterien). Cetirizin tagsüber bevorzugt |
> **Hinweis:** Wenn OTC-Maßnahmen die Beschwerden trotz konsequenter Anwendung nicht innerhalb von **2–3 Wochen** bessern, ist eine ärztliche Abklärung empfehlenswert.
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## Verschreibungspflichtige Optionen
Eine verschreibungspflichtige Therapie ist in der Regel bei einer Xerosis vorbehalten, die auf konsequente OTC-Pflege nicht anspricht, mit einer Grunderkrankung assoziiert ist oder durch eine erhebliche Entzündung bzw. Infektion kompliziert wird.
| Klasse | Beispiele | Indikation | Verordner | Wichtige Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| **Topische Kortikosteroide (mittlere bis hohe Potenz)** | Triamcinolon 0,1 % Creme, Betamethasonvalerat 0,1 % | Xerosis mit signifikanter ekzematöser Entzündung | Hausarzt, Dermatologe | In definierten Therapieintervallen anwenden (typischerweise 1–2 Wochen, dann ausschleichen). Risiko der Hautatrophie bei längerer Anwendung |
| **Topische Calcineurin-Inhibitoren** | Tacrolimus-Salbe 0,03–0,1 %, Pimecrolimus-Creme 1 % | Steroidsparende Erhaltungstherapie bei atopischer Xerosis, insbesondere im Gesicht oder in intertriginösen Arealen | Dermatologe, Hausarzt | FDA-Black-Box-Warnung wegen theoretischen Malignomrisikos (Post-Marketing-Daten allerdings überwiegend beruhigend). Bei aktiven Hautinfektionen meiden |
| **Verschreibungspflichtiger Harnstoff (20–40 %)** | Urea-40 %-Creme (Carmol 40), Urea-20 %-Creme | Schwere Xerosis, hyperkeratotische Haut, Ichthyosen | Hausarzt, Dermatologe | Stark keratolytisch; kann beim Auftragen brennen. Auf verletzter oder entzündeter Haut meiden |
| **Topische Retinoide** | Tretinoin 0,025–0,05 % Creme, Tazaroten | Xerosis mit Photoaging oder Verhornungsstörungen | Dermatologe | Kann paradoxerweise die Trockenheit zunächst verstärken; gleichzeitige Anwendung einer Pflegecreme ist essenziell. In der Schwangerschaft kontraindiziert (Kategorie X) |
| **Crisaborol 2 % Salbe** | Eucrisa | Leichte bis mittelschwere atopische Dermatitis mit Xerosis (ab Alter ≥ 3 Monate) | Dermatologe, Hausarzt | PDE4-Inhibitor; nichtsteroidaler Entzündungshemmer. Brennen an der Auftragsstelle ist die häufigste Nebenwirkung |
| **Dupilumab (Injektion)** | Dupixent | Mittelschwere bis schwere atopische Dermatitis, die mit topischer Therapie nicht kontrolliert werden kann | Dermatologe, Allergologe | IL-4/IL-13-monoklonaler Antikörper. Deutliche Wirksamkeit bei Juckreiz und Xerosis im Rahmen der atopischen Dermatitis. Risiko einer Konjunktivitis |
| **Systemische Schilddrüsenhormone / krankheitsspezifische Therapie** | Levothyroxin (bei Hypothyreose), Insulinoptimierung (bei Diabetes) | Xerosis aufgrund einer zugrunde liegenden Systemerkrankung | Endokrinologe, Hausarzt | Die Behandlung der Grunderkrankung führt häufig zur Rückbildung der Xerosis. Schilddrüsenfunktion bzw. glykämische Kontrolle sollten optimiert werden |
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## Üblicherweise angeforderte Laboruntersuchungen
Eine laborchemische Abklärung ist bei leichter, saisonaler trockener Haut, die auf eine Pflege anspricht, in der Regel nicht erforderlich. Untersuchungen sind angezeigt, wenn die Xerosis **generalisiert, persistierend, schwer ausgeprägt oder von systemischen Symptomen begleitet** ist.
| Untersuchung | Begründung | Wann zu erwägen |
|---|---|---|
| **Schilddrüsenfunktionstests** (TSH, freies T4) — [mehr Infos](/tests/thyroid-function-tests) | Hypothyreose ist eine häufige reversible Ursache einer generalisierten Xerosis | Neu aufgetretene diffuse Xerosis mit Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kälteintoleranz, Verstopfung |
| **Nüchternblutzucker / HbA1c** — [mehr Infos](/tests/hba1c) | Diabetes mellitus verursacht Xerosis durch autonome Neuropathie und Dehydratation | Xerosis mit Polydipsie, Polyurie oder bekannten diabetischen Risikofaktoren |
| **Nierenfunktionspanel** (BUN, Kreatinin, eGFR) — [mehr Infos](/tests/kidney-function-tests) | Chronische Nierenerkrankung / Urämie verursacht Pruritus und Xerosis | Generalisierter Juckreiz und trockene Haut mit Ödemen, Hypertonie oder bekannten renalen Risikofaktoren |
| **Komplettes Blutbild (CBC)** — [mehr Infos](/tests/complete-blood-count) | Eisenmangelanämie kann sich mit Pruritus und trockener Haut äußern | Xerosis mit Blässe, Müdigkeit oder unerklärlichem Juckreiz |
| **Serumeisen, Ferritin, TIBC** — [mehr Infos](/tests/iron-studies) | Bestätigt einen Eisenmangel, wenn das CBC eine Anämie nahelegt | Auffälliges CBC oder starker klinischer Verdacht |
| **Vitamin-D-Spiegel** (25-Hydroxyvitamin D) — [mehr Infos](/tests/vitamin-d) | Ein Vitamin-D-Mangel kann die Hautbarrierefunktion beeinträchtigen | Schwere oder therapierefraktäre Xerosis, geringe Sonnenexposition, Risikogruppen |
| **Leberfunktionstests** (ALT, AST, Bilirubin, ALP) — [mehr Infos](/tests/liver-function-tests) | Cholestatische Lebererkrankungen können Pruritus und sekundäre Xerosis verursachen | Juckreiz mit Ikterus oder Hepatomegalie |
| **Hautbiopsie** | Zum Ausschluss von Ichthyosen, Psoriasis, kutanem T-Zell-Lymphom oder anderen Dermatosen | Atypische Präsentation, therapierefraktär, klinischer Verdacht auf Malignität |
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## Besondere Bevölkerungsgruppen
### Kinder und Säuglinge
- Xerosis ist bei Kindern äußerst häufig, insbesondere bei Kindern mit atopischer Dermatitis (weltweite Prävalenz 15–20 % bei Kindern).
- **Emollienzien** sind die Therapie der ersten Wahl und sollten großzügig und häufig aufgetragen werden – mindestens 2–3 Mal täglich [6].
- Vermeiden Sie parfümierte Produkte und aggressive Seifen. Verwenden Sie seifenfreie Reiniger.
- **OTC-Hydrocortison 1 %** kann bei leichten ekzematösen Schüben bei Kindern ≥ 2 Jahren kurzfristig (bis zu 7 Tage) angewendet werden. Bei jüngeren Kindern vor der Anwendung jeglicher topischer Kortikosteroide eine Kinderärztin / einen Kinderarzt konsultieren.
- Harnstoffhaltige Produkte **nicht** ohne ärztliche Anleitung bei Säuglingen anwenden, da das Brennen erheblich sein kann und die Sicherheitsdaten bei sehr kleinen Kindern begrenzt sind.
- Die pädiatrische Dosierung oraler Antihistaminika variiert je nach Alter und Gewicht – stets die Produktangaben oder ärztliche Anweisungen befolgen.
### Schwangerschaft
- Xerosis tritt in der Schwangerschaft häufig aufgrund hormoneller Veränderungen und eines erhöhten transepidermalen Wasserverlusts auf.
- **Emollienzien und Petrolatum** gelten in der Schwangerschaft im Allgemeinen als sicher und sind die Therapie der ersten Wahl.
- **Topische Retinoide** (Tretinoin, Tazaroten) sind in der Schwangerschaft aufgrund teratogener Risiken **kontraindiziert** (frühere FDA-Kategorie X).
- **Topische Kortikosteroide**: leichte bis mittelstarke Potenzklassen (z. B. Hydrocortison 1 %) gelten im Allgemeinen als risikoarm. Stark oder sehr stark wirksame topische Steroide ohne geburtshilfliche Anleitung meiden, insbesondere großflächig oder über längere Zeiträume.
- **Tacrolimus und Pimecrolimus**: begrenzte Humandaten in der Schwangerschaft; in der Regel meiden, sofern der Nutzen das Risiko nicht eindeutig überwiegt – Rücksprache mit dem Verordner halten.
- Das ACOG veröffentlicht keine spezifischen Empfehlungen zur Xerosis, rät jedoch dazu, unnötige Medikamentenexpositionen während der Schwangerschaft zu minimieren.
### Ältere Menschen (≥ 65 Jahre)
- Die Altersxerose ist nahezu allgegenwärtig und stellt die **häufigste Ursache von Pruritus bei älteren Erwachsenen** dar.
- Emollienzien sollten als routinemäßige präventive Maßnahme täglich aufgetragen werden.
- **Sedierende Antihistaminika** (Diphenhydramin, Hydroxyzin) sollten bei älteren Menschen aufgrund der anticholinergen Belastung, des Sturzrisikos und kognitiver Beeinträchtigungen vermieden werden (Beers-Kriterien der American Geriatrics Society) [7].
- Auf medikamentös bedingte Xerosis achten (Diuretika, Statine, Retinoide).
- Rissige, trockene Haut an den Füßen ist bei älteren Menschen mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit oder Diabetes ein erheblicher Risikofaktor für eine **Cellulitis** – zügige Pflege und Wundversorgung sind essenziell.
### Sportler:innen
- Häufiges Duschen, gechlortes Schwimmbadwasser und Trainingsumgebungen mit niedriger Luftfeuchtigkeit prädisponieren Sportler:innen zur Xerosis.
- Tragen Sie unmittelbar nach dem Duschen eine parfümfreie Pflegecreme auf.
- Verwenden Sie einen milden, pH-ausgewogenen Reiniger statt einer antibakteriellen Seife.
- Schwimmer:innen sollten gechlortes Wasser zügig abspülen und ein Emolliens auftragen.
- Reibung durch Sportausrüstung kann eine Xerosis lokal verstärken – Barrierecremes oder Schutzkleidung können hilfreich sein.
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## Wann eskalieren?
Nutzen Sie die folgenden Schwellenwerte, um die geeignete Versorgungsstufe zu bestimmen:
### Selbstpflege (häusliche Behandlung fortsetzen)
- Leichte, lokal begrenzte trockene Haut, die innerhalb von 1–2 Wochen auf Pflegecreme anspricht
- Saisonale Trockenheit ohne Risse, Blutung oder erheblichen Juckreiz
### Hausarzttermin am selben Tag oder geplant (innerhalb von 1–2 Wochen)
- Xerosis, die trotz konsequenter Pflege länger als **> 2–3 Wochen** anhält
- Trockene Haut mit erheblichem Juckreiz, der die Alltagstätigkeiten oder den Schlaf beeinträchtigt
- Verdacht auf eine zugrunde liegende systemische Ursache (neu aufgetretene Müdigkeit, Gewichtsveränderung, übermäßiger Durst)
- Trockene, rissige Haut an den Füßen bei Patient:innen mit Diabetes (Infektionsprävention)
- Xerosis, die nach Beginn einer neuen Medikation aufgetreten ist
### Notfallambulanz (am selben Tag)
- Rissige Haut mit frühen Zeichen einer **Sekundärinfektion** – lokale Rötung, Überwärmung, Druckschmerz, geringe Sekretion – die noch nicht systemisch ausgebreitet ist
- Ausgedehnte, schwere Xerosis mit schmerzhaften Fissuren, die die Hand- oder Fußfunktion einschränken
### Notaufnahme
- Anzeichen einer **systemischen Infektion / Cellulitis** – sich ausbreitende Rötung, rote Streifen (Lymphangitis), Fieber, Schüttelfrost, Tachykardie
- Schwere allergische Reaktion oder Arzneimittelreaktion mit ausgedehnter Hautbeteiligung (z. B. Erythrodermie)
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## Literatur
[1] White-Chu EF, Reddy M. Dry skin in the elderly: complexities of a common problem. *Clin Dermatol*. 2011;29(1):37–42. PMID:21146730.
[2] Paul C, Maumus-Robert S, Mazereeuw-Hautier J, Guyen CN, Saudez X, Schmitt AM. Prevalence and risk factors for xerosis in the elderly: a cross-sectional epidemiological study in primary care. *Dermatology*. 2011;223(3):260–265. PMID:22105073.
[3] Elias PM. Stratum corneum defensive functions: an integrated view. *J Invest Dermatol*. 2005;125(2):183–200. PMID:16098026.
[4] Rawlings AV, Harding CR. Moisturization and skin barrier function. *Dermatol Ther*. 2004;17 Suppl 1:43–48. PMID:14728698.
[5] Thyssen JP, Kezic S. Causes of epidermal filaggrin reduction and their role in the pathogenesis of atopic dermatitis. *J Allergy Clin Immunol*. 2014;134(4):792–799. PMID:25065719.
[6] Lodén M. The clinical benefit of moisturizers. *J Eur Acad Dermatol Venereol*. 2005;19(6):672–688. PMID:16268870.
[7] American Geriatrics Society 2023 Updated AGS Beers Criteria for Potentially Inappropriate Medication Use in Older Adults. *J Am Geriatr Soc*. 2023;71(7):2052–2081. PMID:37139824.
[8] National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Emollients: prescribing information. NICE Clinical Knowledge Summary. Updated 2023. Available at: https://cks.nice.org.uk/topics/dermatitis-contact/prescribing-information/emollients/.
[9] Proksch E, Berardesca E, Misery L, Engblom J, Bouwstra J. Dry skin management: practical approach in light of latest research on skin structure and function. *J Dermatolog Treat*. 2020;31(7):716–722. PMID:30887844.
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*Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Konsultieren Sie für die Diagnose und Behandlung jeglicher Erkrankung stets eine qualifizierte medizinische Fachperson.*
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