## Überblick
Halsschmerzen (Pharyngitis) sind Schmerzen, ein Kratzgefühl oder eine Reizung im Hals, die sich beim Schlucken häufig verschlimmern. Klassifiziert unter den ICD-10-Codes J02 (akute Pharyngitis) und R07.0 (Halsschmerzen), zählen sie weltweit zu den häufigsten Gründen für ambulante Arztbesuche. Allein in den Vereinigten Staaten verursachen Halsschmerzen jährlich etwa 12 Millionen ambulante Konsultationen, und die meisten Erwachsenen erleben zwei bis drei Episoden pro Jahr [1].
Die überwiegende Mehrheit der Halsschmerzen — etwa 80–90 % bei Erwachsenen — wird durch virale Infektionen verursacht und klingt ohne spezifische Behandlung innerhalb von 5–7 Tagen ab. Da Halsschmerzen jedoch gelegentlich auf eine schwerwiegende oder behandlungsbedürftige bakterielle Infektion hinweisen können (insbesondere Gruppe-A-*Streptokokken*, die sogenannte „Streptokokken-Angina"), ist eine sachgerechte Beurteilung wichtig. Patienten suchen zu diesem Symptom häufig nach Beruhigung darüber, wann Anlass zur Sorge besteht, ob Antibiotika erforderlich sind und was sie zu Hause tun können, um sich besser zu fühlen.
Dieser Artikel bietet einen evidenzbasierten Überblick über Ursachen, Warnzeichen, Selbstpflege, Medikamente und den Zeitpunkt, eine ärztliche Beurteilung in Anspruch zu nehmen. **Diese Informationen dienen Bildungszwecken und ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.**
## Häufige Ursachen
Halsschmerzen haben zahlreiche mögliche Ursachen. Im Folgenden werden die häufigsten, grob nach Häufigkeit im ambulanten Bereich geordnet, aufgeführt.
### 1. Virale Pharyngitis (am häufigsten — ca. 60–80 % der Fälle)
Rhinoviren, Coronaviren, Adenoviren, Influenza, Parainfluenza und das Epstein-Barr-Virus (EBV) sind die führenden Erreger. Virale Pathogene dringen in die Pharyngealschleimhaut ein und lösen die lokale Freisetzung entzündlicher Mediatoren (Prostaglandine, Bradykinin, Histamin) aus, die Schmerzrezeptoren sensibilisieren und ein Schleimhautödem verursachen. Zu den Symptomen zählen typischerweise Rhinorrhoe, Husten, Heiserkeit und Konjunktivitis neben den Halsschmerzen.
### 2. Pharyngitis durch Gruppe-A-Streptokokken (GAS) (~15–30 % bei Kindern, ~5–15 % bei Erwachsenen)
*Streptococcus pyogenes* haftet über M-Protein und Lipoteichonsäure an Pharyngealepithelzellen und ruft eine intensive neutrophile Entzündungsreaktion mit Tonsillenexsudat, palatinalen Petechien und schmerzhafter zervikaler Lymphadenopathie hervor. Die GAS-Pharyngitis ist klinisch bedeutsam, da unbehandelte Infektionen ein geringes Risiko für rheumatisches Fieber, Peritonsillarabszess und Poststreptokokken-Glomerulonephritis bergen [1].
### 3. Postnasaler Schleimfluss / allergische Rhinitis
Schleim, der vom Nasopharynx abfließt, reizt die hintere Pharynxwand mechanisch und chemisch. Patienten beschreiben oft ein „kratziges" oder „kitzelndes" Gefühl im Hals, das beim Aufwachen schlimmer wird. Die allergeninduzierte IgE-Freisetzung verursacht ein Schleimhautödem und verstärkt die Beschwerden zusätzlich.
### 4. Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) / laryngopharyngealer Reflux (LPR)
Säure und Pepsin, die in den Laryngopharynx zurückfließen, verursachen chronische Schleimhautreizung, Globusgefühl und Heiserkeit. Dem hinteren Larynx und Pharynx fehlen die Schutzmechanismen des Ösophagusepithels, wodurch sie selbst gegenüber geringer Säureexposition empfindlich sind.
### 5. Umwelt- und Lebensstilfaktoren
Trockene Raumluft (besonders im Winter bei Heizungsluft), Zigarettenrauch, berufliche Staub- oder Chemikalienexposition sowie Mundatmung können die Pharyngealschleimhaut austrocknen und reizen.
### 6. Infektiöse Mononukleose (EBV)
Besonders häufig bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen verursacht eine EBV-Infektion eine schwere Pharyngitis mit ausgeprägter Tonsillenvergrößerung, oft mit Exsudat, generalisierter Lymphadenopathie, Müdigkeit und gelegentlich Hepatosplenomegalie. Sie macht etwa 1–6 % der Pharyngitisfälle in dieser Altersgruppe aus.
### 7. Andere bakterielle Ursachen
Gruppe-C- und -G-*Streptokokken*, *Fusobacterium necrophorum* (besonders bei jungen Erwachsenen, assoziiert mit dem Lemierre-Syndrom), *Arcanobacterium haemolyticum*, *Neisseria gonorrhoeae* (pharyngeale Gonorrhoe) und selten *Corynebacterium diphtheriae* können ebenfalls eine Pharyngitis verursachen.
### 8. Seltenere Ursachen
- **Peritonsillarabszess (Quinsy)** — Komplikation der Tonsillitis
- **Epiglottitis** — heute aufgrund der Hib-Impfung selten, aber ein medizinischer Notfall
- **Oropharyngeale Candidiasis** — bei immunsupprimierten Patienten
- **Thyreoiditis** — übertragene Halsschmerzen
- **Malignität** — anhaltende einseitige Halsschmerzen bei Rauchern erfordern Abklärung
## WARNZEICHEN
Suchen Sie **sofort medizinische Hilfe (Notaufnahme / Notruf 112)** auf, wenn Halsschmerzen von einem der folgenden Symptome begleitet werden:
- **Atemnot, Stridor oder Speichelfluss** — Hinweis auf Atemwegsobstruktion (Epiglottitis, schwerer Peritonsillarabszess, retropharyngealer Abszess, Angioödem)
- **Unfähigkeit, Speichel zu schlucken** — weist auf erhebliche Atemwegs- oder Pharynxbeeinträchtigung hin
- **Trismus (eingeschränkte Mundöffnung)** — klassisches Zeichen eines Peritonsillarabszesses
- **„Heiße-Kartoffel"-Sprache oder gedämpfte Stimme** — assoziiert mit tiefen Halsrauminfektionen
- **Rasch fortschreitende Halsschwellung** — kann auf eine Ludwig-Angina oder nekrotisierende Fasziitis hinweisen
- **Hohes Fieber (≥ 39,5 °C / 103 °F) mit Schüttelfrost und toxischem Erscheinungsbild** — deutet auf schwere bakterielle Infektion oder Sepsis hin
- **Nackensteifigkeit in Kombination mit Fieber und Halsschmerzen** — an retropharyngealen Abszess oder Meningitis denken
- **Zeichen schwerer Dehydratation** — besonders bei Kindern, die nicht trinken können
- **Hautausschlag mit Schleimhautbeteiligung** (Hautablösung, konjunktivales Erythem) — an Kawasaki-Syndrom bei Kindern, Stevens-Johnson-Syndrom oder Scharlach denken
- **Einseitige Halsschwellung mit Fieberschüben bei jungen Erwachsenen** nach Halsschmerzen — an Lemierre-Syndrom denken (septische Thrombophlebitis der V. jugularis interna durch *F. necrophorum*)
## Selbstpflege zu Hause
Bei unkomplizierter viraler Pharyngitis sind die folgenden nicht-pharmakologischen Maßnahmen im Allgemeinen evidenzbasiert oder durch klinischen Konsens gestützt:
### Hydratation
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr hält die Pharyngealschleimhaut feucht und verflüssigt Sekrete. Warme Flüssigkeiten (Tee mit Honig, Brühe) können lindernde Wirkung haben. Eine randomisierte Studie zeigte, dass Honig die Hustenintensität reduzieren und die Schlafqualität bei Kindern über 1 Jahr und bei Erwachsenen verbessern kann [5].
### Gurgeln mit Salzwasser
Das Gurgeln mit warmer Kochsalzlösung (etwa ¼ bis ½ Teelöffel Salz auf 240 ml warmes Wasser) kann durch osmotische Wirkung vorübergehend das Pharyngealödem reduzieren und Schleim lösen. Hochwertige RCT-Daten sind begrenzt, jedoch ist diese Maßnahme risikoarm und wird in klinischen Leitlinien weithin empfohlen.
### Befeuchtung
Ein Kaltluftbefeuchter kann der trockenen Raumluft entgegenwirken, die Halsreizungen verschlimmert. Reinigen Sie den Befeuchter regelmäßig, um Schimmelbildung zu vermeiden.
### Ruhe und Stimmschonung
Körperliche Ruhe unterstützt die Immunfunktion. Übermäßiges Sprechen, Schreien oder Flüstern (das paradoxerweise die Stimmbänder belastet) sollte vermieden werden, um die laryngopharyngeale Reizung zu reduzieren.
### Halspastillen und Hartbonbons
Das Lutschen von Pastillen oder Hartbonbons regt die Speichelproduktion an, die die Pharyngealschleimhaut benetzt und schmiert. Einige Pastillen enthalten Menthol, das ein mildes lokalanästhetisches Empfinden erzeugt.
### Diätetische Anpassungen
Weiche, kühle Lebensmittel (Joghurt, Eis am Stiel, Smoothies) können wohltuend sein. Saure, scharfe oder sehr heiße Speisen sollten gemieden werden, um die Reizung zu vermindern.
### Vermeidung von Reizstoffen
Zigarettenrauch, starke Dämpfe und sehr trockene Umgebungen sollten vermieden werden, da sie die Schleimhautentzündung verschlimmern.
## OTC-Medikamente, die helfen
Die folgenden rezeptfreien Medikamente können symptomatische Linderung verschaffen. Lesen Sie die Beipackzettel stets sorgfältig und beachten Sie Kontraindikationen.
| Klasse | Beispiel(e) | Übliche Erwachsenendosis | Hinweise |
|---|---|---|---|
| **Orale Analgetika / Antipyretika** | Acetaminophen (Paracetamol) | 500–1000 mg alle 4–6 h (max. 3000–4000 mg/Tag) | Erste Wahl bei Schmerzen und Fieber. Bei schwerer Leberfunktionsstörung meiden. Empfohlene Dosis nicht überschreiten. |
| **NSAR** | Ibuprofen | 200–400 mg alle 4–6 h (max. 1200 mg/Tag OTC) | Entzündungshemmend plus analgetisch. Bei Niereninsuffizienz, akuter GI-Blutung, drittem Schwangerschaftstrimester und Aspirin-empfindlichem Asthma meiden. |
| **NSAR** | Naproxen-Natrium | 220 mg alle 8–12 h (max. 660 mg/Tag OTC) | Längere Wirkdauer. Gleiche Kontraindikationen wie Ibuprofen. |
| **Topische Anästhetika (Spray/Pastille)** | Benzocain-Spray; Phenol-Spray (Chloraseptic) | Laut Etikett, typischerweise alle 2 h | Bietet vorübergehende lokale Betäubung. Benzocain selten mit Methämoglobinämie assoziiert — bei Kindern unter 2 Jahren meiden. |
| **Medizinische Lutschtabletten** | Hexylresorcin; Menthol/Eukalyptus-Pastillen | Laut Etikett, alle 2–3 h | Milde antiseptische und lokalanästhetische Wirkung. |
| **Antihistaminika** (bei Verdacht auf allergische Ätiologie) | Cetirizin, Loratadin | Cetirizin 10 mg einmal täglich; Loratadin 10 mg einmal täglich | Nützlich, wenn postnasaler Schleimfluss durch Allergien die Ursache ist. Zweitgenerations-Wirkstoffe bevorzugt (geringere Sedierung). |
| **Dekongestiva** (bei nasaler Kongestion) | Pseudoephedrin | 60 mg alle 4–6 h (max. 240 mg/Tag) | Kontraindiziert bei unkontrollierter Hypertonie und MAO-Hemmer-Einnahme. Nasensprays (Oxymetazolin) ≤ 3 Tage anwenden, um Rebound-Kongestion zu vermeiden. |
**Wichtige Evidenz:** Eine Cochrane-Metaanalyse bestätigte, dass NSAR und Acetaminophen bei der Reduktion von Halsschmerzen wirksam sind, wobei NSAR einen moderaten zusätzlichen entzündungshemmenden Nutzen bieten [2]. Ibuprofen und Acetaminophen erscheinen bei unkomplizierter Pharyngitis ähnlich wirksam.
> **Wichtig:** Aspirin sollte Kindern und Jugendlichen mit viralen Erkrankungen wegen des Risikos eines Reye-Syndroms NICHT verabreicht werden.
## Verschreibungspflichtige Optionen
Verschreibungspflichtige Medikamente sind im Allgemeinen der bakteriellen Pharyngitis (bestätigt oder stark vermutet), schweren Symptomen oder spezifischen zugrunde liegenden Ursachen vorbehalten.
| Klasse | Beispiel(e) | Übliche Erwachsenendosis | Hinweise |
|---|---|---|---|
| **Penicilline** (Erstlinientherapie bei GAS) | Penicillin V | 500 mg zweimal täglich oder 250 mg viermal täglich × 10 Tage | Goldstandard bei GAS-Pharyngitis. Schmales Spektrum, geringe Kosten, keine dokumentierte GAS-Resistenz [1]. |
| **Penicilline** | Amoxicillin | 500 mg zweimal täglich oder 1000 mg einmal täglich × 10 Tage | Bei Kindern wegen des Geschmacks oft bevorzugt. Bei GAS gleich wirksam wie Penicillin V [1]. |
| **Cephalosporine** (Penicillinallergie — nicht-anaphylaktisch) | Cephalexin | 500 mg zweimal täglich × 10 Tage | Alternative für Patienten mit nicht-schwerer Penicillinallergie. Bei Patienten mit anamnestischer Penicillin-Anaphylaxie meiden. |
| **Makrolide** (Penicillin-Anaphylaxie) | Azithromycin | 500 mg an Tag 1, dann 250 mg Tag 2–5 | Reservieren für echte Penicillinallergie. Zunehmende GAS-Makrolidresistenz (in einigen Regionen bis zu 5–8 %) [3]. |
| **Kortikosteroide** (Adjuvans) | Dexamethason (Einzeldosis) | 10 mg i.m. oder 0,6 mg/kg p.o. (max. 10 mg), Einzeldosis | Eine Cochrane-Übersicht zeigte, dass eine Einzeldosis Kortikosteroide zusätzlich zur Standardbehandlung die Schmerzintensität und die Zeit bis zur Schmerzfreiheit um etwa 6–12 Stunden reduziert [6]. Typischerweise in Notaufnahme oder Notfallambulanz verschrieben. |
| **Antimykotika** (oropharyngeale Candidiasis) | Fluconazol; Nystatin-Suspension | Fluconazol 200 mg an Tag 1, dann 100 mg täglich × 7–14 Tage | Für immunsupprimierte Patienten mit Soor-bedingten Halsschmerzen. |
| **Antivirale Mittel** | Oseltamivir (bei Influenza) | 75 mg zweimal täglich × 5 Tage | Am wirksamsten bei Beginn innerhalb von 48 h nach Symptombeginn. |
**Wer verschreibt:** Hausärzte, Pflegefachkräfte mit Verschreibungsbefugnis, Physician Assistants, Notfallambulanzärzte und Notfallmediziner beurteilen und behandeln häufig Halsschmerzen. Eine HNO-Überweisung (Otolaryngologie) ist bei wiederkehrenden oder komplizierten Fällen angezeigt (z. B. Drainage eines Peritonsillarabszesses, Verdacht auf Malignität, rezidivierende Streptokokken-Pharyngitis mit Tonsillektomie-Indikation).
**Hinweis zum Antibiotic Stewardship:** Antibiotika sollten NICHT empirisch für alle Halsschmerzen verschrieben werden. Die IDSA-Leitlinien empfehlen, eine GAS-Pharyngitis mittels Schnelltest zur Antigenbestimmung (RADT) oder Rachenkultur zu bestätigen, bevor Antibiotika eingeleitet werden, außer bei starken klinischen Hinweisen und hoher lokaler Prävalenz [1]. Die Centor-Kriterien (Fieber, Tonsillenexsudat, schmerzhafte zervikale Lymphadenopathie, Fehlen von Husten) helfen bei der Risikostratifizierung — Patienten mit 0–1 Kriterien benötigen im Allgemeinen keine Tests [5, 7].
## Üblicherweise angeordnete Labortests
Nicht jede Halsschmerzepisode erfordert Labortests. Tests sind am nützlichsten bei Verdacht auf GAS-Pharyngitis oder unklarer Ätiologie.
| Test | Begründung | Indikation |
|---|---|---|
| **Schnelltest zur Antigenbestimmung (RADT)** für GAS | Detektiert das Kohlenhydrat-Antigen von Gruppe-A-Streptokokken aus einem Rachenabstrich. Ergebnisse in 5–10 Minuten. Sensitivität ~70–90 %, Spezifität >95 %. | Centor/McIsaac-Score ≥ 2–3; klinischer Verdacht auf Streptokokken [1]. |
| **Rachenkultur** | Goldstandard zur GAS-Detektion. Sensitivität ~90–95 %. Dauert 24–48 Stunden. | Negativer RADT bei Kindern/Jugendlichen (Backup-Kultur von der IDSA empfohlen). Bei Erwachsenen ist eine Backup-Kultur bei negativem RADT in der Regel nicht erforderlich [1]. |
| **Monospot (Heterophil-Antikörpertest)** | Detektiert heterophile Antikörper, die bei einer EBV-Infektion gebildet werden. | Verdacht auf infektiöse Mononukleose (anhaltende Halsschmerzen, ausgeprägte Müdigkeit, diffuse Lymphadenopathie, Hepatosplenomegalie, atypische Lymphozyten). |
| **EBV-spezifische Serologien** (VCA IgM/IgG, EBNA) | Sensitiver und spezifischer als Monospot, insbesondere früh im Krankheitsverlauf oder bei Kindern unter 4 Jahren. | Monospot-negativ, aber hoher klinischer Verdacht auf EBV. |
| **Komplettes Blutbild (CBC) mit Differenzialblutbild** | Kann eine Lymphozytose mit atypischen Lymphozyten (Mononukleose), eine Leukozytose mit Linksverschiebung (bakterielle Infektion) oder Zytopenien mit Hinweis auf hämatologische Erkrankungen aufdecken. | Schwere oder anhaltende Pharyngitis, Verdacht auf Mononukleose, toxisch wirkender Patient. |
| **C-reaktives Protein (CRP) / Procalcitonin** | Entzündungsmarker, die helfen können, bakterielle von viralen Infektionen zu unterscheiden. Procalcitonin ist spezifischer für eine bakterielle Ätiologie. | Einige europäische Leitlinien (z. B. ESCMID) integrieren CRP in klinische Entscheidungsregeln zur Antibiotikaverschreibung [3]. |
| **Gonokokken-NAAT (Pharyngealabstrich)** | Detektiert Nukleinsäure von *Neisseria gonorrhoeae*. | Sexuell aktive Patienten mit Pharyngitis und entsprechender Expositionsanamnese. |
| **CT des Halses mit Kontrastmittel** | Bildgebung zur Beurteilung tiefer Halsrauminfektionen. | Verdacht auf Peritonsillarabszess, retropharyngealen Abszess oder Lemierre-Syndrom. |
Weitere Informationen zu spezifischen Tests finden Sie in unserem [Abschnitt zu Labortests](/tests/rapid-strep-test) mit detaillierten Anleitungen.
## Besondere Patientengruppen
### Kinder
- Die GAS-Pharyngitis ist am häufigsten bei Kindern im Alter von 5–15 Jahren. Sie ist bei Kindern unter 3 Jahren **selten**, wo virale Pharyngitis vorherrscht [1].
- Der **McIsaac-Score** (modifizierter Centor-Score mit Alter als Variable) wird zur pädiatrischen Risikostratifizierung bevorzugt [7].
- Die IDSA empfiehlt eine Backup-Rachenkultur bei negativem RADT bei Kindern aufgrund der höheren GAS-Prävalenz und des Risikos für rheumatisches Fieber [1].
- **Acetaminophen und Ibuprofen** sind zur Schmerz- und Fieberbehandlung geeignet. Die pädiatrische Dosierung sollte gewichtsbasiert erfolgen — **konsultieren Sie Ihren Kinderarzt oder Apotheker für die genaue Dosierung.** Verabreichen Sie Kindern und Jugendlichen KEIN Aspirin.
- **Honig** sollte Kindern unter 1 Jahr wegen der Gefahr eines Säuglingsbotulismus NICHT verabreicht werden.
- Eine Tonsillektomie kann bei Kindern mit rezidivierender Streptokokken-Pharyngitis erwogen werden, die die Paradise-Kriterien erfüllen (≥ 7 Episoden in 1 Jahr, ≥ 5 pro Jahr über 2 Jahre oder ≥ 3 pro Jahr über 3 Jahre).
### Schwangerschaft
- Halsschmerzen in der Schwangerschaft sind häufig, oft viral und werden im Allgemeinen mit unterstützender Therapie behandelt.
- **Acetaminophen** gilt allgemein als sicherstes Analgetikum/Antipyretikum während der Schwangerschaft (alle Trimester).
- **NSAR** (Ibuprofen, Naproxen) sollten generell vermieden werden, insbesondere nach der 20. Schwangerschaftswoche, wegen des Risikos eines vorzeitigen Verschlusses des Ductus arteriosus und eines Oligohydramnions. Die FDA hat 2020 eine Sicherheitsmitteilung herausgegeben, die diese Warnung bekräftigt [4].
- **Penicillin und Amoxicillin** gelten als sicher in der Schwangerschaft (FDA frühere Kategorie B) und bleiben bei bestätigter GAS-Infektion Erstlinientherapie.
- **Makrolide:** Azithromycin gilt im Allgemeinen als akzeptabel. Clarithromycin sollte aufgrund tierexperimenteller Teratogenitätsdaten vermieden werden.
- Schwangere Patientinnen sollten vor der Einnahme von Medikamenten ihren Frauenarzt oder ihre Hebamme konsultieren.
### Ältere Menschen
- Ältere Erwachsene können atypische Symptome zeigen — Halsschmerzen können weniger ausgeprägt sein, während systemische Symptome (Verwirrtheit, Schwäche, geringe orale Nahrungsaufnahme) im Vordergrund stehen.
- Die **Anwendung von NSAR** sollte aufgrund des erhöhten Risikos für GI-Blutungen, Niereninsuffizienz und kardiovaskuläre Ereignisse bei älteren Menschen mit Vorsicht erfolgen.
- Polypharmazie ist häufig — vor der Empfehlung von OTC-Medikamenten Wechselwirkungen prüfen, insbesondere mit Antikoagulanzien (NSAR erhöhen das Blutungsrisiko).
- Immunoseneszenz kann die Anfälligkeit für bakterielle Superinfektionen erhöhen.
- Anhaltende oder einseitige Halsschmerzen bei älteren Erwachsenen, insbesondere mit anamnestischem Tabak- oder Alkoholkonsum, erfordern eine Abklärung auf **oropharyngeale Malignität**.
### Sportler
- Sportler mit Halsschmerzen sollten auf infektiöse Mononukleose untersucht werden, insbesondere bei Vorliegen von Müdigkeit und Lymphadenopathie.
- **Bei bestätigter oder vermuteter EBV-Mononukleose sollten Sportler mindestens 3–4 Wochen** ab Symptombeginn auf Kontaktsportarten verzichten, um das Risiko einer Milzruptur zu vermeiden (auch bei in der Bildgebung normal großen Milzen). Entscheidungen zur Wiederaufnahme des Sports sollten individuell mit ärztlicher Beratung getroffen werden.
- Eine ausreichende Hydratation ist für Sportler während akuter Erkrankung besonders wichtig.
- NSAR sind im Allgemeinen für die kurzzeitige Anwendung bei Sportlern sicher, können jedoch Fieber maskieren und so möglicherweise das Erkennen einer sich verschlechternden Infektion verzögern.
## Wann ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen
Verwenden Sie die folgenden Schwellenwerte, um Entscheidungen über die Inanspruchnahme professioneller Versorgung zu treffen:
### Selbstbehandlung zu Hause
- Leichte Halsschmerzen mit Erkältungssymptomen (laufende Nase, Husten, Heiserkeit) Dauer < 5 Tage
- Kein Fieber oder leichtes Fieber (< 38,3 °C / 101 °F)
- Fähigkeit, bequem zu essen, zu trinken und zu schlucken
- Tag für Tag bessernde Symptome
### Hausarztbesuch am gleichen oder nächsten Tag
- Halsschmerzen, die länger als 5–7 Tage ohne Besserung anhalten
- Centor-Kriterienscore ≥ 3 (Fieber, Tonsillenexsudat, schmerzhafte zervikale Lymphknoten, kein Husten) — GAS-Tests empfohlen [7]
- Fieber ≥ 38,3 °C (101 °F), das länger als 48 Stunden anhält
- Bekannter kürzlicher enger Kontakt zu einer Person mit diagnostizierter Streptokokken-Angina
- Wiederkehrende Halsschmerzepisoden (≥ 3 im vergangenen Jahr)
- Neu aufgetretene Halsschmerzen bei einem immunsupprimierten Patienten
### Notfallambulanz aufsuchen (am gleichen Tag)
- Schwere Halsschmerzen, die im Verhältnis zum Untersuchungsbefund unverhältnismäßig stark sind
- Schluckbeschwerden bei Flüssigkeiten (aber Atemwege noch geschützt)
- Einseitige Hals- oder Ohrenschmerzen mit Trismus oder „Heiße-Kartoffel"-Stimme — können auf einen Peritonsillarabszess hindeuten
- Verschlechterung der Symptome trotz 48–72-stündiger Antibiotikatherapie bei bestätigter GAS
- Hohes Fieber (≥ 39 °C / 102,2 °F) mit erheblichem Krankheitsgefühl
### Notaufnahme aufsuchen / Notruf 112
- **Atemnot, Stridor oder Unfähigkeit, Speichel zu schlucken**
- **Rasch verschlechternde Halsschwellung**
- **Sepsiszeichen:** hohes Fieber, Tachykardie, Hypotonie, veränderter Bewusstseinszustand
- **Schwere Dehydratation** (kein Urin, Schwindel beim Aufstehen, trockene Schleimhäute)
- **Verdacht auf Epiglottitis** (abrupter Beginn, Speichelfluss, Kutschersitz, toxisches Erscheinungsbild)
- **Jeglicher Verdacht auf Atemwegsbeeinträchtigung bei einem Kind**
## Literatur
[1] Shulman ST, Bisno AL, Clegg HW, et al. Clinical practice guideline for the diagnosis and management of group A streptococcal pharyngitis: 2012 update by the Infectious Diseases Society of America. *Clin Infect Dis.* 2012;55(10):e86–e102. PMID:22965026.
[2] Spinks A, Glasziou PP, Del Mar CB. Antibiotics for treatment of sore throat in children and adults. *Cochrane Database Syst Rev.* 2013;(11):CD000023. PMID:24190439.
[3] Pelucchi C, Grigoryan L, Galeone C, et al. Guideline for the management of acute sore throat. ESCMID Sore Throat Guideline Group. *Clin Microbiol Infect.* 2012;18(Suppl 1):1–28. PMID:22432746.
[4] U.S. Food and Drug Administration. FDA recommends avoiding use of NSAIDs in pregnancy at 20 weeks or later. FDA Drug Safety Communication. October 15, 2020. Available at: https://www.fda.gov/drugs/drug-safety-and-availability/fda-recommends-avoiding-use-nsaids-pregnancy-20-weeks-or-later.
[5] Centor RM, Witherspoon JM, Dalton HP, Brody CE, Link K. The diagnosis of strep throat in adults in the emergency room. *Med Decis Making.* 1981;1(3):239–246. PMID:6763125.
[6] Hayward GN, Hay AD, Moore MV, et al. Corticosteroids as standalone or add-on treatment for sore throat. *Cochrane Database Syst Rev.* 2017;5(5):CD008268. PMID:28543637.
[7] Fine AM, Nizet V, Mandl KD. Large-scale validation of the Centor and McIsaac scores to predict group A streptococcal pharyngitis. *Arch Intern Med.* 2012;172(11):847–852. PMID:22566485.
[8] National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Sore throat (acute): antimicrobial prescribing. NICE guideline [NG84]. Published January 2018. Available at: https://www.nice.org.uk/guidance/ng84.
---
*Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Konsultieren Sie bei Diagnose- und Behandlungsentscheidungen stets eine qualifizierte medizinische Fachkraft. Wenn Sie einen medizinischen Notfall erleben, rufen Sie sofort Ihre lokale Notrufnummer an.*
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