Pharmakotherapeutische Gruppe: Sklerosierungsmittel zur lokalen Injektion, ATC-Code: C05BB02
Lauromacrogol 400 (auch bekannt als Polidocanol) ist der Wirkstoff von Aethoxysklerol und besitzt weltweit eine gut etablierte Anwendung zur Sklerosierungstherapie von Varizen.
Sowohl primäre als auch sekundäre nichtklinische pharmakodynamische Studien zeigen, dass das pharmakologische Profil von Lauromacrogol 400 durch seine lokalen Wirkungen auf Zellmembranen sowie die damit verbundene, örtlich begrenzte Gewebeschädigung gekennzeichnet ist. Diese pharmakodynamische Wirkung führt bei korrekter Anwendung von Lauromacrogol 400 zum gewünschten sklerosierenden Effekt der Blutgefäße, kann jedoch bei Nichtbeachtung des empfohlenen Anwendungsverfahrens unbeabsichtigte Gewebeschäden und nachfolgende Nebenwirkungen verursachen.
Lauromacrogol 400 hat eine konzentrations- und volumenabhängige Wirkung auf das Endothel der Blutgefäße und gegebenenfalls auf weitere Schichten der Venenwand. Langfristig werden die betroffenen Venen in einen bindegewebigen Strang umgewandelt. Das Ergebnis der Sklerotherapie entspricht der operativen Entfernung einer Varize. Eine Kompression im Anschluss an die Sklerotherapie von Varizen komprimiert die geschädigten Venenwände, sodass eine übermäßige Thrombusbildung sowie eine Rekanalisation des zunächst gebildeten parietalen Thrombus verhindert werden. Hieraus ergibt sich die gewünschte Umwandlung in fibröses Gewebe und somit die Sklerose. Die hauptpharmakodynamische Wirkung von Lauromacrogol 400 – die Induktion einer Gewebeschädigung durch Wechselwirkung mit der Lipiddoppelschicht der Zellen – nimmt mit zunehmender Entfernung von der Injektionsstelle ab. Die pharmakologische Wirkung von Lauromacrogol 400 gilt daher als lokal begrenzt.
In Mikroschaum überführt, ist Lauromacrogol 400 zur Behandlung kleiner, mittlerer und großer Varizen sehr wirksam. Der Mikroschaum hat im Vergleich zur flüssigen Form bei geringerer Menge eine längere Einwirkzeit. Es gelten jedoch zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen und Gegenanzeigen, und einige unerwünschte Wirkungen treten nach Mikroschaum-Sklerotherapie häufiger auf als nach Flüssig-Sklerotherapie.
⚠️ Warnhinweise
Keine besonderen Anforderungen an die Entsorgung.
Herstellung des Mikroschaums
Die Herstellung des Mikroschaums nach der Tessari-Technik bzw. mit dem Doppelspritzensystem (DSS) ist nachfolgend beschrieben. Andere geeignete Techniken können ebenfalls angewendet werden.
Der Schaum muss unmittelbar vor der Anwendung hergestellt und von einem in der korrekten Erzeugung und Applikation von Schaum entsprechend geschulten Arzt verabreicht werden. Bei der Herstellung des Schaums ist strikt aseptisch zu arbeiten.
Die Qualität des Mikroschaums hängt von bestimmten Kriterien ab:
a) Konzentration von Lauromacrogol 400: Um einen sehr feinblasigen und stabilen Mikroschaum zu erhalten, ist eine Konzentration von 10–30 mg/ml zu verwenden.
b) Verhältnis Flüssigkeit zu Gas: Im Allgemeinen beträgt dieses Verhältnis 1 Volumenteil Flüssigkeit zu 4 Volumenteilen Gas.
c) Makroskopisches Erscheinungsbild: Beobachten Sie das makroskopische Erscheinungsbild des Mikroschaums in der Spritze: Er muss homogen und feinblasig sein. Es sollte keine unvermischte Flüssigkeit oder Gas sichtbar sein.
d) Maximale Zeit zwischen Herstellung und Injektion: Injizieren Sie den Mikroschaum kurz nach der Herstellung (innerhalb von 60 Sekunden).
Befüllen der Spritzen für beide Schaumherstellungsmethoden
Hinweis: Spritzen mit silikonisierten Bestandteilen erzeugen einen weniger stabilen Schaum, ihre Verwendung sollte minimiert werden. Da zwei sterile Spritzen zur Schaumerzeugung benötigt werden, sollte nur die zweite Spritze einen Gummikolben haben, da dies eine geschmeidige Injektion erleichtert.
Zur Schaumerzeugung werden 2 ml flüssiges Sklerosierungsmittel in die erste Spritze (ohne Gummikolben) aufgezogen. Die zweite Spritze (mit Gummikolben) wird mit einem sterilen 0,2-µm-Filter verbunden, und es werden 8 ml sterile Luft aufgezogen.
Herstellung von Sklerosierungsmikroschaum mit der Tessari-Technik:
Die Spritzen werden fest mit einem sterilen Dreiwegehahn/-ventil verbunden (Abb. 1).
Die Schaumerzeugung erfolgt durch Mischen des Sklerosierungsmittels mit der Luft, indem die Kolben beider Spritzen unter hohem Druck auf beide Spritzen etwa 20 Mal vollständig vor- und zurückbewegt werden (Abb. 2 und 3). Es entsteht ein gleichmäßiger, konsistenter Schaum. Die Spritze mit dem Gummikolben wird mit Schaum gefüllt und anschließend vom Dreiwegehahn entfernt. Die Vene wird sofort injiziert (Abb. 4).
Herstellung von Sklerosierungsmikroschaum mit dem DSS (Doppelspritzensystem):
Die Spritzen werden fest mit einem sterilen Luer-Lock-Adapter (Innengewinde-Innengewinde) verbunden (Abb. 5). Die Schaumerzeugung erfolgt durch Mischen des Sklerosierungsmittels mit der Luft, indem die Kolben beider Spritzen 5 Mal mit kurzem, festem Daumendruck beider Hände vollständig vor- und zurückbewegt werden, sodass das Pumpen gegen einen Widerstand erfolgen muss (Abb. 6 und 7). Anschließend folgen 7 schnelle Vor- und Rückwärtsbewegungen ohne zusätzlichen Druck, um einen homogenen Schaum zu erhalten. Die Spritze mit dem Gummikolben wird mit Schaum gefüllt und anschließend vom Adapter entfernt. Die Vene wird sofort injiziert (Abb. 8).