## Überblick
Fieber — medizinisch als **Pyrexie** (ICD-10: R50) bezeichnet — ist definiert als eine Erhöhung der Körperkerntemperatur über den normalen Sollwert, allgemein akzeptiert als **≥ 38,0 °C (100.4 °F)**, oral oder rektal gemessen [1]. Es ist einer der häufigsten Gründe, warum Menschen online nach medizinischen Informationen suchen, und einer der führenden Vorstellungsgründe sowohl in der hausärztlichen Versorgung als auch in Notaufnahmen weltweit.
Historisch wurde der Richtwert der „normalen" Körpertemperatur von Carl Wunderlich im Jahr 1868 auf 37,0 °C (98.6 °F) festgelegt. Eine wegweisende JAMA-Studie von Mackowiak et al. aus dem Jahr 1992 zeigte jedoch, dass die tatsächliche mittlere orale Temperatur bei gesunden Erwachsenen eher bei **36,8 °C (98.2 °F)** liegt, mit erheblicher individueller und tageszeitlicher Schwankung [1]. Neuere Daten deuten darauf hin, dass die durchschnittliche menschliche Körpertemperatur seit dem 19. Jahrhundert um etwa 0,03 °C pro Geburtsdekade gesunken sein könnte [2].
Fieber ist keine Krankheit, sondern eine **physiologische Reaktion** — typischerweise ausgelöst durch Infektion, Entzündung oder Gewebeschädigung. Es wird vom Hypothalamus als Reaktion auf endogene Pyrogene wie Interleukin-1 (IL-1), Interleukin-6 (IL-6) und Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α) gesteuert, die den thermoregulatorischen Sollwert anheben [3]. Evolutionäre Befunde deuten darauf hin, dass Fieber eine schützende Funktion haben kann, indem es die Immunfunktion stärkt und die Vermehrung von Krankheitserregern hemmt [4].
Trotz seiner im Allgemeinen gutartigen Natur verursacht Fieber verständlicherweise Besorgnis — insbesondere wenn es hoch ist, lang anhält oder bei vulnerablen Personengruppen wie Säuglingen, älteren Menschen oder immungeschwächten Personen auftritt. Dieser Artikel bietet einen evidenzbasierten Überblick über Fieberursachen, Selbsthilfemaßnahmen, Medikamentenoptionen und klare Hinweise, wann professionelle medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden sollte.
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## Häufige Ursachen
Fieber entsteht durch die Freisetzung pyrogener Zytokine, die auf das thermoregulatorische Zentrum im Hypothalamus wirken. Die häufigsten Ursachen, ungefähr nach Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung geordnet, umfassen:
### 1. Virusinfektionen (am häufigsten)
Infektionen der oberen Atemwege (Erkältung, Influenza, COVID-19), Gastroenteritis und andere virale Syndrome sind für die **Mehrzahl** der akuten Fieberepisoden verantwortlich. Virale pathogen-assoziierte molekulare Muster (PAMPs) aktivieren Toll-like-Rezeptoren auf Immunzellen, wodurch die Zytokinfreisetzung und die Anhebung des hypothalamischen Sollwerts ausgelöst werden [3].
### 2. Bakterielle Infektionen
Harnwegsinfektionen, Pneumonie, Haut- und Weichteilinfektionen (Zellulitis), Sinusitis und Streptokokken-Pharyngitis sind führende bakterielle Ursachen. Bakterielles Lipopolysaccharid (LPS) ist eines der potentesten bekannten exogenen Pyrogene [3]. Bakteriämie und Sepsis stellen das gefährlichste Ende dieses Spektrums dar.
### 3. Entzündliche und autoimmune Erkrankungen
Rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus erythematodes (SLE), chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Vaskulitiden können chronisches oder rezidivierendes Fieber verursachen. Der Mechanismus beinhaltet eine anhaltende endogene Zytokinproduktion ohne zugrunde liegende Infektion.
### 4. Medikamenteninduziertes Fieber
Zahlreiche Medikamente können Fieber verursachen, darunter bestimmte Antibiotika (Beta-Laktame, Sulfonamide), Antikonvulsiva (Phenytoin) und Biologika. Arzneimittelfieber bildet sich typischerweise innerhalb von 48–72 Stunden nach Absetzen zurück [5].
### 5. Maligne Erkrankungen
Lymphome (insbesondere das Hodgkin-Lymphom, klassischerweise mit Pel-Ebstein-Fieber assoziiert), Leukämien, Nierenzellkarzinom und hepatozelluläres Karzinom können durch tumorderivierte Zytokine oder Nekrose mit Fieber einhergehen.
### 6. Postoperatives und postinterventionelles Fieber
Leichtes Fieber in den ersten 48 Stunden nach einer Operation ist häufig und oft nicht infektiös bedingt, sondern auf das Gewebetrauma und die daraus resultierende Entzündungskaskade zurückzuführen. Persistierendes Fieber über 48–72 Stunden hinaus erfordert eine Abklärung hinsichtlich Wundinfektion, Pneumonie oder venöser Thromboembolie.
### 7. Hitzebedingte Erkrankungen
Hitzeerschöpfung und Hitzschlag beruhen auf einem Versagen der Thermoregulation und nicht auf einer Anhebung des hypothalamischen Sollwerts. Es handelt sich um medizinische Notfälle und um **Hyperthermie**, nicht um echte Pyrexie, auch wenn sie mit erhöhter Temperatur einhergehen.
### 8. Fieber unklarer Genese (FUO)
Klassisch definiert als Fieber > 38,3 °C bei mehreren Gelegenheiten, über > 3 Wochen anhaltend, ohne Diagnose nach 1 Woche stationärer Abklärung [6]. Moderne FUO-Abklärungen identifizieren Infektionen (~30 %), maligne Erkrankungen (~20 %), autoimmune Erkrankungen (~15 %) und verschiedene andere Ursachen; etwa 15–20 % bleiben ohne Diagnose.
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## WARNSIGNALE
Die folgenden Begleitsymptome bei Fieber erfordern **sofortige ärztliche Hilfe** (Notaufnahme oder Notruf):
- **Temperatur ≥ 40,0 °C (104 °F)** bei Erwachsenen, die nicht auf Antipyretika anspricht
- **Temperatur ≥ 38,0 °C (100.4 °F) bei Säuglingen unter 3 Monaten** — immer ein Notfall
- **Nackensteifigkeit mit Kopfschmerzen und Lichtempfindlichkeit** — kann auf eine Meningitis hinweisen
- **Petechiales oder purpurisches Exanthem** (kleine, nicht wegdrückbare Flecken) — kann auf Meningokokkämie oder eine andere lebensbedrohliche Infektion hinweisen
- **Schwere Atemnot**, Brustschmerzen oder Sauerstoffsättigung < 92 %
- **Bewusstseinsveränderung**: Verwirrtheit, Lethargie, schwere Erweckbarkeit oder Krampfanfälle
- **Fieberkrampf > 5 Minuten** oder wiederholte Krampfanfälle
- **Sepsiszeichen**: Tachykardie (> 100 bpm), Tachypnoe, schweres Krankheitsgefühl, marmorierte oder livide Haut
- **Immunsupprimierter Status** mit jeglichem Fieber (z. B. aktive Chemotherapie, Organtransplantation, HIV mit niedriger CD4-Zellzahl, hochdosierte Kortikosteroidtherapie)
- **Kürzlich durchgeführte Operation oder invasiver Eingriff** mit steigendem Fieber
- **Starke Bauchschmerzen** mit Fieber — kann auf Appendizitis, Cholezystitis oder Darmperforation hinweisen
- **Unfähigkeit, Flüssigkeit bei sich zu behalten** mit Dehydratationszeichen (minimale Urinausscheidung, trockene Schleimhäute, Schwindel)
- **Fieber > 3 Tage anhaltend** ohne identifizierbare Ursache
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## Selbstbehandlung zu Hause
Für ansonsten gesunde Erwachsene mit leichtem bis mäßigem Fieber (38,0–39,4 °C / 100.4–103 °F) können die folgenden evidenzbasierten nicht-pharmakologischen Maßnahmen Linderung verschaffen:
### Flüssigkeitszufuhr
Fieber erhöht den insensiblen Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen und gesteigerte Atemfrequenz. Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme — Wasser, klare Brühen, orale Rehydratationslösungen und verdünnte Säfte — ist die **wichtigste** Selbsthilfemaßnahme. Erwachsene sollten während einer fieberhaften Erkrankung eine zusätzliche Trinkmenge von 500–1000 mL pro Tag über den Grundbedarf hinaus anstreben.
### Ruhe
Fieber steigert den Stoffwechselbedarf um etwa 10–12 % pro 1 °C Temperaturanstieg. Körperliche Ruhe senkt die metabolische Belastung und unterstützt die Immunfunktion.
### Lauwarme Waschungen
Lauwarme (nicht kalte) Waschungen können symptomatische Linderung verschaffen, indem sie die Verdunstungskühlung fördern. **Vermeiden** Sie kaltes Wasser oder Eisbäder, da diese Schüttelfrost auslösen und dadurch paradoxerweise die Kerntemperatur erhöhen und Unbehagen verursachen können. Die Evidenz für lauwarme Waschungen ist begrenzt, und Leitlinien empfehlen sie in der Regel nur als Ergänzung zu Antipyretika, wenn Linderung benötigt wird [7].
### Leichte Kleidung und angenehme Raumtemperatur
Tragen Sie leichte, atmungsaktive Kleidung und sorgen Sie für eine angenehme Raumtemperatur. Vermeiden Sie übermäßiges Einpacken, das die Wärmeabgabe behindern kann.
### Ernährung
Essen Sie, was Sie vertragen. Es gibt keine belastbare Evidenz für das Sprichwort „Erkältung füttern, Fieber hungern". Nährstoffreiche, leicht verdauliche Kost unterstützt die Genesung.
### Was Sie vermeiden sollten
- **Alkoholwaschungen** — Gefahr der Toxizität durch Hautresorption und Inhalation
- **Aspirin bei Kindern oder Jugendlichen** — Risiko des Reye-Syndroms
- **Übermäßige körperliche Aktivität** während einer akuten fieberhaften Erkrankung
- **Übermäßiges Einpacken** oder sehr heiße Bäder
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## Rezeptfreie Medikamente
Rezeptfreie Antipyretika wirken durch Hemmung der Prostaglandinsynthese und senken dadurch den hypothalamischen Temperatursollwert. Die beiden Hauptklassen sind:
| Klasse | Beispiel | Typische Erwachsenendosis | Wirkmechanismus | Wichtige Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| **Paracetamol (Acetaminophen)** | Tylenol, Panadol | 500–1000 mg alle 4–6 Stunden (max. 3000–4000 mg/Tag) | Hemmt zentrale COX-Enzyme und die Prostaglandin-E2-Synthese im Hypothalamus | Antipyretikum der ersten Wahl. Nicht mehr als 3 g/Tag bei Lebererkrankungen oder regelmäßigem Alkoholkonsum. Hepatotoxizitätsrisiko bei Überdosierung [5]. |
| **Ibuprofen** (NSAR) | Advil, Motrin | 200–400 mg alle 4–6 Stunden (max. 1200 mg/Tag rezeptfrei) | Hemmt COX-1 und COX-2, reduziert die Prostaglandinsynthese peripher und zentral | Wirksames Antipyretikum mit entzündungshemmenden Eigenschaften. Vermeiden bei Niereninsuffizienz, aktiver gastrointestinaler Blutung, im dritten Trimenon der Schwangerschaft und bei kardiovaskulärem Risiko. Mit Nahrung einnehmen. |
| **Naproxen** (NSAR) | Aleve | 220 mg alle 8–12 Stunden (max. 660 mg/Tag rezeptfrei) | Wie Ibuprofen; längere Wirkdauer | Längere Halbwertszeit ermöglicht seltenere Einnahme. Gleiche Kontraindikationen wie Ibuprofen. |
| **Aspirin** (NSAR) | Bayer, Bufferin | 325–650 mg alle 4–6 Stunden (max. 4000 mg/Tag) | Irreversible COX-1- und COX-2-Hemmung | Wirksam, aber in der Regel nicht Mittel der ersten Wahl allein zur Fiebersenkung. **Kontraindiziert bei Kindern und Jugendlichen** wegen des Risikos eines Reye-Syndroms. Vermeiden bei aktivem Magenulkus und Blutungsstörungen. |
### Abwechselnde oder kombinierte Gabe von Paracetamol und Ibuprofen
Es gibt klinische Hinweise darauf, dass die abwechselnde Gabe von Paracetamol und Ibuprofen eine stärkere Temperatursenkung bewirken kann als jede Substanz allein. Die American Academy of Pediatrics (AAP) hat festgestellt, dass dieser Ansatz mit Vorsicht angewendet werden kann, wobei das Risiko von Dosierungsfehlern erhöht ist [7]. Bei abwechselnder Gabe sollte ein Mindestabstand von 3 Stunden zwischen den Wirkstoffen eingehalten und die Dosen sorgfältig dokumentiert werden.
### Wichtige Hinweise
- Lesen Sie stets die Packungsbeilage, um doppelte Paracetamol-Dosierungen zu vermeiden (viele Kombinationspräparate gegen Erkältung/Grippe enthalten Paracetamol)
- NSAR sollten generell mit Nahrung eingenommen werden, um Magen-Darm-Reizungen zu reduzieren
- Fieber an sich ist unterhalb von 40 °C in der Regel nicht schädlich; das primäre Ziel von Antipyretika ist **Linderung des Unbehagens**, nicht die Normalisierung der Temperatur [4][7]
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## Verschreibungspflichtige Optionen
Verschreibungspflichtige Medikamente werden nicht zur Behandlung von Fieber *an sich* eingesetzt, sondern zur Behandlung der **zugrunde liegenden Ursache** des Fiebers. Häufige Szenarien umfassen:
| Klasse | Beispiele | Indikation | Hinweise für Verordnende |
|---|---|---|---|
| **Antibiotika** | Amoxicillin, Azithromycin, Ciprofloxacin, Ceftriaxon | Bestätigte oder dringend vermutete bakterielle Infektion | Die Auswahl richtet sich nach Infektionsort, lokaler Resistenzlage und Kulturergebnissen. Niemals eigenständig mit übrig gebliebenen Antibiotika behandeln. |
| **Virostatika** | Oseltamivir (Tamiflu), Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid), Aciclovir | Influenza, COVID-19, Herpes simplex, Varizella-Zoster | Am wirksamsten bei frühzeitigem Beginn (innerhalb von 48 Stunden nach Symptombeginn bei Influenza). |
| **Antimykotika** | Fluconazol, Amphotericin B, Voriconazol | Systemische Pilzinfektionen (häufig bei immunsupprimierten Patienten) | Erfordert möglicherweise fachärztliche (infektiologische) Betreuung. |
| **Kortikosteroide** | Prednison, Dexamethason, Methylprednisolon | Autoimmune/entzündliche Fieberursachen; adjuvant bei bestimmten Infektionen (z. B. Dexamethason bei bakterieller Meningitis) | Entzündungshemmend und immunsuppressiv; der Einsatz muss sorgfältig gegen das Infektionsrisiko abgewogen werden. |
| **DMARDs / Biologika** | Methotrexat, Anakinra, Tocilizumab | Autoimmun bedingte Fieberzustände (z. B. Morbus Still, rheumatoide Arthritis) | Werden typischerweise von Rheumatologen oder anderen Fachärzten verordnet. |
| **Antipyretika (Rx-Stärke)** | Indometacin, Ketorolac | Therapierefraktäres Fieber, neoplastisches Fieber | Einsatz in spezifischen klinischen Situationen, häufig stationär. |
Verschreibungspflichtige Behandlungen sollten stets unter ärztlicher Beurteilung erfolgen, einschließlich Anamnese, körperlicher Untersuchung und geeigneter Diagnostik.
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## Typischerweise angeordnete Laboruntersuchungen
Wenn eine Ärztin oder ein Arzt einen Patienten mit Fieber untersucht, können je nach klinischem Kontext folgende Untersuchungen erwogen werden:
| Untersuchung | Begründung |
|---|---|
| **Großes Blutbild (Differenzialblutbild)** | Erhöhte Leukozyten deuten auf Infektion oder Entzündung hin; spezifische Muster (Neutrophilie, Lymphozytose, Eosinophilie) helfen bei der Differenzialdiagnose. Siehe [Blutbild](/tests/complete-blood-count). |
| **C-reaktives Protein (CRP)** | Akute-Phase-Protein; erhöhte Werte weisen auf systemische Entzündung oder Infektion hin. Nützlich zur Therapieüberwachung. Siehe [CRP](/tests/c-reactive-protein). |
| **Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG)** | Unspezifischer Entzündungsmarker; kann bei Infektion, Autoimmunerkrankung und malignen Erkrankungen erhöht sein. Siehe [BSG](/tests/erythrocyte-sedimentation-rate). |
| **Blutkulturen** | Essenziell bei Verdacht auf Bakteriämie oder Sepsis. Sollten nach Möglichkeit **vor** Beginn einer Antibiotikatherapie abgenommen werden. |
| **Urinuntersuchung und Urinkultur** | Harnwegsinfektionen sind eine häufige Fieberursache, insbesondere bei Frauen, älteren Menschen und katheterisierten Patienten. Siehe [Urinuntersuchung](/tests/urinalysis). |
| **Röntgen-Thorax** | Zur Abklärung einer Pneumonie, eines Lungenabszesses oder eines Pleuraergusses bei respiratorischen Begleitsymptomen. |
| **Procalcitonin** | Biomarker, der bei der Unterscheidung zwischen bakterieller und viraler Infektion helfen kann; erhöhte Werte (> 0,5 ng/mL) sprechen für eine bakterielle Ätiologie. Siehe [Procalcitonin](/tests/procalcitonin). |
| **Laktat** | Erhöht bei Sepsis und Gewebehypoperfusion; wichtig für die Risikoeinschätzung. |
| **Leberfunktionstests (LFTs)** | Hepatitis, Leberabszess und Cholangitis können mit Fieber einhergehen. Siehe [Leberfunktionstests](/tests/liver-function-tests). |
| **HIV-Test** | Sollte bei unerklärtem anhaltendem Fieber erwogen werden, insbesondere bei vorhandenen Risikofaktoren. |
| **Dicker Tropfen und Blutausstrich auf Malaria** | Bei Patienten mit Reiseanamnese in Endemiegebiete. |
| **ANA, RF und andere Autoimmunpanels** | Wenn eine Infektion ausgeschlossen wurde und eine autoimmune Ätiologie vermutet wird. |
Die spezifische Diagnostik wird an die klinische Präsentation angepasst. Ein 2–3-tägiges Fieber bei einem ansonsten gesunden Erwachsenen mit eindeutiger Virussymptomatik erfordert in der Regel keine Laboruntersuchung.
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## Besondere Patientengruppen
### Kinder und Säuglinge
Fieber ist in der Pädiatrie extrem häufig, und die elterliche Angst — manchmal als „Fieberphobie" bezeichnet — führt häufig zu unnötigen Notaufnahmebesuchen. Wichtige Aspekte:
- **Neugeborene (0–28 Tage):** Jedes Fieber ≥ 38,0 °C (100.4 °F) ist ein medizinischer Notfall, der eine dringende Abklärung erfordert, einschließlich Blut-, Urin- und Liquorkulturen, da das Risiko einer schweren bakteriellen Infektion erheblich ist [7].
- **Säuglinge 1–3 Monate:** Fieber erfordert eine zeitnahe ärztliche Untersuchung (noch am selben Tag), wobei das Vorgehen je nach klinischem Erscheinungsbild und verfügbaren Biomarkern weniger aggressiv sein kann als bei Neugeborenen.
- **Kinder 3 Monate–5 Jahre:** Die NICE-Leitlinie zu Fieber bei Kindern (CG160) bietet ein Ampelsystem (grün/gelb/rot) basierend auf klinischen Merkmalen zur Steuerung des Managements [8].
- **Antipyretische Dosierung bei Kindern:** Paracetamol und Ibuprofen sind die empfohlenen Antipyretika. Die Dosierung muss **gewichtsbasiert** erfolgen und sollte von einem Kinderarzt oder Apotheker festgelegt werden. **Aspirin ist kontraindiziert** bei Kindern unter 16 Jahren wegen des Risikos eines Reye-Syndroms [7].
- **Fieberkrämpfe:** Treten bei etwa 2–5 % der Kinder im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahren auf. Einfache Fieberkrämpfe (< 15 Minuten, generalisiert, einzelne Episode) sind in der Regel gutartig und erhöhen nicht das Epilepsierisiko. Prophylaktische Antipyretika haben **nicht** nachweislich Fieberkrämpfe verhindert [7].
### Schwangerschaft
Fieber in der Schwangerschaft erfordert besondere Aufmerksamkeit:
- **Fieber im ersten Trimenon** wurde in einigen epidemiologischen Studien mit einem erhöhten Risiko für Neuralrohrdefekte und andere kongenitale Anomalien in Verbindung gebracht, wobei das absolute Risiko gering bleibt [9].
- **Paracetamol** gilt allgemein als das sicherste Antipyretikum in der Schwangerschaft (obwohl neuere Diskussionen Fragen zur Langzeitanwendung aufgeworfen haben, bleibt die kurzfristige Anwendung bei Fieber empfohlen).
- **NSAR** (Ibuprofen, Naproxen) sollten **im dritten Trimenon vermieden** werden, da das Risiko eines vorzeitigen Verschlusses des Ductus arteriosus besteht. Die FDA gab 2020 eine Sicherheitsmitteilung heraus, die von der Anwendung von NSAR nach der 20. Schwangerschaftswoche abrät [10].
- **Aspirin** wird in der Schwangerschaft generell vermieden, außer in niedrigen Dosen für spezifische Indikationen (z. B. Präeklampsie-Prophylaxe).
- Jedes Fieber in der Schwangerschaft sollte Anlass zur Kontaktaufnahme mit dem betreuenden Gynäkologen sein, um die zugrunde liegende Ursache abzuklären und eine angemessene Behandlung sicherzustellen.
### Ältere Menschen (≥ 65 Jahre)
- Ältere Erwachsene können eine **abgeschwächte Fieberreaktion** zeigen — eine Kerntemperatur von 37,8 °C (100 °F) oder sogar ein Anstieg von 1,1 °C über den Ausgangswert kann in dieser Population ein signifikantes Fieber darstellen [6].
- Fieber bei älteren Menschen weist häufiger auf eine schwere bakterielle Infektion hin (Pneumonie, Harnwegsinfektion, Endokarditis) und ist mit höherer Morbidität und Mortalität assoziiert.
- Das Dehydratationsrisiko ist erhöht; eine konsequente Flüssigkeitszufuhr ist essenziell.
- Polypharmazie erhöht das Risiko für Arzneimittelfieber und Wechselwirkungen mit Antipyretika.
- NSAR bergen bei älteren Menschen ein erhöhtes Risiko für Nierenfunktionsstörungen, gastrointestinale Blutungen und kardiovaskuläre Ereignisse und sollten mit Vorsicht und in der niedrigsten wirksamen Dosis eingesetzt werden.
### Sportler
- Intensive körperliche Belastung kann die Körperkerntemperatur vorübergehend auf 39–40 °C anheben; dies ist **belastungsinduzierte Hyperthermie**, kein echtes Fieber, und bildet sich mit Ruhe und Kühlung zurück.
- Sportler sollten bei einer fieberhaften Erkrankung **nicht trainieren oder an Wettkämpfen teilnehmen**. Körperliche Belastung während einer akuten Infektion erhöht das Risiko einer Myokarditis (insbesondere bei Virusinfektionen), Dehydratation und hitzebedingter Erkrankungen.
- Die Rückkehr zum Training sollte schrittweise erfolgen und erst, nachdem das Fieber mindestens 24 Stunden lang ohne Antipyretika abgeklungen ist.
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## Wann ärztliche Hilfe suchen
Verwenden Sie die folgenden Schwellenwerte als allgemeine Orientierung. Individuelle Umstände können eine frühere Vorstellung rechtfertigen.
### Hausarztbesuch am selben Tag
- Fieber seit mehr als **48–72 Stunden** ohne Besserung
- Fieber begleitet von lokalisierten Symptomen, die auf eine behandelbare Infektion hindeuten (z. B. schmerzhaftes Wasserlassen, produktiver Husten, Halsschmerzen mit Belägen)
- Subfebrile Temperatur (37,8–38,5 °C) über **mehr als 1 Woche** anhaltend
- Fieber mit neuem Hautausschlag (nicht petechial)
- Fieber bei Personen mit chronischen Erkrankungen (Diabetes, COPD, Herzinsuffizienz)
### Dringende Vorstellung (noch am selben Tag)
- Temperatur **39,4–40,0 °C (103–104 °F)**, die nicht innerhalb von 1–2 Stunden auf rezeptfreie Antipyretika anspricht
- Fieber mit mäßiger Dehydratation (verminderte Urinausscheidung, Schwindel)
- Fieber mit starken Ohr-, Nasennebenhöhlen- oder Halsschmerzen
- Wiederauftreten des Fiebers nach anfänglicher Besserung (kann auf eine Sekundärinfektion hinweisen)
### Notaufnahme / Notruf 112
- Temperatur **≥ 40,0 °C (104 °F)**, die nicht auf Behandlung anspricht
- Jedes der oben aufgeführten Warnsignale (Bewusstseinsveränderung, Nackensteifigkeit, petechiales Exanthem, Atemnot, Sepsiszeichen)
- Fieber bei **Säuglingen unter 3 Monaten** — immer
- Fieber bei immunsupprimierten Patienten
- Fieberkrampf > 5 Minuten oder wiederholte Krampfanfälle
- Fieber mit starken Bauchschmerzen, Brustschmerzen oder neuen neurologischen Symptomen
**Im Zweifelsfall sollten Sie lieber ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.** Fieber ist in der Regel gutartig, aber die zugrunde liegende Ursache ist es möglicherweise nicht.
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## Referenzen
[1] Mackowiak PA, Wasserman SS, Levine MM. A critical appraisal of 98.6°F, the upper limit of the normal body temperature, and other legacies of Carl Reinhold August Wunderlich. *JAMA*. 1992;268(12):1578-1580. PMID:1302471.
[2] Protsiv M, Ley C, Lankester J, Hastie T, Parsonnet J. Decreasing human body temperature in the United States since the Industrial Revolution. *eLife*. 2020;9:e49555. PMID:31908267.
[3] Dinarello CA. Infection, fever, and exogenous and endogenous pyrogens: some concepts have changed. *J Endotoxin Res*. 2004;10(4):201-222. PMID:15373964.
[4] Evans SS, Repasky EA, Fisher DT. Fever and the thermal regulation of immunity: the immune system feels the heat. *Nat Rev Immunol*. 2015;15(6):335-349. PMID:25976513.
[5] Patel RA, Gallagher JC. Drug fever. *Pharmacotherapy*. 2010;30(1):57-69. PMID:20030474.
[6] Cunha BA. Fever of unknown origin: focused diagnostic approach based on clinical clues from the history, physical examination, and laboratory tests. *Infect Dis Clin North Am*. 2007;21(4):1137-1187. PMID:18061092.
[7] Sullivan JE, Farrar HC; Section on Clinical Pharmacology and Therapeutics, Committee on Drugs. Fever and antipyretic use in children. *Pediatrics*. 2011;127(3):580-587. PMID:21357332.
[8] National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Fever in under 5s: assessment and initial management. Clinical guideline CG160. Updated 2021. Available at: https://www.nice.org.uk/guidance/ng143.
[9] Dreier JW, Andersen AM, Berg-Beckhoff G. Systematic review and meta-analyses: fever in pregnancy and health impacts in the offspring. *Pediatrics*. 2014;133(3):e674-e688. PMID:24567014.
[10] U.S. Food and Drug Administration. FDA recommends avoiding use of NSAIDs in pregnancy at 20 weeks or later. Drug Safety Communication. October 2020. Available at: https://www.fda.gov/drugs/drug-safety-and-availability/fda-recommends-avoiding-use-nsaids-pregnancy-20-weeks-or-later.
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