## Überblick
Brustschmerzen (ICD-10: R07) bezeichnen jede Form von Beschwerden oder abnormalen Empfindungen zwischen dem Hals und dem Oberbauch. Sie gehören weltweit zu den häufigsten Gründen, warum Erwachsene eine Notaufnahme aufsuchen – allein in den Vereinigten Staaten entfallen etwa 5–8 Millionen Notaufnahmebesuche pro Jahr auf dieses Symptom [1]. Die Beschwerden reichen von einem scharfen, kurzzeitigen Stechen bis hin zu einem dumpfen, anhaltenden Druckgefühl und können vom Herzen, der Lunge, der Speiseröhre, dem Bewegungsapparat oder den Nerven der Brustwand ausgehen.
Brustschmerzen gehören zu den am häufigsten gesuchten Gesundheitsbegriffen im Internet, da sie unmittelbar Angst auslösen: Die Betroffenen befürchten verständlicherweise einen Herzinfarkt. Studien aus dem hausärztlichen Bereich zeigen jedoch, dass **muskuloskelettale und gastrointestinale Ursachen mehr als die Hälfte aller Brustschmerz-Vorstellungen ausmachen**, während kardiale Ätiologien nur etwa 8–18 % der ambulant untersuchten Fälle darstellen [2, 5]. Die Unterscheidung zwischen harmlosen und lebensbedrohlichen Ursachen ist entscheidend, und keine Internetquelle kann eine persönliche ärztliche Untersuchung ersetzen.
> **Haftungsausschluss:** Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken. Wenn Sie aktuell Brustschmerzen haben – insbesondere mit Atemnot, Schweißausbrüchen oder Ausstrahlung in den Arm oder Kiefer – **rufen Sie sofort den Notarzt (112 / 911 / 999)**.
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## Häufige Ursachen
Die Ursachen von Brustschmerzen lassen sich grob nach dem betroffenen Organsystem einteilen. Nachfolgend sind sie ungefähr nach der Häufigkeit ihres Auftretens im ambulanten und notfallmedizinischen Bereich geordnet [2, 5].
### 1. Muskuloskelettal (30–50 % der ambulanten Brustschmerzen)
- **Kostochondritis / Brustwandsyndrom:** Eine Entzündung der kostosternalen oder kostochondralen Verbindungen verursacht lokalisierte, reproduzierbare Druckschmerzhaftigkeit. Sie ist die häufigste Einzeldiagnose bei der hausärztlichen Abklärung von Brustschmerzen.
- **Muskelzerrung:** Überbeanspruchung der Pektoral- oder Interkostalmuskulatur (z. B. schweres Heben, neues Trainingsprogramm) führt zu belastungsabhängigen Schmerzen.
- **Rippenfraktur oder -kontusion:** Trauma oder schweres Husten kann Rippen frakturieren und scharfe, bewegungsabhängige Schmerzen verursachen.
### 2. Gastrointestinal (10–20 %)
- **Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD):** Säurereflux reizt die Ösophagusschleimhaut und verursacht ein brennendes retrosternales Gefühl („Sodbrennen"), das einer Angina pectoris stark ähneln kann.
- **Ösophagusspasmus:** Unkoordinierte Kontraktionen der glatten Ösophagusmuskulatur verursachen episodische, zusammenschnürende substernal Schmerzen.
- **Peptisches Ulkus:** Epigastrische Schmerzen können als Beschwerden im unteren Brustbereich wahrgenommen werden.
### 3. Kardial (8–18 % ambulant; höher in Notaufnahmepopulationen)
- **Stabile Angina pectoris:** Atherosklerotische Verengung der Koronararterien reduziert die myokardiale Sauerstoffversorgung unter Belastung und verursacht vorhersehbare, druckartige Schmerzen, die durch Ruhe oder Nitroglycerin gelindert werden.
- **Akutes Koronarsyndrom (ACS):** Plaqueruptur und Thrombusbildung verschließen eine Koronararterie teilweise oder vollständig. Das ACS umfasst instabile Angina, Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) und ST-Hebungsinfarkt (STEMI) [1, 4].
- **Perikarditis:** Eine Entzündung des Herzbeutels verursacht scharfe Schmerzen, die sich im Liegen verschlimmern und beim Vorbeugen im Sitzen bessern.
- **Myokarditis:** Eine virale oder autoimmune Entzündung des Myokards kann Brustschmerzen mit begleitenden Herzinsuffizienzsymptomen verursachen.
### 4. Pulmonal (5–10 %)
- **Lungenembolie (LE):** Ein Blutgerinnsel in der Pulmonalstrombahn verursacht pleuritische Brustschmerzen, Dyspnoe und Tachykardie.
- **Pneumothorax:** Luft im Pleuraspalt führt zum Lungenkollaps und verursacht plötzliche, scharfe einseitige Schmerzen.
- **Pneumonie / Pleuritis:** Infektionen oder Entzündungen des Lungengewebes oder der Pleura verursachen Schmerzen, die sich beim Atmen oder Husten verschlimmern.
### 5. Psychogen / Funktionell (10–30 %)
- **Panikstörung / Angststörung:** Sympathikusaktivierung während Panikattacken kann Engegefühl in der Brust, Palpitationen und Hyperventilation verursachen, die kardiale Symptome täuschend imitieren.
- **Somatische Belastungsstörung:** Chronische, medizinisch nicht erklärbare Brustschmerzen können mit einer erhöhten viszeralen Sensitivität zusammenhängen.
### 6. Sonstige
- **Herpes zoster (Gürtelrose):** Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus in einem thorakalen Dermatom verursacht einseitige, brennende Schmerzen, die dem Hautausschlag um Tage vorausgehen können.
- **Aortendissektion:** Ein Riss der Aortenintima verursacht plötzliche, „reißende" Schmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken – ein chirurgischer Notfall.
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## WARNSIGNALE
Suchen Sie **sofort notärztliche Hilfe (rufen Sie 112 / 911 / 999)**, wenn Brustschmerzen von einem der folgenden Symptome begleitet werden:
- **Drückendes, zusammenschnürendes oder schweres Druckgefühl** in der Brustmitte, das länger als einige Minuten anhält
- **Ausstrahlung** der Schmerzen in den linken Arm, Kiefer, Hals, die Schulter oder den Rücken
- **Atemnot** in Ruhe oder bei minimaler Belastung
- **Diaphorese** (kalter Schweiß) ohne Zusammenhang mit Umgebungstemperatur oder körperlicher Aktivität
- **Synkope oder Präsynkope** (Ohnmacht oder Benommenheit)
- **Neu aufgetretene Palpitationen** oder das Gefühl eines schnellen, unregelmäßigen Herzschlags
- **Plötzliche, starke „reißende" oder „zerreißende" Schmerzen** mit Ausstrahlung in den Rücken (Hinweis auf Aortendissektion)
- **Einseitige Beinschwellung** in Kombination mit pleuritischen Brustschmerzen (Hinweis auf Lungenembolie)
- **Hämoptyse** (Bluthusten)
- **Zyanose** (bläuliche Verfärbung der Lippen oder Fingerspitzen)
- **Bekannte Vorgeschichte einer koronaren Herzkrankheit, Herzinsuffizienz oder kürzlich durchgeführten Herzoperation** mit neuen Brustsymptomen
- **Schmerzen, die nach drei Dosen Nitroglycerin nicht nachlassen** (bei Patienten mit verordnetem sublingualem NTG)
> **Wichtig:** Frauen, Menschen mit Diabetes und ältere Personen können sich mit **atypischen Symptomen** wie isolierter Müdigkeit, Übelkeit, Rückenschmerzen oder epigastrischen Beschwerden anstelle des klassischen Brustdrucks vorstellen [3]. Eine niedrige Schwelle zur Inanspruchnahme medizinischer Hilfe ist bei diesen Bevölkerungsgruppen essenziell.
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## Selbsthilfe zu Hause
Die folgenden nicht-pharmakologischen Maßnahmen können helfen – **jedoch nur, nachdem eine ernsthafte Ursache durch eine medizinische Fachkraft ausgeschlossen wurde**.
### Bei muskuloskelettalen Brustschmerzen
- **Ruhe und Aktivitätsanpassung:** Vermeiden Sie Bewegungen, die den Schmerz auslösen (z. B. schweres Heben, Liegestütze), für 1–2 Wochen.
- **Lokale Wärme oder Kälte:** Legen Sie eine warme Kompresse oder einen Eisbeutel für 15–20 Minuten mehrmals täglich auf die schmerzhafte Stelle. In den ersten 48 Stunden wird in der Regel Kälte bevorzugt; danach kann Wärme wohltuender sein.
- **Sanftes Dehnen:** Pektorale Dehnübungen im Türrahmen und thorakale Extensionsübungen können nach der Akutphase kostochondrale Verspannungen lösen.
- **Haltungskorrektur:** Längeres Sitzen in vorgebeugter Haltung (Schreibtischarbeit) kann Brustwandschmerzen verschlimmern. Ergonomische Anpassungen können helfen.
### Bei GERD-bedingten Brustschmerzen
- **Kopfende des Bettes erhöhen** um 15–20 cm mithilfe von Klötzen oder einem Keilkissen.
- **Triggernde Lebensmittel meiden:** Häufige Auslöser sind scharfe Speisen, Zitrusfrüchte, Tomatensaucen, Schokolade, Koffein und Alkohol.
- **Nicht innerhalb von 2–3 Stunden vor dem Hinlegen essen.**
- **Gesundes Körpergewicht halten:** Adipositas erhöht den intraabdominellen Druck und verschlimmert den Reflux.
- **Locker sitzende Kleidung** im Bauchbereich tragen.
### Bei angstbedingtem Engegefühl in der Brust
- **Zwerchfellatmung (Bauchatmung):** Langsam durch die Nase 4 Sekunden einatmen, 4 Sekunden halten, 6 Sekunden durch den Mund ausatmen. 5 Minuten wiederholen.
- **Progressive Muskelentspannung** und achtsamkeitsbasierte Stressreduktion haben nachweislich panikbedingte Brustsymptome reduziert.
- **Regelmäßige Ausdauerbewegung** (150 Minuten pro Woche bei moderater Intensität) ist mit einer Verringerung der Angstsymptomatik assoziiert.
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## Rezeptfreie Medikamente, die helfen können
Rezeptfreie Optionen sind **nur bei nicht-kardialen, ärztlich abgeklärten Brustschmerzen** geeignet. Behandeln Sie niemals Brustschmerzen eigenständig, die möglicherweise kardialen Ursprungs sind.
| Klasse | Beispiel | Typische Erwachsenendosis | Wirkmechanismus | Wichtige Kontraindikationen / Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| **NSAR** | Ibuprofen (Advil, Motrin) | 200–400 mg alle 4–6 h (max. 1200 mg/Tag rezeptfrei) | Hemmung von COX-1/2, Reduktion der prostaglandinvermittelten Entzündung und Schmerzen | Vermeiden bei bekannter KHK, Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, aktiver GI-Blutung, drittem Schwangerschaftstrimester. Niedrigste wirksame Dosis für die kürzeste Dauer verwenden. |
| **NSAR** | Naproxen (Aleve) | 220 mg alle 8–12 h (max. 660 mg/Tag rezeptfrei) | Wie oben; längere Halbwertszeit ermöglicht seltenere Dosierung | Wie Ibuprofen; möglicherweise etwas geringeres kardiovaskuläres Risiko unter den NSAR (AHA-Stellungnahme) |
| **Paracetamol** | Paracetamol / Tylenol | 500–1000 mg alle 4–6 h (max. 3000 mg/Tag bei regelmäßiger Einnahme) | Zentral wirksames Analgetikum; Wirkmechanismus nicht vollständig geklärt; keine periphere Entzündungshemmung | Hepatotoxizitätsrisiko bei supratherapeutischen Dosen; Vermeidung bei starkem Alkoholkonsum oder Lebererkrankungen |
| **Antazida** | Calciumcarbonat (Tums), Aluminium-/Magnesiumhydroxid (Maalox) | Gemäß Packungsanweisung (z. B. 1–2 Tabletten nach Bedarf) | Neutralisieren die Magensäure bei Kontakt | Kurze Wirkdauer; calciumbasierte Präparate können Obstipation verursachen; magnesiumbasierte können Diarrhö verursachen |
| **H2-Rezeptor-Antagonist** | Famotidin (Pepcid AC) | 10–20 mg ein- oder zweimal täglich | Blockiert Histamin-H2-Rezeptoren an Parietalzellen und reduziert die Säuresekretion | Im Allgemeinen gut verträglich; Dosisreduktion bei Niereninsuffizienz |
| **Protonenpumpeninhibitor** | Omeprazol (Prilosec OTC) | 20 mg einmal täglich für bis zu 14 Tage | Irreversible Hemmung der H+/K+-ATPase (Protonenpumpe) in Parietalzellen | Keine sofortige Linderung; volle Wirkung erst nach 1–4 Tagen. Rezeptfreie Behandlungszyklen sollten 14 Tage ohne ärztlichen Rat nicht überschreiten |
| **Topische Analgetika** | Menthol-/Methylsalicylat-Cremes (Bengay, Icy Hot) | 3–4 mal täglich auf die betroffene Brustwandstelle auftragen | Gegenreizeffekt über TRPM8/TRPA1-Aktivierung; leichte lokale Vasodilatation | Nicht auf verletzte Haut auftragen; nicht zusammen mit Heizkissen verwenden (Verbrennungsgefahr); Methylsalicylat-Produkte bergen ein Kreuzreaktivitätsrisiko bei Aspirinallergie |
> **Hinweis zu Aspirin:** Niedrig dosiertes Aspirin (162–325 mg, gekaut) wird als **Erste-Hilfe-Maßnahme** bei Verdacht auf Herzinfarkt gemäß AHA-Leitlinien empfohlen [3], ist jedoch kein rezeptfreies „Selbsthilfe"-Mittel bei wiederkehrenden Brustschmerzen. Nehmen Sie Aspirin nicht routinemäßig bei Brustschmerzen ohne ärztliche Anweisung ein.
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## Verschreibungspflichtige Therapieoptionen
Verschreibungspflichtige Medikamente werden auf die zugrunde liegende Diagnose abgestimmt. Die folgende Tabelle fasst häufig eingesetzte Wirkstoffklassen zusammen, wenn Brustschmerzen eine gesicherte Ätiologie aufweisen, die eine Pharmakotherapie erfordert.
| Klasse | Beispiele | Indikation | Verordnender Arzt | Wichtige Hinweise |
|---|---|---|---|---|
| **Nitrate** | Nitroglycerin (Sublingualtablette, Spray, Pflaster), Isosorbidmononitrat | Angina pectoris (Akutbehandlung und Prophylaxe) | Kardiologe, Internist, Hausarzt | Sublinguales NTG wirkt innerhalb von 1–3 Min. Kontraindiziert mit PDE-5-Inhibitoren (Sildenafil, Tadalafil) — Risiko einer schweren Hypotonie. |
| **Betablocker** | Metoprolol, Atenolol, Bisoprolol | Stabile Angina, ACS, Frequenzkontrolle | Kardiologe, Internist | Senken die Herzfrequenz und den myokardialen Sauerstoffbedarf. Abruptes Absetzen vermeiden. |
| **Calciumkanalblocker** | Amlodipin, Diltiazem, Verapamil | Vasospastische Angina, stabile Angina (wenn Betablocker kontraindiziert) | Kardiologe, Internist | Dihydropyridine (Amlodipin) bevorzugt bei LV-Dysfunktion; Nicht-Dihydropyridine senken die Herzfrequenz. |
| **Thrombozytenaggregationshemmer / Antikoagulanzien** | Aspirin + Clopidogrel/Ticagrelor; Heparin, Enoxaparin | ACS, nach PCI, LE | Kardiologe, Hämatologe, Pneumologe | Dauer der dualen Thrombozytenaggregationshemmung (DAPT) variiert (typischerweise 6–12 Monate nach ACS) [4]. |
| **Statine** | Atorvastatin, Rosuvastatin | Koronare Herzkrankheit, ACS | Kardiologe, Internist, Hausarzt | Hochintensive Statintherapie bei allen ACS-Patienten unabhängig vom Ausgangs-LDL empfohlen [3]. |
| **ACE-Hemmer / ARBs** | Ramipril, Lisinopril, Valsartan | Post-MI mit LV-Dysfunktion, Hypertonie, Herzinsuffizienz | Kardiologe, Internist | Kardioprotektiv; reduzieren das Remodeling nach Infarkt. |
| **Protonenpumpeninhibitoren (Rx-Stärke)** | Esomeprazol 40 mg, Pantoprazol 40 mg | Schwere GERD, erosive Ösophagitis | Gastroenterologe, Hausarzt | Kann für 8–12 Wochen erforderlich sein; Langzeitanwendung assoziiert mit Magnesiummangel und Frakturrisiko. |
| **Colchicin** | Colchicin 0,5 mg | Akute und rezidivierende Perikarditis | Kardiologe, Internist | Die COPE- und CORP-Studien zeigten, dass Colchicin die Perikarditis-Rezidivrate um ~50 % senkt [7]. |
| **Anxiolytika / SSRI** | Sertralin, Escitalopram; kurzfristig Benzodiazepine | Panikstörung, angstbedingte Brustschmerzen | Psychiater, Hausarzt | SSRI sind Erstlinientherapie bei Panikstörung. Benzodiazepine nur als kurzfristige Überbrückungstherapie aufgrund des Abhängigkeitsrisikos. |
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## Üblicherweise angeordnete Laboruntersuchungen
Die Auswahl der Untersuchungen richtet sich nach dem klinischen Verdacht. Im Folgenden sind Tests aufgeführt, die bei der Abklärung von Brustschmerzen häufig angeordnet werden.
| Untersuchung | Begründung | Link |
|---|---|---|
| **Hochsensitives kardiales Troponin (hs-cTnI oder hs-cTnT)** | Goldstandard-Biomarker für Myokardschädigung. Serielle Messungen (0 h und 1–3 h) können einen MI mit hoher Sensitivität bestätigen oder ausschließen [6]. | [Troponin-Test](/tests/troponin) |
| **Elektrokardiogramm (EKG)** | Identifiziert ST-Strecken-Veränderungen, Arrhythmien und Erregungsleitungsstörungen. Sollte innerhalb von 10 Minuten nach Eintreffen in der Notaufnahme bei akutem Brustschmerz abgeleitet werden [3]. | [EKG](/tests/ecg) |
| **Röntgen-Thorax** | Beurteilung von Pneumothorax, Pneumonie, Pleuraerguss, verbreitertem Mediastinum (Aortendissektion) und Kardiomegalie. | [Röntgen-Thorax](/tests/chest-xray) |
| **Großes Blutbild (CBC)** | Anämie kann eine Angina verschlimmern; Leukozytose kann auf eine Infektion oder Entzündung hinweisen. | [Blutbild](/tests/cbc) |
| **Basales Stoffwechselpanel (BMP)** | Elektrolytstörungen (Kalium, Magnesium) können Arrhythmien auslösen. Kreatinin bewertet die Nierenfunktion vor Kontrastmittelbildgebung. | [BMP](/tests/bmp) |
| **D-Dimer** | Erhöht bei Lungenembolie, Aortendissektion und anderen thrombotischen Zuständen. Am nützlichsten bei niedriger bis mittlerer Vortestwahrscheinlichkeit (Wells-Score). | [D-Dimer](/tests/d-dimer) |
| **BNP / NT-proBNP** | Erhöht bei Herzinsuffizienz; hilft bei der Differenzierung zwischen kardialer und pulmonaler Dyspnoe. | [BNP](/tests/bnp) |
| **Lipidprofil** | Beurteilung kardiovaskulärer Risikofaktoren (LDL, HDL, Triglyzeride) bei Patienten mit vermuteter oder bestätigter KHK. | [Lipidprofil](/tests/lipid-panel) |
| **CT-Pulmonalisangiographie (CTPA)** | Definitive Bildgebung bei Lungenembolie, wenn der klinische Verdacht mittel- bis hochgradig ist. | [CTPA](/tests/ct-pulmonary-angiography) |
| **Koronare CT-Angiographie (CCTA)** | Nicht-invasive Beurteilung der Koronararterienanatomie; zunehmend als Erstlinienbildgebung bei stabilen Brustschmerzen gemäß den AHA/ACC-Leitlinien von 2021 empfohlen [3]. | [CCTA](/tests/coronary-ct-angiography) |
| **Belastungstest** (Ergometrie oder pharmakologisch) | Beurteilung einer induzierbaren Ischämie bei Patienten mit mittlerer Vortestwahrscheinlichkeit für eine KHK. | [Belastungstest](/tests/stress-test) |
| **Ösophageale pH-Metrie / Manometrie** | Indiziert bei Verdacht auf GERD oder Ösophagusmotilitätsstörung, nachdem kardiale Ursachen ausgeschlossen wurden. | [Ösophageale pH-Metrie](/tests/esophageal-ph-monitoring) |
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## Besondere Patientengruppen
### Kinder und Jugendliche
Brustschmerzen bei pädiatrischen Patienten sind überwiegend gutartig; kardiale Ursachen machen weniger als 5 % der Vorstellungen aus. Häufige Ätiologien sind Kostochondritis, belastungsinduziertes Asthma und Angststörungen. Folgende Situationen erfordern jedoch eine dringende kinderkardiologische Abklärung:
- Belastungsabhängige Brustschmerzen mit Synkope
- Bekannter angeborener Herzfehler
- Familienanamnese eines plötzlichen Herztodes vor dem 40. Lebensjahr oder hereditäre Kanalopathien (Long-QT-Syndrom, Brugada-Syndrom, hypertrophe Kardiomyopathie)
- Schmerzen mit Fieber und neuem Herzgeräusch (mögliche Myokarditis oder Kawasaki-Syndrom)
**Hinweis zur Medikation:** Die NSAR-Dosierung bei Kindern sollte gewichtsbasierten Richtlinien folgen (z. B. Ibuprofen 5–10 mg/kg alle 6–8 h) und muss von einem Kinderarzt bestätigt werden. Aspirin wird bei Kindern unter 16 Jahren aufgrund des Risikos eines Reye-Syndroms grundsätzlich vermieden, außer bei bestimmten Erkrankungen (z. B. Kawasaki-Syndrom) unter fachärztlicher Aufsicht.
### Schwangerschaft
Brustschmerzen während der Schwangerschaft können durch physiologische Veränderungen (erhöhtes Plasmavolumen, Zwerchfellhochstand, hormonell bedingte Bandlaxität) oder pathologische Zustände bedingt sein. Wichtige Aspekte:
- **GERD** ist in der Schwangerschaft äußerst häufig (Prävalenz 30–80 %). Erstlinienbehandlung umfasst Lebensstilmodifikationen und Antazida. Famotidin und Omeprazol gelten in der Schwangerschaft bei Bedarf allgemein als akzeptabel (ehemals FDA-Kategorie B), jedoch sollten Ärzte Nutzen und Risiken abwägen.
- **Peripartale Kardiomyopathie** ist selten, aber schwerwiegend; neue Dyspnoe und Brustschmerzen im dritten Trimester oder postpartal erfordern eine dringende Echokardiographie.
- **Lungenembolie-Risiko** ist während der Schwangerschaft und im Wochenbett 4–5-fach erhöht. D-Dimer ist in der Schwangerschaft physiologisch erhöht, was seine diagnostische Aussagekraft einschränkt; CTPA oder Ventilations-Perfusions-Szintigraphie können erforderlich sein.
- **NSAR** sollten vermieden werden, insbesondere nach der 20. Schwangerschaftswoche (Risiko eines vorzeitigen Verschlusses des Ductus arteriosus und Oligohydramnions gemäß FDA-Sicherheitsmitteilung 2020).
- **ACE-Hemmer und ARBs** sind während der gesamten Schwangerschaft kontraindiziert (Teratogenität, fetale Nierentoxizität).
### Ältere Menschen (≥ 65 Jahre)
Ältere Erwachsene präsentieren sich häufiger mit **atypischen Brustschmerzen oder „Anginaäquivalenten"** wie isolierter Dyspnoe, Müdigkeit oder Verwirrtheit. Wichtige Aspekte:
- **Stumme Ischämie** ist bei älteren Menschen und bei Diabetikern häufiger.
- **Polypharmazie** erhöht das Risiko von Arzneimittelinteraktionen. NSAR sollten aufgrund des erhöhten kardiovaskulären, renalen und gastrointestinalen Blutungsrisikos mit Vorsicht eingesetzt werden.
- **Aortenstenose** wird mit zunehmendem Alter häufiger und kann sich mit belastungsabhängigen Brustschmerzen, Synkopen oder Herzinsuffizienz manifestieren.
- **Eingeschränkte Nierenfunktion** kann Dosisanpassungen für Medikamente wie Colchicin, Enoxaparin und Famotidin erforderlich machen.
### Sportler
Brustschmerzen bei Belastung bei jungen Sportlern geben Anlass zur Sorge bezüglich:
- **Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM):** Die häufigste Ursache des plötzlichen Herztodes bei jungen Sportlern. Belastungsabhängige Brustschmerzen, Synkopen oder eine Familienanamnese einer HCM sollten eine Echokardiographie und ggf. eine kardiale MRT veranlassen.
- **Koronararterienanomalien:** Aberrante Koronararterienabgänge können eine belastungsinduzierte Ischämie verursachen.
- **Myokarditis:** Häufig postviral; Sportler sollten gemäß AHA/ACC-Konsensus für 3–6 Monate nach Diagnose vom Wettkampf ausgeschlossen werden.
- **Commotio cordis:** Ein stumpfer Aufprall auf das Präkordium während einer vulnerablen Phase des Herzzyklus kann Kammerflimmern auslösen – ein medizinischer Notfall.
- **Belastungsinduzierte Bronchokonstriktion** ist eine häufige gutartige Ursache für Engegefühl in der Brust bei Sportlern.
Sportmedizinische Vorsorgeuntersuchungen (Anamnese, körperliche Untersuchung und in einigen Ländern EKG) können Risikopersonen identifizieren.
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## Wann eine Eskalation erforderlich ist
Nutzen Sie das folgende Schema, um die Dringlichkeit der medizinischen Abklärung zu bestimmen:
### Sofort den Notarzt rufen (112 / 911 / 999)
- Brustschmerzen mit einem der oben aufgeführten Warnsignale
- Verdacht auf Herzinfarkt (Druck-/Engegefühl > 5 Minuten, mit Schweißausbrüchen, Ausstrahlung oder Atemnot)
- Plötzliche starke Brust- oder Rückenschmerzen (mögliche Aortendissektion)
- Brustschmerzen mit Schockzeichen (Hypotonie, Bewusstseinsveränderung, Blässe)
### Notaufnahme / Bereitschaftsdienst aufsuchen (innerhalb von Stunden)
- Neue Brustschmerzen in Ruhe ohne Warnsignale, aber mit kardiovaskulären Risikofaktoren (Rauchen, Diabetes, Hypertonie, Hyperlipidämie, Familienanamnese einer vorzeitigen KHK)
- Pleuritische Brustschmerzen nach kürzlicher Immobilisation, Operation oder Reise (LE-Risiko)
- Brustschmerzen mit Fieber > 38,5 °C und produktivem Husten (mögliche Pneumonie)
- Posttraumatische Brustschmerzen mit Atembeschwerden (Rippenfraktur, Pneumothorax)
### Hausarzt aufsuchen (innerhalb von 1–2 Tagen)
- Wiederkehrende, reproduzierbare Brustwand-Druckschmerzhaftigkeit ohne Warnsignale
- Retrosternales Brennen, das mit Mahlzeiten korreliert und durch Antazida teilweise gelindert wird
- Engegefühl in der Brust bei bekannter Angststörung ohne neue Symptome
- Anhaltende Brustschmerzen seit mehr als einigen Tagen trotz rezeptfreier Maßnahmen
### Regulärer Termin (innerhalb von 1–2 Wochen)
- Leichte, intermittierende Brustbeschwerden, die eindeutig muskuloskelettal und rückläufig sind
- Nachsorge nach Notaufnahmebesuch, bei dem schwerwiegende Ursachen ausgeschlossen wurden
- Besprechung der kardiovaskulären Risikofaktoroptimierung (Lipide, Blutdruck, Raucherentwöhnung)
> **Grundsätzlich gilt:** Im Zweifelsfall lieber früher als später ärztliche Hilfe suchen. Brustschmerzen sind ein Symptom, bei dem die Kosten eines „Fehlalarms" weitaus geringer sind als die Kosten einer verpassten Diagnose.
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## Referenzen
[1] Amsterdam EA, Wenger NK, Brindis RG, et al. 2014 AHA/ACC guideline for the management of patients with non-ST-elevation acute coronary syndromes. *J Am Coll Cardiol*. 2014;64(24):e139–e228. PMID:25260718.
[2] Swap CJ, Nagurney JT. Value and limitations of chest pain history in the evaluation of patients with suspected acute coronary syndromes. *JAMA*. 2005;294(20):2623–2629. PMID:16234498.
[3] Gulati M, Levy PD, Mukherjee D, et al. 2021 AHA/ACC/ASE/CHEST/SAEM/SCCT/SCMR guideline for the evaluation and diagnosis of chest pain. *Circulation*. 2021;144(22):e368–e454. PMID:34709879.
[4] Collet JP, Thiele H, Barbato E, et al. 2020 ESC guidelines for the management of acute coronary syndromes in patients presenting without persistent ST-segment elevation. *Eur Heart J*. 2021;42(14):1289–1367. PMID:32860058.
[5] Fruergaard P, Launbjerg J, Hesse B, et al. The diagnoses of patients admitted with acute chest pain but without myocardial infarction. *Eur Heart J*. 1996;17(7):1028–1034. PMID:8809520.
[6] Body R, Carley S, McDowell G, et al. Rapid exclusion of acute myocardial infarction in patients with undetectable troponin using a high-sensitivity assay. *J Am Coll Cardiol*. 2011;58(13):1332–1339. PMID:21920261.
[7] Imazio M, Brucato A, Cemin R, et al. Colchicine for recurrent pericarditis (CORP): a randomized trial. *Ann Intern Med*. 2011;155(7):409–414. PMID:21873705.
[8] National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Chest pain of recent onset: assessment and diagnosis. Clinical guideline [CG95]. Updated 2016. Available at: https://www.nice.org.uk/guidance/cg95.
[9] U.S. Food and Drug Administration. FDA Drug Safety Communication: FDA recommends avoiding use of NSAIDs in pregnancy at 20 weeks or later. October 2020. Available at: https://www.fda.gov/drugs/drug-safety-and-availability.
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*Letzte Überprüfung: April 2026. Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Konsultieren Sie bei Brustschmerzen oder jeglichen gesundheitlichen Beschwerden stets eine qualifizierte medizinische Fachkraft für Diagnose und Behandlung.*