## Überblick
Bauchschmerzen — klinisch als Abdominalschmerzen bezeichnet — gehören zu den häufigsten Symptomen sowohl in der Hausarztpraxis als auch in der Notfallmedizin. Sie umfassen jegliche Beschwerden zwischen Thorax und Becken und können von einem dumpfen, intermittierenden Schmerz bis hin zu starken, invalidisierenden Schmerzen reichen, die eine notfallmedizinische Intervention erfordern. Die Internationale Klassifikation der Krankheiten kodiert sie unter **ICD-10 R10** (Bauch- und Beckenschmerzen), wobei Unterkodes die Lokalisation spezifizieren (z. B. R10.1 für Oberbauchschmerzen, R10.3 für Unterbauchschmerzen).
Abdominalschmerzen sind der **häufigste einzelne Vorstellungsgrund** in Notaufnahmen in den Vereinigten Staaten und machen etwa 11–12 % aller Notaufnahmevorstellungen aus [1]. In der Hausarztpraxis gehören sie zu den zehn häufigsten Beschwerden, wobei die geschätzte Lebenszeitprävalenz funktioneller abdomineller Schmerzerkrankungen (wie dem Reizdarmsyndrom) bei 10–15 % der erwachsenen Weltbevölkerung liegt [2]. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2014 ergab, dass Bauchschmerzen in der Primärversorgung meist selbstlimitierend sind, aber in etwa 10 % der Fälle eine organische Ursache vorliegt, die eine gezielte Behandlung erfordert [3].
Menschen suchen nach Informationen über Bauchschmerzen, weil sie nahezu universell erlebt werden, dabei aber in ihrer Bedeutung sehr unterschiedlich sein können. Der Schmerz kann vom Gastrointestinaltrakt selbst ausgehen (viszeraler Schmerz), von der Bauchwand oder dem Peritoneum (somatischer/parietaler Schmerz) oder von extraabdominellen Strukturen wie Herz oder Lunge fortgeleitet werden (übertragener Schmerz). Das Verständnis von Charakter, Lokalisation, zeitlichem Verlauf und Begleitsymptomen von Bauchschmerzen ist entscheidend für die Beurteilung, ob eine Selbstbehandlung ausreicht oder eine ärztliche Abklärung erforderlich ist.
> **Haftungsausschluss:** Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Bei starken oder anhaltenden Bauchschmerzen wenden Sie sich bitte an einen Arzt.
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## Häufige Ursachen
Bauchschmerzen haben ein breites Spektrum an Differenzialdiagnosen. Die folgenden Ursachen sind grob nach Häufigkeit in der hausärztlichen und notfallmedizinischen Versorgung Erwachsener geordnet, mit kurzer Darstellung der jeweiligen Pathophysiologie.
### 1. Funktionelle Dyspepsie und Verdauungsbeschwerden
Die häufigste Ursache wiederkehrender Oberbauchschmerzen ohne Alarmsymptome. Es wird angenommen, dass viszerale Hypersensitivität, gestörte Magenakkommodation und veränderte gastroduodenale Motilität eine Rolle spielen. Eine Leitlinie des American College of Gastroenterology (ACG) aus dem Jahr 2017 schätzt, dass funktionelle Dyspepsie 15–20 % der westlichen Bevölkerung betrifft [4].
### 2. Reizdarmsyndrom (RDS)
Eine funktionelle gastrointestinale Erkrankung, die durch wiederkehrende Bauchschmerzen in Verbindung mit veränderten Stuhlgewohnheiten (Durchfall, Verstopfung oder beides) gekennzeichnet ist. Die Pathophysiologie umfasst eine Dysregulation der Darm-Hirn-Achse, viszerale Hypersensitivität, veränderte intestinale Mikrobiota und geringgradige mukosale Entzündung. Das RDS betrifft weltweit etwa 11 % der Bevölkerung [2].
### 3. Gastritis und peptische Ulkuskrankheit
Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis) oder Schleimhauterosion, die durch die Muscularis mucosae reicht (Ulkus). Die beiden wichtigsten Ätiologien sind eine Infektion mit *Helicobacter pylori* und der Gebrauch von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). *H. pylori* stört die mukosale Bikarbonatbarriere, während NSAR die Prostaglandinsynthese hemmen, wodurch die Schleimhautdurchblutung und die protektive Schleimsekretion vermindert werden [5].
### 4. Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)
Reflux von Magensäure in den Ösophagus, der häufig als epigastrischer oder retrosternaler Schmerz („Sodbrennen") wahrgenommen wird. Ursächlich sind transiente Relaxationen des unteren Ösophagussphinkters, Hiatushernien oder eine gestörte ösophageale Clearance.
### 5. Akute Gastroenteritis
Infektion des Gastrointestinaltrakts durch Viren (Norovirus, Rotavirus), Bakterien (*Salmonella*, *Campylobacter*, *E. coli*) oder Parasiten. Sie verursacht diffuse, krampfartige Bauchschmerzen mit Durchfall und/oder Erbrechen. Typischerweise selbstlimitierend (24–72 Stunden).
### 6. Obstipation
Seltene oder erschwerte Stuhlentleerung, die Blähungen, Krämpfe und Schmerzen im linken Unterbauch verursacht. Die Pathophysiologie umfasst eine verlangsamte Kolonpassage, Beckenbodendysfunktion oder unzureichende Ballaststoff- und Flüssigkeitszufuhr.
### 7. Gallenkolik und Cholezystitis
Gallensteine, die den Ductus cysticus verlegen, verursachen episodische Schmerzen im rechten Oberbauch (Gallenkolik). Eine anhaltende Obstruktion mit sekundärer Entzündung führt zur akuten Cholezystitis. Der Schmerz tritt typischerweise postprandial auf und dauert 30 Minuten bis mehrere Stunden.
### 8. Appendizitis
Entzündung der Appendix vermiformis, die sich klassisch als periumbilikaler Schmerz mit Wanderung in den rechten Unterbauch (McBurney-Punkt) manifestiert. Das Lebenszeitrisiko beträgt etwa 7–8 %. Eine Obstruktion des Appendixlumens (durch Fäkolith, lymphoide Hyperplasie) führt zu bakterieller Überwucherung, muraler Ischämie und potenzieller Perforation [1].
### 9. Urologische und renale Ursachen
Nierensteine (Nephrolithiasis) verursachen starke, kolikartige Flankenschmerzen mit Ausstrahlung in die Leiste. Harnwegsinfektionen können sich als suprapubische Beschwerden äußern. Eine Pyelonephritis verursacht Flankenschmerzen mit Fieber.
### 10. Muskuloskelettale / Bauchwandschmerzen
Häufig übersehen, können Bauchwandschmerzen (z. B. Rektusscheidendehnung, anteriores kutanes Nervenentrapment) eine viszerale Pathologie imitieren. Das Carnett-Zeichen (verstärkter Schmerz bei Anspannung der Bauchmuskulatur) hilft bei der Unterscheidung von intraabdominellen Ursachen.
### Seltenere, aber wichtige Ursachen
- **Pankreatitis** — epigastrische Schmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken, assoziiert mit Alkoholkonsum oder Gallensteinen
- **Mesenterialischämie** — „Schmerz außer Verhältnis zum Untersuchungsbefund" bei älteren Patienten mit vaskulären Risikofaktoren
- **Bauchaortenaneurysma** — pulsierende abdominelle Raumforderung mit Rückenschmerzen
- **Dünndarmileus** — kolikartige Schmerzen, Distension, Erbrechen, fehlender Windabgang
- **Gynäkologische Ursachen** — Extrauteringravidität, Ovarialtorsion, Endometriose
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## WARNSIGNALE
Die folgenden Zeichen und Symptome in Verbindung mit Bauchschmerzen erfordern eine **sofortige ärztliche Abklärung** (Notaufnahme oder Notruf):
- **Plötzliche, heftige („Vernichtungs-") Bauchschmerzen** — können auf Perforation, Aortendissektion oder Aneurysmaruptur hinweisen
- **Bretthartes Abdomen** — Hinweis auf Peritonitis
- **Hämatemesis (Bluterbrechen) oder Meläna (schwarzer, teerartiger Stuhl)** — Hinweis auf obere gastrointestinale Blutung
- **Hämatochezie (hellrote rektale Blutung)** mit hämodynamischer Instabilität
- **Bauchschmerzen mit Fieber > 38,5 °C und Schüttelfrost**
- **Zeichen des Schocks**: Tachykardie, Hypotonie, Blässe, Verwirrtheit, Diaphorese
- **Starke Schmerzen bei Patienten über 65 Jahre** — erhöhtes Risiko für Mesenterialischämie, Bauchaortenaneurysma und atypische Präsentationen häufiger Erkrankungen
- **Bauchschmerzen bei positivem Schwangerschaftstest** — eine Extrauteringravidität muss ausgeschlossen werden
- **Unfähigkeit, Winde oder Stuhl abzusetzen** mit zunehmender Distension — Hinweis auf Ileus
- **Schmerzausstrahlung in Kiefer, linken Arm oder Schulter** — atypische Präsentation eines Myokardinfarkts, insbesondere bei Frauen und Diabetikern
- **Kürzliche Bauchoperation oder abdomineller Eingriff** mit neu aufgetretenen Schmerzen — Anastomoseninsuffizienz, Abszess oder Blutung
- **Bekanntes Aortenaneurysma** mit neuen Rücken- oder Bauchschmerzen
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## Selbstbehandlung zu Hause
Bei leichten, nicht alarmierenden Bauchschmerzen (keine der oben genannten Warnsignale) können folgende evidenzbasierte, nicht-medikamentöse Maßnahmen Linderung bringen:
### Ernährungsanpassungen
- **Kleine, häufige Mahlzeiten** — reduzieren die Magendehnung und stimulieren eine geringere Säuresekretion pro Mahlzeit
- **Bekannte Auslöser meiden** — häufige Verursacher sind scharfe Speisen, fettiges/frittiertes Essen, Koffein, Alkohol und kohlensäurehaltige Getränke
- **BRAT-Diät** (Bananen, Reis, Apfelmus, Toast) — wird traditionell bei Gastroenteritis empfohlen, um das Stuhlvolumen zu reduzieren, obwohl die Evidenz begrenzt ist; milde Kost wird im Allgemeinen besser vertragen
- **Ausreichende Ballaststoffzufuhr** (25–30 g/Tag) — hilfreich bei obstipationsbedingten Schmerzen; langsam steigern, um Blähungen zu vermeiden [2]
### Flüssigkeitszufuhr
- **Orale Rehydratation** — entscheidend bei Gastroenteritis. Orale Rehydratationslösungen (ORS) mit Glukose und Elektrolyten sind bei signifikanten Flüssigkeitsverlusten Wasser vorzuziehen
- Übermäßigen Alkohol- und Koffeinkonsum vermeiden, da diese Gastritis und Dehydratation verschlimmern können
### Physikalische und verhaltensbasierte Maßnahmen
- **Wärmetherapie** — eine warme Kompresse oder ein Heizkissen auf dem Bauch für 15–20 Minuten kann Krämpfe lindern, indem es die glatte Muskulatur entspannt. Eine kleine randomisierte Studie zeigte, dass kontinuierliche niedriggradige lokale Wärme bei menstruationsbedingten Bauchschmerzen mit Ibuprofen vergleichbar war
- **Ruhe und Lagerung** — Liegen auf der linken Seite mit angezogenen Knien (Embryonalstellung) kann den Druck auf den Darm verringern und gasbedingten Beschwerden entgegenwirken
- **Stressmanagement** — die Darm-Hirn-Achse ist wissenschaftlich gut belegt; psychischer Stress verschlimmert funktionelle gastrointestinale Schmerzen. Techniken wie Zwerchfellatmung, progressive Muskelrelaxation und kognitive Verhaltenstherapie (KVT) haben bei RDS-Symptomen nachgewiesene Wirksamkeit [2]
- **Pfefferminzöl (magensaftresistente Kapseln)** — eine Meta-Analyse von 2019 auf Cochrane-Niveau ergab, dass Pfefferminzöl die globalen RDS-Symptome und Bauchschmerzen im Vergleich zu Placebo signifikant verbesserte, wahrscheinlich durch Calciumkanalantagonismus in der intestinalen glatten Muskulatur [6]
### Was zu vermeiden ist
- **Kein** Heizkissen auf den Bauch auflegen, wenn Appendizitis oder eine andere chirurgische Ursache vermutet wird
- NSAR (Ibuprofen, Naproxen) vermeiden, wenn Gastritis oder ein Ulkus wahrscheinlich sind — sie können die Schleimhautschädigung verschlimmern
- Keine Laxanzien bei Bauchschmerzen unklarer Ursache einnehmen
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## Rezeptfreie Medikamente
Rezeptfreie Medikamente können bei leichten bis mäßigen Bauchbeschwerden ohne Warnsignale angemessen sein. Lesen Sie stets die Packungsbeilage und halten Sie sich an die empfohlene Dosierung.
| Klasse | Beispiel(e) | Typische Erwachsenendosis | Hinweise / Kontraindikationen |
|---|---|---|---|
| **Antazida** | Calciumcarbonat (Tums), Magnesiumhydroxid / Aluminiumhydroxid (Maalox) | 500–1000 mg Calciumcarbonat nach Bedarf (max. 7500 mg/Tag) | Schnelle Symptomlinderung durch Neutralisation der Magensäure. Calciumhaltige Präparate können Obstipation verursachen; magnesiumhaltige können Durchfall verursachen. Bei Niereninsuffizienz vermeiden. |
| **H2-Rezeptorantagonisten** | Famotidine (Pepcid AC) | 10–20 mg ein- oder zweimal täglich | Reduziert die Magensäuresekretion. Wirkungseintritt ~30 Min. Im Allgemeinen gut verträglich. Bevorzugt gegenüber Ranitidin (Marktrücknahme wegen NDMA-Bedenken — FDA 2020). |
| **Protonenpumpeninhibitoren (PPI, rezeptfrei)** | Omeprazole (Prilosec OTC), Esomeprazole (Nexium 24HR) | 20 mg einmal täglich für bis zu 14 Tage | Stärkste Säuresuppression. Volle Wirkung nach 1–3 Tagen. Nicht zur Akutlinderung geeignet. Nicht länger als 14 Tage ohne ärztliche Aufsicht anwenden. Risiko einer *C. difficile*-Infektion, Hypomagnesiämie und Vitamin-B12-Mangel bei Langzeitanwendung [5]. |
| **Simeticon** | Gas-X, Mylicon | 40–125 mg nach den Mahlzeiten und zur Schlafenszeit (max. 500 mg/Tag) | Entschäumungsmittel, das Gasblasen zusammenfließen lässt. Keine systemische Resorption. Sehr sicher, aber begrenzte Evidenz für die Wirksamkeit bei funktionellen Blähungen. |
| **Bismutsubsalicylat** | Pepto-Bismol | 524 mg alle 30–60 Min. nach Bedarf (max. 8 Dosen/Tag) | Antimikrobielle, antiinflammatorische und antisekretorische Wirkung. Nützlich bei Reisediarrhö und leichter Dyspepsie. **Vermeiden** bei Salicylatallergie, bei Kindern (Reye-Syndrom-Risiko) und bei Patienten unter Antikoagulation. |
| **Loperamid** | Imodium | 4 mg initial, dann 2 mg nach jedem dünnflüssigen Stuhl (max. 16 mg/Tag) | Mu-Opioidrezeptor-Agonist in der Darmwand; verlangsamt die Motilität. Nur bei diarrhöbedingten Krämpfen. **Nicht anwenden** bei blutiger Diarrhö oder Verdacht auf *C. difficile*-Infektion. |
| **Ballaststoffpräparate** | Psyllium (Metamucil), Methylcellulose (Citrucel) | Psyllium: 1 gehäufter Teelöffel (≈3,4 g) in 240 ml Wasser, 1–3-mal täglich | Quellmittel bei obstipationsbedingten Schmerzen. Dosis langsam steigern. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr sicherstellen. |
| **Osmotische Laxanzien** | Macrogol (MiraLAX) | 17 g in 240 ml Wasser einmal täglich | Bei Obstipation. Wirkungseintritt 1–3 Tage. Gut verträglich; im Allgemeinen sicher bei kurzfristiger Anwendung. |
> **Wichtig:** Rezeptfreie Medikamente sollten nur zur kurzfristigen Symptombehandlung eingesetzt werden. Wenn die Symptome länger als 2 Wochen anhalten oder sich verschlechtern, ist eine ärztliche Abklärung empfehlenswert.
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## Verschreibungspflichtige Therapieoptionen
Eine verschreibungspflichtige Therapie ist indiziert, wenn rezeptfreie Maßnahmen versagen, eine spezifische Diagnose gestellt wurde oder die Schwere der Symptome eine gezielte pharmakologische Intervention erfordert. Diese Medikamente sollten nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.
| Klasse | Beispiel(e) | Indikation | Hinweise |
|---|---|---|---|
| **Verschreibungspflichtige PPI** | Omeprazole 40 mg, Pantoprazole 40 mg, Lansoprazole 30 mg | GERD, peptische Ulkuskrankheit, *H. pylori*-Eradikation (als Teil der Triple-/Quadrupeltherapie) | Höhere Dosen und längere Therapiedauer als bei rezeptfreien PPI. Überwachung auf Langzeitkomplikationen. |
| ***H. pylori*-Eradikationstherapie** | Clarithromycin-Tripeltherapie (PPI + Clarithromycin + Amoxicillin) oder Bismut-Quadrupeltherapie | Nachgewiesene *H. pylori*-Infektion | Behandlungsdauer 10–14 Tage. Die Antibiotikaresistenz nimmt zu; eine resistenzgesteuerte Therapie ist, wo verfügbar, zu bevorzugen [5]. |
| **Spasmolytika** | Hyoscine butylbromide (Buscopan), Dicyclomine (Bentyl) | RDS-bedingte Krämpfe, Gallenkolik | Anticholinerge Nebenwirkungen (Mundtrockenheit, Harnverhalt, verschwommenes Sehen). Bei Glaukom und Prostatahypertrophie vermeiden. |
| **Trizyklische Antidepressiva (niedrigdosiert)** | Amitriptyline 10–25 mg zur Nacht | Funktionelle Bauchschmerzen, RDS (schmerzprädominant) | Neuromodulatorische Wirkung auf die viszerale Schmerzverarbeitung. In dieser Dosierung nicht als Antidepressivum eingesetzt. Langsame Titration. Verordnung durch Gastroenterologen oder Hausarzt [4]. |
| **SSRI / SNRI** | Duloxetine, Citalopram | Funktionelle GI-Schmerzen mit komorbider Angststörung/Depression | Können die Gesamtsymptomatik über zentrale Schmerzmodulation verbessern. Verordnung durch Hausarzt oder Psychiater. |
| **Rifaximin** | Xifaxan 550 mg 3×/Tag über 14 Tage | RDS mit Diarrhö (RDS-D) | Nicht resorbierbares Antibiotikum, das das Darmmikrobiom moduliert. FDA-zugelassen für RDS-D. Wiederholte Behandlungszyklen können erforderlich sein [2]. |
| **Linaclotide / Plecanatide** | Linzess 145–290 mcg täglich | RDS mit Obstipation (RDS-O), chronische idiopathische Obstipation | Guanylatcyclase-C-Agonist. Steigert die intestinale Flüssigkeitssekretion. Auf nüchternen Magen 30 Min. vor der ersten Mahlzeit einnehmen. |
| **Ursodesoxycholsäure** | Ursodiol 8–10 mg/kg/Tag | Gallensteinauflösung (ausgewählte Patienten), biliäre Schmerzen | Für Cholesteringallensteine bei Patienten, die nicht operiert werden können. Löst Steine langsam über 6–24 Monate auf. |
| **Pankreasenzymsubstitution** | Creon (Pancrelipase) | Exokrine Pankreasinsuffizienz (chronische Pankreatitis) | Dosis an die Fettaufnahme angepasst. Verordnung durch Gastroenterologen. |
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## Typischerweise angeordnete Laboruntersuchungen
Wenn Bauchschmerzen eine ärztliche Abklärung erfordern, setzen Kliniker Labor- und bildgebende Untersuchungen ein, um die Differenzialdiagnose einzugrenzen. Die konkreten Untersuchungen richten sich nach Lokalisation, Charakter und klinischem Kontext des Schmerzes [1][7].
| Untersuchung | Begründung |
|---|---|
| **Blutbild (CBC)** | Beurteilung auf Infektion (erhöhte Leukozyten), Anämie (GI-Blutverlust), Thrombozytose (Entzündung). Siehe [CBC-Test](/tests/complete-blood-count). |
| **Umfassendes metabolisches Panel (CMP)** | Bestimmung von Elektrolyten, Nierenfunktion (Harnstoff/Kreatinin), Leberenzymen (AST, ALT), Bilirubin und Glukose. Auffällige Leberenzyme deuten auf hepatobiliäre Pathologie hin. Siehe [CMP-Test](/tests/comprehensive-metabolic-panel). |
| **Lipase** | Ein Anstieg auf > 3× oberer Normwert ist diagnostisch für eine akute Pankreatitis. Spezifischer als Amylase. Siehe [Lipase-Test](/tests/lipase). |
| **Urinanalyse** | Screening auf Harnwegsinfekt, Nierensteine (Hämaturie) oder diabetische Ketoazidose (Ketonurie). Siehe [Urinanalyse-Test](/tests/urinalysis). |
| **C-reaktives Protein (CRP) / BSG** | Unspezifische Entzündungsmarker. Nützlich zur Unterscheidung funktioneller von organischen Erkrankungen und zur Verlaufskontrolle chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen. Siehe [CRP-Test](/tests/c-reactive-protein). |
| **Stuhluntersuchungen** | Fäkales Calprotectin (Unterscheidung CED vs. RDS), Stuhlkultur, Eier und Parasiten, *C. difficile*-Toxin, fäkaler okkulter Bluttest (FOBT). Siehe [Fäkales-Calprotectin-Test](/tests/fecal-calprotectin). |
| **Urin-/Serum-Schwangerschaftstest (Beta-hCG)** | **Obligat** bei allen Frauen im gebärfähigen Alter mit Bauchschmerzen zum Ausschluss einer Extrauteringravidität. Siehe [Schwangerschaftstest](/tests/pregnancy-test-hcg). |
| ***H. pylori*-Diagnostik** | Harnstoff-Atemtest oder Stuhlantigentest bei Dyspepsie. Serologie ist weniger bevorzugt (kann nicht zwischen aktiver und durchgemachter Infektion unterscheiden) [5]. |
| **Zöliakie-Panel** | Gewebetransglutaminase (tTG-IgA) mit Gesamt-IgA. In Betracht ziehen bei chronischen Bauchschmerzen mit Diarrhö, Gewichtsverlust oder Eisenmangel. Siehe [Zöliakie-Panel](/tests/celiac-panel). |
| **Laktat** | Erhöht bei Mesenterialischämie, Sepsis oder Darmnekrose. Ein wichtiger Test bei Verdacht auf Ischämie. |
### Bildgebung
- **Abdomensonographie** — Mittel der ersten Wahl bei Schmerzen im rechten Oberbauch (Gallensteine, Cholezystitis) und in der Schwangerschaft
- **CT Abdomen/Becken mit Kontrastmittel** — Goldstandard für die Abklärung akuter Bauchschmerzen in der Notaufnahme; hohe Sensitivität für Appendizitis, Divertikulitis, Ileus und Perforation [7]
- **Abdomenübersichtsaufnahme** — nützlich bei Darmobstruktion (Luft-Flüssigkeits-Spiegel) und freier Luft (Perforation), wird jedoch zunehmend durch CT ersetzt
- **Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD)** — indiziert bei persistierender Dyspepsie mit Alarmsymptomen, GI-Blutung oder Versagen der empirischen Therapie
- **Koloskopie** — indiziert bei unterer GI-Blutung, Änderung der Stuhlgewohnheiten bei Patienten ≥ 45 Jahre oder positivem fäkalen immunochemischen Test (FIT)
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## Besondere Patientengruppen
### Kinder und Jugendliche
Bauchschmerzen sind bei Kindern äußerst häufig; funktionelle abdominelle Schmerzerkrankungen (nach Rome-IV-Kriterien) betreffen bis zu 13,5 % der Schulkinder. Wichtige Aspekte:
- **Invagination** (typischerweise 6 Monate – 3 Jahre) — „Himbeergelee"-Stühle, intermittierende starke kolikartige Schmerzen, Lethargie
- **Appendizitis** — Häufigkeitsgipfel im Alter von 10–19 Jahren; atypische Präsentationen sind bei jüngeren Kindern häufiger
- **Funktionelle Bauchschmerzen** — Ausschlussdiagnose; Aufklärung, Ernährungsanpassungen und psychologische Therapien (Hypnotherapie, KVT) sind Mittel der ersten Wahl
- **Medikamentendosierung** — pädiatrische Dosierungen für rezeptfreie Medikamente müssen den alters- und gewichtsbasierten Angaben auf der Packungsbeilage folgen. **Konsultieren Sie immer einen Kinderarzt, bevor Sie Kindern Medikamente verabreichen**, insbesondere unter 12 Jahren. Bismutsubsalicylat ist bei Kindern und Jugendlichen wegen des Reye-Syndrom-Risikos **kontraindiziert**.
- Protonenpumpeninhibitoren sind für Kinder ab ≥ 1 Jahr für bestimmte Indikationen (GERD, erosive Ösophagitis) in gewichtsbasierter Dosierung FDA-zugelassen — nur unter ärztlicher Aufsicht.
### Schwangerschaft
Bauchschmerzen in der Schwangerschaft erfordern eine sorgfältige Abklärung, da sich geburtshilfliche und nicht-geburtshilfliche Ätiologien überschneiden können:
- **Erstes Trimester**: immer Extrauteringravidität ausschließen; Ligamentum-teres-Schmerzen sind häufig und gutartig
- **Zweites/drittes Trimester**: Präeklampsie (rechter Oberbauchschmerz + Hypertonie + Proteinurie), HELLP-Syndrom, Plazentalösung und vorzeitige Wehen in Betracht ziehen
- **Arzneimittelsicherheit**:
- **Paracetamol** — gilt allgemein in allen Trimestern als sicher (ehemals FDA-Kategorie B)
- **NSAR** — ab der 20. Schwangerschaftswoche vermeiden wegen des Risikos eines vorzeitigen Verschlusses des Ductus arteriosus und Oligohydramnion (FDA-Warnung, 2020)
- **PPI** — Omeprazole war ehemals FDA-Kategorie C; neuere Daten sprechen allgemein für die Sicherheit, Anwendung jedoch nur bei klarer Indikation. Famotidine kann als Erstlinien-Säuresuppression bevorzugt werden
- **Bismutsubsalicylat** — in der Schwangerschaft **kontraindiziert** (Salicylatkomponente)
- **Spasmolytika** — begrenzte Sicherheitsdaten; nur unter geburtshilflicher Aufsicht anwenden
- Die ACOG empfiehlt, dass **jede schwangere Patientin mit akuten Bauchschmerzen zeitnah ärztlich untersucht werden sollte**; Bildgebung (beginnend mit Ultraschall) sollte bei gegebener Indikation nicht verzögert werden
### Ältere Patienten (≥ 65 Jahre)
Ältere Erwachsene stellen besondere Herausforderungen dar:
- **Atypische Präsentationen** — Schmerzen können trotz schwerwiegender Pathologie geringer ausfallen (z. B. schmerzlose Perforation unter Kortikosteroiden, geringe Druckempfindlichkeit bei Mesenterialischämie)
- **Höhere Mortalität** — akute abdominelle Erkrankungen haben bei älteren Patienten eine 6–8-fach höhere Mortalität im Vergleich zu jüngeren Erwachsenen [1]
- **Polypharmazie** — NSAR, Antikoagulanzien und Kortikosteroide erhöhen das Risiko für GI-Blutungen. Eine Medikamentenüberprüfung ist essenziell
- **Vaskuläre Ursachen** — Mesenterialischämie sollte bei jedem älteren Patienten mit „Schmerz außer Verhältnis zum Untersuchungsbefund" in Betracht gezogen werden, insbesondere bei Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit
- **Niedrigere Schwelle für Bildgebung** — eine CT-Untersuchung wird bei älteren Patienten mit akuten Bauchschmerzen in der Regel frühzeitiger in der Abklärung empfohlen [7]
- PPI und H2-Blocker werden im Allgemeinen gut vertragen, können jedoch Wechselwirkungen mit Clopidogrel aufweisen (Omeprazole) oder eine renale Dosisanpassung erfordern (Famotidine)
### Sportler
- **Belastungsbedingte transiente Bauchschmerzen (ETAP)** — umgangssprachlich als „Seitenstechen" bekannt. Der Mechanismus kann eine diaphragmale Ischämie oder eine Traktion der peritonealen Bänder umfassen. In der Regel gutartig und selbstlimitierend; Temporeduktion und tiefes Atmen bringen typischerweise Erleichterung
- **Läuferdiarrhö / GI-Beschwerden** — betrifft bis zu 30–50 % der Ausdauersportler aufgrund verminderter splanchnischer Durchblutung während der Belastung. Prävention: ballaststoff- und fettreiche Mahlzeiten 2–3 Stunden vor dem Training vermeiden, ausreichende Hydratation sicherstellen und das Darmtraining mit Kohlenhydrataufnahme während der Belastung in Betracht ziehen
- **NSAR-Gebrauch** — Sportler verwenden häufig NSAR bei muskuloskelettalen Schmerzen; dies erhöht das Risiko einer GI-Schleimhautschädigung erheblich, insbesondere in Kombination mit belastungsbedingter splanchnischer Minderdurchblutung. Paracetamol als Alternative verwenden, wenn möglich
- **Bauchwandverletzungen** — Rektusabdominiszerrung, Sportlerleiste (athletische Pubalgie) sollten bei Sportlern mit belastungsabhängigen Unterbauchschmerzen in Betracht gezogen werden
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## Wann ärztliche Hilfe suchen
Verwenden Sie den folgenden Entscheidungsrahmen als Orientierung, wann ärztliche Hilfe aufzusuchen ist. Im Zweifelsfall sollte stets eine frühzeitige Abklärung bevorzugt werden.
### Sofort den Notruf wählen / Notaufnahme aufsuchen
- Jedes oben aufgeführte Warnsignal (bretthartes Abdomen, Schockzeichen, Hämatemesis etc.)
- Starke, plötzlich einsetzende Schmerzen, die die schlimmsten sind, die Sie je erlebt haben
- Bauchschmerzen mit Ohnmacht, Brustschmerzen oder Atemnot
- Bauchschmerzen bei bekannter oder vermuteter Schwangerschaft
- Bauchschmerzen nach schwerem Trauma
### Dringende Vorstellung / Hausarzttermin am selben Tag
- Mäßige Schmerzen seit > 24 Stunden ohne Besserung
- Schmerzen mit anhaltendem Erbrechen (Unfähigkeit, Flüssigkeit > 12 Stunden bei sich zu behalten)
- Fieber > 38 °C mit Bauchschmerzen
- Schmerzen lokalisiert im rechten Unterbauch oder rechten Oberbauch
- Schmerzhaftes oder blutiges Wasserlassen
- Neu aufgetretene Obstipation seit > 3 Tagen mit Schmerzen und Distension
### Geplanter Hausarzttermin (innerhalb von 1–2 Wochen)
- Wiederkehrende oder chronische Bauchschmerzen (> 4 Wochen), die den Alltag beeinträchtigen
- Ungewollter Gewichtsverlust in Zusammenhang mit abdominellen Symptomen
- Änderung der Stuhlgewohnheiten seit > 2 Wochen (neue Obstipation oder Diarrhö)
- Anhaltendes Sodbrennen oder Dyspepsie, die auf 2 Wochen rezeptfreie Therapie nicht ansprechen
- Familiäre Belastung mit GI-Tumoren (Kolon, Magen, Pankreas) und neuen Symptomen
- Alter ≥ 45 Jahre mit neu aufgetretenen abdominellen Symptomen (Screening-Koloskopie kann gemäß USPSTF-Leitlinien indiziert sein)
### Allgemeine Empfehlung
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Symptome eine dringende Abklärung erfordern, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder eine telefonische Gesundheitsberatung. Es ist immer besser, untersucht und beruhigt zu werden, als die Abklärung einer potenziell ernsten Erkrankung zu verzögern.
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## References
[1] Cartwright SL, Knudson MP. Evaluation of acute abdominal pain in adults. *Am Fam Physician*. 2008;77(7):971-978. PMID:18441863.
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[3] Viniol A, Keez S, Becker A, et al. Studies of the symptom abdominal pain — a systematic review and meta-analysis. *Fam Pract*. 2014;31(5):517-529. PMID:24987023.
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[5] Lanas A, Chan FKL. Peptic ulcer disease. *Lancet*. 2017;390(10094):613-624. PMID:28242110.
[6] Alammar N, Wang L, Saberi B, et al. The impact of peppermint oil on the irritable bowel syndrome: a meta-analysis of the pooled clinical data. *BMC Complement Altern Med*. 2019;19(1):21. PMID:30654773.
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[9] National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Irritable bowel syndrome in adults: diagnosis and management [CG61]. 2008 (updated 2017). Available at: www.nice.org.uk/guidance/cg61.
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