## Überblick
Durchfall (Diarrhö) ist definiert als das Absetzen von drei oder mehr ungeformten oder wässrigen Stühlen pro Tag oder eine Zunahme der Stuhlfrequenz und -konsistenz im Vergleich zum individuellen Normalzustand (ICD-10: R19.7). Er gehört weltweit zu den häufigsten gastrointestinalen Beschwerden und betrifft praktisch jeden Erwachsenen mehrfach im Laufe seines Lebens. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass jährlich weltweit etwa 1,7 Milliarden Fälle von Durchfallerkrankungen auftreten [1].
Durchfall wird nach seiner Dauer klassifiziert:
- **Akuter Durchfall**: Dauer unter 14 Tagen (am häufigsten)
- **Persistierender Durchfall**: Dauer 14–30 Tage
- **Chronischer Durchfall**: Dauer über 30 Tage, betrifft zu jedem Zeitpunkt etwa 5 % der Bevölkerung [2]
Menschen suchen häufig nach Informationen über Durchfall, um festzustellen, ob ihre Symptome ärztliche Aufmerksamkeit erfordern, um sichere Hausmittel zu finden und um mögliche zugrunde liegende Ursachen zu verstehen. Während die meisten Episoden akuten Durchfalls selbstlimitierend sind und innerhalb von 2–3 Tagen abklingen, kann Durchfall gelegentlich auf eine schwerwiegende Grunderkrankung hinweisen oder zu gefährlicher Dehydratation führen, insbesondere bei vulnerablen Bevölkerungsgruppen.
## Häufige Ursachen
Durchfall entsteht durch einen oder mehrere von vier grundlegenden pathophysiologischen Mechanismen: osmotisch (nicht resorbierte Substanzen ziehen Wasser ins Darmlumen), sekretorisch (aktive Ionensekretion übersteigt die Absorption), entzündlich (Schleimhautschädigung mit Exsudation) und motilitätsbedingt (veränderte Transitzeit). Im Folgenden sind häufige Ursachen annähernd nach Häufigkeit bei Erwachsenen aufgeführt.
### Infektiöse Ursachen (am häufigsten bei akutem Durchfall)
- **Virale Gastroenteritis** — Norovirus, Rotavirus und Adenovirus sind für die Mehrzahl der akuten Durchfallepisoden bei Erwachsenen verantwortlich. Diese Viren schädigen Enterozyten, reduzieren die Resorptionsfläche und verursachen eine Kombination aus osmotischem und sekretorischem Durchfall [3].
- **Bakterielle Infektionen** — *Campylobacter*, *Salmonella*, *E. coli* (einschließlich ETEC und EHEC), *Shigella* und *Clostridioides difficile*. Bakterielle Erreger können Toxine produzieren (sekretorischer Mechanismus) oder die Mukosa direkt invadieren (entzündlicher Mechanismus) [3].
- **Parasitäre Infektionen** — *Giardia lamblia*, *Cryptosporidium* und *Entamoeba histolytica* sind häufige parasitäre Ursachen, insbesondere bei Reisenden und immunsupprimierten Personen.
### Nicht-infektiöse Ursachen
- **Nahrungsmittelunverträglichkeit und Malabsorption** — Laktoseintoleranz (betrifft bis zu 68 % der Weltbevölkerung), Fruktosemalabsorption und Zöliakie verursachen osmotischen Durchfall, wenn unverdaute Nährstoffe das Kolon erreichen.
- **Medikamente** — Antibiotika (Störung der Darmflora), NSAR, Metformin, SSRI, magnesiumhaltige Antazida und Protonenpumpenhemmer sind häufige Auslöser. Antibiotika-assoziierter Durchfall tritt bei 5–39 % der Patienten auf [4].
- **Reizdarmsyndrom (RDS-D)** — Eine funktionelle Störung, die 10–15 % der Bevölkerung betrifft und durch veränderte Motilität und viszerale Hypersensitivität gekennzeichnet ist.
- **Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)** — Morbus Crohn und Colitis ulcerosa verursachen chronisch-entzündlichen Durchfall, häufig mit Blut und Schleim.
- **Endokrine Erkrankungen** — Hyperthyreose, diabetische autonome Neuropathie und Karzinoidsyndrom können sich mit chronischem Durchfall manifestieren.
- **Ernährungsfaktoren** — Übermäßiger Konsum von Koffein, Alkohol, künstlichen Süßstoffen (Sorbitol, Mannitol) und ballaststoffreicher Kost kann osmotischen oder motilitätsbedingten Durchfall auslösen.
## WARNSIGNALE
Suchen Sie sofort ärztliche Hilfe auf (Notaufnahme oder Notruf), wenn Durchfall von einem der folgenden Symptome begleitet wird:
- **Zeichen einer schweren Dehydratation**: geringe oder keine Urinausscheidung, extremer Durst, Schwindel oder Benommenheit beim Aufstehen, Tachykardie, Verwirrtheit oder Ohnmacht
- **Blutiger oder schwarzer, teerartiger Stuhl** (Hämatochezie oder Meläna)
- **Hohes Fieber** (≥39°C / 102.2°F), das länger als 24 Stunden anhält
- **Starke, anhaltende Bauchschmerzen** — insbesondere wenn auf eine Stelle lokalisiert
- **Zeichen einer Sepsis**: Fieber mit Schüttelfrost, beschleunigte Atmung, Bewusstseinsveränderung
- **Unfähigkeit, Flüssigkeit bei sich zu behalten** aufgrund von begleitendem Erbrechen über mehr als 12 Stunden
- **Kürzlicher Krankenhausaufenthalt oder Antibiotikatherapie** mit profusem wässrigem Durchfall (Verdacht auf *C. difficile*)
- **Durchfall bei immunsupprimierten Patienten** (HIV/AIDS, Chemotherapie, Transplantationsempfänger)
- **Zeichen eines hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS)**: blutiger Durchfall mit verminderter Urinausscheidung, Blässe, Neigung zu Hämatomen — insbesondere nach Verzehr von unzureichend gegartem Fleisch
- **Durchfall über mehr als 7 Tage** ohne Besserung trotz grundlegender Selbstbehandlung
## Selbstbehandlung zu Hause
Die meisten Episoden akuten Durchfalls bei ansonsten gesunden Erwachsenen klingen innerhalb von 48–72 Stunden ab. Folgende evidenzbasierte Maßnahmen können helfen:
### Orale Rehydratation
Flüssigkeits- und Elektrolytersatz ist der Grundpfeiler der Durchfallbehandlung. Die orale Rehydratationslösung (ORS) der WHO hat nachweislich die Mortalität durch dehydratationsbedingte Komplikationen gesenkt [1]. Bei leichten Fällen bei Erwachsenen:
- Trinken Sie häufig kleine Schlucke Wasser, klare Brühe oder verdünnte Fruchtsäfte
- Kommerzielle orale Rehydratationslösungen (z. B. Elotrans, Oralpädon) bieten ausgewogene Elektrolyte
- Selbst hergestellte ORS: 1 Liter sauberes Wasser + 6 Teelöffel Zucker + ½ Teelöffel Salz
- Streben Sie mindestens 2–3 Liter Flüssigkeit pro Tag an; bei starken Verlusten entsprechend mehr
- Vermeiden Sie koffeinhaltige Getränke, Alkohol und unverdünnte Fruchtsäfte (hohe Osmolarität kann den Durchfall verschlimmern)
### Ernährungsanpassungen
- **BRAT-Diät** (Bananen, Reis, Apfelmus, Toast) wird traditionell empfohlen, wobei die Evidenz begrenzt ist. Diese Lebensmittel sind ballaststoffarm und werden im Allgemeinen gut vertragen [5].
- Nehmen Sie eine normale Ernährung wieder auf, sobald es vertragen wird — eine verlängerte diätetische Einschränkung ist unnötig und kann die Genesung verzögern
- Vermeiden Sie vorübergehend Milchprodukte (nach infektiösem Durchfall kann ein vorübergehender Laktasemangel auftreten)
- Vermeiden Sie fettreiche, scharfe oder stark gewürzte Speisen, bis die Symptome abgeklungen sind
- Kleine, häufige Mahlzeiten werden im Allgemeinen besser vertragen als große
### Probiotika
Ein Cochrane-Systematic-Review ergab, dass Probiotika die Dauer eines akuten infektiösen Durchfalls um etwa einen Tag verkürzen können [6]. Die Stämme mit der besten Evidenzlage sind *Lactobacillus rhamnosus GG* und *Saccharomyces boulardii*. Der Nutzen erscheint moderat, und nicht alle Probiotika-Produkte sind gleichwertig.
### Ruhe und Hygiene
- Ruhen Sie sich aus, um dem Körper die Erholung zu ermöglichen
- Achten Sie auf sorgfältige Händehygiene, um eine Übertragung zu verhindern
- Vermeiden Sie die Zubereitung von Speisen für andere, solange Symptome bestehen
## Rezeptfreie Medikamente
Rezeptfreie Medikamente können symptomatische Linderung verschaffen, behandeln jedoch nicht die zugrunde liegende Ursache. Sie sollten bei blutigem Durchfall oder Verdacht auf bakterielle Ruhr generell vermieden werden.
| Klasse | Beispiel | Erwachsenendosis | Hinweise |
|--------|----------|------------------|----------|
| Motilitätshemmer | Loperamid (Imodium) | 4 mg initial, dann 2 mg nach jedem ungeformten Stuhl (max. 16 mg/Tag) | Verlangsamt die Darmpassage. Vermeiden bei blutigem Durchfall, Verdacht auf *C. difficile* oder Fieber >38,5°C. Empfohlene Dosis nicht überschreiten (Risiko kardialer Arrhythmien bei supratherapeutischen Dosen) [7]. |
| Adsorbens | Bismutsubsalicylat (Pepto-Bismol) | 524 mg alle 30–60 min nach Bedarf (max. 4,2 g/Tag) | Antisekretorische und antimikrobielle Eigenschaften. Vermeiden bei Aspirin-Allergie, Antikoagulanzientherapie oder Niereninsuffizienz. Kann harmloses Schwarzfärben von Stuhl/Zunge verursachen. |
| Orale Rehydratationssalze | Verschiedene Marken (Elotrans, Oralpädon, Hydralyte) | Gemäß Packungsanweisung | Elektrolytersatz; besonders wichtig bei mäßigem Flüssigkeitsverlust. Erstlinientherapie bei jeder Form von Durchfall. |
| Probiotika | *Saccharomyces boulardii*, *Lactobacillus GG* | Produktspezifisch (typischerweise 250–500 mg oder 10–20 Milliarden KBE täglich) | Können die Dauer um ca. 1 Tag verkürzen [6]. Im Allgemeinen sicher. Wählen Sie Stämme mit klinischer Evidenz. |
| Ballaststoffpräparat (bei chronischem RDS-D) | Flohsamenschalen (Metamucil) | 5–10 g täglich in geteilten Dosen mit Wasser | Quellwirkung kann bei RDS-D zur Stuhlformung beitragen. Niedrig beginnen, langsam steigern. Nicht geeignet bei akutem Durchfall. |
**Wichtig**: Loperamid sollte ohne ärztlichen Rat nicht länger als 2 Tage eingenommen werden. Wenn die Symptome anhalten oder sich verschlimmern, setzen Sie das Medikament ab und konsultieren Sie einen Arzt.
## Verschreibungspflichtige Therapieoptionen
Verschreibungspflichtige Medikamente sind in der Regel spezifischen Diagnosen, schweren Verläufen oder therapierefraktären Fällen vorbehalten.
| Klasse | Beispiel | Indikation | Hinweise für Verordner |
|--------|----------|------------|------------------------|
| Antibiotika | Ciprofloxacin, Azithromycin, Metronidazol, Vancomycin (oral) | Bestätigte bakterielle Infektion, Reisediarrhö (mittelschwer–schwer), *C. difficile* | Die Wahl richtet sich nach dem Erreger. Empirische Antibiotikagabe bei mildem akutem Durchfall generell nicht empfohlen. *C. difficile*: Fidaxomicin oder orales Vancomycin als Erstlinientherapie [4]. |
| Gallensäurebinder | Cholestyramin, Colesevelam | Gallensäuremalabsorption (Diarrhö nach Cholezystektomie, Ileumresektion) | Binden Gallensäuren im Darmlumen. Können die Resorption anderer Medikamente beeinträchtigen. |
| 5-HT3-Antagonisten | Alosetron, Ondansetron | RDS-D (Alosetron eingeschränkt auf Frauen mit schwerem RDS-D); Ondansetron Off-Label-Einsatz | Alosetron birgt Risiko einer ischämischen Kolitis — eingeschränktes Verordnungsprogramm. |
| Peripherer Opioidagonist | Eluxadolin (Viberzi) | RDS-D | Gemischter μ-Opioidrezeptor-Agonist / δ-Opioidrezeptor-Antagonist. Kontraindiziert bei Patienten ohne Gallenblase oder mit Pankreatitis in der Anamnese. |
| Antiphlogistikum | Mesalazin, Budesonid, Prednison | Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, mikroskopische Kolitis | Verordnung durch Gastroenterologen. Budesonid ist Erstlinientherapie bei mikroskopischer Kolitis [2]. |
| Somatostatinanalogon | Octreotid | Sekretorischer Durchfall (Karzinoid, VIPom), therapierefraktäre Fälle | Nur durch Spezialisten. Subkutane Injektion oder Depotpräparat. |
| Motilitätshemmer (verschreibungspflichtig) | Diphenoxylat/Atropin (Lomotil) | Mittelschwerer bis schwerer Durchfall, der auf Loperamid nicht anspricht | Betäubungsmittelrechtlich reguliert. Risiko anticholinerger Nebenwirkungen. |
Die verschreibungspflichtige Durchfallbehandlung sollte stets durch eine sorgfältige diagnostische Abklärung der zugrunde liegenden Ätiologie geleitet werden.
## Typischerweise angeordnete Laboruntersuchungen
Bei schwerem, anhaltendem oder mit besorgniserregenden Merkmalen einhergehendem Durchfall können Ärzte folgende Untersuchungen anordnen:
| Untersuchung | Begründung |
|--------------|------------|
| **Stuhlkultur** | Identifikation bakterieller Erreger (*Salmonella*, *Shigella*, *Campylobacter*, *E. coli*) bei akutem Durchfall mit Fieber oder blutigem Stuhl |
| **Stuhl auf Eier und Parasiten (O&P)** | Nachweis parasitärer Infektionen; indiziert bei persistierendem Durchfall, Reisenden, immunsupprimierten Patienten |
| **Clostridioides-difficile-Toxinnachweis** (PCR oder EIA) | Unerlässlich bei Verdacht auf Antibiotika-assoziierten Durchfall oder kürzlichem Krankenhausaufenthalt |
| **Fäkales Calprotectin** | Unterscheidung zwischen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und funktionellen Störungen (RDS). Erhöhte Werte (>250 μg/g) weisen auf mukosale Entzündung hin [2] |
| **Großes Blutbild** | Erkennung von Anämie (chronischer Blutverlust), Leukozytose (Infektion/Entzündung) oder Eosinophilie (parasitäre/allergische Ursache) |
| **Basislabor (Elektrolyte, Nierenwerte)** | Beurteilung von Elektrolytstörungen (Hypokaliämie, metabolische Azidose) und Nierenfunktion bei Dehydratation |
| **Zöliakie-Serologie** (tTG-IgA) | Screening auf Zöliakie bei chronischem Durchfall — betrifft ca. 1 % der Bevölkerung |
| **Schilddrüsenfunktionstest** (TSH, freies T4) | Hyperthyreose kann sich mit chronischem Durchfall und Gewichtsverlust manifestieren |
| **Fäkale Elastase** | Niedrige Werte (<200 μg/g) weisen auf eine exokrine Pankreasinsuffizienz hin |
| **Osmotische Lücke im Stuhl** | Berechnet aus Stuhlelektrolyten; hilft bei der Unterscheidung zwischen osmotischem (>125 mOsm/kg) und sekretorischem (<50 mOsm/kg) Durchfall |
| **Koloskopie mit Biopsien** | Indiziert bei chronischem Durchfall ohne Ansprechen auf initiale Abklärung, Verdacht auf CED, mikroskopische Kolitis oder zur Darmkrebsvorsorge |
## Besondere Patientengruppen
### Kinder
Durchfall ist weltweit weiterhin eine der Hauptursachen für Morbidität und Mortalität bei Kindern unter 5 Jahren [1]. Wichtige Aspekte:
- Das **Dehydratationsrisiko** ist bei Säuglingen und Kleinkindern aufgrund des höheren Verhältnisses von Körperoberfläche zu Körpergewicht deutlich erhöht
- Die **orale Rehydratationstherapie (ORT)** ist die Hauptbehandlung — die WHO empfiehlt ORS mit reduzierter Osmolarität
- **Stillen fortsetzen** während Durchfallepisoden; Säuglingsnahrung nicht verdünnen
- **Loperamid wird bei Kindern unter 2 Jahren generell NICHT empfohlen** und sollte bei älteren Kindern nur mit Vorsicht (wenn überhaupt) eingesetzt werden — Risiko von Ileus und ZNS-Depression
- **Zinksupplementierung** (10–20 mg/Tag über 10–14 Tage) wird von der WHO für Kinder in ressourcenlimitierten Regionen empfohlen, um Dauer und Schweregrad zu reduzieren [1]
- **Antibiotikaeinsatz** sollte bestätigten spezifischen Erregern vorbehalten sein — Rücksprache mit dem Kinderarzt
- **NICE-Leitlinien** empfehlen die Beurteilung der Dehydratation anhand klinischer Zeichen (verminderte Hautturgor, eingefallene Augen, Bewusstseinsveränderung) und empfehlen bei schwerer Dehydratation eine sofortige Krankenhauseinweisung [8]
*Die pädiatrische Medikamentendosierung sollte immer durch einen Kinderarzt anhand des Körpergewichts und des klinischen Zustands des Kindes festgelegt werden.*
### Schwangerschaft
- Durchfall in der Schwangerschaft kann zu Dehydratation und Elektrolytverschiebungen führen, die das fetale Wohlbefinden beeinträchtigen können
- **Orale Rehydratation** ist Erstlinienmaßnahme und während der gesamten Schwangerschaft sicher
- **Loperamid**: Gilt allgemein als risikoarm (begrenzte Datenlage; keine eindeutige Teratogenität in Humanstudien) — kann kurzzeitig eingesetzt werden, wenn der Nutzen die Risiken überwiegt, nach ärztlicher Einschätzung
- **Bismutsubsalicylat**: Sollte in der Schwangerschaft generell VERMIEDEN werden (Salicylat-Komponente — potenzielle fetale Risiken einschließlich vorzeitigem Verschluss des Ductus arteriosus)
- **Antibiotika**: Die Auswahl muss das Sicherheitsprofil berücksichtigen (Azithromycin wird in der Schwangerschaft generell gegenüber Fluorchinolonen bevorzugt)
- Anhaltender oder blutiger Durchfall in der Schwangerschaft erfordert eine zeitnahe ärztliche Abklärung
- Schwangere sollten vor der Einnahme jeglicher Durchfallmedikamente ihren Gynäkologen oder ihre Hebamme konsultieren
### Ältere Menschen (≥65 Jahre)
- Höheres Risiko für Dehydratation, Elektrolytstörungen und akutes Nierenversagen
- Verminderte physiologische Reserve bedeutet eine schnellere klinische Verschlechterung
- Höhere Prävalenz einer *C.-difficile*-Infektion aufgrund häufigerer Antibiotika- und Krankenhausexposition
- Medikamente, die bei älteren Menschen häufig eingesetzt werden (PPI, Metformin, Laxanzien), können ursächlich sein
- Niedrigere Schwelle für die Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe — eine Abklärung sollte erwogen werden, wenn der Durchfall länger als 48 Stunden anhält
- Überprüfung der Medikamentenliste auf potenziell durchfallverursachende Wirkstoffe
### Sportler
- „Läuferdiarrhö" betrifft bis zu 30–50 % der Ausdauersportler, wahrscheinlich aufgrund verminderter splanchnischer Durchblutung, mechanischer Erschütterung und neuroendokriner Veränderungen während der Belastung
- Kann durch NSAR-Einnahme, Koffein, Energiegels (hohe Osmolarität) und Wettkampfangst verstärkt werden
- Präventionsstrategien: ballaststoff- und fettreiche Nahrung 24 Stunden vor dem Wettkampf vermeiden; den Darm mit wettkampftauglicher Ernährung trainieren; ausreichend, aber nicht übermäßig hydrieren
- Im Allgemeinen gutartig und selbstlimitierend, jedoch sollten anhaltende Symptome abgeklärt werden, um andere Ursachen auszuschließen
## Wann ärztliche Hilfe suchen
Orientieren Sie sich an folgenden Schwellenwerten:
### Selbstbehandlung angemessen
- Leichter, wässriger Durchfall seit <48 Stunden
- Kein Blut im Stuhl
- Orale Flüssigkeitszufuhr möglich
- Kein Fieber oder nur leicht erhöhte Temperatur
- Keine starken Bauchschmerzen
### Zeitnaher Hausarztbesuch
- Durchfall über 3–5 Tage ohne Besserung
- Mäßige Dehydratationszeichen (trockener Mund, verminderte Urinausscheidung, leichter Schwindel)
- Kürzliche Antibiotikatherapie mit neu aufgetretenem Durchfall (mögliche *C.-difficile*-Infektion)
- Chronischer Durchfall (>4 Wochen), der einer Abklärung bedarf
- Durchfall mit mäßigen Bauchschmerzen
- Älterer Patient mit Durchfall >48 Stunden
- Unerklärter Gewichtsverlust begleitend zum Durchfall
### Dringende ärztliche Vorstellung (am selben Tag)
- Durchfall mit Fieber >38,5°C (101.3°F)
- Häufige wässrige Stühle (>6 pro Tag) mit beginnenden Dehydratationszeichen
- Mäßig blutiger Durchfall ohne hämodynamische Instabilität
- Reiserückkehrer mit persistierendem Durchfall und systemischen Symptomen
- Unfähigkeit, orale Flüssigkeit über >12 Stunden zu tolerieren
### Notaufnahme
- Zeichen schwerer Dehydratation: Hypotonie, Tachykardie, Oligurie, Verwirrtheit
- Profuser blutiger Durchfall
- Hohes Fieber (≥39°C / 102.2°F) mit Schüttelfrost
- Starke Bauchschmerzen mit Verdacht auf akutes Abdomen
- Verdacht auf HUS (blutiger Durchfall + Niereninsuffizienz + Anämie)
- Immunsupprimierter Patient mit schwerem Durchfall
- Säuglinge mit mäßiger bis schwerer Dehydratation
- Durchfall mit Synkope oder Präsynkope
## References
[1] World Health Organization. Diarrhoeal disease. WHO Fact Sheet. 2017. Available at: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/diarrhoeal-disease
[2] Schiller LR, Pardi DS, Sellin JH. Chronic Diarrhea: Diagnosis and Management. Clin Gastroenterol Hepatol. 2017;15(2):182-193.e3. PMID:27496381
[3] Riddle MS, DuPont HL, Connor BA. ACG Clinical Guideline: Diagnosis, Treatment, and Prevention of Acute Diarrheal Infections in Adults. Am J Gastroenterol. 2016;111(5):602-622. PMID:27068718
[4] McDonald LC, Gerding DN, Johnson S, et al. Clinical Practice Guidelines for Clostridium difficile Infection in Adults and Children: 2017 Update by IDSA and SHEA. Clin Infect Dis. 2018;66(7):e1-e48. PMID:29462280
[5] DuPont HL. Acute infectious diarrhea in immunocompetent adults. N Engl J Med. 2014;370(16):1532-1540. PMID:24738670
[6] Allen SJ, Martinez EG, Gregorio GV, Dans LF. Probiotics for treating acute infectious diarrhoea. Cochrane Database Syst Rev. 2010;(11):CD003048. PMID:21069673
[7] U.S. Food and Drug Administration. FDA Drug Safety Communication: FDA warns about serious heart problems with high doses of the antidiarrheal medicine loperamide (Imodium). 2016. Available at: https://www.fda.gov/drugs/drug-safety-and-availability/fda-drug-safety-communication-fda-warns-about-serious-heart-problems-high-doses-antidiarrheal
[8] National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Diarrhoea and vomiting caused by gastroenteritis in under 5s: diagnosis and management. Clinical guideline CG84. 2009 (updated 2017).
[9] Guerrant RL, Van Gilder T, Steiner TS, et al. Practice Guidelines for the Management of Infectious Diarrhea. Clin Infect Dis. 2001;32(3):331-351. PMID:11170940
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*Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Konsultieren Sie stets einen qualifizierten Arzt oder Apotheker für die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen.*