## Überblick
Kopfschmerzen (ICD-10: R51) gehören weltweit zu den häufigsten Schmerzbeschwerden. Sie werden allgemein als jede Art von Schmerz im Bereich des Kopfes oder oberen Nackens definiert und können von einem leichten, dumpfen Druckgefühl bis zu einer schweren, beeinträchtigenden Episode reichen, die den Alltag erheblich einschränkt. Laut der Global Burden of Disease Study zählen Spannungskopfschmerzen und Migräne zu den zehn häufigsten Ursachen für Behinderungen weltweit und betreffen jährlich mehr als 3 Milliarden Menschen [1]. Allein in den Vereinigten Staaten machen Kopfschmerzen etwa 2 % aller Notaufnahmebesuche aus und sind der vierthäufigste Vorstellungsgrund in hausärztlichen Praxen.
Menschen suchen aus mehreren Gründen nach Informationen über Kopfschmerzen: um festzustellen, ob ihre Kopfschmerzen „normal" sind oder auf etwas Ernstes hindeuten, um wirksame Selbsthilfemaßnahmen zu finden und um zu entscheiden, ob ein Arztbesuch notwendig ist. Da die Differenzialdiagnose von Kopfschmerzen vom harmlosen Spannungskopfschmerz bis hin zu lebensbedrohlichen Erkrankungen wie der Subarachnoidalblutung reicht, ist eine evidenzbasierte Orientierung unerlässlich.
Dieser Artikel bietet einen umfassenden, klinisch geprüften Überblick über Kopfschmerzen — einschließlich häufiger Ursachen, Warnsignale (Red Flags), Selbsthilfemaßnahmen, rezeptfreier und verschreibungspflichtiger Therapieoptionen, relevanter Laboruntersuchungen, Besonderheiten bei speziellen Patientengruppen und klarer Hinweise, wann eine weiterführende Versorgung erforderlich ist.
## Häufige Ursachen
Die Internationale Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen, 3. Ausgabe (ICHD-3), unterteilt Kopfschmerzen in primäre Kopfschmerzerkrankungen (ohne zugrunde liegende strukturelle Ursache) und sekundäre Kopfschmerzen (als Folge einer anderen Erkrankung) [2]. Im Folgenden werden die häufigsten Ursachen, grob nach Prävalenz geordnet, dargestellt.
### Primäre Kopfschmerzen
**1. Spannungskopfschmerz**
Der Spannungskopfschmerz ist der häufigste primäre Kopfschmerz und betrifft bis zu 78 % der Allgemeinbevölkerung im Laufe des Lebens. Der Schmerz ist typischerweise bilateral, drückend oder ziehend („bandförmig"), von leichter bis mittlerer Intensität und dauert 30 Minuten bis mehrere Tage. Die Pathophysiologie ist nicht vollständig geklärt, es wird jedoch angenommen, dass bei der episodischen Form eine periphere myofasziale Nozizeption (perikranielle Muskelempfindlichkeit) und bei der chronischen Form eine zentrale Sensibilisierung der Schmerzbahnen beteiligt ist [3]. Stress, schlechte Körperhaltung, Schlafmangel und Augenbelastung sind häufige Auslöser.
**2. Migräne**
Migräne betrifft etwa 12–15 % der Erwachsenen und tritt bei Frauen dreimal häufiger auf als bei Männern. Sie ist gekennzeichnet durch mäßig starke bis starke, einseitige, pulsierende Schmerzen über 4–72 Stunden, häufig begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Photophobie und Phonophobie. Etwa ein Drittel der Migränepatienten erlebt eine Aura — vorübergehende visuelle, sensorische oder sprachliche Störungen vor dem Kopfschmerz. Das aktuelle Verständnis der Migräne-Pathophysiologie konzentriert sich auf die kortikale Streudepolarisation (für die Aura) und die Aktivierung des trigeminovaskulären Systems, wobei das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) eine Schlüsselrolle in der Schmerzsignalübertragung spielt [2].
**3. Clusterkopfschmerz**
Der Clusterkopfschmerz ist seltener (Prävalenz ~0,1 %), aber extrem heftig. Er zeigt sich als streng einseitiger, orbitaler oder periorbitaler stechender Schmerz von 15–180 Minuten Dauer, der in Clustern (Episoden) über Wochen bis Monate auftritt. Ipsilaterale autonome Begleitsymptome — Lakrimation, konjunktivale Injektion, Nasenkongestion, Ptosis — sind charakteristisch. Eine hypothalamische Aktivierung wird als Ursache der zirkadianen und zirkannualen Periodizität angenommen.
**4. Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch (MÜK)**
MÜK entsteht, wenn akute Kopfschmerzmedikamente (Analgetika, Triptane, Opioide oder Kombinationspräparate) an ≥10–15 Tagen pro Monat über mehr als 3 Monate eingenommen werden. Paradoxerweise unterhalten genau die Medikamente, die den Kopfschmerz lindern sollen, einen Teufelskreis chronischer täglicher Kopfschmerzen durch zentrale Sensibilisierung und veränderte Schmerzmodulation.
### Sekundäre Kopfschmerzen
**5. Zervikogener Kopfschmerz**
Ausgehend von Strukturen der Halswirbelsäule (Facettengelenke, Bandscheiben, obere zervikale Nervenwurzeln) zeigt sich der zervikogene Kopfschmerz typischerweise als einseitiger Schmerz, der vom Nacken in die Stirn- oder Schläfenregion ausstrahlt und häufig durch Kopfbewegungen oder anhaltende Haltungen verstärkt wird.
**6. Sinuskopfschmerz**
Ein echter Sinuskopfschmerz resultiert aus einer akuten bakteriellen oder viralen Sinusitis und äußert sich als Druckgefühl und Schmerz über dem betroffenen Sinus, verstärkt durch Vornüberbeugen, begleitet von Nasenkongestion, purulentem Ausfluss und gelegentlich Fieber. Wichtig ist, dass viele selbstdiagnostizierte „Sinuskopfschmerzen" tatsächlich Migräne sind — Studien deuten darauf hin, dass bis zu 88 % der Patienten mit vermeintlichem Sinuskopfschmerz die ICHD-Kriterien für Migräne erfüllen [2].
**7. Systemische und metabolische Ursachen**
Kopfschmerzen können sekundär auftreten bei Fieber, Dehydratation, Hypoglykämie, Hypertonie (insbesondere hypertensiver Notfall mit systolischem Blutdruck >180 mmHg), Anämie, Koffeinentzug, Kohlenmonoxidexposition oder Virusinfektionen. In diesen Fällen führt die Behandlung der Grunderkrankung in der Regel zur Besserung der Kopfschmerzen.
**8. Schwerwiegende intrakranielle Ursachen**
Obwohl selten, können Kopfschmerzen auf eine Subarachnoidalblutung, Meningitis, einen Hirntumor, eine zerebrale Sinusvenenthrombose, eine Riesenzellarteriitis oder ein akutes Engwinkelglaukom hinweisen. Diese Erkrankungen erfordern eine notfallmäßige Abklärung.
## WARNSIGNALE (RED FLAGS)
Die folgenden Warnsignale — manchmal mit der Eselsbrücke **SNOOP4** zusammengefasst — erfordern eine sofortige ärztliche Abklärung (Notaufnahme oder Notruf 112/911) [6]:
- **„Donnerschlagkopfschmerz"** — plötzlicher, heftiger Kopfschmerz, der innerhalb von Sekunden bis einer Minute seine maximale Intensität erreicht (gilt bis zum Beweis des Gegenteils als Hinweis auf eine Subarachnoidalblutung)
- **Der schlimmste Kopfschmerz Ihres Lebens** — insbesondere wenn er sich von bisherigen Kopfschmerzen unterscheidet
- **Erstmaliger Kopfschmerz nach dem 50. Lebensjahr** — Verdacht auf Riesenzellarteriitis, Raumforderung oder andere sekundäre Ursache
- **Kopfschmerz mit Fieber, Nackensteifigkeit und Hautausschlag** — klassische Trias der Meningitis
- **Kopfschmerz mit neurologischen Defiziten** — Schwäche, Taubheit, Sehverlust, Sprachstörungen, Verwirrtheit, Krampfanfall oder Bewusstseinsstörung
- **Kopfschmerz nach Kopftrauma** — auch bei leichtem Trauma, insbesondere bei Verschlechterung oder in Verbindung mit Erbrechen oder zunehmender Schläfrigkeit
- **Kopfschmerz mit Papillenödem** — Schwellung der Papille als Hinweis auf erhöhten intrakraniellen Druck
- **Progredienter Kopfschmerz**, der sich über Tage bis Wochen verschlechtert, insbesondere bei morgendlicher Verstärkung oder Aggravation durch Valsalva-Manöver (Husten, Pressen)
- **Kopfschmerz bei immunsupprimierten Patienten** — HIV, Organtransplantation, Chemotherapie
- **Kopfschmerz mit Augenrötung, Lichthöfen um Lichtquellen und Sehverschlechterung** — möglicher Hinweis auf ein akutes Engwinkelglaukom
- **Erstmaliger Kopfschmerz in der Schwangerschaft oder im Wochenbett** — möglicher Hinweis auf Präeklampsie, zerebrale Venenthrombose oder posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom (PRES)
> **Wichtig:** Falls eines dieser Warnsignale vorliegt, versuchen Sie KEINE Selbstbehandlung. Suchen Sie sofort notfallmedizinische Hilfe auf.
## Selbsthilfe zu Hause
Bei leichten bis mittelschweren Spannungskopfschmerzen oder Migräneepisoden ohne Warnsignale können die folgenden evidenzbasierten, nicht-medikamentösen Strategien hilfreich sein:
**1. Ruhe in einem ruhigen, abgedunkelten Raum**
Die Reduktion sensorischer Reize (Licht und Lärm) ist ein grundlegender Schritt in der akuten Migränebehandlung und kann auch Spannungskopfschmerzen lindern.
**2. Kalte oder warme Kompresse**
Das Auflegen einer Kühlkompresse auf Stirn oder Schläfen für 15–20 Minuten kann Migräneschmerzen durch lokale Vasokonstriktion und verminderte Nervenleitgeschwindigkeit reduzieren. Manche Betroffene mit Spannungskopfschmerz bevorzugen eine warme Kompresse auf Nacken und Schultern zur Entspannung verspannter Muskulatur.
**3. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr**
Dehydratation ist ein anerkannter Kopfschmerzauslöser. Eine kleine randomisierte Studie zeigte, dass eine Erhöhung der Wasserzufuhr um 1,5 L/Tag die Kopfschmerzintensität und -dauer bei Personen mit häufigen Kopfschmerzen reduzierte.
**4. Stressmanagement und Entspannungstechniken**
Progressive Muskelentspannung, Atemübungen und achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR) haben nachweislich positive Effekte auf Häufigkeit und Intensität von Spannungskopfschmerzen. Ein Cochrane-Review ergab, dass auch Akupunktur als präventive Strategie bei Spannungskopfschmerzen nützlich sein kann [7].
**5. Regelmäßige Schlafhygiene**
Sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf kann Kopfschmerzen auslösen. Ein konstanter Schlaf-Wach-Rhythmus (7–9 Stunden für Erwachsene) wird allgemein empfohlen.
**6. Koffein — in Maßen**
Eine geringe Menge Koffein (z. B. 65–200 mg, etwa ein bis zwei Tassen Kaffee) kann die analgetische Wirksamkeit verstärken und zur Kopfschmerzlinderung beitragen. Ein gewohnheitsmäßiger Konsum von mehr als 200 mg/Tag erhöht jedoch das Risiko für Koffeinentzugskopfschmerz und Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch.
**7. Pfefferminzöl**
Die topische Anwendung einer 10%igen Pfefferminzöl-Lösung auf den Schläfen hat in kleinen Studien eine mit 1.000 mg Acetaminophen vergleichbare Reduktion der Spannungskopfschmerzintensität gezeigt.
**8. Bildschirmzeit begrenzen und Ergonomie optimieren**
Längere Bildschirmarbeit und schlechte Körperhaltung tragen zu Augenbelastung und zervikogenem Kopfschmerz bei. Die 20-20-20-Regel (alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf einen Punkt in 6 Meter Entfernung schauen) kann damit verbundene Kopfschmerzen reduzieren.
## Rezeptfreie Medikamente
Rezeptfreie Analgetika sind die Erstlinientherapie für episodische Spannungskopfschmerzen und leichte bis mittelschwere Migräne. Es ist entscheidend, die Anwendung auf weniger als 10–15 Tage pro Monat zu begrenzen, um einen Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch zu vermeiden.
| Wirkstoffklasse | Beispiel | Typische Erwachsenendosis | Hinweise |
|---|---|---|---|
| **Acetaminophen (Paracetamol)** | Tylenol | 500–1.000 mg alle 4–6 Stunden (max. 3.000 mg/Tag; einige Leitlinien erlauben bei gesunden Erwachsenen bis zu 4.000 mg) | Erstlinientherapie bei Spannungskopfschmerz. Kontraindiziert bei Leberinsuffizienz oder Alkoholkonsum (>3 Getränke/Tag). Ein Cochrane-Review bestätigte die Wirksamkeit bei episodischem Spannungskopfschmerz (NNT ≈ 10 für Schmerzfreiheit nach 2 Stunden) [4]. |
| **Ibuprofen** (NSAR) | Advil, Motrin | 200–400 mg alle 4–6 Stunden (max. 1.200 mg/Tag rezeptfrei) | Wirksam bei Spannungskopfschmerz und Migräne. Kontraindiziert bei Niereninsuffizienz, peptischem Ulkus oder im dritten Trimenon der Schwangerschaft. Mit Nahrung einnehmen. |
| **Naproxen-Natrium** (NSAR) | Aleve | Initial 220–440 mg, dann 220 mg alle 8–12 Stunden (max. 660 mg/Tag rezeptfrei) | Längere Wirkdauer als Ibuprofen; kann bevorzugt werden, wenn Kopfschmerzen zum Wiederauftreten neigen. Gleiche gastrointestinale und renale Vorsichtsmaßnahmen wie bei Ibuprofen. |
| **Aspirin** (NSAR/Salicylat) | Bayer, Bufferin | 500–1.000 mg alle 4–6 Stunden (max. 4.000 mg/Tag) | Wirksam bei Spannungskopfschmerz und Migräne. Kontraindiziert bei Kindern und Jugendlichen (Reye-Syndrom-Risiko). Nicht mit Antikoagulanzien kombinieren. |
| **Aspirin + Acetaminophen + Koffein** | Excedrin Extra Strength | 2 Tabletten (250 mg Aspirin/250 mg Paracetamol/65 mg Koffein) alle 6 Stunden (max. 8 Tabletten/Tag) | FDA-zugelassen bei Migräne. Eine gut gepowerte RCT zeigte eine Überlegenheit gegenüber Placebo und den Einzelkomponenten bei leichter bis mittelschwerer Migräne [5]. |
> **Vorsicht:** NSAR bergen kardiovaskuläre Risiken (erhöhtes Risiko für Myokardinfarkt und Schlaganfall bei Langzeitanwendung), gastrointestinale Risiken (Ulzeration, Blutung) und renale Risiken. Acetaminophen birgt bei supratherapeutischen Dosen ein hepatotoxisches Risiko. Lesen Sie stets die Packungsbeilage und konsultieren Sie einen Apotheker oder Arzt, wenn Sie andere Medikamente einnehmen.
## Verschreibungspflichtige Therapieoptionen
Eine verschreibungspflichtige Therapie ist in der Regel angezeigt, wenn Kopfschmerzen mittelschwer bis schwer sind, nicht auf rezeptfreie Maßnahmen ansprechen, häufig auftreten (≥4 Kopfschmerztage/Monat bei Migräne) oder die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
### Akuttherapie (Abortivtherapie)
| Wirkstoffklasse | Beispiel | Typische Erwachsenendosis | Hinweise |
|---|---|---|---|
| **Triptane** (5-HT1B/1D-Agonisten) | Sumatriptan (Imitrex), Rizatriptan (Maxalt), Eletriptan (Relpax) | Sumatriptan 50–100 mg p.o.; Wiederholung nach 2 Stunden möglich (max. 200 mg/Tag) | Erstlinientherapie bei mittelschwerer bis schwerer Migräne. Kontraindiziert bei unkontrollierter Hypertonie, KHK, Schlaganfall in der Anamnese. Verordnung durch Hausarzt, Neurologie [5]. |
| **Ergotaminderivate** | Dihydroergotamin (DHE-45, Migranal Nasenspray) | DHE 1 mg i.m./s.c. oder Nasenspray | Einsatz bei Triptan-Versagen; gleiche vaskuläre Kontraindikationen. In der Regel neurologische Verordnung. |
| **Gepante** (CGRP-Rezeptorantagonisten) | Ubrogepant (Ubrelvy), Rimegepant (Nurtec ODT) | Ubrogepant 50–100 mg p.o.; Rimegepant 75 mg p.o. | Neuere Wirkstoffklasse; keine vasokonstriktiven Effekte, daher bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren einsetzbar. Verordnung durch Hausarzt oder Neurologie. |
| **Ditane** (5-HT1F-Agonisten) | Lasmiditan (Reyvow) | 50–200 mg p.o. | Keine vasokonstriktiven Eigenschaften; kann Schwindel/Sedierung verursachen. DEA Schedule V. Verordnung durch Neurologie. |
| **Verschreibungspflichtige NSAR** | Ketorolac (Toradol) | 10 mg p.o. oder 30–60 mg i.m. (Notaufnahme) | Häufig für akute Kopfschmerzen in der Notaufnahme; auf 5 Tage begrenzt wegen gastrointestinalem und renalem Risiko. |
| **Antiemetika** | Metoclopramid, Prochlorperazin | Variiert je nach Präparat | Häufig als Begleittherapie oder Monotherapie bei Migräne in der Notaufnahme eingesetzt, insbesondere bei ausgeprägter Übelkeit. |
### Prophylaktische (vorbeugende) Therapie
Eine prophylaktische Therapie wird in der Regel erwogen, wenn Kopfschmerzen an ≥4 Tagen/Monat auftreten, erheblich beeinträchtigend sind oder Akutmedikamente übermäßig eingesetzt werden bzw. kontraindiziert sind.
| Wirkstoffklasse | Beispiel | Typische Erwachsenendosis | Hinweise |
|---|---|---|---|
| **Betablocker** | Propranolol, Metoprolol | Propranolol 40–240 mg/Tag in geteilten Dosen | Gut etabliert zur Migräneprophylaxe. Kontraindiziert bei Asthma, Bradykardie. |
| **Trizyklische Antidepressiva** | Amitriptylin | 10–75 mg zur Nacht | Wirksam zur Prophylaxe von Migräne und Spannungskopfschmerz. Anticholinerge Nebenwirkungen (Mundtrockenheit, Sedierung, Gewichtszunahme). |
| **Antiepileptika** | Topiramat, Valproat | Topiramat 25–100 mg/Tag; Valproat 500–1.500 mg/Tag | Topiramat kann kognitive Störungen, Gewichtsverlust und Nierensteine verursachen. Valproat ist teratogen — in der Schwangerschaft kontraindiziert. |
| **CGRP-monoklonale Antikörper** | Erenumab (Aimovig), Fremanezumab (Ajovy), Galcanezumab (Emgality) | Erenumab 70–140 mg s.c. monatlich | Neueste Wirkstoffklasse mit günstigem Nebenwirkungsprofil. Verordnung durch Neurologie oder Kopfschmerzspezialisten. |
| **OnabotulinumtoxinA** | Botox | 155–195 Einheiten i.m. an 31–39 Injektionsstellen alle 12 Wochen | FDA-zugelassen ausschließlich für chronische Migräne (≥15 Kopfschmerztage/Monat). Verabreichung durch Neurologie. |
| **SNRI** | Venlafaxin | 75–150 mg/Tag | Kann zur Migräneprophylaxe erwogen werden, insbesondere bei Patienten mit komorbider Depression. |
## Üblicherweise angeordnete Laboruntersuchungen
Kopfschmerz ist primär eine klinische Diagnose. Labor- und bildgebende Untersuchungen werden angeordnet, um sekundäre Ursachen auszuschließen, wenn Warnsignale vorliegen oder das Kopfschmerzmuster atypisch ist.
| Untersuchung | Begründung |
|---|---|
| **Großes Blutbild (CBC)** ([/tests/complete-blood-count](/tests/complete-blood-count)) | Screening auf Anämie, Infektion oder hämatologische Auffälligkeiten als Kopfschmerzursache |
| **Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und C-reaktives Protein (CRP)** ([/tests/esr](/tests/esr), [/tests/c-reactive-protein](/tests/c-reactive-protein)) | Erhöht bei Riesenzellarteriitis; sollte bei jedem Patienten >50 Jahre mit neu aufgetretenen Kopfschmerzen und Druckschmerzhaftigkeit der Temporalarterie bestimmt werden |
| **Basislaborprofil (BMP)** ([/tests/basic-metabolic-panel](/tests/basic-metabolic-panel)) | Beurteilung von Nierenfunktion, Elektrolyten, Glukose — Dehydratation, Hypoglykämie oder metabolische Entgleisungen können Kopfschmerzen verursachen |
| **Schilddrüsenfunktion (TSH)** ([/tests/thyroid-stimulating-hormone](/tests/thyroid-stimulating-hormone)) | Sowohl Hypothyreose als auch Hyperthyreose können zu Kopfschmerzen beitragen |
| **Lumbalpunktion (LP)** | Indiziert bei Verdacht auf Meningitis, Subarachnoidalblutung (bei negativem CT) oder idiopathische intrakranielle Hypertension; Messung des Eröffnungsdrucks und der Liquorzusammensetzung |
| **Schädel-CT (nativ)** | Erstlinien-Notfallbildgebung bei Donnerschlagkopfschmerz zum Ausschluss einer Subarachnoidalblutung |
| **MRT des Schädels mit/ohne Kontrastmittel** | Überlegene Weichteilauflösung; Einsatz zur Abklärung von Raumforderungen, Sinusvenenthrombose, Chiari-Malformation oder Pathologien der hinteren Schädelgrube |
| **CT-/MR-Angiographie** | Beurteilung von Aneurysma, Dissektion oder Vaskulitis bei Verdacht auf vaskuläre Ätiologie |
## Besondere Patientengruppen
### Kinder und Jugendliche
Kopfschmerzen sind im Kindesalter häufig, wobei die Prävalenz im Jugendalter zunimmt. Migräne ist die häufigste primäre Kopfschmerzerkrankung, die bei pädiatrischen Patienten ärztlicher Behandlung bedarf.
- **Acetaminophen (Paracetamol)** und **Ibuprofen** sind die rezeptfreien Erstlinientherapien. Die Dosierung sollte gewichtsbasiert und durch einen Kinderarzt oder Apotheker angeleitet erfolgen — **extrapolieren Sie keine Erwachsenendosen auf Kinder**.
- **Aspirin ist kontraindiziert** bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wegen des Risikos eines Reye-Syndroms.
- **Triptane**: Einige Triptane (z. B. Almotriptan ab ≥12 Jahren, Rizatriptan ab ≥6 Jahren) sind für die pädiatrische Anwendung zugelassen; die Verordnung sollte durch einen Kinderneurologen erfolgen.
- Nicht-medikamentöse Ansätze (Schlafhygiene, Flüssigkeitszufuhr, Stressbewältigung, Begrenzung der Bildschirmzeit) sind in dieser Altersgruppe besonders wichtig.
- Kinder mit Kopfschmerzen in Kombination mit Erbrechen, Bewusstseinsstörung oder progressiver Verschlechterung benötigen eine dringende Bildgebung zum Ausschluss eines Tumors der hinteren Schädelgrube.
### Schwangerschaft und Stillzeit
Die Kopfschmerzbehandlung in der Schwangerschaft erfordert eine sorgfältige Medikamentenauswahl:
- **Acetaminophen (Paracetamol)** gilt allgemein als das sicherste Analgetikum in der Schwangerschaft und ist das bevorzugte Erstlinienmittel.
- **NSAR (Ibuprofen, Naproxen)**: In der Schwangerschaft generell zu vermeiden. Im zweiten Trimenon können sie unter ärztlicher Aufsicht mit Vorsicht eingesetzt werden, sind aber im **dritten Trimenon kontraindiziert** wegen des Risikos eines vorzeitigen Verschlusses des Ductus arteriosus und eines Oligohydramnions (FDA-Warnung).
- **Aspirin**: Niedrig dosiertes Aspirin (81 mg) kann zur Präeklampsie-Prophylaxe nach Anweisung des Gynäkologen eingesetzt werden, analgetische Dosen sollten jedoch generell vermieden werden.
- **Triptane**: Begrenzte Schwangerschaftsdaten. Sumatriptan weist die umfangreichsten Sicherheitsdaten auf und kann erwogen werden, wenn der Nutzen die Risiken überwiegt; die Entscheidung sollte gemeinsam mit dem verordnenden Arzt getroffen werden.
- **Ergotamine**: In der Schwangerschaft **absolut kontraindiziert** (uterotone Wirkung).
- **Prophylaktische Therapien**: Propranolol kann mit Vorsicht eingesetzt werden; Topiramat und Valproat sind **teratogen und kontraindiziert**.
- **Warnsignal**: Neue oder zunehmende Kopfschmerzen im zweiten oder dritten Trimenon, insbesondere mit Hypertonie, Sehstörungen oder Ödemen, können auf eine **Präeklampsie** hinweisen und erfordern eine sofortige geburtshilfliche Abklärung.
### Ältere Patienten (≥65 Jahre)
- Erstmalig auftretende Kopfschmerzen in dieser Altersgruppe erfordern stets eine gründliche Abklärung zum Ausschluss sekundärer Ursachen, insbesondere **Riesenzellarteriitis (Arteriitis temporalis)**, Raumforderung, subdurales Hämatom und Medikamentennebenwirkungen.
- **NSAR-Anwendung** birgt bei älteren Patienten ein erhöhtes Risiko für gastrointestinale Blutungen, Niereninsuffizienz und kardiovaskuläre Ereignisse. Verwenden Sie die niedrigste wirksame Dosis für die kürzeste Dauer.
- **Acetaminophen (Paracetamol)** wird allgemein bevorzugt, die Leberfunktion sollte jedoch beurteilt und die maximale Tagesdosis gegebenenfalls reduziert werden (z. B. ≤2.000 mg/Tag bei gebrechlichen älteren Patienten oder bei Leberinsuffizienz).
- **Triptane** sollten wegen kardiovaskulärer Komorbiditäten mit Vorsicht eingesetzt werden; Gepante können eine sicherere Alternative darstellen.
- Polypharmazie ist häufig — überprüfen Sie stets mögliche Arzneimittelinteraktionen, bevor Sie Kopfschmerzmedikamente hinzufügen.
### Sportler
- **Belastungskopfschmerz** ist bei Sportlern häufig und in der Regel gutartig, sollte aber beim erstmaligen Auftreten abgeklärt werden, um eine Subarachnoidalblutung oder arterielle Dissektion auszuschließen.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, schrittweises Aufwärmen sowie Akklimatisierung an Hitze und Höhe können Belastungskopfschmerzen reduzieren.
- **Postkommotioneller Kopfschmerz** ist in Kontaktsportarten verbreitet. Sportler mit Kopfschmerzen nach einem Kopfaufprall sollten sofort aus dem Spiel genommen und gemäß Gehirnerschütterungsprotokollen (z. B. SCAT6) untersucht werden. Die Entscheidung über die Rückkehr zum Sport sollte durch einen Sportmediziner oder Gehirnerschütterungsspezialisten getroffen werden.
- NSAR und Acetaminophen (Paracetamol) können zur akuten Linderung eingesetzt werden; eine häufige Anwendung während Trainingsphasen sollte jedoch wegen des Risikos eines Kopfschmerzes bei Medikamentenübergebrauch und renaler NSAR-Nebenwirkungen bei intensiver Belastung vermieden werden.
## Wann weiterführende Versorgung suchen
Verwenden Sie die folgenden Schwellenwerte, um die angemessene Versorgungsebene zu bestimmen:
### Notruf 112 / Notaufnahme aufsuchen
- Donnerschlagkopfschmerz (maximale Intensität in <1 Minute)
- Kopfschmerz mit Fieber, Nackensteifigkeit, petechialem Exanthem
- Kopfschmerz mit neurologischen Defiziten (Schwäche, Sehverlust, Verwirrtheit, Krampfanfall)
- Kopfschmerz nach schwerem Kopftrauma, insbesondere mit Bewusstseinsverlust, wiederholtem Erbrechen oder zunehmender Schläfrigkeit
- Kopfschmerz mit plötzlicher schwerer Hypertonie (systolisch >180 mmHg)
- Erstmaliger Kopfschmerz in der Schwangerschaft mit Sehstörungen oder erhöhtem Blutdruck
### Noch am selben oder nächsten Tag zum Hausarzt / in die Notfallpraxis
- Neues Kopfschmerzmuster, das sich deutlich von bisherigen Kopfschmerzen unterscheidet
- Kopfschmerz, der nach 48–72 Stunden nicht auf übliche rezeptfreie Behandlung anspricht
- Kopfschmerz mit niedrigem Fieber ohne erkennbare Ursache
- Erstmaliger Kopfschmerz bei einem Patienten über 50 Jahre
- Kopfschmerz mit Kieferclaudicatio oder Druckschmerzhaftigkeit der Kopfhaut (Verdacht auf Riesenzellarteriitis — eine Temporalarterienbiopsie sollte innerhalb weniger Tage durchgeführt werden)
### Geplanter Termin beim Hausarzt oder Neurologen
- Kopfschmerzen an ≥4 Tagen pro Monat mit Beeinträchtigung der Lebensqualität
- Notwendigkeit einer Evaluation zur prophylaktischen Therapie
- Verdacht auf Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch (Einnahme von Akutmedikamenten an ≥10–15 Tagen/Monat)
- Kopfschmerzen, die trotz angemessener rezeptfreier Therapie nicht ausreichend kontrolliert sind
- Wunsch nach Überweisung an einen Kopfschmerzspezialisten oder eine interdisziplinäre Schmerzambulanz
> **Haftungsausschluss:** Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie stets eine qualifizierte medizinische Fachperson für eine auf Ihre individuelle Situation zugeschnittene Beratung.
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